Kriegstagebuch 2. September 1914


Strassensperren in Paris 1914

In den Vororten von Paris werden Straßensperren und Feldbefestigungen errichtet. Der Militärgouverneur Gallieni erlässt den Aufruf: ‘Ich habe den Befehl, Paris gegen jeden Eindringling zu verteidigen. Diesen Befehl werde ich bis zum Ende durchführen’. Dabei ist er es selbst, der Joffre meldet, die Stadt sei gar nicht zu halten. In der Nacht vom 2./3. September setzt sich daher die Regierung nach Bordeaux ab.

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Mittwoch den 2. September 1914

Westfront

Frankreich: Die deutschen Truppen erreichen den Fluss Marne und besetzen Laon. Moltke befiehlt v. Kluck, seine Truppen hinter Bülow aufzureihen. Sowohl Kluck und Bülow gehorchen und setzen ihren Vormarsch weiterhin fort. Eine Patrouille der französischen Fünften Armee erbeutet jedoch diese Befehle zusammen mit einer Karte für den Vormarsch. Gallieni, der Militärgouverneur von Paris, erkennt die entscheidende Bedeutung dieses Funds am nächsten Tag. Foch kann Fühlung mit der französischen Fünften Armee aufnehmen. Erste deutschen Besetzung von Lille (bis zum 6. September).
Lothringen: Auf Joffres Befehl schickt Castelnau 3 Divisionen in Richtung Westen, nach dem er schon eine Kavallerie-Division und eine Jägerbrigade am Vortag abgegeben hat.

Ostfront

Polen: Die österreich-ungarische Vierte Armee mit 13 Divisionen und 558 Geschütze wird vor Lublin von der russischen Vierten und Neunten Armeen mit 14 Divisionen und 900 Geschütze zum Kampf gestellt.
Galizien: Die fliehenden österreich-ungarischen Truppen evakuieren Lemberg unter einem Verlust von 130.000 Mann.

Seekrieg

Pazifik: Zunächst landen 23.980 japanische Truppen (18. Division sowie andere Einheiten) und 154 Geschütze unter Generalleutnant Kamio 250 km nordöstlich von Tsingtau auf der Schantung-Halbinsel an der Lungkow-Bucht auf chinesischen Territorium an.

Heimatfronten

Frankreich: Die Regierung verlässt Paris, um nach Bordeaux zu gehen, auf Wunsch des Generalstabschef Joffre.
Deutschland: Die ersten erbeuteten französischen und russischen Geschütze werden in Berlin ausgestellt. Der Führer der Katholischen Zentrumspartei, Erzberger, schickt ein Memorandum an die Regierung, in der er fordert, dass ‘Deutschland Europa für alle Zeit kontrollieren muss’.
Großbritannien: Masterman (Kanzler des Duchy of Lancaster) berät sich mit Literaten und sechs Zeitungsherausgebern, um eine Propaganda-Organisation ins Leben zu rufen. Diese wird dann im Wellington House in London eingerichtet. Kiplings erstes Kriegsgedicht ‘For All We Have and Are’ (‘Für alles, was wir haben und sind’) wird in der Times veröffentlicht.

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