Waffen Alliierte

Alliierte Infanterie-Waffen im Zweiten Weltkrieg

Britische Soldaten Sizilien 1943

Britische Soldaten mit einem leichten Bren-MG und Lee-Enfield-Gewehr auf Sizilien 1943.

Traditionell war die Waffe des Infanteristen das Gewehr – zusammen mit dem Bajonett – und das gilt auch heute noch, wenn auch schon mit Fortschreiten des Zweiten Weltkrieges immer weniger Infanteristen ein Gewehr trugen und mehr und mehr dazu übergingen, andere Typen von Waffen zu führen.

Trotzdem war das Gewehr immer noch die grundlegende Militärwaffe, dessen Bedienung jeder Soldat als erstes erlernte und von dem erwartet wurde, falls nötig, es auch im Kampf zu verwenden.
Das Bajonett war weniger wichtig, trotzdem wurde jedem Soldaten die Grundlagen des Bajonettkampfes beigebracht. Aber es gibt genügend Anhgaltspunkte, daß diese Zeit besser hätte investiert werden können.
Bereits 1914 hat Fortescue in seinen Vorlesungen über Militärgeschichte in Cambridge einige Fakten über das Bajonett hervorgehoben:
‘Die Engländer und Franzosen sprechen beide viel vom Bajonett; aber 1801 in Ägypten warfen sie aufeinander Steine ​​als ihre Munition verbraucht war und ein englischer Unteroffizier wurde von einem Stein getötet. Bei Inkerman warfen die Engländer wiederrum Steine ​​auf die Russen, und zwar nicht ohne Wirkung. Dazu wurde mir von verlässlichen Beobachtern berichtet, daß die Russen und Japaner – welche beide angeblich das Bajonett liebten – sich gegenseitig in diesem Zwanzigsten Jahrhundert mit Steinen bewarfen, anstatt in den Nahkampf zu gehen’.

Innerhalb weniger Monate nach dieser Aussage wurde das Bajonett wichtiger als jemals zuvor, aber die Analysen nach dem Ersten Weltkrieg zeigten, dass die Anzahl der Verletzungen, die darauf zurückzuführen waren, im Vergleich zu denen, die von anderen Waffen verursacht wurden, geringfügig waren.
Der Zweite Weltkrieg war etwas anders, aber die Erfahrung bei den britische Truppen in Korea mit dem Steinewerfen waren ähnlich wie diejenigen ihrer Vorgänger bei Inkerman.
Der amerikanische Karrikaturist Bill Mauldin hatte in Stars and Stripes das letzte Wort über das Bajonett, als er eine Karrikatur zeichnete, der einen verblüfften GI mit einem Gewehr und einem Bajonett zeigte: ‘Ich werde verdammt sein ! Wusstet ihr Jungs, dass der Dosenöfner am Ende eines Gewehrs sitzt ?’

Der Zweite Weltkrieg war die letzte Runde für die Magazingewehr mit Zylinderverschluß, mit dem die meisten Soldaten in aller Welt seit den 1880er-Jahren bewaffnet worden waren. Dafür wurde das neue Zeitalter der automatischen Gewehre eingeläutet.
Seit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hatte das automatische Gewehr – oder eher das Selbstladergewehr – an die Türen der Beschaffungsämter geklopft, aber bis auf ein oder zwei Versuchsmuster, welche in geringer Zahl hergestellt worden waren, hatte es wenig Interesse bei den Militärs geweckt.
Diese hatten zwei grundlegende Bedenken: Zum Einen mußte die Waffe unter den unwahrscheinlichsten Bedingungen und in den Händen des denkbar schlechtesten Soldaten funktionieren und zum Zweiten herrschte die Angst vor, daß wenn den womöglich hastig ausgebildeten Wehrpflichtigen einen Selbstlader in die Hand gedrückt bekäme, dieser innerhalb von zwei Minuten sämtliche Munition ungezielt in die etwaige Richtung des Feindes verfeuert haben und danach mehr oder weniger unbewaffnet darauf warten würden, überrannt zu werden.

Für den zweiten Fall mögen einige Erfahrungen gesprochen haben, denn dies ist selbst schon mit Zylinderschloß-Magazingewehren vorgekommen. Dazu kam noch die zusätzliche Belastung der Nachschubsdienste, welche die große Menge an Munition für diese gefräßigen Selbstladergewehre nach vorne bringen müßten.
Tatsächlich waren dieselben Argumente schon gegen jede schneller feuernde neu Waffe in früheren Tagen immer wieder vorgebracht worden und waren letztendlich unbegründet, aber das hielt die Verantwortlichen nicht davon ab, sie jedesmal aufs neue vorzubringen.

