Jahr 1940


Westfeldzug

Kriegstagebuch 1940

Deutsche Truppen ziehen im Juni 1940 am Arc de Triomphe in Paris ein.

Das Jahr 1940 ist geprägt vom Westfeldzug, dem klassischen Blitzkrieg.

Am Tag des Waffenstillstands vom 1. Weltkrieg am 11. November 1918, war Frankreich unbestreitbar die stärkste militärische Macht der Welt. Nach mehr als vier Jahren heroischen, siegreichem Kampf, hatte die Nation zusammen ihren Verbündeten den tödlichen Gegner, das kaiserliche Deutschland gedemütigt und entwaffnet.
Wie konnte es sein, daß ein wenig mehr als 20 Jahre später die französischen Streitkräften in nur sechs Wochen auf demütigende Weise besiegt wurden ? Noch dazu, durch ein deutsches ‘Anfänger’-Heer und Luftwaffe, welche nicht länger als fünf Jahre existierten !

Im Angesicht der abgelaufenen Ereignisse ist die Arroganz, die Sturheit und die Kurzsichtigkeit der französischen Generäle ganz unglaublich.
So befahl zum Beispiel, nur wenige Tage bevor Guderians Panzerkorps durch die Wälder der Ardennen strömte, General Huntziger, Kommandant der französischen 2. Armee, die Beseitigung aller Panzerabwehrhindernisse von den Straßen in diesem Gebiet mit der Begründung, dass ihre Existenz im Widerspruch zu den erhaltenen Befehlen stand. Noch unglaublicher ist immer noch Marschall Petains verächtliche Vernachlässigung des Wertes von gepanzerten Fahrzeugen und Flugzeugen in einem neuen, großen europäischen Krieg.

Unvermeidlich hat die Senilität des französischen Generalstabs, zusammen mit einer schwachen Regierung – dem Erbe der fast ununterbrochenen Reihe von politischen Krisen in Frankreich vom Februar 1934 bis zum Vorabend des Hitler-Blitzkriegs – drastische Auswirkungen auf die Einstellung zur Wiederbewaffnung und die Moral und Leistung der Streitkräfte.
Schon 1931 hatte die Weltwirtschaftskrise die Vollendung der legendären Maginot-Linie ernsthaft beeinträchtigt. Die Verlängerung der Linie zur Kanalküste wurde wegen der Kosten und der Zurückhaltung der Regierung gegenüber Belgien an der gemeinsamen Grenze abgelehnt.

Der Einfluss von Petain unterdrückte die Schaffung einer französischen Panzer-Streitmacht, welche sich mit Hitlers Panzerdivisionen auseinandersetzen hätte können. Zwar wurden acht ‘mechanisierte Kavallerie-Divisionen’ zwischen 1934 und 1940 gebildet, aber das waren keine wirklichen gepanzerten Divisionen. Im Jahre 1937 wurde eine vollständige Panzer-Division Cuirasse de Reserve (DCR) genehmigt, aber die Division existierte nur auf Papier bis September 1939. Drei weitere Divisionen, einschließlich de Gaulles 4. DCR, wurden zu der Zeit eilig ausgebildet, als Hitler schließlich am 10. Mai 1940 losschlug.

Die eindrucksvolle Stärke der Maginot-Linie, die tatsächlich fertiggestellt werden konnte, zusammen mit einer größeren Zahl besser gepanzerten und bewaffneten französischen Panzern, verführte dazu, die wahre Lage zu verkennen, bis es zu spät war.
Jedoch wenn es um den Zustand der französischen Luftwaffe (Armee de l’Air) ging, war keine solche Selbsttäuschung möglich. Die französische Flugzeugindustrie war durch Verstaatlichungen in den Jahren 1936 und 1937 in das Chaos abgeglitten. Die Produktionszahlen erholten sich davon nicht bis zum Frühjahr 1940. Bei Kriegsausbruch fanden sich in Frankreich zu wenig moderne Jäger und eine veraltete Bomberstreitmacht, welche nur noch bei Nacht eingesetzt werden konnte.

Zwar erholte sich die verstaatlichte französische Flugzeugindustrie spektakulär zwischen Januar und Juni 1940. Flugzeuge wurden schneller an die Armee de l’Air geliefert, als diese sie übernehmen, bewaffnen, mit Funkgeräten oder ausgebildeten Besatzungen versorgen konnte. Von der ‘französischen Spitfire‘, Emile Dewoitines schlanker D.520, wurde im Juni eine je Stunde produziert. Sogar die Bomberproduktion stieg steil an, mit dem ironischen Ergebnis, dass die französische Luftwaffe am Ende des Westfeldzug 1940 über mehr Flugzeuge verfügte, als sie am Anfang hatte.

