Go (Ho) 229

Jagdbomber mit Strahltriebwerk Horten Ho IX, später Gotha Go 229.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder, Video und 3d-Modell.

Gotha Go 229 (Horten Ho IX)

Gotha Go 229 V2 in Oranienburg, vermutlich im Februar 1945.

Horten Ho IX (später Gotha Go 229).
Typ: Jagdbomber mit Strahltriebwerk.

Geschichte:

Heute weitgehend unbekannt, war der Nurflügler Horten Ho IX (später Go 229) das überraschendste und unkonventionellste Flugzeug, welches noch während des Zweiten Weltkriegs gebaut wurde.
Neben dem im Zweiten Weltkrieg noch zum Einsatz gekommen Arado Ar 234 Blitz war der kühnste aller deutschen Bomber mit Strahltriebwerk ein Nurflügelflugzeug der Gebrüder Horten, die als Konstrukteure eleganter Nurflügel-Segelflugzeuge berühmt waren, bekannt unter dem Namen Gotha Go oder Horten Ho 229.

Seinen Ursprung hatte das zweistrahlige Düsenflugzeug in dem Glauben der Brüder Walter und Reimar Horten, dass ein ‘fliegender Flügel’ die effizienteste Art für eine Maschine war, die ‘schwerer als die Luft’ sein musste. Sie begannen dies zu Beweisen, indem sie eine Serie von Gleitern entwarfen, welche mit der Horten I im Jahr 1931 begann. Seit 1936 waren die Brüder Angehörige der Luftwaffe, setzten aber ihre Arbeiten fort, welche im Jahr 1942 zu einer Studie für einen Nurflügler-Düsenjäger führte.

Wie die meisten Anhänger der Lehre von der Verringerung des Strömungswiderstandes dachten die Hortens in Begriffen von Geschwindigkeit und Jagdflugzeugen. Daher gingen sie an die Entwicklung ihrer Horten Ho IX unter dem Gesichtspunkt heran, daraus ein Jagdflugzeug mit Strahltriebwerk zu bauen. Sie zeichneten die Pläne für den ersten Prototyp, die Horten IX V1 (deutsche Prototypen wurden mit ‘V’ gekennzeichnet, als Abkürzung für ‘Versuchsmaschine’). Dieses Flugzeug sollte als Segelflugzeug gebaut und erprobt werden, worin ja Hortens bedeutendste Sachkenntnisse lagen.

Der erste bedeutende Schritt in diese Richtung, war es ein Trainingsflugzeug zu bauen, um Piloten der Luftwaffe dafür auszubilden. Hierzu entstand die Ho VII, welche erstmals 1943 flog. Sie hatte Tandem-Doppelsteuerungen und zwei 240-PS-As10C-Schubmotoren.
Die Brüder verheimlichten ihr wahres Konzeptziel und so wurde die Horten Ho VII für aerodynamische Forschung und Verbindungsflüge vorgeschlagen, sodass zwanzig Flugzeuge genehmigt wurden, von denen aber achtzehn später wieder storniert wurden.

In der Zwischenzeit begann das ‘Sonderkommando 9’ der Brüder in Göttingen mit dem Bau des endgültigen zweistrahligen Düsenjäger, der Horten Ho IX. Keines der Projekte war jemals offiziell vom Reichsluftfahrtministerium genehmigt worden, aber die Horten-Brüder hatte beste Verbindungen in die Politik. Und nachdem Reichsmarschall Hermann Göring erst einmal die Konstruktionszeichnungen gesehen hatte, war er von dem futuristischen Projekt begeistert und ordnete an, dass diese Maschine so schnell wie möglich fliegen sollte.

Dementsprechend wurden die Arbeiten an zwei Prototypen beschleunigt, denn mehr konnte das kleine Team nicht leisten. Die Horten Ho IX V1 sollte erst einmal als Gleiter fliegen und anschließend modifiziert werden, um zwei BMW 003A-Strahltriebwerke zu erhalten.
Die Flugversuche als Segelflieger begannen bei Oranienburg etwa im Mai 1944 und von Beginn an waren die Handhabungseigenschaften außergewöhnlich gut.

