Italienische Armee

Italienische Infanterie

Italienische Infanterie (v.l.n.r): Infanterist (1915-18), Leutnant V. Sturm-Battalion (1918), Unteroffizier Toskana-Brigade (1917).

Die italienische Armee im 1. Weltkrieg – Uniformen, Stärke, Divisionen, Organisation.

Wie einige andere Großmächte führte Italien die Wehrpflicht in den 1870er Jahren ein und setzte den Zeitraum für die Dienstpflicht auf drei Jahre fest. In vielerlei Hinsicht war die Armee die einzige wirkliche, nationale Organisation der neugeborenen Nation Italien. Doch selbst diese Armee war eine Mischung aus den früheren lokalen Armeen, vereinigt rund um die piemontesischen Armee, ebenso wie Italien selbst sich um die piemontesischen Monarchie vereinigt hatte. Obwohl ihre lokalen Bestandteile jeweils ihre eigenen stolzen Traditionen hatten, prägten die Traditionen von Piemont die Armee, was zu Frustration und Groll führte, wenn piemontesische Offiziere eine Vorzugsbehandlung genossen oder schneller befördert wurden. Es gab davon natürlich Ausnahmen, insbesondere General Armando Diaz, der obwohl aus Neapel kommend und mit spanischer Abstammung, in der italienischen Armee aufstieg und diese im letzten Jahr des Krieges befehligte.

Trotz der durch Wirtschaftskraft und Bildungsschwächen auferlegten Einschränkungen Italiens, war die Armee führend in verschiedenen Bereichen der militärischen Modernisierung gewesen. Die Italiener waren die ersten, welche Flugzeuge im Krieg einsetzten (in Libyen ab Oktober 1912) und mit dem am weitesten verbreiteten Einsatz von Panzerwagen. Die zunehmende Begeisterung für den Motortransport mag seine Ursache auch in dem historischen Mangel an Pferden im Land gehabt haben.

Wirtschaftliche und politische Zwänge führten dazu, dass eine dringend benötigtes Umrüstungsprogramm nur sehr langsam durchgeführt wurde. Bis 1914 hatte die italienische Armee immer noch nicht das Material ersetzt, welches sie in Libyen verloren hatte. Aber zwischen August 1914 und Mai 1915 bewegten sich die Dinge schneller vor dem Hintergrund des Krieges im Norden. Es gab es eine drastische Reduzierung der Verschwendung und eine deutliche Erhöhung der Zahl der jüngeren Offiziere. Die Armee wurde auch durch das Phänomen des ‘Volontarismo’ geholfen, welcher die Volksstimmung wiedergab.

Die Politik, die Armee dazu zu benutzen, die nationale Einheit zu fördern, führte zu einem komplizierten System bei der Wehrpflicht und Mobilisierung. Jedes Regiment bezog seine Rekruten aus zwei getrennten Regionen und schickte sie dann zu einem Dritten weiter. Nachdem ihre Dienstzeit zu Ende war, kehrten die Männer jodoch als Reservisten wieder nach Hause zurück. Und als sie dann zu den Fahnen gerufen wurden, traten diese Reservisten stattdessen ihren ‘lokalen’ statt ihren ursprünglichen Regimentern bei. Dadurch entwickelten diese Regimenter aus eingezogenen Reservisten wieder lokale Identitäten.
Die einzigen Ausnahmen von diesem System vom Mischen und Überstellen der Rekruten waren die Alpini, welche vornehmlich aus den Alpen-Regionen von Norditalien stammten, und wo sie auch stationiert waren.

Unter dem Rekrutierungsschema von 1907 waren alle wehrfähigen Männer in drei Klassen im Alter zwischen 19 und 38 Jahren aufzurufen. Die erste Klasse verbrachte zwei Jahre im aktiven Dienst, sechs in der Reserve, vier in der mobilen Miliz und sieben in der Territorial-Miliz. Die zweite Klasse verbrachte sechs Monate im aktiven Dienst, siebeneinhalb Jahre in der Reserve und den gleichen Zeiträumen in der Miliz als Erste Klasse. Die dritte Klasse verbrachte alle 19 Jahre in der Territorial-Miliz, erhielt aber praktisch kein effektives Training.

Tatsächlich diente aber nur eine Minderheit der Wehrpflichtigen in der Armee. So werden für 1911 angegeben, daß nur weniger als 25 Prozent der Wehrpflichtigen tatsächlich eingezogen wurden. Das Ergebnis war, daß die ‘aktive Armee’ lediglich aus Offizieren – welche immer in einer zu geringen Zahl als benötigt vorhanden waren – und nur der Ersten Klasse der Wehrpflichtigen bestand. Erschwerend kam hinzu, daß die neuen Wehrpflichtigen zwar sich im November melden mußten, aber der Beginn ihrer eigentlichen Dienstzeit wurde auf den kommenden März verschoben. Da dieser Zeitraum in der Praxis jedoch nicht durch die Ausbildung der Zweiten Klasse genutzt wurde, gab es in den Wintermonaten praktisch keine stehende Armee. Selbst in den Sommermonaten hatten die Einheiten weniger als zehn Prozent ihrer nominellen Stärke.
Die Probleme wurden durch den Mangel an Unteroffizieren, welche traditionell aus der in Italien sehr kleinen, gebildeten unteren Mittelklasse stammten, verschärft. Nichtsdestotrotz gelang es der Armee, bemerkenswerte Verbesserungen bis zum Auftakt zum Krieg zu erreichen.


