britische FahneHandgranaten der britischen Armee: Granaten No. 36M, No. 69, No. 70 und Gammon-Granate.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken und Bilder.

Südafrikanische Soldaten in Nordarfika beginnen einen Angriff
Südafrikanische Soldaten in Nordafrika beginnen einen Angriff mit Handgranaten und Enfield Gewehren mit aufgepflanzten Bajonetten.

Granate No. 36M

Grenade No. 36M
Typ: Hand- oder Gewehrgranate.

Geschichte

Britische Grabenausrüstung
Britische Ausrüstung für Grabenüberfälle: Nagelknüppel, No.2 Mk.I Granate, ‘kugelsichere’ Weste, Mills-Handgranade, Webley-Revolver.
Die 36M-Granate, welche von den britischen Tommys auch als ‘Mills Bomb’ nach ihrem Erfinder bezeichnet wurde, hat eine lange und ereignisreiche Geschichte.

Diese begann 1915 als Granate No. (Nr.) 5, wurde dann mit einer Schwanzstange versehen, um von einem Gewehr abgefeuert werden zu können und erhielt dabei den neuen Namen Granate No. 23.
Im Jahre 1918 erhielt sie eine 6,35 cm dicke, abnehmbare Bodenplatte aus Zinn, um aus einem aufsetzbaren Gewehr-Granatgerät abgefeuert werden zu können und wurde zur No. 36 umnummeriert. Kurz darauf wurden eine Anzahl speziell wasserdicht gemacht, um in Mesopotamien eingesetzt zu werden und als No. 36M bezeichnet.

Die Herstellung der Granaten No. 5 und No. 23 wurde 1918 eingestellt, während No. 36 im Jahr 1932 für veraltet erklärt wurde. Somit verblieb No. 36M als Standard-Handgranate der britischen Armee.

Dabei hat sich der Mechanismus seit Mills ursprünglichem Patent vom Mai 1915 kaum verändert. Ein zentraler Kanal hält oben einen Schlagbolzen, der gegen den Druck einer Feder durch einen gebogenen Hebel gehalten wird, der wiederum durch einen Spannstift sicher gehalten wird.

Mechanismus der 'Mills Bomb'
Der Mechanismus der ‘Mills Bomb’ bei der Verwendung als Gewehrgranate.
Unter dem Schlagbolzen befindet sich ein ‘Zündsatz’, der aus einer 0,22-inch-Randfeuerpatrone (56 mm), einem kurzen Sicherheitszünder und einem Detonator besteht. Dieser Zündersatz ist U-förmig, sodass die Patrone in den zentralen Kanal eindringt, während der Zünder in eine daneben liegende Tasche eintritt. Der Zündersatz kann durch Packen des gekrümmten Abschnitts der Zündschnur eingeführt oder entfernt werden. Nach dem Einsetzen des Satzes gilt die Granate als ‘scharf’ und ein Bodenstopfen wird eingeschraubt, um den Zündsatz an seiner Stelle festzuhalten.

Der Zünder brannte ursprünglich mit einer Verzögerung von 7 Sekunden, was beim Abschuss der Granate aus einem Gewehrgranatwerfer erforderlich war. Aber 1940 beklagte sich die britische Expeditionstruppe, dass die Verzögerung für das Werfen von Hand zu lang sei, da die Deutschen geschickt genug waren, sie aufzusammeln und zurückzuwerfen.
Deshalb wurde umgehend ein Vier-Sekunden-Zündsatz entwickelt und ausgegeben, was zu einer Reihe von unangenehmen Überraschungen bei den deutschen Truppen führte, bevor sich die Neuigkeit herumgesprochen hatte.
In der Folge wurde der 4-Sekunden-Zündsatz für die Verwendung als Handgranaten beibehalten, während der 7-Sekunden-Zünder für den Einsatz als Gewehrgranate weiterhin zur Verfügung stand.