Die Ho IX bestand aus einem Mittelabschnitt und Außenflügeln. Der Mittelabschnitt war breit genug, um den Piloten, die Strahltriebwerke, Kanonen, ein Dreirad-Fahrwerk und nahezu den gesamten Treibstoff aufzunehmen. Es bestand aus geschweißten Stahlrohren mit Sperrholz-Überzug, mit Ausnahme in der Nähe der Motoren, wo diese aus Aluminium oder Stahl bestand, um gegen Brände geschützt zu sein.
Die schlanken, nach hinten geneigten Außenflügel bestanden vollständig aus Holz. Teilweise wurde Formholz-Komposite verwendet, welches aus mit Harzkleber verbundenen Holzspänen bestand und unter hohem Druck geformt wurde. Diese Struktur war belastbar bis 7 G, stark genug um nahezu jedes andere Flugzeug zu übertreffen.

Erprobungsflüge mit dem vollständig mit Instrumenten ausgestatteten V1-Segelflugzeug legten die Vermutung nah, dass eine Ho IX Serienmaschine mit Strahltriebwerken sich genauso verhalten würde. Jedoch wurde die V1 später im Jahr 1944 zerstört, als der Pilot vergaß, eine lange Inzidenzstange vor der Landung einzufahren.

Eine Fotomontage mit einem Modell der Gotha Go 229.
Jedoch hatte das überragende Potenzial des Flugzeuges bis Mai 1944 die volle Aufmerksamkeit des Reichsluftfahrtministeriums auf sich gezogen, welches beschloss, den Gebrüdern Horten industrielle Unterstützung bei ihrem Projekt zukommen zu lassen. So wurde die Weiterentwicklung der Horten Ho IX der Gothaer Waggonfabrik übertragen, der Firma, die während des Ersten Weltkrieges die berühmten Gotha-Bomber entwickelt und gebaut hatte. Gotha war seit damals im Flugzeugbau tätig geblieben, hatte u.a. Lastensegler gebaut und für die deutsche Luftfahrtindustrie Lizenzbauten durchgeführt.

Die Ingenieure bei Gotha begutachteten das Modell der Ho 229 am 7. September 1944 und am 23. November erfolgte die abschließende Auswertung durch den leitenden Entwickler Herrmann. Die Gotha-Konstrukteure nahmen einige Änderungen vor und bauten die Ho IX zum Jagdbomber um. Dieses neue Flugzeug wurde umbenannt in Gotha Go 229, aber der Vorgang führte zu Verzögerungen bei Entwicklung und Bau der ersten Maschine.
Nach der Horten IX V1 und V2 wurden bei Gotha sieben weitere Prototypen und zwanzig Vorserienmaschinen bestellt. Diese sollten eine Spannweite von 16,75 Metern, zwei Jumo 004B Strahltriebwerke und eine Bewaffnung aus vier 30-mm-Maschinenkanonen MK 103 oder MK 108 erhalten. Für den Piloten war außerdem ein einfacher Schleudersitz vorgesehen.


Gotha begann dann mit der Entwicklung einer Prototypen-Serie, die neben dem Jagdbomber eine Allwetter-Jäger- und eine Schul-Version enthielt, während der Gebrüder Horten an der Fertigstellung ihres düsengetriebenen Prototyps weiterarbeiteten.

Der zweite Prototyp V2 mit zwei Jumo 004B-Strahltriebwerken bei der Erprobung.
Diese Maschine, die Horten Ho IX V2, flog am 2. Februar 1945 mit dem Piloten Erwin Ziller am Steuerknüppel zum ersten Mal bei Oranienburg. Es folgte ein sehr konservatives Erprobungsprogramm und das Flugzeug arbeitete sich langsam vom unteren Ende der Langsamflug-Skala zu höheren Geschwindigkeiten hoch. Zum Abheben wurde nur eine Startbahnlänge von 450 Metern benötigt und die Handhabung der Maschine war hervorragend.
Ende Frühjahr 1945 war sie für die Erprobung im Hochgeschwindigkeitsbereich bereit und erreichte tatsächlich bei einem Flug fast 800 km/h. Beim Platzanflug nach dem Test Anfang März 1945 jedoch fiel ein Triebwerk aus und die Maschine schlug brennend auf.

