Kriegsopfer aus Stein und Beton

Kriegsopfer aus Stein und Beton.

Der Zweite Weltkrieg hat das Aussehen ganzer Städte unwiderruflich verändert. Allein in Berlin wurden mehr als elf Prozent aller Gebäude total zerstört. Bei den Wohnungen waren es eine halbe Million – rund ein Drittel des Bestandes in der Hauptstadt. Weitere 100.000 waren zu stark beschädigt, um bewohnbar zu sein.

Zu den Verlusten gehören auch historische Kleinode wie Schloss Monbijou am nördlichen Ufer der Spree. Knapp 300 Jahre nach seinen Anfängen als kurfürstliches Vorwerk mit Meierei setzten Bomben das Berliner Schloss in Brand. Die Ruinen standen bis 1959, als der Ost-Berliner Magistrat trotz heftiger Proteste von Museumsfachleuten den Abbruch anordnete. Mit ihm verschwand ein Stück deutscher Historie.

Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg schenkte es einst nach dem 30jährigen Krieg seiner ersten Frau, Luise Henriette von Oranien. Sie ließ ein Mustergut nach holländischem Vorbild einrichten, mit Landwirtschaft, Milchwirtschaft, Zierpflanzen und sogar den ersten Kartoffeln Deutschlands. Nach ihrem Tode ließ ihre Nachfolgerin Dorothea Sophie von Brandenburg einen Garten samt Sommerhaus anlegen – die Keimzelle von Monbijou. Das Schloss selbst wurde Anfang des 18. Jahrhunderts als kleines Lust-Schloss mit 400 Quadratmeter Fläche erbaut und im spätbarocken Stil eingerichtet. Den Namen erhielt es möglicherweise von seiner neuen Herrin, der musikliebenden Preußens Königin Sophie Dorothea. Der sich über zwei Stockwerke erhebende Spiegelsaal diente ihr für Konzerte, aber auch private Vergnügungen.

Zu den erlauchten Gästen in Monbijou gehörten 1717 Zar Peter der Große, der mit seinem Gefolge nach zwei Tagen allerdings Chaos und zerschlagene Möbel hinterließ.

Sophie Dorotheas Sohn, Friedrich der Große, ließ das Schloss seiner Mutter samt Gelände gleich nach seinem Amtsantritt bis zur Spree hin erweitern und modernisieren. Unter anderem wurden es um einen Orangerie Flügel und einen Ostflügel erweitert. Unter seiner nächsten Herrin, Königin Friedericke Luise, die vor ihrem untreuen Mann und dem Hoftratsch nach Monbijou flüchtete, wurde die Orangerie zu einem mit Fresken geschmückten Tanzsaal umgebaut. Aus der französisch geprägten Gartenanlage wurde ein Landschaftspark nach englischem Vorbild.

Um 1820 herum hatte das Schloss als Wohnsitz für Hoheiten ausgedient und wurde stattdessen zum Museum für Vaterländische Altertümer. Ständig neue Sammlungen kamen hinzu, und 1877, zum 80. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I., wurde Monbijou als Hohenzollernmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Während des Krieges wurden große Teile der Sammlungen ausgelagert und überlebten so das feurige Ende des Schlosses.

Im Krieg zerstörte oder verschollene Schätze faszinieren auch heute noch Generationen von Schatzsuchern, aber auch Videospielern. Zu den berühmtesten gehört das seit 1944 verschwundene Bernsteinzimmer, das vorsorglich aus dem Katharinenpalast nach Königsberg, dem heutigen Kaliningrad, gebracht worden war. Eine (fiktive) Schatzsucherin wie Videospiel- und Filmheldin Lara Croft hätte daran ihre Freude.

Von Bomben zerstört wurde auch das 1828 erbaute Casino zu Coblenz, in dem sich zum Glück keine unersetzbaren Kunstschätze befanden. Errichtet wurde der 73 Meter lange klassizistische Bau als Sitz einer 20 Jahre zuvor von Bürgern zur Pflege des Brauchtums und der Geselligkeit gegründeten Vereins. Zu der Geselligkeit zählten Gespräche am Stammtisch, Kartenspiele, Lesungen und Gastlichkeit mit edlen Tropfen aus dem eigenen Weinkeller. Zu den Gästen des Casinos gehörten auch Mitglieder des preußischen Königshauses. Königin Augusta schenkte der Gesellschaft gar ein Porträt zur Erinnerung an ihre häufigen Besuche.
Nach dem Krieg wurde Mitte der 50er Jahre ein moderner Zweckbau als Ersatz errichtet, konnte sich wirtschaftlich aber nicht tragen. Die Casino-Gesellschaft lebt dennoch weiter, auch ohne eigenes Gebäude.

 Cafe Kranzler

Das berühmte Cafe Kranzler war wie immer ein Treffpunkt der feinen Gesellschaft – aber vor dem Zweiten Weltkrieg befand es sich nicht mehr unter den den Linden, sondern am Kürfürstendamm, einer noch feineren Gegend.

Als widerstandsfähig erwies sich auch das Café Kranzler. Das 1825 als bescheidene Konditorei an der Ecke Friedrichstraße/Unter den Linden gegründete Unternehmen machte schon früh von sich reden, als es unter dem Schutz des Königs gegen den Willen der Baupolizei Tische auf eine Straßenterrasse stellte. Bis 1933 berichtete der Chefsprecher der Funk-Stunde Berlin alljährlich am Silvesterabend vom Balkon des Café Kranzler aus, wie die Berliner das neue Jahr begrüßten.

Am 7. Mai 1944 wurde das ‘Kranzler Unter den Linden 25’ in einem Luftangriff zerstört, doch noch vor Kriegsende konnten sich die Berliner wieder in „ihrem“ Café treffen, wenn auch an einem anderen Standort an der Straße „Unter den Linden“. Geschmückt wurde es mit dem Gästen altbekannten Goldmosaik, das aus den Trümmern des Original-Kranzlers gerettet worden war.


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