Handgranate No. 36M
Die britische Handgranate No. 36M
Die Handgranate No. 36M wurde von den britischen Truppen auf allen Kriegsschauplätzen ausgiebig eingesetzt. Es handelte sich um eine Handgranate vom ‘defensiven’ Muster und die Fragmentierung bei der Explosion konnte unregelmäßig sein, wobei große Stücke oft bis zu 90 Meter oder mehr weggeschleudert werden. Daher war es für den Werfer und seinen Kameraden lebenswichtig, in Deckung zu gehen, sobald er die Granate geworfen hatte.

Von Zeit zu Zeit wiesen verschiedene britische Militärbehörden auf diese und andere theoretische Mängel hin und versuchten, neue Granaten zu entwerfen, die eine Verbesserung darstellen würden. Keine von ihnen tat dies in der Folgezeit, sodass die Handgranate No. 36M bei der britischen Armee lange Zeit ihren Truppengebrauch unbeirrt fortsetzte.


Granate No. 69

Grenade No. 69
Typ: Handgranate.

Geschichte

Die Handgranate No. 69 wurde als ‘offensive’ Granate klassifiziert, wobei ihr Explosionsgeräusch schlimmer als ihre Splitterwirkung war.
Es handelte sich lediglich um eine tonnenförmige Hülle aus schwarzem Kunststoff, die mit einem Sprengstoff gefüllt war und an einem Ende einen ‘Allzweck’-Zünder hatte. Folglich bestand die Wirkung hauptsächlich aus einer Spreng- und Schockwirkung und es gab nur sehr wenige tödliche Fragmente in ihr.


Ihr Hauptzweck sollte die Verwendung im Angriff oder beim Häuserkampf sein, bei dem sie geworfen werden konnte, um den Feind durcheinander zu rütteln und zu schockieren, während der Werfer der Granate mit einer Maschinenpistole folgte.

Leider wurde sie bei ihrer ersten Ausgabe an die Truppe als ‘nicht-tödliche’ Granate verrufen, was zu ihrer unerlaubten Verwendung als Übungsgranate führte. Anschließend bedurfte eines oder zweier schwerer Unfälle, um die Soldaten davon zu überzeugen, dass mit ihr doch eine gewisse Gefahr verbunden war.

Der Zünder wurde durch eine Bleikugel betätigt, welche durch einen Stift, der an einem kurzen Stück Band mit einem Gewicht an seinem freien Ende befestigt war, sicher gehalten wurde. Das Band und das Gewicht wurden um die Sicherung gewickelt und von einer Sicherheitskappe gehalten.
Um die Granate zu werfen, wurde diese Kappe abgeschraubt und entfernt und als die Granate die Hand des Werfers verließ, bewirkte ihre Bewegung durch die Luft, dass sich das Band abwickelte, sodass der Zug des Gewichts die Sicherheitsnadel herauszog. Die Granate wurde dadurch scharf gemacht und beim Auftreffen auf dem Boden in jedem beliebigen Winkel, setzte der Schwung der Bleikugel den Zündmechanismus in Bewegung und auf die eine oder andere Weise wurde eine Nadel in den Zünder getrieben und die Granatfüllung detonierte. Daher auch der Begriff ‘Allzweck’.

Die Handgranate No. 69 wurde anschließend vor allem in Nordwesteuropa recht häufig als Ergänzung zu anderen Waffen bei der Räumung von Häusern eingesetzt.
Keine andere Variante kam zum Einsatz, aber 1944 wurden gusseiserne Mäntel ausprobiert, die um die Granate herum angebracht werden konnten, um tödliche Splitter zu verteilen. Sie erwiesen sich aber in der Wirkung einer richtig konstruierten Abwehrgranate wie der No. 36M als unterlegen und hatte zudem eine ungünstige Form für das Werfen. Deshalb wurden die Versuche damit im Juli 1944 abgebrochen.

 Handgranate No. 69
Die Handgranate No. 69 in der Mitte, links und rechts davon Versuchsmuster mit Splittermantelung.

Granate No. 70

Grenade No. 70
Typ: Handgranate.