Durch diesen Unfall konnte das Entwicklungsprogramm bis Kriegsende nicht mehr weitergeführt werden. Zwar hatte die Gotha-Fabrik den Prototypen V3 für das Serienflugzeug fast fertiggestellt und weitere Go 229 Düsenflugzeuge waren in einem fortgeschrittenen Fertigstellungsprozess, zu weiteren Probeflügen kam es jedoch nicht mehr.
Als Jagdbomber sollte die Gotha Go 229 A-1 alle vorhandenen Bombentypen tragen können.


Animation 3d-Modell Gotha Go 229


Spezifikationen Gotha Go 229 A-1

Spezifikationen:

Gotha Go 229Spezifikation
TypJagdbomber mit Strahltriebwerk
Antriebzwei Junkers Jumo 004B Strahltriebwerke von je 1.962 kp Schub
Besatzung1
Spannweite 16,75 m
Länge über alles7,47 m
Höhe2,80 m
Flügelfläche52.50 m²
Leergewicht4.600 kg
Startgewicht8.500 kg bis über 9.000 kg
Höchstgeschwindigkeit977 km/h (in 12.000 m)
Anfangssteigleistung1.320 m/min.
Dienstgipfelhöhe16.000 m
Reichweite1.900 km (mit Abwurftanks 3.170 km)

Bewaffnung:

Gotha Go 229Spezifikation
starr nach vornvier 30-mm-Maschinenkanonen (MK 103 oder MK 108)
Zuladung2 x 1000 kg Bomben

Einsatzstatistik:

Gotha Go 229Angaben
ErstflugJanuar 1945

Video vom Einsatz der Go 229 in Computerspielen

Mission mit der Gotha Go 229 (Horten Ho IX) in einer Realistischen Landschlacht vom free2play-Spiel War Thunder:

Wer das Gratis-Panzer-Spiel noch nicht kennt, kann War Thunder hier kostenlos downloaden:


Weitere deutsche Jagdbomber-Projekte

Neben dem Ar 234 Blitz und Ju 287 Düsenbombern und dem Me 262 Sturmvogel gab es noch weitere fortschrittliche deutsche Jagdbomber-Projekte im Zweiten Weltkrieg:

Henschel Hs 132

Skizze der Hs 132, welche als Sturzkampfbomber aufgrund ihrer hohen Geschwindigkeit und kleinen Frontfläche ein schwieriges Ziel für die Luftabwehr gewesen wäre.
Trotz ihrer Ähnlichkeit mit dem He 162 Volksjäger war die Hs 132 für Sturz- und Bodenangriffe gedacht.
Sie sollte weitgehend aus nicht-strategischem Material gebaut werden. Dies betraf vor allem die Flügel, die weitgehend aus Holz bestanden.

Der Pilot sollte auf dem Bauch in der gut verglasten Nase liegen und die Bombenladung sollte aus einer einzigen 500-kg-Bombe unter dem Rumpf bestehen.
Die geplante Bewaffnung bestand aus zwei 20-mm-MG151-Maschinenkanonen unter der Nase in der als Sturzkampfbomber vorgesehenen Hs 132A.

Für das Bodenangriffsflugzeug Hs 132B war das Jumo 004-Strahltriebwerk vorgesehen und für die Hs 132C das stärkere Hirth-011-Triebwerk mit dem optionalen Einbau von zwei weiteren 30-mm-MK103-Maschinenkanonen und einer schwereren 1.000-kg-Bombe. Die Hs 132D sollte über vergrößerte Flügel verfügen.