Die Auswirkungen des Falles von Frankreich waren unberechenbar und hielten weit über das Ende des 2. Weltkrieges hinaus an. Kurzfristig schien es so, dass Adolf Hitlers einst lächerlicher Traum, dass das deutsche Volk Europa vom Atlantischen Ozean bis zum Ural beherrschen sollte, wahr geworden ist.
In Hitlers Vorstellung galt auch für Großbritannien, dass es sicher nur eine Frage von Wochen sein musste, bevor die Briten ihre ‘Hoffnungslosigkeit’ ihrer militärischen Position einsahen und sich einverstanden erklärten, Deutschland freie Hand in Osteuropa als Gegenleistung für eine Vichy-ähnliche ‘Unabhängigkeit’ unter Beibehaltung des britischen Empire zu gewähren.

In dem unwahrscheinlichen Fall, dass Großbritannien sich dafür entschließen würde, den Kampf fortzusetzen, könnte Deutschland es durch eine Invasion bedrohen oder sogar durchführen oder alternativ eine lähmende Blockade mit U-Booten und Flugzeugen von den neu gewonnen Marine- und Luftstützpunkten entlang der gesamten europäischen Küstenlinie von Norwegen bis zum Golf von Biskaya durchführen.

Diese doppelte Bedrohung für das Überleben Großbritanniens führte zu einer schrecklichen Fortsetzung des Krieges für die Franzosen nach dem Fall ihres Landes durch Hitler, als Churchill die Royal Navy 11 Tage nach dem Waffenstillstandsabkommen anwies, die mächtige französische Flotte vor der nordafrikanischen Küste auszuschalten, um zu verhindern, dass sie in deutsche Hände fiel. Als auf diese ‘Empörung’ im September 1940 ein britischer und frei-französischer Angriff auf die Marinebasis von Dakar in Französisch-Westafrika folgte, ordnete die Kollaboration-Regierung in Vichy Repressalien gegen Gibraltar und die britische Schifffahrt an und es kam fast zu einer tatsächlichen Kriegserklärung.
Somit waren nur drei Monate nach dem Fall von Frankreich die ehemaligen, engen Verbündeten zu erbitterten Feinden geworden. Mittlerweile kämpfte im 10.000 km entfernten Indochina die vergessene französische Kolonialgarnison ein hoffnungsloses Rückzugsgefecht gegen die Japaner, welche eben mal schnell von der Katastrophe Frankreichs im Heimatland profitieren wollten.

Langfristig bedeutete der Fall Frankreichs, dass der 2. Weltkrieg mit Sicherheit zu einer langwierigen Angelegenheit werden würde. Trotz der Anstrengungen von de Gaulles Freien Franzosen hing Frankreichs einzige wirkliche Hoffnung auf eine Befreiung von einer grundlegenden Veränderung der Lage Deutschlands ab, wie z.B. dem Eingreifen der USA oder der Sowjetunion.
Die Beteiligung der beiden Großmächte gab den wachsenden Widerstandsbewegungen innerhalb des besetzten Frankreichs neuen Auftrieb. Der Kriegseintritt der USA gab die längerfristige Aussicht auf eine ‘Zweiten Front’ und damit die Hoffnung auf eine endgültige Befreiung Frankreichs.

Luftschlacht um England

Das zweite bedeutende Ereignis des Jahres 1940 war die Schlacht um England.
Deutschland und Großbritannien blieben nach Juni 1940 im Krieg. Um die Briten zu besiegen, war es für die Deutschen notwendig, sich mit der Überquerung des Ärmelkanals zu befassen. Dieses Hindernis, welches Eindringlinge schon seit einem Jahrtausend von der Insel fernhielt, war auch der Hauptgrund, warum die Briten keine Dringlichkeit darin sahen, eine richtige Allianz mit Frankreich zu schmieden, bevor es zu spät war.
Aber der Umstand, daß Großbritannien weiter im Krieg blieb, konnte zu zwei Entwicklungen führen, die in Deutschland gefürchtet waren. Dies war ein möglicher Zweifrontenkrieg durch das Eingreifen der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten, sowie eine Wiederholung der strangulierenden Seeblockade des Ersten Weltkriegs gegen Deutschland.
Falls Adolf Hitler tatsächlich eine Invasion beabsichtigt, so war das im Jahr 1940 besser als später, da die Britische Armee den Großteil ihrer Ausrüstung an den Stränden von Dünkirchen zurücklassen musste.

Daher befahl Hitler Anfang Juli dem Generalstab, Pläne für eine Invasion im Herbst zu erstellen. Die erste Aufgabe war es, einen sicheren Zugang zur britischen Insel herzustellen, was die Vernichtung der Royal Air Force erforderlich machte.
So begann die dramatische Auseinandersetzung in der Luft, welche unter den vom britischen Premierminister Winston Churchill geprägten Namen Battle of Britain bekannt ist.

Die deutsche Luftwaffe hatte 2.800 Flugzeuge, von denen rund zwei Drittel jederzeit zur Verfügung standen. Fast die Hälfte davon waren die exzellenten Messerschmitt Bf 109 Emil Jagdflugzeuge, der Rest waren vor allem zumeist zweimotorige Bomber. Der Ju 87 Stuka Sturzkampfbomber, der in früheren Feldzügen so effektiv war, hatte weder die Reichweite noch die Geschwindigkeit für die Kämpfe über dem Ärmelkanal.
Die Basen der Jagdflieger befanden sich an der französischen Kanalküste, die der Bomber etwas weiter im Inland, um britischen Gegenangriffen zu entgehen und den Messerschmitt-Jägern zu erlauben, den Himmel freizuhalten.

