Mercedes L 3000

Deutsche mittlerer Dreitonner Lkw bei der Wehrmacht

Deutschland-FahneZu Beginn des Jahres 1940 verfügte das Heer über einen Bestand von etwa 120.000 Lkw. Aus der Neuproduktion der Automobilindustrie wurden monatlich nur 1000 Stück übernom­mmen, womit nicht einmal der normale Verschleiß ersetzt werden konnte, um gar nicht von den Verlusten zu reden, welche bei den bevorstehenden Kriegshandlungen zu erwarten waren.

Mercedes-Benz Typ L 3000 A

Mercedes-Benz Typ L 3000 A. Der von 1940 bis 1943 gebaute Dreitonner mit Allrad-Antrieb war für die harten Bedingungen in Russland nicht geeignet.

Überwiegend handelte es sich bei den Lastkraftwagen, mit welchen die Wehrmacht ihre Feldzüge von 1939 bis 1941 bestritt, um sogenannte Ergänzungsfahrzeuge aus der privaten Wirtschaft oder aus Beutebeständen. Ein großer Teil dieser Lkw wiederum, der bereits zu den älteren Vorkriegs-Baujahren zählte, war – von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen – spä­testens nach der Katastrophe des Winters 1941/42 nicht mehr vorhanden.

Von nun an be­stand bei der Fronttruppe die Masse der Lastkraftwagen zwar weiterhin aus handelsüblichen Modellen, doch hatte inzwischen das Schell-Programm bereits eine gewisse Wirksamkeit er­langt, so daß die Zahl der Produktionstypen wohl immer noch recht groß, aber nun doch eini­germaßen überschaubar war.
Folgende Modelle der Lkw.3 to aus der friedensmäßigen Fertigung der ein­ zelnen Firmen wurden auf mehr oder weniger lange Zeit sowie in mehr oder weniger großer Stückzahl in die Kriegsproduktion übernommen:

  • Opel-Blitz (S/A)
  • Ford V8 (S)
  • Borgward (S/A)
  • Mercedes (S/A)
  • Magirus (S/A)
  • MAN (S)

Als S-Typen wurden die jeweiligen Standardausführungen bezeichnet, während die anson­sten baugleichen A-Typen Allrad-Antrieb besaßen. Dabei mußten in die S-Typen die für den Allrad-Antrieb notwendigen Triebwerksteile ohne besondere Schwierigkeiten nachträglich eingebaut werden können, wovon aber in der Praxis offenbar selten oder nie Gebrauch ge­macht wurde.

Während die Produktion von Krafträdern und Personenwagen beträchtlich eingeschränkt wurde, versuchte man die Herstellung der dringend benötigten Lastwagen – trotz teilweiser Inanspruchnahme der Kapazitäten für andere Kriegserzeugnisse – wenigstens zu halten. 1938 waren 88.000 Lkw gebaut worden, die zu 26% an die Wehrmacht gingen. 1939 wurde mit 102.000 Stück die höchste Produktion erreicht, wogegen sie dann bis 1943 etwa 70.000 bis 80.000 Stück jährlich betrug. Davon standen 80 % der Wehrmacht und 20 % der Kriegs­wirtschaft zur Verfügung.
Aus heutiger Sicht sehen diese Zahlen bescheiden aus, doch für die damalige Kapazität der Automobilfabriken und unter den kriegsbedingten Schwierigkei­ten bedeuteten sie eine gewaltige industrielle und organisatorische Leistung.

Der Wichtigkeit nach und dementsprechend auch zahlen mäßig kam den 3 to-Lkw die bei wei­tem größte Bedeutung zu, denn sie ließen sich sowohl bei der Wehrmacht als auch im Rah­men der Kriegswirtschaft am vielseitigsten verwenden. Unter den Fabrikaten dieser Größen­klasse bewährte sich der Opel-Blitz am besten. Es war der einzige der vielen für die Wehr­macht gebauten Kraftfahrzeugtypen, der seit der Vorkriegszeit bis zum bitteren Ende 1945 in der Produktion behalten wurde. Etwa 100.000 Opel-Blitz Dreitonner gingen an die Wehr­macht, mehr als von jedem anderen Modell, doppelt so viele als beispielsweise vom VW-Kü­bel. Der Opel-Blitz erwies sich an allen Fronten wahrhaftig als ‘der Zuverlässige’, und über­ dies verfügte er als A- Typ trotz zwillingsbereifter Hinterräder über eine hervorragende Ge­ländegängigkeit.
Entgegen noch weitverbreiteter Ansicht ein Wagen mit starren Achsen jenem mit unab­hängiger Radaufhängung an Geländegängigkeit absolut überlegen sein kann, sofern der letztere nicht zusätzlich einen nur mit hohem Konstruktionsaufwand zu erreichenden und deshalb bislang in Serie nie angewendeten Federungsausgleich besitzt.

Dagegen war der von Daimler-Benz gebaut Typ L 3000 für die harten Bedingungen an der Ostfront nicht geeignet und zu empfindlich. Der Opel-Blitz, ursprünglich nur für zivile Zwecke konstruiert, eignete sich unvergleichlich besser.
Daran kann man erkennen, daß die Motorisierung einer Armee mit Spezialfahrzeugen zwar immer sehr viel teuer, aber im praktischen Betrieb keineswegs unbedingt vorteilhafter ist.

