Morane-Saulnier L

Französischer zweisitziger Eindecker aus dem 1. Weltkrieg und erstes Flugzeug, welches mit einem Bug-MG bewaffnet war.
Geschichte, Entwicklung, Einsatz, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

Garros mit seiner Morane-Saulnier L mit Abweisblechen

Roland Garros (mit Baskenmütze) mit seiner Morane-Saulnier L mit Abweisblechen am Propeller, welches den Einbau eines Bug-Maschinengewehrs erlaubte.

Morane-Saulnier L, LA, P
Typ: Zweisitziger Aufklärer und leichter Bomber.

Geschichte

Über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten produzierte Morane-Saulnier eine Reihe von Eindeckern mit sogenannten Sonnenschirm-Flügeln. Der erste von diesen war der 1913 erschienene Typ L, dessen militärische Bezeichnung MoS.3 war.

Dies war ein einfaches und ziemlich zerbrechlich wirkendes Flugzeug mit einem kastenförmigen Rumpf und einem 80-PS-Gnome oder Le Rhone 9C Rotationsmotor in einer hufeisenförmigen Motorhaube. Die Seitenkontrolle erfolgte durch das verziehen der Flügel.

Bei Kriegsausbruch wurde die Morane-Saulnier L in großen Stückzahlen bestellt, um für Aufklärungsaufgaben verwendet zu werden. Da das Flugzeug aber deutlich schneller als die eingesetzten deutschen Zweisitzer war, wurden die Besatzungen ermutigt, Schusswaffen in ihrem Cockpit mitzuführen. Am häufigsten wurde der Kavallerie-Karabiner als Waffe verwendet, welcher tatsächlich beachtenswerte Erfolge erzielte.

französische Flieger-Ass Georges Guynemer

Das französische Flieger-Ass Georges Guynemer (zweiter von rechts) vor seinem Morane-Saulnier L Jäger.

Frankreich Flieger-Ass Guynemer erzielte im Juli 1915 in einer Morane-Saulnier L seinen ersten Abschuss.

Es war ein Morane-Saulnier Typ L, welcher ungewollt die ‘Fokker-Plage‘ von 1915/16 herbeiführte.
Rund zwei Monate vor Kriegsausbruch hatte Raymond Saulnier mit einem Unterbrechermechanismus experimentiert, damit ein vor dem Piloten angebrachtes Maschinengewehr zwischen den rotierenden Propellerblättern hindurch schießen kann, ohne diese zu beschädigen. Er erzielte damit begrenzte Fortschritte bei Testversuchen auf dem Boden und am Ende des Jahres erhielt er Unterstützung von dem französischen Piloten Roland Garros. Dieser bestückte die Rotorblätter mit Stahl-Ablenkplatten, damit die Kugeln, welche den Propeller trafen, zur Seite abgelenkt werden.

Im März 1915 kehrte Garros dann zu seiner Einheit MS.26 zurück und brachte eine Morane-Saulnier L mit, welche mit einem nach vorne feuernden 8-mm-Hotchkiss-Maschinengewehr und Abweisblech an den Propellerblättern ausgestattet war.
Garros nutze schnell den Überraschungseffekt seiner einzigartigen Waffe aus und erzielte in den ersten drei Wochen des Aprils drei Luftsiege. Am 18. April 1915 jedoch mußte er hinter den deutschen Linien notlanden und konnte sein Flugzeug nicht mehr zerstören, bevor er gefangengenommen wurde. Dieser Vorfall war der Ausgangspunkt, was in dem erfolgreichen Unterbrechergetriebe der Fokker-Ingenieure endete und welches noch im gleichen Jahr mit dem Eindecker Fokker E von den Deutschen zum Einsatz gebracht wurde.

