Luger Parabellum Modell 1908

Deutsches ReichModell 1908, verbreiteste deutsche Pistole im deutschen Heer vom 1. Weltkrieg bis 1942.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

Luger-Pistolen

Eine Standard-Pistole Luger P08 unterhalb einem Artillerie-Modell von 1917 mit ‘Schnecken’-Magazin.

Parabellum Modell 1908
Typ: Selbstlade-Pistole.

Geschichte

Die 9-mm Parabellum Modell 1908 ist eine der ‘klassischen’ Pistolen und ist zumeist unter dem Namen Luger bekannt, nach ihrem Entwickler Georg Luger. Der Entwurf basierte auf einer vorausgegangenen Pistole, der Borchardt, aber Luger überarbeitete diesen eher unhandlichen Entwurf und entwickelte ihn in das Modell, welches von der Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken (DWM) ab 1898 hergestellt wurde.

Die Borchardt verwendete zwar erstmals das Kniehebelgelenk-System für den Verschluß und andere mechanische Eigenschaften bei einer Pistole, was zwar auch irgendwie funktionierte, aber wenig befriedigend war. Luger verfeinerte den Mechanismus vor allem dadurch, daß er die Triebfeder anders anordnete, welche eine Art gewendelte Uhrfeder war und bei ihm zu einer flachen Blattfeder in der hinteren Ecke des Griffes wurde. Dies änderte die gesamte Form der Waffe und machte sie viel besser ausbalanciert.
Weitere Verbesserungen folgten, wobei die Hauptfeder zu einer Spule verändert wurde und das ursprüngliche Kaliber von 7,65mm auf 9mm vergrößert wurde, um die Patrone wirksamer für den Kampfeinsatz zu machen.

Marinepistole Modell 1904

Marinepistole Modell 1904 Parabellum

Die ersten Luger-Pistolen wurden 1900 in die Schweiz verkauft und waren für das Kaliber 7,65mm vorgesehen. Bis 1904 wurde das Kaliber wieder auf 9mm Parabellum geändert und diese Version wurde von der deutschen Marine übernommen. Von dem Modell 1904 für die deutsche Kriegsmarine wurden bis in den Zweiten Weltkrieg hinein etwa 64.950 Stück gebaut.

Dann wurde 1908 ein leicht geändertes Modell auch von der deutsche Armee angenommen und danach wurde die Pistole 08 zu Hunderttausenden hergestellt.
Die Waffe wurde weit verbreitet zwischen 1906 und 1914 bei verschiedenen Armee eingeführt – z.B. Bulgarien, Niederlande, Portugal und Türkei – und in verschiedenen anderen Streitkräften erprobt und wurde beinahe von der US-Armee als Standard-Pistole mit Kaliber .45 im Jahr 1908 übernommen. Aus diesem Grunde sind weltweit selbst noch heute einige in Verwendung und der letzte reguläre militärische Einsatz der Luger-Pistole erfolgte mit der portugiesischen Armee in ihren Kolonialkriegen in Angola und Moçambique.

Dem ursprünglichen Hersteller, der Firma Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken (DWM) in Berlin, folgten mit der Königlichen Erfurter Waffenfabrik, Simson Suhl und Mauser in Oberndorf noch weitere Produzenten. Für die Schweizer Armee wurde sie in der Waffenfabrik von Bern gebaut.

Artilleriepistole LP.08

Artilleriepistole LP.08 oder ‘Lange Pistole 08’

Diese frühen Modelle wurden mit einer Reihe unterschiedlicher Lauflängen gebaut, die kürzeste war 103 mm lang. Andere Läufe hatten 152 mm, 203 mm und sogar 305 mm. Diese langläufigen Versionen wurden üblicherweise zusammen mit hölzernen Schulterstücken ausgeliefert und waren als Artillerie-Modelle (siehe Bild ganz oben) bekannt. Die ‘Lange Pistole 08’ (LP.08) oder ‘Artilleriepistole’ wurde 1914 eingeführt, hatte einen 200 mm langen Lauf mit verstellbaren Schiebvisier und hölzernen Anschlagschaft. Sie wurden häufig ab 1917 mit ‘Schnecken’-Magazinen mit 32 Patronen verwendet und etwa 250.000 sollen insgesamt davon gebaut worden sein.

Alle diese Versionen der Pistole Modell 1908 verwendeten den gleichen Mechanismus, eine nach oben öffnende Kipphebelverriegel. Wenn die Pistole abgefeuert wird, befinden sich alle Scharnierelemente des Kniehebel in einer Reihe, um den Verschluss zu verschließen. Die Rückstosskräfte müssen die mechanischen Kräfte des Umschaltmechanismus überwinden, bevor sich dieser öffnet. Einmal offen, erfolgen die Auswurfs- und Nachladevorgänge für die Patronen. Eine Rückholfeder im Griff versetzte alles wieder in die Ausgangsposition, um den nächsten Schuß abzufeuern.