Aber um nicht zu reaktionär zu erscheinen, gaben die Abteilungen der Kriegsministerien von Zeit zu Zeit Ausschreibungen heraus, daß sie daran interessiert wären, einige automatische Gewehre vorgeführt zu bekommen, wenn sich deren Erfinder an einem Wettbewerb beteiligen würden. Normalerweise waren die Bedingungen und Spezifikationen für derartige Ausschreibungen so abschreckend, daß nur die exentristischen und verbissesten Waffenentwickler sich darauf einließen.

Diese Ausschreibung wurde vom britischen Kriegsministerium um August 1909 herausgegeben und ist ein gutes Beispiel dafür:

‘Jedes zur Prüfung eingereichte Gewehr muss spätestens am 1. Mai 1910 an den Direktor der Artillerie eingereicht werden. Es dürfen nur Gewehre in einem vollständigen Zustand angenommen werden und 300 Schuß Munition für einen vorläufigen Test des Gewehres müssen beigelegt sein.
1.) Das Gewehr sollte einfach, robust und so kompakt wie möglich sein, und der Mechanismus sollte gut vor dem Eindringen von Sand, Regen und Schmutz geschütz sein, sowie frei von Gefahren einer Störung durch Unfall, langer Abnutzung, groben Gebrauch, der Aussetzung von Feuchtigkeit und Sand oder dem Blockieren durch lang anhaltendes Schießen sein.
Es sollte leicht gereinigt und inspiziert werden und wenn nach einem längeren Gebrauch ein Teil zerbricht, sollte es leicht und billig repariert werden können. Die Teile des Mechanismus, welche von einem Soldaten gereinigt und und geölt werden müssen, sollten ohne weitere Hilfsmittel zerlegt werden können.
2.) Das Magazin aufzufüllen und die Patronen in die Kammer zu laden, sollte mit Leichtigkeit und Sicherheit durchgeführt werden können.
3.) Die Patronen können randlos sein.
4.) Hinsichtlich der Ballistik des Gewehrs sollte die maximale Höhe der Flugbahn 1,6764m auf nicht weniger als eine Entfernung von 731,52m sein.
5) Das Gewicht der Kugel, die zugespitzt sein soll, darf nicht weniger als 9,72g und nicht mehr als 11,664g betragen.
6.) Das Kaliber darf nicht weniger als 6,858mm und nicht mehr als 0,7112mm sein.
7.) Der Funktionsdruck darf bei 26,7° Grad Celsius nicht mehr als 21,336 Tonnen auf den Quadratzoll (6,4516 cm²) betragen.
8.) Das Gewehr muss so leicht wie möglich sein und darf in keinem Fall 4,3 kg bei leerem Magazin und ohne Bajonett überschreiten.
9.) Das Gewehr muss entweder als automatisches Gewehr oder als Magazingewehr verwendet werden können, wobei der Wechsel von einem zum anderen einfach und schnell erfolgen muß. Das Gewehr muss als automatisches Gewehr richtig funktionieren, mit und ohne befestigten Bajonett. Das Bajonett muß am Vorderschaft und nicht am Lauf befestigt werden.
Bei der Verwendung als Magazingewehr muss der Verschlußblock auch frei durch Handbetrieb arbeiten können, ohne dass ein übermäßiger Kraftaufwand eingesetzt werden muss.
Das Magazin muss mindestens fünf Patronen enthalten und ist entweder mit einem ‘Ladegerät’ oder einem ‘Clip’ zu füllen.
Das Gewehr darf nur einen Schuss bei jeder Betätigung des Abzugs abfeuern.
Nachdem die letzte Patrone des Magazins abgefeuert wurde, sollte der dieser Umstand dadurch angezeigt werden, dass der Verschluß offen bleibt oder durch ein anderes, auffälliges Zeichen.
10.) Die Richtung, in der die verfeuerten Hülsen ausgeworfen werden, sollte nicht so sein, daß ein benachbarter Mann an der Seite dadurch belästigt wird.
11.) Der Verschluß, der die Basis der Patrone hält, muß im Augenblick des Schießens von dem Schaft bis zu einem Teil, der sicher am Schaft befestigt ist, gesperrt werden und darf nicht nur von seiner Trägheit oder Reibung oder von dem Druck der Federn abhängen, um einer Trennung der Verschlussschraube oder Verschlusses vom Lauf zu widerstehen. Es muß unmöglich sein, durch das Auslösen des Abzugs eine Patrone zu verfeuern, bevor der Verschluß vollständig geschlossen ist.
12.) Es muss eine wirksame Sicherheitsvorrichtung vorhanden sein, um zu verhindern, dass das Gewehr bei eingestellter Sicherung ausgelöst wird. Wenn die Sicherheitsvorrichtung unbrauchbar wird, muss das Gewehr gespannt und bereit zum Schießen sein.