Geschichte

Bei der anfangs beschriebenen Granate No. 36M wurde schon erwähnt, dass von Zeit zu Zeit immer ein neuer Entwurf vorgeschlagen wurde, um dieses alte Modell zu ersetzen. Einer dieser jungen Hoffnungsträger während des Zweiten Weltkriegs war die Granate No. 70.

Drei besondere Einwände wurden gegen die No. 36M erhoben:

  • erstens ihr Gewicht,
  • zweitens die Tatsache, dass die Ausbreitung der Detonation durch die Sprengstofffüllung theoretisch fehlerhaft war, da der Zünder auf einer Seite lag,
  • und drittens, dass, wenn ein Soldat, welcher die Granate entweder aus Versehen oder weil er verwundet wurde, fallen ließ, der Sicherungshebel wegflog und der Zünder zu brennen begann. Wenn sie dann nicht aufgehoben und weggeworfen wurde, bestand die Gefahr, ihn selbst und die eigenen Männer in der Nähe zum Opfer der eigenen Handgranate werden zu lassen. Im Falle eines Soldaten, der beim Werfen verwundet wurde, waren die Möglichkeiten eine scharfe Granate loszuwerden, ziemlich gering.

Handgranate No. 70
Aufbau der Handgranate No. 70
Die Granate No. 70 sollte diese Mängel beheben. Tatsächlich war sie kaum mehr als eine aktuallisierte Version der Granate No. 54, einem Entwurf aus den 1920er Jahren, welcher schon versucht hatte, die gleichen Probleme zu lösen.
Das Gewicht wurde auf 0,453 kg reduziert, sodass der Soldat mehr tragen und weiter werfen konnte. Der Zünder wurde zentral angebracht, um eine bessere Verteilung der Explosion zu ermöglichen und somit eine Zersplitterung zu erzeugen, die so gut oder wenn nicht sogar besser als bei der No. 36M war. Dazu war die Granate mit dem ‘Allzweck’-Zünder Nr. 247 ausgestattet, der schon bei der zuvor beschriebenen Granate No. 69 verwendet wurde.

Die Konstruktionsarbeiten begannen 1944 und zahlreiche Arten von Sprengstoff wurden ausprobiert, bevor man sich auf das bewährte Baratol festlegte. Es gab viel Ärger wegen der Empfindlichkeit des Zünders, aber schließlich wurde Anfang 1945 eine Anzahl der Granaten an die 14. Armee in Burma für ausgedehnte Kampfversuche geschickt.

Sie scheinen sich recht gut bewährt zu haben, obwohl die Truppen nach allen Berichten trotzdem die alten No. 36M bevorzugten. Auf jeden Fall gab es immer noch Probleme mit dem Zünder und es scheint auch einige Zweifel an ihrer Sicherheit gegeben zu haben.

Deshalb wurden die verbliebenen Granaten des Modells eingezogen und in großen Mengen zerstört. Obwohl die Experimente nach dem Krieg noch einige Zeit weitergeführt wurden, wurde der Entwurf schließlich aufgegeben und die Handgranate für veraltet erklärt.

Varianten

Mark 1: Experimentelles Modell mit der Sicherung Nr. 247 Mk 1, welches niemals an die Truppe ausgegeben wurde.
Mark 2: An die Truppe ausgegebenes Modell mit der Sicherung Nr. 247 Mk 2.
Mark 3: Geringe Änderungen in der Konstruktion, aber niemals ausgegeben.


Granate No. 82

Grenade No. 82 (Gammon grenade)
Typ: Handgranate.

Geschichte

Die sogenannte ‘Gammon-Granate’ geht als die einzige offiziell ausgegebene ‘Do-it-yourself’-Granate in die Militärgeschichte ein. Der ursprüngliche Entwurf scheint bei den Luftlandetruppen entstanden zu sein und ihr Ziel war es, dem Fallschirmjäger etwas von dem Gewicht abzunehmen, mit dem er belastet wurde, da die Liste der wünschenswerten Ausrüstungsteile immer länger wurde.
Unter den vielen Dingen, die er tragen sollte, war ein Vorrat an Plastiksprengstoff in Stangen, falls Sprengungen erforderlich waren. Eine schnelles Zusammentragen der mitgeführten Stangen unter den Fallschirmjägern im Landegebiet würde genügend Sprengstoff für Sprengungen zusammenbringen, da in ihrem Absetzgebiet selten Pioniere oder andere Spezialisten zur Verfügung standen.