Die britische RAF hatte etwa 700 Jagdflugzeuge. Die meisten davon waren Hawker Hurricane Jäger, welche gut genug waren, um die Bomber zu bekämpfen. Der Rest waren Supermarine Spitfire, welche zwar eine Herausforderung für die Bf 109 waren, aber in der Zahl knapp bemessen. Mit Dauer der Luftschlacht wurden von britischen Flugzeugfabriken aber immer Spitfire abgeliefert.



Die Schlacht hatte dann mehrere Phasen. Im Juli und August griffen deutsche Flugzeuge die Schifffahrt im Ärmelkanal an, um die RAF zur Gegenwehr zu zwingen, in dem Bemühen, sie durch schiere Zermürbung zu schwächen. Aber die deutsche Luftwaffe verlor doppelt so viele Flugzeuge und begann stattdessen, Radaranlagen und dann die englischen Flugplätze ins Visier zu nehmen. Dadurch konnte eine Verlustquote von vier zu drei erzielt werden, wodurch aber immer noch nicht der Himmel von der RAF gesäubert war.

Die Deutschen zielten nun auf die Flugzeug-Fabriken selbst. Diese Taktik brachte einige Erfolge, genauso wie etwa ein Dutzend zerstörte Fabriken in Coventry während des Nachtangriffs im November 1940. Doch die Verlustquote stieg wieder auf fast zwei zu eins.
So war es für die Luftwaffe nur noch ein kleiner, nächster Schritt von der Bombardierung von Fabriken zur Bombardierung von ganzen Städten überzugehen, um die Moral der Briten zu zermürben. Dieser ‘Blitz’ hielt bis zum kommenden Frühjahr an, bis Hitler seine Geschwader schließlich im Frühjahr 1941 nach Osten verlegte.
Zuvor waren 35.000 Tonnen Sprengstoff und Millionen von Brandbomben abgeworfen worden, davon die Hälfte auf London. Insgesamt 45.000 Menschen wurden getötet und es kam zu schweren Schäden und Verwerfungen, aber die Moral der britischen Bürger hielt dem stand.

Einer der Gründe für das deutsche Scheitern war, daß ihr wichtigstes Jagdflugzeug, die Bf 109 Emil nur eine begrenzte Reichweite hatten und damit unzureichend Einsatzzeit über England selbst. Denn die wenigen Minuten für einen Luftkampf, welche selbst bei Einsätzen von den vorgeschobenen Flugfeldern an der französischen Küste des Ärmelkanals zur Verfügung standen, reichten nicht, um ein Flugzeug wie die Spitfire erfolgreich zu bekämpfen und auch abzuschießen.
Auch hingen diese Jagdeinsätze immer mehr von der Fähigkeit der Piloten ab, welche wertvoller und wichtiger als die eigentlichen Flugzeuge waren. Wenn RAF-Jäger abgeschossen wurden, konnten ihre Piloten oft von der Royal Navy aus dem Meer gefischt werden oder von lokalen Einwohnern in England gerettet werden. Damit standen sie bald wieder für Einsätze zur Verfügung, während überlebende deutschen Flugzeugbesatzungen zumeist in britische Kriegsgefangenenlager wanderten.
Die zweimotorigen deutschen taktischen Bomber hatten auch zu kleine Bombenzuladungen, welche die Angriffe gegen Fabriken oder ganze Städte von vorneherein aussichtslos machten.

Vor allem versagte aber die deutsche Feindaufklärung völlig. Erst wurde die Anzahl der Abschüsse britischer Flugzeuge überschätzt und gleichzeitig die britische Flugzeugproduktion unterschätzt, Trotz aller Verluste konnte die RAF immer eine Stärke von 600 Jagdmaschinen während der Schlacht halten.
Auch wurde die Bedeutung der Radarstationen auf die Operationen unterschätzt, denn diese warnten die britischen Verteidiger zumeist rechtzeitig. Die britischen Radarstationen wurden nicht nachhaltig bekämpft, während die Auswirkungen der durchaus erfolgreichen Angriffe auf die englischen Flugplätze unerkannt blieben und somit beendet wurden, bevor die Royal Air Force tatsächlich hätte zusammenbrechen können. Dafür überschätzten die deutschen Strategen, ebenso wie die anderer Luftwaffen, die Auswirkungen von Bombardierungen von Städten auf die Moral der Zivilbevölkerung.

Die Schlacht zeigte, dass Churchills Großbritannien trotz Entbehrung und Bombardierungen weiterkämpfen würde. Die Schlacht um England beendete alle Gerüchte über ein mögliches Arrangement mit Hitler. Ebenso wichtig ist, dass die Sympathien der Amerikaner und in allen Winkeln des britischen Empires für die belagerten und heldenhaften Vettern zunahmen, auf die Churchill all seine Hoffnung für ein siegreiches Ende des Krieges setzte.


Kriegstagebuch 31. Dezember 1940

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