Italienische Streitkräfte 1942

italy-kingdom-flagStärke und Organisation der Armee und Luftwaffe von Italien 1942.

Italienische Armee

Italienische Infanterie Nordafrika 1942

Italienische Infanterie in Nordafrika 1942.

Alle italienischen Staatsbürger im Alter von 18 bis 54 Jahre waren Wehrpflichtig. Im ersten Schritt diente der Rekrut für 18 Monate, gefolgt von einer regelmäßigen nach-militärischen Ausbildung bis zum 33. Lebensjahr. Danach wurde der Bürger der Reserve überstellt und konnte im Kriegsfall bis zu einem Alter von 54 Jahren einberufen werden. Bis 1943 litt Italien nicht unter einem Mangel an wehrfähigen Männern, vielmehr lag das Problem bei der Ausbildung und Aurüstung der Soldaten.

Im Jahr 1940 waren über zwei Millionen Italiener unter Waffen und die 73 Divisionen der Armee setzen sich wie folgt zusammen:

  • 59 Infanterie-Divisionen,
  • 6 Alpini-Divisionen (Gebirgsjäger),
  • 3 mobile (Celere) Divisionen,
  • 2 motorisierte Divisionen und
  • 3 Panzer-Divisionen.

In Libyen wurden davon Anfang 1941 acht Divisionen durch die englische Offensive vernichtet.

Im Verlauf des Krieges wurden 20 neue Divisionen aufgestellt, aber diese konnten nicht die erheblichen Verluste der italienischen Armee ausgleichen. Mussolinis ‘Kreuzzug gegen den Bolschewismus’ kam Italien teuer zu stehen: von den 229.000 Mann, welche an die Ostfront nach Rußland geschickt wurden, kamen über die Hälfte nicht zurück. In Afrika wurden zwischen Dezember 1940 und Mai 1943 insgesamt 27 Divisionen zerstört. Weitere 36 Divisionen waren außerhalb Italiens, zur Besetzung Südfrankreichs oder den Kampf gegen die Partisanen auf den Balkan, gebunden. Eine Reihe von Divisionen befanden sich zudem in Wiederaufstellung oder der Ausbildung und so gab es nur 20 Divisionen, welche sich gegen die alliierte Invasion im Sommer 1943 stemmen konnten.

Italienische Kriegsgliederung in Nordafrika und Russland am 1. Juli 1942
Kriegsschauplatz Armee Korps Divisionen
Commando Supremo in Rom (Mussolini, Cavallero als Stabschef)Commando Supremo Afrika in Tripolis (Bastico, Gambara als Stabschef)Panzerarmee Afrika (Rommel, Gause als Stabschef). Reserven: Infanterie-Division Bologna (Auffrischung in der Cyrenaika), deutsche 164. Leichte Division (in Zuführung), deutsche Fallschirmjäger-Brigade Ramcke (in Zuführung), Fallschirmjäger-Division Folgore (in Zuführung) Armeetruppen deutsche 90. Leichte Division
DAK (Deutsches Afrika Korps)deutsche 15. Panzer-Division, 21. Panzer-Division
X. Korps27. Infanterie-Division Brescia, 17. Infanterie-Division Pavia
XX. Korps132. Panzer-Division Ariete, 133. Panzer-Division Littorio, 101. motorisierte Division Trieste
XXI. Korps102. motorisierte Division Trento, 60. Infanterie-Division Sabratha
Italienische Expeditions-Streitkräfte in Russland an der Don-Front nördlich von Stalingrad (Messe)8. Armee (Garibaldi) XXXV. Korps3. Mobile Division d'Aosta, Infanterie-Division Pasubio, Infanterie-Division Torino, 63. Sturm- Legion (Regiment) Tagliamento (Schwarzhemden)"
II. KorpsInfanterie-Division Sforzesca, Infanterie-Division Ravenna, Infanterie-Division Cosseria
Alpini-KorpsInfantrie-Division Vicenza, Alpini-Division Tridentina, Alpini-Division Julia, Alpini-Division Cuneense
Armeetruppen3. Schwarzhemden-Gruppe Gennaio, 23. Schwarzhemden-Gruppe Marzo

Im September 1943, dem Zeitpunkt der italienischen Kapitulation, waren immer noch 83 Divisionen mit 1.520.000 Mann unter Waffen und wie folgt verteilt:

  • 20 Divisionen in Norditalien und Südfrankreich,
  • 23 Divisionen in Mittel- und Süditalien,
  • 9 Divisionen auf Sardinien und Korsika,
  • 31 Divisionen in Kroatien, auf dem Balkan sowie auf Kreta und auf anderen Inseln in der Ägäis.

