Schlachten

Schlachten, Feldzüge und Grundsatzentscheidungen des 2. Weltkrieges.

Angriff deutscher Infanterie

Angriff deutscher Infanterie während des Blitzkrieges.

An dieser Stelle werden verschiedene interessante strategische Grundsatzentscheidungen, Feldzüge und einzelne Schlachten genauer untersucht, welche mehr oder weniger großen Einfluß auf den Verlauf des 2. Weltkrieges hatten.

Dabei wird weniger Wert auf eine große Anzahl der Schlachten oder gar vollständige Behandlung aller Feldzüge und strategischer Entscheidungen gelegt, als vielmehr auf Ergänzungen und umfangreiche Erläuterungen für einen wichtigen Zeitpunkt des Kriegstagebuch oder die Gliederungen, Organisationen und Stärken der Armeen für wichtige Zeiträume, welche für die Ermittlung der Ausgangslage für bestimmte Szenarien in Kriegsspielen wie WW2 Total notwendig sind.
Hierbei stehen in erster Linie im Vordergrund die in diesen Schlachten und Feldzügen eingesetzten Truppenverbände und ihre Stärke, Ausrüstung und Bewaffnung.

Dazu wird ein großer Raum auch den strategischen Grundsatzentscheidungen eingeräumt und hier in erster Linie die notorischen Einzelentscheidungen des – neben Josef Stalin – alles beherrschenden deutschen Führers Adolf Hitler, welche so entscheidenden Einfluß auf den Kriegsverlauf nahmen, wie von keinem anderen der beteiligten Entscheider.

Zwar hatte Hitler bis Sommer 1941 alle Optionen in der Hand und seine Entschlüsse resultierten in der Entstehung der Feldzüge und Schlachten, aber anschließend wurde ihm das Heft des Handels von den Alliierten aus der Hand entrissen. Allerdings waren alle nachfolgenden Ereignisse, welche zumeist von den Alliierten ausgelöst wurden, immer noch das Produkt von Hitlers Strategie.

Gerade für die Entwicklung von Kriegsspielen als möglichst exakte Simulationen sind Fragen der möglichen historischen Optionen und das ‘Was wäre wenn ?’ neben der möglichst genauen Bewertung von Kampfkraft der eingesetzten Streitkräfte und Waffen zur Berechnung ‘alternativer’ und ‘fiktiver’ Schlachten notwendig, welche dann entstehen, wenn der Spieler oder eine Künstliche Intelligenz als ‘Oberster Befehlshaber’ andere Entscheidungen trifft (aber natürlich auf der Grundlage der tatsächlich vorhandenen Truppenstärken, Resourcen und Ausgangslagen), als dies tatsächlich der Fall war.


Die Belagerung von Tobruk, April bis Dezember 1941

Hafen von Tobruk

Der Hafen von Tobruk mit Bombenexplosionen während eines deutschen Luftangriffs.

Tobruk

Tobruk ist ein kleiner, aber wichtiger Hafen an der Küste der Cyrenaika. Die Bevölkerung zählte vor dem 2. Weltkrieg etwa 4.000 Menschen, welche in ein paar hundert weißen Gebäuden lebten, welche von der Sonne auf dem felsigen Boden aufgeheizt wurden und schräg hinunter zum kleinen Kai standen.
Den Platz im Zentrum der Ortschaft schmückten ein paar verstaubte Palmen und während der Friedenszeit war die geschäftigste Einrichtung von Tobruk die Wasserdestillationsanlage, welche mit Hilfe von einem oder zwei Brunnen täglich rund 180.000 Liter produzierte.

Die Bedeutung von Tobruk lag in der Tatsache, dass es der einzige sichere und leicht zugängliche Hafen an einem über 1.600 km langen Küstenabschnitt zwischen Sax in Tunesien und Alexandria in Ägypten war – mit Ausnahme des noch kleineren Hafen von Bengasi.
Wie Bengasi war auch Tobruk von den Italienern als eine ihrer wichtigsten Verteidigungsanlagen in Libyen gegen Angriffe aus dem Osten und als Marinestützpunkt ausgebaut worden.