Morane Saulnier Typ L (Parasol)

Die Morane-Saulnier Typ L hat in der vorgesehenen Rolle als Aufklärer hervorragende Dienste geleistet und wurde auch für Angriffe mit leichten Bomben und das Absetzen von Agenten hinter den feindlichen Linien verwendet.
Fast sechshundert Morane-Saulnier L wurden gebaut, welche vom französischen Aviation Militaire, der 3. Staffel des Royal Flying Corps und des 1. Wing des Royal Navy Air Service an der Westfront, sowie beim 2. Wing des RNAS in der Ägäis und auch von den zaristischen Luftstreitkräften Russlands verwendet wurden.

Es war eine Morane-Saulnier L des Piloten Unterleutnant R.A.J. Warneford des Royal Navy Air Service (RNAS), welcher als erstes einen Zeppelin in der Luft zerstörte und dafür mit dem Victoria Cross ausgezeichnet wurde. Für die Zerstörung von LZ 37 verwendete er sechs 11,3-kg-Bomben, was die übliche Zuladung war, wenn eine Morane-Saulnier L für einen Bombeneinsatz verwendet wurde.

Typ LA

Eine weiterentwickelte Version der Morane-Saulnier, der Typ LA, erschien im Jahr 1914. Diese hatte einen abgerundeten Rumpf, eine Querrudersteuerung, kleine Flossen oberhalb und unterhalb des hinteren Rumpfes und eine Luftschraube. Das Flugzeug hatte die militärische Bezeichnung MoS.4.
Die MoS.4 scheint nur verhältnismäßig wenig von den Franzosen eingesetzt worden zu sein, wenn sie auch bis zum Eintreffen der Nieuport XI in kleineren Zahlen verwendet wurde.
Vierundzwanzig LA wurden an das Royal Flying Corps abgegeben, wo sie bei der 1. und 3. Squadron von 1916 bis 1917 verwendet wurden.

Typ P

Eine mehr verbreitete Version war der Typ P, welcher im Grunde eine vergrößerte LA mit mehr Leistung war, die ein Lewis-MG im hinteren Cockpit hatte und bei späteren Flugzeugen dazu ein synchronisiertes, vorwärts feuerndes Vickers-MG.
Der Typ P erschien in zwei Varianten: die MoS.21 mit einem Le Rhone 9J und die MoS.26 mit einem Le Rhone 9JB-Motor. Wie der Typ L und LA, war auch die P ein Zweisitzer und wurde von der französischen Aviation Militaire und dem britischen Royal Flying Corps von 1916 bis 1917 verwendet. 565 Morane-Saulnier Typ P wurden gebaut.

Benutzer: Frankreich, Großbritannien, Russland.


Spezifikationen Morane-Saulnier L

Spezifikationen
Spezifikationen Morane-Saulnier Typ L
TypZweisitziger Aufklärer, leichter Bomber
Besatzung 2
Antrieb9-Zylinder-Umlaufmotor 80-PS Gnome oder Le Rhone 9C (MoS.21 110 PS Le Rhone 9J, MoS.26 110 PS Le Rhone 9Jb)
Spannweite10,30 m (Typ P: 11,20 m)
Länge6,32 m (Typ P: 6,88 m)
Höhe3,15 m
Flügelfläche18,3 m²
Leergewicht 490 kg
Startgewicht 680 kg
Höchstgeschwindigkeit115 km/h in 2.000 m
Steigleistung 200 m/min.
Dienstgipfelhöhe4.000 m
Reichweite450 km
BewaffnungTyp P: 1 x Lewis-MG im hinteren Cockpit und spätere Flugzeuge 1 x synchronisiertes Vickers-MG auf dem Bug
Zuladungbis 6 x 11,3-kg-Bomben
Erstflug1913
TruppenlieferungAnfang 1914 (LA: 1914; P: 1916)
Endlieferung ?
Produktionknapp 600 Typ L, einige LA, 565 Typ P
Morane-Saulnier Typ L

Morane-Saulnier Typ L

Auch interessant:
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentar verfassen