1945 im 2. Weltkrieg

Das letzte Kriegsjahr: 1945 im 2. Weltkrieg.

Die Lage zu Beginn des Jahres 1945

Die Alliierten hofften Anfang 1945, Deutschland in diesem Jahr zu zerquetschen. Zwar erwarteten sie, daß die Wehrmacht zwar weiterhin heftigen Widerstand leisten werden würde, vor allem jetzt, wo es galt Deutschland selbst zu verteidigen, aber sie waren von ihrem Sieg überzeugt.

Die alliierten Luftsteitkräfte beherschten den Himmel über allen Fronten. Obwohl die deutsche Luftwaffe zwar noch Flugzeuge in beträchtlicher Zahl zur Verfügung hatte, war sie dennoch den Alliierten deutlich unterlegen. Letztere hatten besser ausgebildete und erfahrenere Piloten und konnten – wenn es darauf ankam – Verluste viel leichter ersetzen, als die Deutschen.
Zu diesem Zeitpunkt hatten außerdem die Luftangriffe auf Deutschlands synthetische Treibstoffproduktion und die Eroberung der rumänischen Erdölfelder von Ploesti durch die Russen, die Treibstoffversorgung der deutschen Luftwaffe so weit reduziert, daß viele ihrer Flugzeuge einfach nicht mehr geflogen werden konnten.

Die deutsche Kriegsmarine hegte zwar noch die Hoffnung, mit den neuen U-Boote vom Typ XXI, welche unter Wasser mit hoher Geschwindigkeit operieren konnten, die Schlacht im Atlantik wieder aufnehmen zu können. Aber selbst wenn diese neuen Boote, welche erstmals über den Winter ausgeliefert und eingefahren werden konnten, in den Einsatz kämen, wären sie ohne wirksame Luftaufklärung praktisch blind – und für die Luftaufklärung bestand nicht mehr die geringste Aussicht.
Tatsächlich befanden sich aber immer noch die alten U-Boote vom Typ VII im Einsatz, zwar mit einem Schnorchel und anderen modernen Geräten ausgerüstet, sodaß die Batterien auch ohne Fahrt an der Oberfläche wieder aufgeladen werden konnten, aber immer noch mit wenig Erfolgen.

 V-1 im Flug

Eine V-1 im Flug.

Aber die entscheidende Frage in den letzten Monaten des Krieges in Europa war nicht das, was die deutsche Luftwaffe oder Marine tun könnte, sondern ob die deutsche Heimatfront fest und geschlossen hinter dem Heer stehen würde, welches im Westen, Osten und Süden kämpfte.
Trotz der enormen Verluste von Sommer und Herbst 1944 und trotz der Auswirkungen der immer schwerer werdenden alliierten Bombenoffensive hielt die Heimatfront stand. Es hatte einen Anstieg bei der Moral gegeben, als die ersten Meldungen von den Erfolgen der Ardennen-Offensive im Dezember bekannt wurden, welche aber schnell verflogen. Auch gab es immer noch die Hoffnung auf neue Geheimwaffen, da die V-1 und V-2 das Blatt offensichtlich nicht wenden konnten, aber auch andere Faktoren hatten dazu beigetragen, das Machtsystem zusammen zuhalten.

Sicherlich ein wichtiger Faktor für den Zusammenhalt von Nazi-Deutschland war der Sieg von Hitler und seiner Anhänger über den inneren Widerstand im Juli 1944 gewesen. Die nachfolgenden Erfolge der Gestapo, die inneren Gegner aufzuspüren und der zunehmende Terror zu Hause und innerhalb der Streitkräfte schien alles zusammenzuhalten oder zumindest die Kritiker mundtot zu machen.

