Hs 129

Deutsches Erdkampfunterstützungsflugzeug Henschel Hs 129

Hs 129 greift Panzer an

Henschel Hs 129 greift im Mai 1943 US-Panzer in Tunesien an.

Deutschland-FahneHenschel Hs 129
Typ: Erdkampfunterstützungsflugzeug.

Geschichte:

Obwohl es im 1. Weltkrieg viele spezielle Erdkampfflugzeuge gab, wurde diese Kategorie fast vergessen, bis sich im Spanischen Bürgerkrieg zeigte, daß diese eine der wichtigsten war. 1938 forderte das RLM (Reichsluftfahrtministerium) ein solches Flugzeug – die Luftwaffe sollte lediglich die Wehrmacht in den Blitzkriegen unterstützen – als Verstärkung für die Ju 87 Stuka.

Henschels Dipl.-Ing. F. Nicholaus entwarf so etwas wie einen gepanzerten zweimotorigen Jäger mit schwächeren Motoren (zwei luftgekühlte Argus As 410A-1 V-12-Motoren). Der Pilot saß im gepanzerten Cockpit weit vorn im Bug hinter einer fast 8 cm dicken, gepanzerten Windschutzscheibe. Im Rumpf mit dreieckigem Querschnitt waren die selbstdichtenden Tanks, an den schrägen Seiten die Kanonen und darunter eine Bombenaufhängung.

Die Testpiloten in Rechlin hielten die Vorserien-A-0 für stark untermotorisiert, doch die rumänische Luftwaffe setzte sie an der Ostfront ein. Die umkonstruierte B-Serie erhielt die französischen M14-Motoren, die in großer Zahl in Vichy-Frankreich für die Me 323 hergestellt wurden. Insgesamt wurden 841 der B-Serie gebaut, die mit guter Wirkung an der Ostfront, doch mit weniger Erfolg in Nordafrika eingesetzt wurden.

Die B-1/R1 war mit zwei 7,92 mm MG 17, zwei 20 mm MG 151/20 sowie entweder zwei 50 kg-Bomben oder 48 Splitterbomben ausgerüstet.
Die R2 war mit einer unten aufgehängten 30 mm MK 101 das erste Flugzeug überhaupt, das eine 30 mm Kanone einsetzte.
Die R3 hatte einen Unterrumpfbehälter mit vier MG 17.
Die R4 trug bis zu 250 kg an Bomben.
Die R5 hatte eine Senkrechtkamera.

In der B-2-Serie wurden die eingebauten MG 17 durch MG 131 ausgetauscht. Andere Untertypen trugen unterschiedlichste Waffen einschließlich der 37 mm BK 3,7, welche auch die Ju 87G verwendete. Die neueste und gegen russische Panzer mit verheerendem Erfolg eingesetzte Waffe war eine Batterie von sechs rückstoßfreien Glattrohrkanonen, deren Schüsse automatisch beim Überfliegen von Metall ausgelöst wurden.
Mit der Hs 129B waren auch drei Staffeln der 8. Schlachtgruppe der könglich-rumänischen Luftstreitkräfte ausgerüstet.

Am spektakulärsten war jedoch der Einbau der riesigen PaK 40 vom Kaliber 75mm. Diese Waffe wog 1.500 kg in ihrer ursprünglichen Form als Panzerabwehrkanone und verschoß ein 3,2-kg-Wolfram-Karbid-Geschoß mit 933 m/s. Selbst auf eine Entfernung von 1.000 Metern konnte es eine 133mm dicke Panzerung bei flachem Einschlagwinkel durchschlagen.
Abgeändert als PaK 40L hatte die Kanone eine viel größere Mündungsbremse um den Rückstoß und den elektro-pneumatischen Betrieb abzumildern, welcher durch das automatische Nachladen entstand. Eingebaut in der Hs 129B-3/Wa wurde die gigantische Kanone mit 26 Geschossen versorgt, welche mit einer Feuerkadenz von 40 Schuß in der Minute verschossen werden konnten. Dadurch konnten 3 oder 4 Granaten bei einem Anflug auf ein Ziel abgefeuert werden. Fast immer genügte ein gut platzierter Treffer um jeden Panzer zu zerstören, selbst direkt auf die stärkere Frontalpanzerung.
Das einzige Problem war, daß die PaK 40L eigentlich viel zu mächtig für dieses Flugzeug war. Ganz abgesehen von dem starken Rückstoß und dem Geschoßknall, machte das schiere Gewicht der Kanone die Hs 129B-3/Wa kaum beherrschbar und im Notfall mußte der Pilot die ganze Kanone mit ihrer Mechanik abtrennen und fallen lassen.