Während die Division die grundlegende Einheit der italienischen Armee war, gab es noch eine Reihe von Truppeneinheiten welche direkt den Korps und Armeen unterstellt waren und wobei es sich im wesentlichen um Reserve- oder Verstärkungseinheiten für Schwerpunkte handelte.
Die italienische Division wurde als ‘binäre’ Division (Divisione Binaria) bekannt, da sie um zwei Infanterie-Regimenter herum gegliedert war. Ab dem 1. März 1940 kam noch bei der Mehrzahl der Infanterie-Divisionen eine Schwarzhemden-Legion aus zwei Bataillonen hinzu; zum Teil um die Kampfkraft zu erhöhen, aber auch um faschistische Truppen in reguläre Armee-Formationen zu infiltrieren.
Im Jahr 1942 wurden Versuche unternommen, die Feuerkraft und Mechanisierung der Armee vor allem in Nordafrika zu verbessern. Zudem wurde eine neue und flexiblere Organisationsstruktur eingeführt.

Grundsätzliche Verbände der italienischen Armee 1942 (A)
Infanterie-Division Alpini-Division (Gebirgsjäger) Infanterie-Division 'Nordafrika 1942' Motorisierte Division 'Nordafrika 1942'
Anzahl der Verbändezwischen 51 (Anfang 1941) – 69 (September 1943) 6 4 2
Infanterie-Regimenter2 (je 3 Bataillone) mit je 3.279 Mann + zumeist 1 Schwarzhemden-Legion (2 Bataillone) mit 1.693 Mann2 (je 4.757 Mann)2 (jeweils um die 2.000 Mann)2 (je 1.160 Mann) + 1 Bersaglieri-Regiment außerhalb Afrikas (1.827 Mann)
Gesamtstärke 13.500 15.219 ? 6.800 bzw 9.216
Maschinengewehre 276 (60 schwere)216 (54 schwere, 162 leichte)216 (72 schwere, 144 leichte) ?
Granatwerfer174 (30 x 81mm, 144 x 45mm)58 (34 x 40mm, 24 x 81mm) + 54 Flammenwerfer72 x 20mm leichte Geschütze statt Granatwerfer36+ (81mm)
Panzerabwehr-Kanonen 24 (47mm) 72 (47mm) 24 – 40 (47mm)
Flugabwehr-Kanonen 8 (20mm) 8 (20mm) 16 – 24 (20mm)
Artillerie36 (24 x 75mm, 12 x 100mm – einige sogenannte Gebirgs-Infanterie-Divisionen nur 36 x 75mm Haubitzen)24 (75mm Gebirgs-Haubitzen)36 – 56 (24 x 75mm, 12-24 x 100mm, oft 4 – 8 x 88mm Flak)36 (24 x 75mm, 12 x 100mm)
Fahrzeuge 86 (4.000 Muli) (nicht vollständig motorisiert) 850
Panzer 46 (leichte Panzer)
Grundsätzliche Verbände der italienischen Armee 1942 (B)
Mobile Division Panzer-Division Fallschirmjäger-Division
Anzahl der Verbände 3 2-3 1-2
Infanterie-Regimenter1 (Bersaglieri mit 2.727 Mann) + Kradschützen-Kompanie (178 Mann) + 2 Kavallerie-Regimenter (je 878 Mann)1 Bersaglieri (1.827 Mann)2 (je 1.304 Mann)
Gesamtstärke 7.739 ? ?
Maschinengewehreca. 132 (24 schwere, 108 leichte)ca. 132 (24 schwere, 108 leichte)108 leichte + 124 halb-automatische Gewehre
Granatwerferca. 60 (6 x 81mm, 54 x 45mm)9 (81mm)6+ (81mm)
Panzerabwehr-Kanonen16 (47mm)24 (21 x 47/32 Selbstfahr-lafetten, 3 x 47mm Pak)?
Flugabwehr-Kanonen 8 26 (20mm) ?
Artillerie36 (24 x 75mm, 12 x 100mm)36 oder 70 ( 36 x Semovente M40 Selbstfahr-lafetten in Afrika; sonst 24 x 75mm, 18 x 105mm, 8 x 90mm gezogene Kanonen und nur 20 Semovente M40) 24
Fahrzeuge 218 Transport-LKWs ?
Panzerca. 46 (leichte Panzer)104-275 M13/40 oder M14/41 Panzer; Standard in Afrika sind 104 plus 5 leichte Panzer und 47 Panzerspähwagen

Die Alpini-, Fallschirmjäger- und Bersaglieri-Regimenter waren oft von höchster Qualität, aber die meisten Infanterie-Einheiten waren schlecht ausgerüstet und mangelhaft versorgt. Die Italiener tendierten dazu, die Infanterie anderen Waffengattungen unterzuordnen und der italienische Soldat war mangels ausreichender Propaganda – im Gegensatz zu den meisten deutschen Soldaten – niemals von der Notwendigkeit seiner Beteiligung oder der Gerechtigkeit des Krieges überzeugt.