Kämpfe in Ungarn

Noch bevor die neue russische Hauptoffensive im Januar 1945 begann, entwickelte sich die Lage in Ungarn zwar langsam, aber stetig zu Gunsten der Russen. Die Hauptstadt Budapest war bereits am 26. Dezember eingeschlossen worden, nachdem Hitler wieder einmal die Erlaubnis verweigert hatte, daß sich die Truppen zurückziehen durften. Die große Stadt stand jetzt unter Belagerung, aber die Rote Armee stellte angesichts des zunehmenden deutschen und ungarischen Widerstands und der eigenen Erschöpfung ihre Offensive am 28. Dezember ein.
So planten die Deutschen eine Entsatzoffensive und den Belagerungsring aufzubrechen. Dies geschah zum einen aus politischen Gründen, um die Ungarn bei der Stange zu halten, aber auch um die ungarischen Ölfelder am Plattensee zu schützen. Diese Ölfelder waren nach dem Verlust der rumänischen Ölgebiete und der Zerschlagung der synthetischen Ölindustrie durch die alliierten Luftangriffe besonders wichtig.
Hier eröffnete die Wehrmacht ihre letzte, große Offensive während des 2. Weltkrieges. Während dieser Winteroffensive im Osten stiessen die deutschen Truppen in Richtung der ungarischen Hauptstadt vor, scheiterten aber auch wie im Falle von Stalingrad zwei Jahre zuvor letztlich, und konnten nicht zur abgeschnittenen Besatzung durchbrechen.

Die russische Großoffensive

Gegenstoss mit Tiger-Panzern

Deutscher Gegenstoss mit Tiger-Panzern in Ostpreussen.

Zwischenzeitlich gelang der erste Teil des russischen Plans, den europäischen Krieg innerhalb von 45 Tagen vollständig zu beenden – allerdings der zweite Teil nicht. Die ursprünglich für den 15. bis 20. Januar 1945 geplante Offensive wurde eine Woche nach vorne verschoben, teilweise als Reaktion auf Bitten der westlichen Alliierten, sie von den Druck auf sie zu entlasten. Die Monate der Ruhe am Hauptabschnitt der Ostfront hatte es den Deutschen ermöglicht, ihre Truppen und Reserven auf andere Abschnitte zu konzentrieren.

Der frühe russische Angriff brachte den Vorteil mit sich, daß die Deutschen überrascht wurden, welche erwartet hatten, daß die Rote Armee auf besseres Wetter warten würde. Die deutschen Reserven waren weitgehend nach Ungarn geschickt worden und am Hauptabschnitt in Polen befand sich praktisch alles innerhalb der Reichweite der russischen Artillerie.
Die russische Grossoffensive begann am 12. Januar, am 13./14. Januar folgte die Schlacht im großen Weichselbogen und an den Narew-Brückenköpfen. Die deutschen Truppen wurden im wahrsten Sinne des Wortes zerquetscht. Die Reste der deutschen Verbände und die wenigen Reserven hinter der deutschen Frontlinie wurden zur Seite gedrückt und am 17. Januar hatten die Russen den Durchbruch in das weite Hinterland vollzogen.
Teile der deutschen Fronttruppen wurden eingeschlossen, während die zersprengten Reste der deutschen Divisionen – voran die rückwärtigen Dienste und Veraltungsbehörden in Polen – in Richtung der Reichsgrenzen flohen. Als dann noch das Wetter aufklarte, beherrsche die Rote Luftwaffe auch noch den Himmel.

Der russische Sieg war von gewaltigen Ausmaßen und es verursacht umso mehr Auswirkungen, da die Russen genauso viel Vertrauen und Moral gewannen, wie die Deutschen verloren. Dazu fegte der Krieg nun über Gebiete, welche zuvor kaum betroffen waren. Nachdem viele Zivilisten aus den ausgebombten Städten im Westen hierher evakuiert worden waren, flohen nun um so mehr Menschen wieder in Richtung Westen vor den marodierenden Horden der Roten Armee, deren Vormarsch nun unaufhaltsam erschien.

Der alliierte Vormarsch im Westen

Die Offensive der Roten Armee kam dann an der Oder doch zum Stillstand und gleichzeitig waren die deutschen Truppen immer noch bereit, Gegenangriffe in Ungarn zu führen. Die Alliierten im Westen leckten noch immer ihre Wunden und waren damit beschäftigt, die Frontausbuchtungen einzudrücken, welche die deutschen Offensiven im Dezember verursacht hatten. Nun standen aber über 400.000 britische und kanadische Soldaten, 1,5 Millionen Amerikaner und mehr als 100.000 Franzosen für den Angriff auf Deutschland bereit.

