Kriegstagebuch 9. November 1918

Scheidemann ruft Republik aus

Mehrheitssozialist Philipp Scheidemann ruft von einem Fenster des Reichtstags die Republik aus.

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Samstag den 9. November 1918:

Politik

Deutschland: KAISER WILHELM II: ‘DANKT AB’, REVOLUTION IN BERLIN, wo Scheidemann die Deutsche Republik vom Reichstag aus ausruft. Prinz Max wird Regent (nachdem er des Kaisers ‘Abdankung’ verkündet hat) und Ebert wird Kanzler. General Gröner teilt dem Kaiser in Spa mit, daß die Armee diesem nicht mehr folgen wird (‘Verrat, meine Herren, unverhohlener Verrat !’). In Sachsen wird die Republik ausgerufen. Eisner Ministerpräsident und Außenminister in Bayern.
Großbritannien: Lloyd George sagt in einer Rede in der Guildhall, dass Deutschland nur die Wahl der sofortigen Kapitulation oder ein schlimmeres Schicksal hat.
USA: Wilson schickte Hoover nach Europa (in London am 23. November), um Nahrungsmittel-Hilfe zu organisieren.

Westfront

Deutschland: DER KAISER ‘DANKT AB’, nach einer letzten Machtprobe mit Hindenburg und Gröner im OHL in Spa, bei dem 39 Divisions-, Brigade- und Regiments-Kommandeure die Meinung der Armee dargelegt haben. Hindenburg bietet an, zurückzutreten, anstatt zu sagen, dass die Situation sowohl an der Front als auch zu Hause hoffnungslos ist. Gröner erklärt kühn: ‘Die Armee wird unter ihren eigenen Generälen in guter Ordnung nach Hause zurück marschieren, aber nicht unter der Führung Eurer Majestät’. Kaiser Wilhelm II. antwortet: ‘Ich verlange diese Aussage schriftlich, ich möchte, dass alle befehlshabenden Generäle erklären … dass die Armee nicht mehr hinter ihrem Oberbefehlshaber steht. Hat sie nicht einen Eid auf die Fahne abgelegt ?’ Gröner antwortet, dass in dieser Situation Eide ihre Bedeutung verlieren.
Schelde: Die deutschen Truppen führen einen allgemeinen Rückzug vor der Front britischen Zweiten Armee durch; die Briten nehmen Tournai ein.
Sambre: Ein Bataillon der Garde-Division der britischen Dritten Armee besetzt Maubeuge. Die Vierte Armee der BEF bildet den Mobilen Verband von Generalmajor Bethell (einschließlich der 5. Kavallerie-Brigade und 5 Panzerwagen), um die Deutschen über die belgische Grenze östlich von Avesnes zu verfolgen (bis zum 11. November).
Aisne: Französische Truppen erobern den Eisenbahnknotenpunkt Hirson.

Heimatfronten

Deutschland – BERLINER REVOLUTION. Prinz Max übergibt Ebert das Kanzleramt. Liebknechts Spartakisten erobern das Alte Schloss und hissen die rote Flagge. Hessen wird zur Republik erklärt. Die Krupp-Werke in Essen schließen; Gustav Krupp beschließt am 10. November, nur die Arbeiter aus der Vorkriegszeit zu behalten und schickt 70.000 (davon über 30.000 Polen) mit 2 Wochen Lohn und Bahnfahrkarten bis zum 18. November nach Hause.
Frankreich: Der Kriegsdichter Guillaume Apollinaire stirbt im Alter von 38 Jahren an der Grippe nach einer Kopfverletzung vom März 1916.
Österreich: Kaiser Karls an seine Berater ‘Ich werde nicht abdanken und nicht aus dem Land fliehen’.
Großbritannien: Lloyd George über Kaiser Wilhelm II. ‘Abdankung’ ‘Gab es jemals ein dramatischeres Urteil ?’
Italien: In einer Rede behauptet Ministerpräsident Orlando in Rom ‘Es ist ein römischer Sieg’.

Ostfront

Polen: In Lublin wird eine Regierung gebildet.
Ural: Die Tschechen in Jekaterinburg verkünden die nationale Unabhängigkeit. Kolchak besucht 4 tschechische Regimenter am 10. November und übergibt neue Fahnen.

Afrika

Rhodesien: Hauptmann Spangenbergs 3 Kompanien nehmen Kasama (165 Kilometer südwestlich von Abercorn), erbeuten ein wenig Munition und 20 Burenwagen. Die 1/4 KAR (Major Hawkins und 750 Mann aller Ränge) durchquert den Fluss Chambezi unter der Anweisung eines rhodesischen Siedlers.

Seekrieg

Deutschland: Der Kaiser sagt zu Scheer in Spa: ‘Ich habe keine Flotte mehr’. Hippers Flaggschiff hisst die rote Flagge und dieser geht von Bord.
Ostatlantik – Letztes U-Boot gesunken: U 34, welches 121 Schiffe mit zusammen 262.886 Tonnen seit 1915 versenken konnte, sinkt vor Gibraltar durch die britische ehemalige U-Boot-Falle Privet und Minenleger. Das britische Schlachtschiff Britannia wird vom Küsten-U-Boot UB 50 (Kukat) vor Kap Trafalgar versenkt. Das Schiff bleibt aber 3 1/2 Stunden lang über Wasser, jedoch sterben 40 Mann durch giftige Dämpfe.
Nordsee: Die Grand Fleet ist stark von der Grippe befallen; 2 Kapitäne sterben. Der deutsche U-Boot-Führer Michelsen befiehlt den letzten ca. 20 treuen U-Boote und Kleinbooten die Rückkehr zu ihren Heimathäfen.

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