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Diese Umschaltvorichtung verlieh der Pistole 08 ein eindeutiges Aussehen und die Neigung des Griffes gab der Pistole gute Eigenschaften für das Zielen und Schießen. Die Pistole 08 wurde deshalb schnell zu einer begehrten Waffe an der Front und Kriegs-Trophähe. Schon während des Ersten Weltkriegs konnte es niemals genug Pistolen 08 geben, um den ständig steigenden Bedarf und Nachfrage unter den Soldaten zu decken.
In diesem Zusammenhang wurden die Nachteile der Luger-Pistole deutlich, denn sie war in größeren Stückzahlen nur schwer zu produzieren, da fast alle ihre Bauteile in aufwendiger Handarbeit hergestellt werden mußten. So ging bis 1917 ein guter Teil der exzellenten Verarbeitungsqualität der Vorkriegsmodelle verloren und die ursprüngliche Griffsicherheit war dahin – und kam auch niemals mehr wieder zurück, selbst nicht nach 1918.

Ein weiterer Nachteil der Pistole 08 ist der Umstand, daß der Umschaltmechanismus sehr unter den Bedingungen des Grabenkrieges litt. Schlamm und Dreck konnten nur zu leicht die Funktion einschränken, was dazu dann noch zumeist in den ungünstigsten Augenblicken des Ernstfalls geschah. Deshalb erforderte die Behandlung der Pistole viel Aufmerksamkeit und Pflege. Auch die Qualität der Munition ist für den effektiven Einsatz der Pistole wichtig.

Luger-Pistole im Kampfeinsatz

Die Luger-Pistole im Kampfeinsatz im 2. Weltkrieg wird hier von einem MG-Schützen zusammen mit Stielhandgranaten und Munitionsgurten für das MG 34 im Häuserkampf geführt.

Dies schien die Soldaten aber nicht davon abzuhalten, die Pistole 08 zu verwenden, da für die meisten sich diese Probleme in der Praxis als geringfügig herausstellten. So blieb sich auch nach 1918 weiter im Dienstgebrauch.
Mit der Erweiterung der Wehrmacht stand wieder das Problem der einfachen Massenproduktion der Luger-Pistole im Raum und so wurde ab 1938 mit der Einführung einer Ersatzwaffe begonnen, der Walther P38.
Die Luger-Pistole wurde trotzdem bis 1942 für das deutsche Heer weiter gebaut und im anschließenden Jahr für den Export, wobei der letzte Ausstoß im Jahr 1944 an Portugal im Kaliber 7,65mm geliefert wurde.

Vermutlich wurden mehr als vier Millionen zivile und militärische Parabellum-Pistolen gebaut. Davon erhielt die deutsche Armee bis 1918 etwa 1,5 Millionen Stück. In den Jahren zwischen den Weltkriegen wurden weitere 400.000 Stück gebaut und von 1939 bis 1942 für die Wehrmacht nochmals eine halbe Million.

Die Pistole 08 wurde weit verbreitet innerhalb der deutschen Armee ausgegeben. Bei der Infanterie war sie die Faustfeuerwaffe der Offiziere und wurde ebenso von Waffenmannschaften, Kurieren, Fernmeldern und Unteroffizieren getragen. Sie sah weit verbreiteten Einsatz im Gefecht bis Kriegsende, obwohl es nur wenige Berichte über tödliche Wirkungen gibt. Allerdings galt sie bei den alliierten Soldaten als höchst wertvolles Souvenir und deshalb befinden sich viele Tausende noch immer in Privatbesitz.

Noch heute finden es einige Waffenhersteller es Wert, ihren Produkten das Aussehen der Luger-Pistole zu geben oder sogar direkte Kopien für einen immer noch offensichtlich ungesättigten Markt herzustellen. Deshalb tritt man die Luuger-Pistole auch immer noch in verschiedenen bewaffneten Konflikten auf der ganzen Welt an.


3D-Modell Luger Standard-Pistole 08 mit offenen Magazin-Griff


Spezifikationen Pistole 08 (Luger)

Spezifikationen
Parabellum P08 Spezifikation
Typ automatische Selbstlade-Pistole
Kaliber 9 mm Parabellum
Länge 22,80 cm (Modell 1904: 27,20 cm, LP.08: 32,00 cm)
Gewicht 0,855 kg (Modell 1904: 0,895 kg, LP.08: 1,06 kg)
Lauf 10,30 cm, 8 rechtsläufige Züge (LP.08: 20,00 cm)
Magazin 8 Schuss-Kastenmagazin (LP.08: 32-Patronen-Trommelmagazin ab 1917)
Funktion Rückstoß, Kniehebelgelenk
Geschoßgeschwindigkeit 320 m/sek
Einsatzstatistik
Parabellum P08 Angaben
Hersteller Mauser
Produktionsbeginn 1898 (Modell 1904 für Marine ab 1904, Modell 1908 für Heer ab 1908)
Endlieferung 1943
Produktionszahl ca. 4 Millionen (davon 1,5 Millionen für deutsches Heer bis 1918 – davon 64.950 Marinepistole 1904 und etwa 250.000 LP.08 ab 1914; 400.000 für Reichswehr/Wehrmacht, 500.000 von 1939 bis 1942 für Wehrmacht)
Stückpreis 32 Reichsmark

3D-Modell Lange Pistole LP.08 (Artilleriepistole)


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