Unzerstoerte Eisenbahnbruecke Remagen

Die von den Amerikanern unzerstört genommene Eisenbahnbrücke von Remagen.

Am 23. Februar griff Hodges dann in Richtung Köln an. Seine Truppen erreichten schnell den Rand der größen Stadt und stießen in den Rücken der deutschen Truppen hinein, welche immer noch an der deutsch-belgischen Grenze standen. Als sie die Höhen mit Blick auf die Eisenbahnbrücke von Remagen am 7. März erreichten, sah die Vorhut der 9. US-Panzer-Division die Brücke immer noch intakt und stürmte auf diese zu, während die deutschen Verteidiger versuchten, diese zu sprengen.

Ironischerweise scheiterte dies, da die Deutschen die Brücken nicht mehr mit Sprengleitungen verkabelt hatten, nachdem im Oktober 1944 die Sprengladungen einer verdrahteten Rheinbrücke bei einem Luftangriff explodiert waren. Um einen ähnlichen Unfall zu vermeiden, mußten die Brücken vor der Sprengung erst verkabelt werden, was bei der Schnelligkeit des amerikanischen Vordringens nicht mehr vollständig gelang.

Nach der überraschenden Eroberung der Brücke reagierten die Amerikaner schnell und mit Genehmigung von Bradley und Eisenhower lies Hodges seine Streitkräfte den Fluß überqueren und errichtete einen Brückenkopf auf der anderen Seite und wehrte die verzweifelten deutschen Gegenangriffe ab. Bis die durch den Sprengversuch geschwächte Brückenkonstruktion unter deutschem Artilleriefeuer und Luftangriffen zusammenbrach, konnte er weitere Behelfsbrücken daneben errichten. Die letzte Barriere, welche Deutschland von Westen her schützte, war überwunden.

Noch bevor anschließend der Ruhrkessel entstand, hatte Hitler den strengen Befehl erteilt, alle Industrie-, Transport- und sonstige Einrichtungen innerhalb Deutschlands zu zerstören, damit sei nicht den Alliierten in die Hände fallen. Solche Befehle hatten alle anderen deutschen Rückzüge bisher schon immer begleitet und in den meisten Fällen führten sie die deutschen Befehlshaber rücksichtslos und so weit wie möglich aus, ohne einen Gedanken an die Zukunft und das Überleben der Menschen, welche bereits enorm gelitten hatten, zu verschwenden.

In manchen Fällen hatten Abneigungen und Widerstände dies verhindert, wie zum Beispiel in Florenz und Paris. In den meisten Fällen waren die Ursachen jedoch der schnelle deutsche Rückzug, welche vollständige Zerstörungen unmöglich gemacht hatte, sodaß einige Gebiete weitgehend unzerstört in die Hände der Alliierten gefallen waren.

Diese Haltung begann sich jedoch bei den Kämpfen in Deutschland selbst zu ändern. Speer begann die Zerstörungsbefehle zu sabotieren und viele deutsche Befehlshaber ‘übersahen’ Befehle, all daß zu zerstören, was das Leben der Menschen in den von den alliierten besetzten Gebieten erschwert hätte.

Als die Alliierten schnell vorstießen, kam es sogar zu Vorkommnissen, daß die lokale deutsche Bevölkerung versuchte, das Militär von der Verteidigung ihrer Ortschaft abzubringen, damit diese nicht zerstört wird. Und auch die Soldaten wollten nicht mehr sterben und niemand wollte der letzte Tote in einem sowieso schon entschiedenen Krieg sein.
Die übliche Taktik der amerikanischen Truppen bestand nun darin, sobald sie auf eine ernsthaft verteidigte Zone trafen, sich zurückzuziehen und der Artillerie und der Luftwaffe ihre Bekämpfung zu überlassen. Nachdem der Widerstand zerschlagen war, nahm man den Vormarsch wieder auf.
Viele Deutsche, welche mehrheitlich nun das Vertrauen in einen Endsieg oder zumindest ein Patt verloren hatten, bevorzugten ihren Gemeinden das gleiche Schicksal zu ersparen, welches der Krieg schon so vielen anderen Städten in Deutschland gebracht hatte. Die weißen Fahnen der Übergabe wurden immer häufiger ausgehängt, wenn es auch noch an manchen Stellen zu heftigen Widerstand kam.

