Kriegstagebuch 4. November 1918

Demonstrierende Matrosen.

Demonstrierende Matrosen in Wilhelmshaven.

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Montag den 4. November 1918:

Seekrieg

Ostsee: Wütend über das Blutbad in der Karlstraße treten Tausende von Matrosen, 20.000 Garnisonstruppen und Arbeiter der Kieler Meuterei bei. Die Besatzung des Schlachtschiffes Großer Kurfürst überwältigt ihre Offiziere und marschiert zur Karlstraße, um einen Racheschwur zu leisten. Auf der Massenversammlung der 1. Torpedo-Division fordert Artelt die sofortige Einrichtung eines ‘Matrosenrates’. Offiziere, die versuchen, ihn zum Schweigen zu bringen, werden wütend entwaffnet. Der Rat, bei dem Artelt als Vorsitzender gewählt wird, entwirft ein Programm mit 14 Forderungen. Truppen der 1. Dock-Division kommen an, weigern sich aber zu schießen und übergeben ihre Waffen. Sogar die treue U-Boot-Division wendet sich nun gegen das Offizierskorps. Um 13:45 Uhr meldet der Kieler Stadtkommandant Souchon: ‘Die Meuterei … breitet sich weiter aus … wir haben keine zuverlässigen Truppen mehr …’. Souchon wird entlassen und durch den Sozialisten Gustav Noske ersetzt.

Heimatfronten

Deutschland – KIELER AUFSTAND: Die Revolution breitet sich auf Lübeck und Travemünde (5. November), Hamburg, Bremen, Cuxhaven, Wilhelmshaven (6. November) sowie auf die Landwehr und Arbeiter aus. General Gröner begibt sich nach Berlin und erfährt, daß es keinen Waffenstillstand geben wird, wenn der Kaiser nicht abdankt und trifft Reichskanzler Ebert am 6. November. In Stuttgart wird der erste Arbeiter-Rat gegründet.
Österreich-Ungarn: Hochamt im Stephansdom zum Namenstag des Kaisers.
Großbritannien: Northcliffes Tirade ‘Vom Frieden zum Krieg’ gegen den Premierminister in der Daily Mail und The Times.

Westfront

Sambre – SCHLACHT AN DER SAMBRE: Die britische Vierte (3 Divisionen mit 26 Tanks und 6 Panzerwagen; 1.200 Verluste), Dritte (8 Divisionen mit 11 Tanks) und Erste Armee (6 Divisionen) greifen an der 48 km langen Front östlich von Valenciennes bis nach Guise an; Landrecies fällt an 600 Mann der 25. Division. Die Neuseeland-Division erstürmt Le Quesnoy mit 2.500 Kriegsgefangenen und 100 Kanonen. Kriegsdichter Leutnant W. Owen (Manchester-Regiment) fällt im Alter von 25 Jahren durch MG-Feuer bei einem Angriff auf den Sambre-Kanal. Das BEF kommt 8 km vorwärts, nimmt 10.000 Kriegsgefangene und erbeutet 200 Geschütze. Haig befiehlt Plumer, bereit zu sein, die Schelde um den 11. November herum zu überqueren. Die deutsche Zweite Armee beginnt mit dem Rückzug in die Antwerpen-Maas-Stellungen in der Nacht vom 4. auf den 5. November.
Maas und Argonnen: Die französischen und amerikanischen Truppen säubern die Argonnen; das AEF nimmt Stenay und Dun-sur-Meuse.

Südfronten

DIE FEINDSELIGKEITEN ZWISCHEN ÖSTERREICH-UNGARN UND DEN ALLIIERTEN ENDEN UM 15:00 UHR. Diaz teilt Paris mit, dass Italien eingreifen wird, um die Waffenstillstands-Bedingungen für Deutschland bei Bedarf durchzusetzen.
Italienische Front: Das 332. US-Infanterie-Regiment geht wenige Stunden vor dem Waffenstillstand zum erstenmal in den Einsatz erobert österreich-ungarische MGs am Ostufer des Flusses Tagliamento. Die italienischen 1. und 4. Kavallerie-Divisionen erreichen die Grenze in Karnien und Caporetto. Die italienische 54. Division nimmt um 8 Uhr 10.000 Mann österreich-ungarischer Truppen an der Muzzanella-Brücke westlich der Grenze in der Nähe der Küste gefangen, nachdem Kommandant Borghese die Straße mit dem Bafile-Batallion und Arditi vom 3. bis 4. November absperrte.
Montenegro: Die serbische Zweite Armee befreit die Hauptstadt Cetinje.

Naher Osten

Osmanisches Reich: Liman von Sanders erreicht Konstantinopel und übernimmt das Kommando über die Evakuierung; die meisten Deutschen sind bereits oder laufen auf Schiffen bis zum 19. November nach Odessa aus.
Mesopotamien: Britische Truppen unter General Fanshawe marschieren in Mosul ein; Marshall kommt am 7. November an.

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