Ein weiters gutes, vor allem robustes Fahrzeug war auch der Klöckner-Deutz-Magirus, und ebenfalls zufrieden konnte man mit den MAN und Borgward Dreitonnern sein. Hingegen litt der sensible Mercedes L 3000 mehr als seine Konkurrenten unter den Strapazen Rußlands, und am meisten galt dies für den Ford, dessen Motor vor dem Kriege zwar im V8-Personenwagen anstandslos lief, hingegen schon in den damaligen Ford V8 Lastwagen viel Kummer bereitete.

Selbstverständlich lag der Gedanke nahe, bei allen Lastwagenfirmen nur noch ein oder zwei bewährte Typen bauen zu lassen, und zwar ohne Rücksicht auf deren Herkunft. Die Umstel­lung hätte jedoch bei den einzelnen Werken monatelangen Produktionsausfall gekostet, was man eben nicht gern hinnehmen wollte.
Dennoch ordnete Hitler im Juni 1942 an, daß im Werk Mannheim der Daimler-Benz AG die Umstellung der Produktion vom eigenen Dreitonner auf den Opel-Blitz sofort einzuleiten sei. Dessen Fertigung begann dort (nach lange hinhalten­dem Widerstand) am 20. Juli 1944, nur wenige Tage vor dem 6. August 1944, an welchem 40
B-24 Liberator-Bomber aus 8000 Meter Höhe die Montagehalle des Opel-Lastwagenwerks in Brandenburg bei hellichten Tage in einem nur wenige Minuten dauernden, aber unheimlich präzisen Luftangriff zerstörten. Diese bis dahin größte europäische Lastwagenfabrik, die im Juli mit 2.500 Dreitonnern gerade ihr Produktionsziel erreicht hatte, wurde wieder aufgebaut und mit neuen italienischen Werkzeugmaschinen ausgerüstet. Als man dies geschafft hatte und die Herstellung von Lastwagen weitergehen sollte, war der Krieg zu Ende. Das Werk wurde von der russischen Besatzung einschließlich der Gebäude völlig demontiert.

Die bei Daimler-Benz hergestellten Opel-Blitz trugen keinerlei Markenzeichen oder Schriftzug. Zu erkennen waren sie jedoch an dem eckigen Einheits-Fahrerhaus aus Holz, während die Lastwagen aus der Brandenburger Opel-Produktion bis zuletzt das Original-Fahrerhaus aus Stahlblech besaßen. Der Opel-Blitz sollte übrigens auch bei Borgward gebaut werden, nach­ dem 1944 die dortige Lkw.-Produktion durch einen Fliegerangriff ohnehin für einen längeren Zeitraum unterbrochen war. Die Vorbereitungen für den Nachbau des Opel-Blitz 3 to waren
bei Borgward bis Kriegsende so gut wie abgeschlossen. Geplant, aber niemals ausgeführt wurde ferner die Einrichtung einer Opel-Lastwagenfabrik in Riga.


Animation 3d-Modell Mercedes L 3000


Spezifikationen Mercedes-Benz L 3000

Spezifikationen
Spezifikation L 3000 L 3000 S L 3000 A
Typm. Lkw 3 to (4×2)m. Lkw 3 to (4×2)m. Lkw 3 to (4×4)
Herstellung 1938-39 1940-42 1940-43
MotorDieselmotor DB OM 65/3Dieselmotor DB OM 65/4Dieselmotor DB OM 65/4
Zylinderzahl 4 4 4
Hubraum4849 ccm4849 ccm4849 ccm
KraftübertragungAntrieb auf HinterräderAntrieb auf HinterräderAllrad-Antrieb (3 Sperrdifferentiale; Vorderrad-Antrieb abschaltbar; Geländegang auch ohne Vorderrad-Antrieb einschaltbar
Getriebe4 Gang + Vorgelege5 Gang5 Gang + Vorgelege
Radstand3800 mm3800 oder 4250 mm3800 mm
Spur vorn1700 mm1685 mm1633 mm
Spur hintenmittel 1650 mmmittel 1650 mmmittel 1650 mm
Länge6,16 m6,255 bzw 6,715 m6,255 m
Breite2,35 m2,24 m2,35 m
Höhe2,80 m2,585 m2,60 m
Ladefläche/Pritsche3,50 x 2,1 m3,50 (bzw 4,00) x 2,10 m3,50 x 2,10 m
Bodenfreiheit220 mm225 mm225 mm
Watfähigkeit60 cm70 cm70 cm
Wendekreis15,2 m15,2 bzw 15,8 m15,2 m
Fahrzeuggewicht3.850 kg3.690 kg4.020 kg
Zulässiges Gesamtgewicht6500 kg6790 kgStrasse 7040, Gelände 6620 kg
Nutzlast2650 kg3100 kgStrasse 3020, Gelände 2600 kg
Höchstgeschwindigkeit64 km/h70 km/h70 km/h
Verbrauch/100 kmStrasse 18, Gelände 27 l (Diesel)Strasse 18, Gelände 27 l (Diesel)Strasse 20, Gelände 30 l (Diesel)
Kraftstofftank 70 Liter 90 Liter 90 Liter
FahrbereichStrasse 370, Gelände 250 kmStrasse 500, Gelände 330 kmStrasse 450, Gelände 300 km

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