Holländische Streitkräfte

Holländische Soldaten mit einem schweren Mörser

Holländische Soldaten mit einem schweren Mörser. Der Fotograf hat genau den Moment eingefangen, als die Bombe die Waffe verläßt.

Stärke und Organisation der Armee, Luftwaffe und Marine der Niederlande im Mai 1940

Holländische Armee

Während des 1. Weltkrieg wurde die Neutralität der Niederlande gewahrt und in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen hielt es die Regierung daher für angebracht, die Militärausgaben auf ein absolutes Minimum zu reduzieren. Weder die aggressive Haltung der deutschen Nazi-Regierung, noch Warnungen aus gut unterrichteten Kreisen konnten die niederländische Regierung davon überzeugen, daß diesmal mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Neutralität verletzt werden würde. So dauerte es bis zum April 1940, bis die niederländischen Streitkräfte mobilisiert wurden. Einige deutsche Offiziere, welche erhebliche Bedenken gegen den Angriff auf ein neutrales Land hatten, informierten die Holländer über den genauen Angriffstermin und somit waren die niederländischen Streitkräfte in den frühen Morgenstunden des 10. Mai 1940 im Alarmzustand.

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Trotz der Warnungen und vieler tapferer, selbstaufopfernder Taten war der deutsche Einfall in die Niederlande nach fünf Tagen erfolgreich vollendet und das Land war gezwungen zu kapitulieren. Nach dem Krieg wurde die niederländische Führung für diese schwache Leistung verantwortlich gemacht, aber tatsächlich gab es wohl wenig, was die Holländer unter diesen Umständen tun konnten. Nichts desto trotz war das deutsche Oberkommando beeindruckt von der Hartnäckigkeit der niederländischen Armee, da deren Truppen eigentlich weder die Ausrüstung, noch die entsprechende Ausbildung oder Erfahrung hatten, um mehr als einen symbolischen Widerstand zu leisten.
Viele Holländer entzogen sich der Gefangennahme durch die Deutschen und erreichten schließlich England, von wo aus sie ihren Kampf fortführten.

Die Armee bestand aus einem kleinen professionellen Kader von 1.500 Offizieren und 6.500 Soldaten, welche für die Aufrechterhaltung der militärischen Organisation verantwortlich waren sowie für die Ausbildung der jährlich 60.000 Wehrpflichten. In den Niederlanden hatte jeder Mann im Alter von 20 bis 40 Jahren grundsätzlich einen elf monatigen Wehrdienst abzuleisten. Das Feldheer war bei Mobilisation 114.000 Mann, bzw mit Reserven 270.000 Mann, stark.

Das Land war unterteilt für vier Armeekorps, welche in Amsterdam, Arnheim, Breda und Amersfoort stationiert waren. Ein Armeekorps umfasste den Korpsstab, zwei Infanterie-Divisionen, ein oder zwei schwere Artillerie-Regimenter, ein unabhängiges Artillerie-Bataillon und ein Nachrichten-Bataillon sowie ein Aufklärungs-Bataillon. Darüber hinaus gab es eine Leichte Brigade (bestehend aus dem Stab, Nachrichten-Bataillon, Abteilung von Panzerspähwagen, Radfahrer-Regiment, zwei Husaren-Kavallerie-Regimenter und ein pferde-bespanntes Artillerieregiment), eine Flugabwehr-Brigade mit Stab und zwei Flugabwehr-Regimenter.


Divisionen der niederländischen Armee 1940
Infanterie-Division
Anzahl der Verbände 8 + 2-3 Reserve
Infanterie-Regimenter ca. 3 (jedes mit 2.691 Mann)
Gesamtstärke ?
Maschinengewehre324 (216 leichte Lewis M20, 108 schwere Schwarzlose MG08/15)
Granatwerfer 18 (schwere)
Panzerabwehrkanonen 12
Artillerie ? (ca. 32)

Holländische Luftwaffe

D.XXI Jäger eskortieren einen schweren Fokker T.V-Bomber

Fokker D.XXI Jäger eskortieren einen schweren Fokker T.V-Bomber

Alarmiert durch die kriegerische Haltung Deutschlands, begann die niederländische Regierung 1937 mit einem begrenzten Erweiterungs- und Modernisierungsprogramm der Luftwaffe, welche nur aus Heeresfliegern bestand. Die niederländische Luftwaffe blieb Teil der Armee, wurde aber halb-autonom und im November 1938 wurden auch die Flugabwehrgeschütze, Suchscheinwerfer-Einheiten und das Luftbeobachter-Korps eingegliedert, sodaß das Ganze dann ‘Luftverteidigungs-Kommando’ genannt wurde.
Im Mai 1940 wurden die aktiven Teile der Heeresflieger in zwei Flieger-Regimenter eingeteilt. Das Erste bestand aus vier Jagdflieger-, einer Bomber und einer Aufklärungs-Staffel, das Zweite aus vier Gruppen Aufklärern und zwei Staffeln von Jagdflugzeugen.

