Kriegstagebuch 9. September 1914

Kolonne französischer Soldaten Marne-Schlacht

Ein Priester beobachtet eine durchmarschierende Kolonne französischer Soldaten während der Schlacht an der Marne.

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Mittwoch den 9. September 1914:

Westfront

Marne: Der deutsche Rückzug beginnt in heftigem Wind und unter strömenden Regen. Oberst Hentsch, Leiter der Abteilung Fremde Heere im Obersten Hauptquartier – Moltkes ständiger ‘Probleme-macher’ – kommt per Auto zu Bülows Hauptquartier. Bülow erfährt von ihm, daß das Britische Expeditionskorps die Marne überschritten hat. Kluck indessen ist weiter fest entschlossenen, Maunoury zu vernichten und erobert Nanteuil zurück. Kurz vor 12.00 Uhr erreicht Hentsch auch Klucks Hauptquartier und teilt ihm mit, da sich Bülow nun in Richtung des Fluss Vesle zurückzieht, befindet sich seine eigene Armee in der Gefahr einer doppelten Umfassung. Deshalb sei ein koordinierten Rückzug zur Aisne erforderlich. Kluck gibt darauf hin den Befehl zum Rückzug.
Das Britische Expeditionskorps schiebt sich 6-7 km nördlich der Marne vorwärts und d’Esperey erwähnt Fochs X. Korps als leuchtendes Beispiel in einem inspirierenden Tagesbefehl an die Fünfte Armee. Sir J. French befiehlt seinem Britischen Expeditionskorps um 5 Uhr die Verfolgung der sich zurückziehenden deutschen Truppen fortzusetzen.
Joffre befiehlt einen koordinierten Angriff durch das BEF im Nordosten mit seinem linken Flügel an Soissons und d’Esperey auf seinem Rechten, um den Fluss Marne zu erreichen und einen Brückenkopf bei Chateau-Thierry zu errichten. Maunoury, auf seiner linken Seite, soll nach Norden vorstossen und den deutschen rechten Flügel umfassen. Obwohl diese Befehle um 01:45 Uhr ausgegeben werden, beginnt Maunoury erst zwischen 14 und 16 Uhr mit dem Vormarsch, nachdem seine Aufklärungsflugzeuge festgestellt haben, daß sich die deutschen Kolonnen bereits auf dem Rückzug befinden.
Kluck versucht die alliierte Front in nordöstlicher Richtung zu passieren um wieder Kontakt mit Bülow zu gewinnen, welcher laufende Rückzugskämpfe mit der Vorhut des BEF hat und seine Truppen auf neue Marschwege umleiten muß.
Belgien: Kaiser Wilhelm II. befiehlt die Einnahme von Antwerpen. General Beseler erhält das Kommando über die Belagerungsoperationen.
Ein Panzerzug der Royal Navy mit 6 x 12-cm-Geschützen vereinigt sich mit den Belgiern, um einen zweiten Ausfall mit 6 Divisionen zu machen. Bis zum 13. September stossen sie 25 km weit vor und zwingen das deutsche IX. Reserve-Korps den Vormarsch südlich zu stoppen, haben aber 8.000 Mann Verluste.
Lothringen: Ein französischer Nachtangriff scheitert, trotzdem geht das deutsche VIII. Korps am 12. September wieder auf den Fluss Meurthe zurück.

Ostfront

Ostpreußen: Francois schneidet die Russen vor Lötzen ab und nimmt 60 Kanonen und 5.000 Kriegsgefangene, nachdem er knapp 130 km in vier Tagen marschiert war.
Galizien: Beide Seiten greifen sich in den bisher heftigsten Kämpfe gegenseitig an. Die Österreicher stossen auf Grodek vor.

Südliche Fronten

Ungarn: Serbische Truppen erobern nach heftigen Kämpfen zwei Dörfer westlich von Belgrad bis zum 10. September. Die Belgrader Garnison besetzt Semlin auf der gegenüberliegenden Seite des Flusses.
Bosnien: Die Montenegriner fallen wieder ein und besetzen Visegrad am 14. September.
Serbien: Der ungarische Komponist (zeitgenössisch Bartok) Aladar Rado fällt bei Boljevci an der Save im Alter von 32 Jahren.

Seekrieg

Pazifik: Der australische Kreuzer HMAS Melbourne besetzt die Nauru-Insel und zerstört die deutsche Funkstation.

Heimatfronten

Deutschland: Der deutsche Reichskanzler listet in seinem geheimen ‘September-Programm’ weitgehende Kriegsziele auf.
Kaiser Wilhelm II. pro-Muslimische Proklamation:
alliierte muslimische Kriegsgefangenen sollen ins Kalifat (Sultan in Konstantinopel) geschickt werden.
1. Kriegsanleihe eröffnet. Es folgen weitere alle sechs Monate.

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