Kriegstagebuch 30. September 1918

US-Infanterie mit französischen Offizieren Argonner Wald

US-Infanterie mit französischen Offizieren macht eine Pause während der Kämpfe im Argonner Wald.

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Montag den 30. September 1918:

Westfront

Flandern: Britische Truppen 3 Kilometer von Menin entfernt.
Cambrai: Briten am Stadtrand von Cambrai und sechs Dörfer erobert. Deutsche Brandstifter bei der Arbeit. BEF verwendet erstmals Senfgas gegen die Hindenburg-Line. Foch, zurück aus Flandern, trifft Haig bei Arras.
Champagne: Französische Truppen erobern Marfaux-Aure und St. Marie-a-Py, als die Fünfte Armee angreift.
Argonnen: Das amerikanische AEF ist stark in Kämpfe verwickelt, aber ihr schlecht organisierter Kraftfahrzeug- und Pferdetransport verstopft zunehmend die Straßen. Maximaler Fortschritt der Alliierten jetzt 13 km mit 18.000 Kriegsgefangenen und 200 erbeuteten Kanonen.
Deutschland verliert im September 236.200 Mann. Insgesamt 160 alliierte Divisionen (plus 57 in der Reserve) gegen 113 deutschen Frontdivisionen (plus 84 in der Reserve), aber nur 59 deutsche Divisionen können als ‘vollständig einsatzfähig’ klassifiziert werden. Die britische Armee verwendet ab Mitternacht vom 30. September auf den 1. Oktober die 24-Stunden-Uhrzeit (durchgehend wie bei der französischen Armee). Im Laufe des Septembers werden 10 weitere deutsche Divisionen aufgelöst (3 weitere Anfang Oktober), um die anderen zu verstärken. Der Mangel an Pferden reduziert die Anzahl der Geschütze in den mittleren Batterien von 4 auf 3.

Südfronten

EINSTELLUNG DER FEINDSELIGKEITEN MIT BULGARIEN AB MITTAG, welche die alliierte Besetzung von Schlüsselpunkten und die Nutzung von Eisenbahnen gegen die verbleibenden Mittelmächte einräumt. Die bulgarische Armee muß auf 3 Divisionen und 2 Kavallerie-Regimenter reduziert werden. Britische Krankeneinweisungen im September 9.855 Mann (hauptsächlich wegen Grippe und Malaria) gegenüber 3.137 Verwundeten.
Albanien: Italienische Kavallerie-Patrouillen erreichen den Fluss Skumbi.
Serbien: Das deutsche Alpenkorps (von der Westfront kommend) erreicht Nis mit der 219. (sächsischen) Division von der Ostfront dahinter.

Naher Osten

Syrien: Die arabische Flaggen weht über Damaskus, als sich die Türken auf zwei Straßen nach Norden zurückziehen und die Deutschen die Munitionsdepots sprengen. Die australische Berittene Division blockiert die Barada-Schlucht auf der Straße nach Beirut und nimmt 4.000 Kriegsgefangene. Die britische 5. Kavallerie-Division macht 1.294 Kriegsgefangene bei 10 Verlusten und die Araber nehmen 600 aus der türkischen Deraa-Kolonne, nachdem Lawrence die Artillerie der 4. Kavallerie-Division dazugeholt hat.
Mesopotamien: Die Sechste Türkische Armee ist schätzungsweise 13.725 Soldaten (mehr als 4 Divisionen), 154 Geschütze und 237 MGs stark.

Seekrieg

Atlantik: U-Boote versenken den amerikanischen Transporter Tieonderoga (121 von 243 US-Soldaten kommen ums Leben).
Adria: Otranto-Barriere abgeschlossen.
Nordsee: Britische Wasserflugzeug-Staffeln über der Helgoländer Bucht.
Alliierte und neutrale Schifffahrtsverluste im September an U-Boote: 79 Schiffe (48 britische mit 521 Menschenleben) mit zusammen 186.600 Tonnen (britische 136.859 Tonnen). Die deutsche U-Boot-Zahl gibt 91 Schiffe mit 171.972 t an, davon 38 Schiffe im Mittelmeer mit 42.693 t (einschließlich der letzten österreich-ungarischen Versenkungserfolge mit 16 Schiffe mit 5.004 t). 9 U-Boote sind gesunken.

Luftkrieg

Westfront: Im September machen deutsche Flieger 130 Absprünge mit dem Fallschirm, als die neue Heinecke-Ausrütung in den allgemeinen Einsatz kommt. Die Verluste der RAF im September (ohne IAF) sind die höchsten mit 235 Flugzeugen (Franzosen 59). Deutsche Verluste von 115 Flugzeugen (ohne 21. bis 23. und 30. September). Das Jasta Boelcke erzielt seinen Monatsrekord von 46 Abschüssen für den Verlust von 2 Piloten.
Bulgarien: RAF-Fotoaufklärungsflug über Sofia.

Politik

ALLIIERTER-BULGARISCHEN WAFFENSTILLSTAND AB 12 UHR MITTAGS.
Deutschland: Kanzler Graf Hertling und alle Minister treten zurück.

Heimatfronten

USA: Wilson sagt vor dem Senat, dass das Frauenwahlrecht eine ‘lebensnotwendige Kriegsmaßnahme’ sei.
Großbritannien: Das Bonar-Gesetz eröffnet die ‘Feed the Guns Campaign’ (Kampagne ‘Füttert die Kanonen’), um eine zweite Kriegsanleihe von 1 Milliarde Britischen Pfund zu erhalten.

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