In Friedenszeiten war Tobruk schon wichtig als Umschlagsplatz für Waren aus und für sein riesiges Hinterland. Aber erst im Krieg und während des Kampfes um Nordafrika, nahm seine Bedeutung noch stark zu, weil jeder Vorstoss darüber hinaus – egal ob in östliche oder westliche Richtung – die Lage doppelt so risikoreich machte.

Erstens war der Besitz von Tobruk wichtig als Entladepunkt für Nachschub und Verstärkungen, die ansonst schwierig und langwierig – entweder aus Alexandria oder aus der anderen Richtung von Bengasi aus – über die Verbindungslinien an Land herangebracht werden mußten.
Zweitens, wenn Tobruk sich im Besitz einer feindlichen und aggressiven Garnison befand, konnte es zu einer ernsthaften offensiven Bedrohung für die Flanken jedes darüber hinaus geführten Vormarsches sein.

Winston Churchill selbst bezeichnete ihn als den ‘Ausfalls-Hafen’ und erklärte: ‘Nicht mehr als ein Stosstrupp-Unternehmen kann über Tobruk hinaus gemacht werden’.

Die urspünglichen italienischen Karten von Tobruk zeigen zwei Verteidigungslinien mit Stützpunkten an, welche vollständig in den Untergrund eingelassen wurden. Diese hatten eine Länge von etwa 55 bis 65 km und einen Radius von ca. 30-35 km.

 Verteidigungsgürtel von Tobruk

Der Verteidigungsgürtel von Tobruk. Links unten die Einbruchsstelle, welche schon O’Conner nutzte und wo auch Rommel am 30. April 1941 einbricht.

Die äußere Verteidigungslinie bestand aus einer Reihe von gut betonierten Unterständen, von denen viele geschickt aus natürlichen Höhlen improvisiert wurden, und welche für 30 bis 40 Mann ausgelegt waren.
Diese Unterstände wurden durch Gräben verbunden, in denen alle paar hundert Meter Stellungen für Maschinengewehre, Granatwerfer und Panzerabwehrgeschütze angelegt waren. Diese Gräben wurden mit dünnen Brettern abgedeckt und leicht mit Sand bedeckt, sodaß sie für das menschliche Auge selbst aus ein paar Metern Entfernung nicht zu erkennen waren.
Vor der äußeren Verteidigungslinie war zudem noch Stacheldraht ausgelegt, welcher an machen Stellen nur aus einer einzigen Reihe bestand, während er anderswo eine Tiefe von bis zu 25-30 Metern hatte.
Vor dem Stacheldraht hatten die Italiener einen Panzergraben gebaut, oft geschickt an eine schon vorhandene, natürliche Schlucht angepasst. Senkrecht und durchschnittlich 2,1 Meter tief sowie 3 Meter breit, war der Panzergraben so gestaltet worden, daß er jeden Überquerungsversuch durch ein Kettenfahrzeug vereiteln sollte.

britischen 'Ratten von Tobruk'

Die ‘Ratten von Tobruk’ verbrachten die meiste Zeit in ihren unterirdischen Schutzräumen. Die Ventilator-Rohre hier stammen von Wracks aus dem Hafen von Tobruk.

Der innere Verteidigungsring befand sich etwa 2.000 bis 3.000 Meter hinter der äußeren Linie und war in der gleichen Weise hergerichtet, jedoch ohne den Panzergraben.

Als Rommel mit seinen Streitkräfte die britische Western Desert Force im April 1941 angriff und der Widerstand vor ihm zusammenbrach, war es einer seiner ersten Gedanken, Tobruk zu erobern. Dies sollte die Gefahr in seiner Flanke beseitigen und seine Verbindungslinien für den Angriff auf Ägypten verkürzen.
Er nahm dafür keine großen Schwierigkeiten an. Wavells Truppen hatten Tobruk von den Italienern in zwei Tagen genommen, und der zuversichtliche Rommel dachte, daß es nicht viel länger dauern würde – falls überhaupt so lange -, es zurück zu erobern.

Doch die hastig improvisierte Verteidigung durch die 9. australische Division, ergänzt durch die 18. Brigade der 7. australischen Division und die Reste der 3. Panzerbrigade zusammen mit Feldartillerie- und Flak-Regimenter, die alle unter dem Kommando des australischen Generalmajor Leslie Morshead standen, war zuviel für die abflauende Dynamik von Rommels Vorstoß.