Ende September 1944 wurde das gesamte Fertigungsprogramm eingestellt, zusammen mit dem fast aller anderen deutschen Flugzeugtypen mit Ausnahme des ‘Jäger-Notfall-Sonderbauprogrammes’ und der neuen Düsenflugzeuge. Insgesamt betrug die Produktion nur etwa 870 Flugzeuge, einschließlich der Prototypen. Aufgrund von Verschleiß, Unfällen und Verlusten war die Hs 129 daher niemals in der Lage, in der notwendigen Zahl die ‘fliegende Panzerabwehr’ gegen die russischen Panzer zu stellen.

Benutzer: deutsche Luftwaffe, Ungarn, Rumänien.


Animation 3D-Modell Henschel Hs 129 B-3/Wa


Spezifikationen Henschel Hs 129B-3/Wa

Spezifikationen
Henschel Hs 129B-3/Wa Spezifikation
Typ Erdkampfunterstützungs-Flugzeug
Antrieb zwei Gnome-Rhone 14M 4/5 14-Zylinder-Doppelsternmotoren mit je 700 PS
Besatzung 1
Spannweite 14,20 m
Länge über alles 9,75 m
Höhe über alles 3,25 m
Flügelfläche 29,00 m²
Leer-Gewicht 4.020 kg
Startgewicht (maximum von B-2) 5.250 kg
maximale Flügelbelastung (B-2) 181,03 kg/m²
maximale Leistung (B-2) 3,75 kg/PS
Höchstgeschwindigkeit (B-2) 407 km/h (in 3.830 m)
Marschgeschwindigkeit (B-2) 315 km/h (in 3.000 m)
Anfangssteigleistung (B-1) 425 m/min.
Steigleistung 3.000 m in 7,0 min
Dienstgipfelhöhe (B-2) 9.000 m
Reichweite (B-2) 690 km
maximale Reichweite ?
Einsatzradius ?
Bewaffnung
Henschel Hs 129B-3/Wa Spezifikation
starr nach vorne in den Bugseiten 2 x 13-mm MG 131 (930 Schuss/min, Mündungsgeschwindigkeit 760 m/s) und 2 x 20-mm MG 151/20 Schnellfeuerkanonen (720 Schuss/min, Mündungsgeschwindigkeit 593 m/s)
in Behälter unter dem Rumpf 1 x75-mm BK 7,5 (PaK 40L) Kanone (40 Schuss/min, Mündungsgeschwindigkeit 933 m/s) mit 26 Schuss
Durchschlagskraft der Kanone auf 30° 143 mm auf 100 m, 120 mm auf 500 m, 97 mm auf 1000 m, 77 mm auf 1500 m
anstatt der 75-mm-Kanone 30-mm MK 103 (420 Schuss/min, Mündungsgeschwindigkeit 870 m/s)
oder 4 x 7,92-mm MG 17 (1.200 Schuss/min, Mündungsgeschwindigkeit 765 m/s)
oder 92 x 2-kg-Splitterbomben oder eine 250-kg-Bombe unter dem Rumpf
Unterflügelstationen Zwei 50-kg-Bomben oder 48 x 2-kg-Splitterbomben
Einsatzstatistik
Hs 129 Angaben
Truppenlieferung Vorserie (Hs 129A-0) Anfang 1941
Erstflug (Hs 129B) Oktober 1941
Truppenlieferung (Hs 129B) Ende 1942
Erstflug mit 7,5-cm PaK (Hs 129B-3/Wa) Mai 1944
Endlieferung Ende September 1944
Stückpreis ?
Stückzahl (alle Varianten) ca. 870 (einschließlich Prototypen, 841 B-Serienmodelle, mehr als 24 bzw. 25 Hs 129B-3/Wa)
von Luftwaffe übernommen 1/39-12/44 (alle Versionen) 876
Produziert 1939
Produziert 1940
Produziert 1941 7
Produziert 1942 221
Produziert 1943 411
Produziert 1944 302
Produziert 1945
Bestand Hs 129 am 1.9.1939
Bestand Hs 129 am 20.9.1942 35
Bestand Hs 129 am 21.12.1942 40
Bestand Hs 129 am 10.1.1945 59
Auch interessant:
Speichere in deinen Favoriten diesen permalink.

Kommentar verfassen