Die italienische militärische Doktrin betonte die Offensive und die Defensive wurde nur als vorübergehendes und zweckmäßiges Mittel zur Vorbereitung eines schnellen Gegenangriffes angesehen. Aber in Wirklichkeit waren die italienischen Angriffe selten nachhaltig. Bereits 1940 stellte die griechische Armee fest, daß ein italienischer Angriff schon nach 20 Minuten gegen einen entschlossenen Verteidiger zum erliegen kam.
Im Gegensatz zu der allgemein populären Meinung mangelte es dem italienischen Soldaten nicht an Tapferkeit – was ihm fehlte, waren zumeist die Waffen und Ausrüstung für eine moderne Kriegsführung. Gerade in Nordafrika erwies sich der italienische Soldat zwischen 1941 und 1943 als tapfer und zäh, trotz unzureichender Bewaffnung, miserabler Versorgung und unbeschreiblich schlechter Führung. Zumindest einige der dort kämpfenden Verbände erlangten den gleichen Respekt wie die Einheiten des Deutschen Afrika Korps oder der Britischen 8. Armee.


Italienische Luftwaffe (Regia Aeronautica)

Aufmunitionierung eines Macchi MC200 Saetta Jagdflugzeuges

Aufmunitionierung eines Macchi MC200 Saetta Jagdflugzeuges. Es hatte einen Motor miit nur wenig Kraft und die Leistungen waren daher bescheiden. Zudem hatte es nie etwas derartiges, was in den Luftstreitkräften anderer Länder als kampfkräftige Bewaffnung angesehen wurde. Jedoch war der Jäger im Luftkampf gegen die schwerfälligen englischen Hawker Hurricane effektiv. Von Ende 1940 bis zur Kapitulation Italiens im September 1943 sah die Macchi MC200 Saetta mehr Kampfeinsätze als jeder andere italienische Flugzeugtyp – und wurde sogar noch etwa bis Dezember 1944 weitergebaut.

Bereits im August 1941 wurde eine Expeditionsstreitmacht der italienischen Luftwaffe (Comando Aviazione des Corpo de Spedizione Italiano mit drei Gruppen mit insg. etwa 100 Flugzeugen) nach Russland als Teil des ‘Kreuzzuges gegen den Bolschewismus’ entsandt. Das Ergebnis hiervon war, das die sowieso schon zu schwachen italienischen Luftstreitkräfte noch weiter verzettelt wurden und über dem Mittelmeer die dringend benötigten Flugzeuge fehlten.

Über dem Mittelmeer war die Regia Aeronautica mit Angriffen auf Malta und der Unterstützung der Armee in Libyen beschäftigt. Das Versäumnis, Malta endgültig auszuschalten und zu verhindern, daß englische Geleitzüge das Mittelmeer durchfahren konnten, ermöglichten den Aufbau einer starken britischen Streitmacht in Ägypten, was schließlich zu der Niederlage der zahlenmäßig unterlegenen Achsenstreitkräfte im Herbst 1942 in Nordafrika führte.

Zunehmende Flugzeugverluste in den Jahren 1941 und 1942 wurden nicht durch eine gesteigerte Produktion gedeckt, und so mußte schließlich die deutsche Luftwaffe die Hauptlast des Luftkrieges über Nordafrika tragen. Die italienische Luftwaffe konzentrierte sich auf Aufklärungs- und Versorgungsflüge sowie die Verteidigung der Heimat gegen zunehmende Angriffe alliierter Bomberverbände.
Der Zusammenbruch der Achsenmächte in Tunesien im Mai 1943 und der massive Aufbau der alliierten Luftstreitkräfte im Mittelmeer-Raum drängte die italienische Luftwaffe in die Defensive. Trotz tapferer Einsätze war die italienische Luftwaffe nicht in der Lage, sich ausreichend gegen die alliierte Materialüberlegenheit zu behaupten. Bis zum 8. September 1943, dem Eintritt des Waffenstillstandes, bestand die Regia Aeronautica praktisch nicht mehr.