Stärke

Bis zum Mai 1915 hatte der Chef des Generalstabs, General Cadorna, 23.039 Offiziere, 852.217 Mannschaften und 9.163 Zivilisten mobilisiert. König Vittorio Emanuel – nominell Oberbefehlshaber – verbrachte den Krieg zwar in der Nähe der Front, aber General Cadorna führte die tatsächliche Befehlsgewalt aus, während der König zwischen seinem Stabschef und seiner Regierung in Rom vermittelte.

Italien trat in den Krieg ein mit 12 Armeekorps innerhalb Italiens zu je zwei aktiven Infanteriedivisionen.

Die Korps hatten ihre ursprünglichen Hauptquartiere wie folgt:

  • I. Korps – Turin,
  • II – Alessandria,
  • III – Mailand,
  • IV – Genua,
  • V – Verona,
  • VI – Bologna,
  • VII – Ancona,
  • VIII – Florenz
  • IX – Rom,
  • X – Neapel
  • XI Bari,
  • XII – Palermo und Cagliari (wobei dieses mit 3 Divisionen einzigartig war).

Es gab auch zwei Korps in den Kolonien. Diese 14 Korps wurden auf vier Armeen verteilt.

Italienische Soldaten

Italienische Soldaten (von links nach rechts): Soldat der Alpini in Winterkleidung (1917), Soldat der Bersaglieri (1915), Soldat eines Alpine-Regiments (1914).

Einschließlich Reserven der zweiten Linie gab es 35 Infanterie-Divisionen und ein Dutzend Miliz-Divisionen (aus insgesamt zwei Grenadier- und 94 Linienregimentern), eine Bersaglieri-Division (12 Regimenter), zwei Alpini-Gruppen (52 Bataillone in acht Regimenter), vier Kavalleriedivisionen, 14 Bataillone Pioniere, 467 Feldartillerie-Batterien mit fast 2.000 Kanonen und Haubitzen, sowie Bataillone der para-militärischen Carabinieri und Guardi di Finanza (militarisierte Zollpolizei), um die Feldarmee zu unterstützen.

Während des Krieges expandierte die Armee massiv und ihre Strukturen wurde geändert, welche die neuen Bedingungen des Stellungskrieges widerspiegelten. Bis Ende 1915 gab es bereits 181 neue Kampfbataillone: darunter 72 der Linieninfanterie, vier der Bersaglieri, 26 der Alpini, vier der Gebirgsartillerie, 18 der schweren Artillerie, 20 der überschweren Artillerie und 37 der Pioniere. Diese Zahlen erhöhten sich noch weiter bis zum Oktober 1917, als es offiziell 26 Armeekorps mit insgesamt 65 Infanterie- und vier Kavallerie-Divisionen gab (tatsächlich waren es sogar 27 Infanteriekorps, da die 35. Division in Mazedonien so stark war wie ein ganzes Korps).

Die Katastrophe von Caporetto im Oktober 1917 und der damit verbundenen italienischen Rückzug auf den Fluss Piave kosten die Armee rund 300.000 Gefallene, Verwundet und Gefangene sowie 3.150 Artilleriegeschütze, 1.732 Mörser, 3.000 Maschinengewehre und 300.000 Gewehre. Dies erforderte praktisch den Wiederaufbau der italienischen Armee. Der neue Chef des Generalstabs, General Armando Diaz, löste die zerschmetterten Überreste von 46 Infanterie-Regimenter, vier Bersaglieri-Regimenter und 15 Alpini-Bataillone sowie zahlreicher Unterstützungseinheiten auf.

Die Armee schrumpfte auf 33 Divisionen, erlebte aber von Ende 1917 bis 1918 eine erstaunliche Erholung mit der Aufnahme von neuen Einheiten und der Schaffung von neuen Formationen. Bis zum Ende des Krieges befanden sich 5,2 Millionen Männer im Dienst, in neun nummerierten Armeen und unzähligen Organisationen hinter der Front.

Jedes Korps bestand aus zwei Infanterie-Divisionen, einem Bersaglieri-Regiment, einem Kavallerieregiment, einem Feldartillerie-Regiment aus 8 Batterien, zwei oder drei Batterien von schweren Haubitzen und Unterstützungseinheiten.

Wie in anderen kriegführenden Armeen auch, sank der Anteil der Infanteristen als der Krieg zunehmend ‘industrialisiert’ wurde, während die Artillerie, Ingenieure, Pioniere und Bautruppen, Transportwesen, Wartungseinheiten, Melde- und Sanitätsdienst ausgebaut wurden.


ITALIEN (23. Mai 1915 – 3. November 1918)

  • Truppenstärke bei Kriegsbeginn = 3.450.000
  • Heeresstärke im Verlauf des Krieges = 5.615.000
  • Tote Militär = 460.000
  • Verwundete Militär = 947.000
  • Ziviltote = unbekannt, aber gering

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