Es wurde auch entschieden, die veralteten im Dienst befindlichen Flugzeuge (Fokker D.VII Jagdflugzeuge – noch aus dem Ersten Weltkrieg – und die zweisitzigen Fokker CL und CV Aufklärungsbomber) zu ersetzen. Es wurden 36 einsitzige Fokker D.XXI Jagdflugzeuge, 16 Fokker T.V-Bomber (siehe Bild: D.XXI Jäger eskortieren einen schweren Fokker T.V-Bomber), 36 schwere und zweimotorige Fokker G.Ia Jagdflugzeuge und aus den USA 18 taktische Bomber Douglas DB-8A-3N bestellt. Weiter 23 amerikanische Jagdflugzeuge vom Typ Curtiss Hawky 75A waren auch bestellt, dieses waren aber bis zum deutschen Angriff noch nicht geliefert worden.

Am 10. Mai 1940 hatten die Heeresflieger 139 einsatzbereite Flugzeuge zur Verfügung, wenn auch noch nicht alle von den neueren Typen. Jedoch wurden fast alle durch deutsche Überraschungsangriffe mit Kampfflugzeugen und Luftlandetruppen auf den holländischen Flugplätzen zerstört. Dabei kam es auch zu erheblichen personellen Verlusten von rund 8.000 Mann, von denen etwa 500 Gefangene waren.


Holländische Marine

Die holländische Marine in den europäischen Gewässern war vor dem Krieg vor allem für den örtlichen Küstenschutz und Minenoperationen in der Nordsee ausgelegt, denn die stärksten Schiffe waren in Niederländisch-Ostindien (Indonesien) stationiert. Bis 1939 wurden jedoch neue Kriegsschiffe gebaut, welche für beide Einsatzgebiete – in Europa und im Fernen Osten – gleichermaßen geeignet waren.
Im Mai 1940 war der Chef des Marinestabes und der Oberbefehlshaber der holländischen Marine Admiral J.Th. Furstner. Das Personal bestand aus 11.750 Mann, einschließlich der Marinesoldaten.

Die Marine bestand aus folgenden Schiffen:

  • 4 Kreuzer,
  • 8 Zerstörer,
  • 23 U-Boote,
  • 7 Geleit- und Patrouillenboote,
  • 5 Motor-Torpedoboote (S-Boote)
  • 281 Minensuchern.

Die Marine spielte nur eine kleine, wenn auch mutige Rolle in der Schlacht um Holland. Schiffe patrouillierten an der Küste und gaben Feuerunterstützung für die Landstreitkräfte, und in einem Fall beschoß ein holländisches Kriegsschiff einen Strand, auf dem mit deutschen Soldaten beladenen Transportflugzeuge landeten. Die kleineren Schiffe halfen durch den Transport von Truppen und Nachschub.
Als die Niederlage unausweichlich war, brachten die Schiffe etwa 20.000 Mann nach England.

Die Masse der Flugzeuge der holländischen Marineluftwaffe waren in Niederländisch-Ostindien stationiert, sodaß sich im Mai 1940 nur etwa 44 Wasserflugzeuge und 30 Trainingsflugzeuge in Holland befanden. Die Marineluftwaffe führte eine Reihe von Aufklärungsmissionen durch und schoß auch einen der modernen deutschen Jäger ab, aber bis zum 13. Mai waren kaum noch welche ihrer Flugzeuge übrig.
Am Dienstag den 14. Mai, dem Tag der holländischen Kapitulation, flogen die letzten sechs Wasserflugzeuge von Veere nach Frankreich und im Laufe des Tages folgten noch alle anderen flugfähigen Maschinen.
Während der Schlacht um Holland verlor die niederländische Marineluftwaffe 18 Wasserflugzeuge an ihren Liegeplätzen, sowie alle Trainingsflugzeuge auf dem Boden.


Holländische Marineinfanterie

Marinesoldaten der Garnison von Rotterdam

Marinesoldaten der Garnison von Rotterdam marschieren durch die Stadt.

Am 10. Mai 1940 war das Korpsmariniers (ursprünglich 1665 für den Kampf gegen England gegründet) in Rotterdam stationiert.

Die Garnison von Rotterdam bestand aus einhundert ausgebildeten Wehrpflichtigen der 1.Klasse, einhundert der 3.Klasse und einhundert Mann mit nur dreimonatiger Dienstzeit. Im Marine-Depot gab es weitere 150 Marinesoldaten, 90 Wehrpflichtige und 600 neue Rekruten. Trotz ihrer geringen Zahl und mangelhafter Ausbildung kämpften die holländischen Marinesoldaten hartnäckig gegen die deutschen Fallschirmjäger, sowohl an der Zuidersee als auch bei der Verteidigung der Maas-Brücken in Rotterdam, bis sie am 14. Mai 1940 zusammen mit den anderen niederländischen Streitkräften kapitulieren mußten.

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