Die italienische Luftwaffe hatte den Krieg mit etwa 2.000 kampfbereiten Flugzeugen begonnen und hatte etwa noch die gleiche Anzahl in der Reserve. Im September 1943 verfügte sie nur noch über 1.200 Flugzeuge, wovon nur die Hälfte einsatzbereit war.

Die grundlegende taktische Einheit war die Staffel (Squadriglia), welche eine Stärke von zumeist neun Flugzeugen mit drei weiteren in Reserve hatte, wobei Bomberverbände in der Regel allerdings nur sechs Frontflugzeuge besaßen.
Zwei oder drei Staffeln bildeten eine Gruppe (Gruppo) und zwei oder mehr Gruppen ein Geschwader (Stormo), was die grundlegende taktische Formation innerhalb der italienischen Luftwaffe war. Zwei oder drei Geschwader bildeten gelegentlich eine Luftbrigade, was wiederum zusammen mit einer weiteren Luftbrigade eine Luft-Division ergab. Die größte Formation innerhalb der Luftwaffe war die Luftarmee (Luftflotte), welche aus zwei oder mehreren einheitlichen Jagd- oder Bomber-Divisionen bestand.

Die schweren Verluste durch die englische Offensive im Januar und Februar 1941 erforderten eine umfassende Verstärkung der italienischen Luftwaffe in Nordafrika.

EINSATZBEREITE italienische Kampfflugzeuge auf Sizilien, Sardinien und Nordafrika am 1. Juli 1942
Sizilien Sardinien Libyen
Jagdflugzeuge 114 51 159
Jagdbomber und Sturzkampfbomber 15 - 25
Bomber 58 32 32

Die Stärke der italienischen Luftwaffe in Nordafrika erreichte ihren Höhepunkt im Oktober 1942 und bestand aus folgenden einsatzbereiten Gruppen:

  • 7 Gruppen (ca. 210 Flugzeuge) von Macchi MC202 Jagdflugzeugen
  • 5 Gruppen (ca. 150 Flugzeuge) von Fiat CR42 Jagdbombern
  • 1 Gruppe (ca. 20-30 Flugzeuge) von Junkers Ju 87 Sturzkampfbombern
  • 1 Gruppe (ca. 20 Flugzeuge) von Z1007 Bombern
  • 2 Gruppen (ca. 40 Flugzeuge) von SM79 Bombern
Gesamtstärke im November 1942
Jagdflugzeuge Jagdbomber und Sturzkampfbomber Bomber
Italien 264 20 209
Sizilien 184 - 84
Sardinien 33 - 72
Libyen 147 85 61
Ägäis 46 - 41
Griechenland 81 -
Albanien 15 - 17
Slowenien und Dalamatien - - 17
Russland 40 -
Insgesamt 810 105 501

Der Mangel an Ersatzteilen und Flugbenzin reduzierte die Effektivität der italienischen Luftwaffe in Nordafrika erheblich, welche seit Anfang 1942 praktisch der deutschen Luftwaffe unterstellt war. Einheiten der italienischen Luftwaffe waren auch bis 1943 in Griechenland stationiert, wo sie mit Angriffen auf alliierte Schiffe in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer beauftragt waren.

Zwar gab es schon zuvor gelegentliche Angriffe des englischen Bomberkommandos der RAF (Royal Air Force), aber es wurde erst 1942, als mit der Entwicklung der viermotorigen Langstreckenbomber auch die Industriestädte in Norditalien zu regelmäßigen Zielen wurden. Drei Gruppen von Nachtjägern wurden aufgestellt und eine Anzahl mit Radar ausgerüsteter Messerschmitt Bf 110 und Dornier Do 217J wurden aus Deutschland geliefert, aber ohne eine effektive Bodenorganisation mit Radaranlagen erwies sich eine effektive Verteidigung als unmöglich. Zum Glück für Italien richtete sich der Schwerpunkt der alliierten strategischen Luftoffensive jedoch gegen Deutschland.

Auch interessant:
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Ein Kommentar

  1. man muss den gesamten Kriegseinsatz der Italiener als einzige Katastrope ansehen… Strategisch,Taktisch. Unterm strich sicher, eine der erbärmlichsten Leistungen der gesamten Kriegshistorie !

    Und die schuld ist mit sicherheit nicht, beim normalen Soldaten zusuchen !

    Allein der einfluss auf die Deutsche Kriegsführung ist enorm !

Kommentar verfassen