Von den sechs bestellten Prototypen war der Erstflug der Hs 132 V1 für Juni 1945 geplant. Die V-2 als Prototyp der A-Serie und V-3 der B-Serie sollten kurz danach erstmals fliegen.
Auch die V4 und V6 waren kurz vor der Fertigstellung, als die Henschel-Fabrik in Berlin-Schönefeld von sowjetischen Truppen erobert wurde. Ob noch irgendeiner der Prototypen fertiggestellt wurde oder sogar flog, ist unbekannt.

Die Hs 132A sollte ein 800 kg starkes BMW 003A-1-Strahltriebwerk erhalten, hatte eine Besatzung von einem Mann, eine Spannweite von 7,18 Metern, Länge von 8,90 Metern und Flügelfläche von 14,80 m². Beladen hätte sie etwa bei einem Gewicht von 3.400 kg eine Höchstgeschwindigkeit von 780 km/h in 6.000 Metern, eine Gipfelhöhe von 10.500 Metern und eine Reichweite von 1.120 Kilometern erreicht.

Lippischs Me 329

Alexander Lippisch hatte mit Gleitflügen von Nurflüglern bereits 1921 begonnen und in den 1930er Jahren folgte die Konstruktion des ‘Delta’-Gleiters. Daraus entstand später der DFS-Lastenschlepper und die Weiterverfolgung des Konzeptes schwanzloser Flugzeuge resultierte 1940 in die Me 163 Komet, welche zum ersten serienmäßigen Raketenflugzeug der Welt führte.

Aufgrund der Entwicklung der Komet wurde 1939 die ‘Abteilung L’ der Messerschmitt-Werke gegründet, welche unter der Leitung von Professor Lippisch stand und auch weitere, fortschrittliche Entwürfe untersuchen sollte.
Dabei wurden Flugzeugentwürfe, wie das zweimotorige Trainingsflugzeug P 04-114, der raketengetriebene Jagdbomber P 09 und der Düsenjäger P 10 untersucht, sowie im September 1941 der viermotoriger schwerer Bomber P 08 und der P 11 Hochgeschwindigkeitsbomber.

Die nicht mehr bis Kriegsende fertiggestellte Me 329 A-1.
Die ‘Abteilung L’ erstellte dann aus dem Entwurf der P 04 bis August 1942 den Me 329 Hochgeschwindigkeits-Bomber und einen schweren Jäger. Letzter hatte zwei Schubmotoren, ein Fahrgestell unter der Nase und konnte eine SC-1000-Bombe von 1.000 kg tragen. Zumindest vier Maschinengewehre wurde als starre Frontbewaffnung vorgesehen.

Aus der Me 329 wurde der P-10-Entwurf eines schweren Jägers entwickelt, welcher später als Me 265 bezeichnet wurde. Teile des Rumpfes der Me 210 wurden für das schwanzlose Flugzeug verwendet, welches ebenso wie die Me 329, nach hinten gepfeilte Flügel und Schubpropeller hatte.
Beide Entwürfe wurden für Vergleichstest mit der Me 410 vorgesehen und erreichten den Modellentwurf.

Die P 11, in ihrem ursprünglichen Entwurf als zweisitziger, Hochgeschwindigkeits-Nurflügel-Bomber, wurde am 13. September 1942 mit zwei Strahltriebwerken in den Flügelwurzeln erprobt. Ein zweiter Entwurf folgte am 2. Dezember 1942 als einsitziger Hochgeschwindigkeitsbomber mit einstellbaren Stabilisatoren, welche in die festen Seiten der Ruder eingebaut waren und hydraulisch betätigt wurden, um sich in der horizontalen Ebene zu bewegen.
Diese Einrichtung sollte dem Flugzeug einen höheren Auftriebsbeiwert geben, was für Nurflügler notwendig war. Die P 11 konnte eine SC-1000-Bombe und Treibstoff von 2.200 kg tragen.

Der Me 329 Hochgeschwindigkeits-Bomber hatte eine Spannweite von 17,5 Metern und eine Länge von nur 8,55 Metern. Die zweisitzige Me 329 A-1 hatte eine starre Frontbewaffnung aus vier 20-mm- oder 30-mm-Maschinenkanonen und eine ferngesteuerte HL-131Z-Maschinenkanone im Heck.

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