Schlacht um Berlin

Während der ersten beiden Wochen im April, als die 3. Ukrainische Front tief nach Österreich hineinstieß und am 3. April Wien erobert hatte, waren die Vorbereitungen für die russische Hauptoffensive weit fortgeschritten. Stärker als sonst bei den bisherigen Offensiven, wurde die Rote Armee durch zahlreiche Lastkraftwagen aus den Vereinigten Staaten unterstützt, welche per Lend-Lease geliefert worden waren.
Mit etwa 2,5 Millionen Mann an der Oder begann die russische Offensive am 16. April. Stalin hatte seine Befehlshaber wissen lassen, daß er die Operation zwölf bis fünfzehn Tagen abgeschlossen haben möchte und mit einer enormen Anzahl an Opfern lieferten diese im Wesentlichen, was er befohlen hatte.

Obwohl Schukow mit seiner 1. Weißrussischen Front den Angriff aus Brückenköpfen über der Oder hinweg begann und seine ersten Angriffe im Schutze der Nacht mit starken Scheinwerfern, welche die deutschen Soldaten blenden sollten durchführte, konnte er die Verteidiger trotzdem kaum zurückdrängen. Drei Tage griffen seine Sturmtruppen die Verteidiger an. Gedrängt durch Schukow, welcher unter dem Druck von Stalin stand, wühlten sich die Russen nach vorne. Als es der russischen Artillerie schließlich gelang, die deutschen Verteidiger zu zermürben, brachen die Einheiten der Roten Armee durch die Front der Heeresgruppe Weichsel und stießen auf Berlin und nördlich davon vor.
Beide Seiten erlitten schwere Verluste und zahlreiche russische Panzer wurden zerstört, viele davon durch die Panzerfaust von Mitgliedern der Hitlerjugend. Aber die überwältigende zahlenmäßige Überlegenheit der Angreifer ließ die Offensive langsam vorwärts kommen.

Katjuscha beschiesst Berlin

Russische Stalinorgel BM-13N Kathjuscha beschiesst Berlin.

Die vorrückenden Russen brachen in Berlin von Norden, Osten und Süden hinein. Gleichzeitig trafen die Speerspitze von Schukow und Konjews Fronten im Westen der Stadt am 25. April zusammen. Am selben Tag stellten Konjews Truppen auch den Kontakt mit den Amerikanern her. Die deutsche Hauptstadt war jetzt völlig eingeschlossen und die eigentlichen Hauptverteidigungsstreitkräfte, die 9. Armee war ihrerseits in einem eigenen Kessel südlich davon eingeschlossen.
Hitlers verzweifelte Bemühungen, die Hauptstadt zu verteidigen, hatten keine wesentlichen Auswirkungen auf die Entwicklung. Mit Hammerschlägen erzwangen die Einheiten der Roten Armee ihren Weg in die Stadt hinein, zwar unter erheblichen Verlusten, aber immer stetig vorwärts.
Hitler hatte beschlossen, in seiner Hauptstadt zu bleiben und Selbstmord zu begehen, wenn ein Entsatzversuch scheitern sollte. So kam es dann auch.

Die deutsche Kapitulation

Kapitulationsurkunde

Die Unterschriften unter der Kapitulationsurkunde.

Als Dönitz dann Anfang Mai 1945 das unmittelbare Erbe Hitlers übernahm, erkannte er sofort, daß der Krieg unweigerlich verloren war. Er hoffte, dass er diesen in einer solchen Art und Weise beenden könnte, indem er so viele Soldaten wie möglich der Ostfront vor der russischen Kriegsgefangenschaft zu retten versuchte und es so vielen Zivilisten wie möglich erlauben würde, nach Westen zu entkommen.

Die Kapitulation wurde schließlich in zwei Teilen unterzeichnet, einmal im Westen in Reims am 7. Mai und gegenüber den Russen in Berlin am 8. Mai.

KretaTipp

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