Belagerungskrieg auf moderne Art

Von diesem Moment an befand sich Tobruk in einem ständigen Zustand der Belagerung. Aber es war nicht eine Belagerung im herkömmlichen Sinne, wie z.B. die von Ladysmith und Mafeking im Burenkrieg, oder von Lucknow im indischen Aufstand, wo isolierte Garnisonen von einem zahlenmäßig überlegenen Feind eingeschlossen waren und vollständig von den eigenen Streitkräften abgeschnitten waren.
Die ständige Verbindung zwischen Tobruk und den Hauptstreitkräften der Alliierten wurde durch die Royal Navy aufrecht erhalten, auch wenn dies keineswegs ein ‘Spaziergang’ war.

deutsche schwere Batterie im Direktbeschuss

Eine deutsche schwere Batterie beschiesst im Direktbeschuss Stellungen bei Tobruk.

Und doch war es sicherlich eine Belagerung in dem Sinne, daß Tobruk eine befestigte Stellung unter ständigem Angriff durch den Feind war. Jeder Quadratmeter es verteidigte Gebiet war innerhalb der Reichweite der deutschen und der italienischen Artillerie und die Gruppen der Hafenarbeiter gerieten fast so häufig unter Beschuss wie die Truppen in den äußeren Verteidigungsstellungen.

Unbestritten hing das Überleben von Tobruk davon ab, ob der Hafen weiterhin benutzbar war und die gefährdeten Versorgungslinien über das Meer nach Ägypten offen gehalten werden konnten. In Tobruk selbst gab es nichts, was für das Überleben einer Armee notwendig war, mit Ausnahme des Schutzes der natürlichen Höhlen. Alles mußte von Ägypten herangebracht werden und Rommel realisierte dies, und setzte fast soviel Mühen ein, den Hafen zu neutralisieren oder die Seeverbindungslinien zu unterbrechen, wie er es für die Planung eines Angriffs von der Landseite aus tat.

Seit den Tagen von Wavells Offensive, wurde die britische Armee in der Cyrenaika über das Meer durch Schiffe der Inshore Squadron unterstützt und versorgt, einer heterogenen Armada, welche alles umfasste: von einem Zerstörer bis zu einem Monitor, Schaluppe, Kanonenboot, Trawler, Schwammfischer-Boot oder Leichter.

In Tobruk härtester Stunde brachten diese Schiffe – manchmal unterstützt durch die britische Mittelmeerflotte und so oft wie möglich durch Kampfflugzeuge gesichert – Männer, Maschinen, Nachschubsgüter und Wasser entlang der vom Feind besetzten Küste durch Minenfelder, Artilleriebeschuß, Bomben und Torpedos zur belagerten Festung.

Die Verluste bei dem Inshore-Geschwaders waren schwer – vor allem während des Tages. Manchmal war es nur möglich, in mondlosen Nächten auf die Fahrt zu gehen.
Tagesangriffe, wie die auf die Flak-Schaluppen Auckland und Paramatta am 24. Juni, während sie den wertvollen Treibstoff-Transporter Pass of Balmaha eskortierten, geben eine Ahnung von dem Aufwand, welchen die Achsen-Streitkräfte betrieben. In diesem Fall führten die kombinierten Angriffe von Torpedobombern und 96 Sturzkampfbombern zum Verlust der Auckland und zum liegenbleiben der Pass of Bahma.

Am anderen Ende der Palette war zum Beispiel der erbeutete italienische Fischerei-Schoner Maria Giovanni, der vom australischen Leutnant Alfred Palmer befehligt wurde. Dieser fuhr Nacht für Nacht die gefährliche Route, bis er in eine deutsche Falle lief.
Wie auch andere Schiffe lief Palmer den Hafen von Tobruk nach dessen schattigem, grünen Licht an der Einfahrt an. Aber ohne es zu ahnen, köderten die Deutschen ihn eines Nachts damit, indem sie weiter östlich ein ähnliches Licht anzündeten. Zu seiner Überraschung lief Palmer hart auf Grund und wurde mit seiner Besatzung gefangengenommen, als sie versuchten eine Fahrrinne zu graben, um das Schiff wieder flott zu machen.


t_arrow1 hier zu Teil II: Rommels Angriff auf Tobruk


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