Ein weiterer wünschenswerter Punkt war natürlich auch ein Vorrat an Handgranaten für die Männer und so muss jemandem auf den Gedanken gekommen sein, dass eine Granate kaum mehr als ein Zünder mit einer Menge Sprengstoff darunter war. Da die Luftlandesoldaten bereits Sprengstoff bei sich trugen, konnten sie einfach noch Zünder erhalten und so konnten sie bei Bedarf den Plastiksprengstoff als Handgranaten verwenden.

 'Gammon'-Granate
Die ‘Gammon’-Granate; gefüllt und leer.
Damit war die Granate No. 82 geboren. Sie bestand in der ausgegebenen Form aus nicht mehr als einem immer vorhandenen Zünder, der an einem Stoffbeutel befestigt war und der unten offen und mit einem starken Gummiband gerafft war. Eine ganze Reihe davon konnte zusammengedrückt und in den Taschen oder Beuteln des Soldaten getragen werden und trugen nur ein geringes zusätzliches Gewicht zu seiner Last bei.
Wenn eine Granate benötigt wurde, wurde eine Menge Plastiksprengstoff in die Tasche um den Boden des Zünders herum hineingeschoben, die Kappe entfernt und das ganze Stück geworfen.

Die Menge des verwendeten Plastiksprengstoffs hing von den Anforderungen des Soldaten ab: ein halbes Stück zum wegblasen einer Haustür oder zum Räumen eines Unterstandes, zwei Stücke zum Angriff auf einen Panzer oder jede andere geeignete Menge dazwischen für andere Aufgaben.

Die ursprünglich ausgegebene Sicherung hatte ein etwa 10 cm langes Klebeband, das den Stift entfernte und die Sicherung scharf machte, praktisch sobald die Granate die Hand des Werfers verließ. Aber das war anscheinend ein wenig zu gefährlich und die meisten Exemplare verwendeten das normale, knapp 30 cm lange Klebeband.
Der Name ‘Gammon’ soll aufgrund der Ähnlichkeit der gefüllten Granate mit einem umhüllten Schinken vergeben worden sein. Schönheit liegt ja zumeist im Auge des Betrachters.

Die ‘Gammon’-Granate scheint bei den meisten Luftlandeoperationen von Nordafrika bis zum Ende des Krieges eingesetzt worden zu sein. Ihre Hauptanwendungen waren entweder als Panzerabwehr-Granate oder beim Häuserkampf. Bei letzterem was sie besonders nützlich für das ‘Mäuseloch-Graben’, d.h. das Sprengen von Löchern in die Verbindungswände von Häusern, um bei der Säuberung von Ortschaften vom Feind zu vermeiden, sich auf der Straße von Haus zu Haus vorarbeiten zu müssen.


Spezifikationen britische Handgranaten

Spezifikationen:

Spezifikation No. 36MNo. 69No. 70No. 82 (Gammon-Granate)
TypHand- oder Gewehrgranate (defensiv)Handgranate (offensiv)Handgranate'Do-it-yourself'-Handgranate
Länge9,53 cm11,43 cm9,78 cmvariabel
Gewicht 0,77 kg0,38 kg0,45 kgvariabel
Sprengmasse71g Baratol92g Lyddite, Baratol oder AmatolBaratolPlastiksprengstoff-Stücke
Zünder4 oder 7 Sekunden Verzögerungszünderbei Aufschlag (Allzweck)bei Aufschlagbei Aufschlag (Allzweck)
Effektive Reichweite? (Splitterwirkung bis zu 90m)???

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