Es ist ziemlich interessant, dies sorgfältig durchzulesen und dann darüber nachzudenken, wie viele der heutigen Selbstlader alle diese Anforderungen erfüllen könnten.
Und als ob die Spezifikation nicht ausreichten, folgte ein Memorandum für die Erfinder, das nicht weniger abschreckend war:

‘1) Personen, die eine Erfindung einreichen möchten … sollten dies per Brief tun.
2) Der Brief sollte die Art der Erfindung wiedergeben und ausreichende Einzelheiten beinhalten, um die Vorzüge vollständig zu erkennen und zusätzliche Beweise erbringen für die Nützlichkeit der Erfindung durch tatsächlich vorausgegange Versuche. Alle Entwürfe, Pläne, Zeichnungen, Modelle, Exemplare der Papiere sind auf Risiko des Inhabers beizufügen …
6) Ausgaben. Aufwendungen oder Zeitverlust, der vor oder nach der Einreichung einer Erfindung entstanden ist, ergeben keinen Anspruch auf Erstattung. Mit der Ausnahem, wenn zuvor ein Schreiben des Staatssekretärs des Kriegsministeriums oder des Assistenz-Staatssekretärs oder des Direktors der Artillerie vorliegt, wobei die Haftung strikt auf das dort angegebene Limit begrenzt ist … wienn die Kostenerstattung in diesem Brief genehmigt wurde.
7) Sollte die Armee-Rat es für wünschenswert halten, eine Erfindung zu testen, wird der Erfinder nach den allgemeinen Regeln, die Kosten der Bereitstellung des Artikels, den Transport, den passend Auf- und Abbau übernehemn …
8) Der Armee-Rat behält sich das Recht vor, Zeichnungen, Entwürfe, Muster oder Unterlagen, die einen wesentlichen Teil der Beschreibung der Erfindung bilden, für zukünftige Wiedervorlagen aufzubewahren …
9) Sollte die Erfindung angenommen werden … werden die Bedingungen für seine Verwendung durch eine nachfolgende Vereinbarung festgelegt, und diese Bedingungen beinhalten die Lieferung von zwei Kopien von allen Entwürfen, Zeichnungen. Patenten, Muster und Angaben in Bezug auf die Erfindung, die als notwendig erachtet werden können … und es ist selbstverständlich, dass alle derartigen Konstruktionen etc. vollständig zur Verfügung der Regierung Seiner Majestät für alle Zwecke, was auch immer, gestellt werden und die dafür günstigen Preise nur bezahlt werden … um die Kosten der Zeichnungen und der Herstellung zu decken.
10) Es besteht kein Anspruch auf Vergütung für eine Erfindung, es sei denn, die Erfindung wurde für den Dienst angenommen.
11) Alle Vergütungsansprüche werden sorgfältig geprüft; aber jeder mögliche Anspruch, der gemacht werden kann, wird nur an den Antragsteller zahlbar sein, wenn er vom Finanzministerium genehmigt wird und Geld von den Mitteln verfügbar sind, die vom Parlament für solche Zwecke zugesprochen werden.’

Es ist nicht sehr überraschend zu erfahren, dass sich keine Schlangen mit Erfindern von automatischen Gewehren auf dem Bürgersteig vor dem britischen Kriegsministerium im Jahr 1910 gebildet haben.
Überraschender dagegen ist, dass im Jahr 1940 eine weitere Ausschreibung für Waffenhersteller für Entwürfe von automatischen Gewehren herausgegeben wurde, in deren Beschreibung die meisten der soeben aufgeführten Sätze Wort für Wort wiederholt wurden ! Innerhalb von dreißig Jahren und zwei Weltkriege später hatte sich also nur wenig verändert.

Obwohl zahlreiche Entwürfe in Großbritannien getestet wurden, konnte keiner die strengen Anforderungen erfüllen und der Zweite Weltkrieg wurde von der britischen Armee vollständig mit dem Zylinderschloß-Gewehr Lee-Enfield geführt.
Allerdings sagt es viel über die Qualität des Lee-Enfield-Gewehres aus, daß es ziemlich selten vorkam, daß ein britischer Soldat die Waffe eines Feindes oder Verbündeten seinem eigenen Gewehr vorzog. Das gleiche kann allerdings nicht für die Waffen-Kategorien der Handfeuerwaffen oder Maschinenpistolen behauptet werden.

GI mit Garand

Amerikanischer GI zielt mit seinem Garand-Gewehr.

Die Amerikaner hatten seit 1918 mit automatischen Gewehren experimentiert und 1936 das bekannten Garand-Gewehr eingeführt. Dies hatte einen Ruf für die Zuverlässigkeit, der seinesgleichen sucht und seine erfolgreiche Verwendung in der US Army war einer der bedeutensten Faktoren, welche zur Einführung des automatischen Gewehres auch in anderen Streitkräften beitrug.

Wenn es für die Amerikaner funktionierte, dann mußte es für uns funktionieren, war die Haltung, und als die amerikanische Einführung des Garand als erfolgreich angesehen wurde, begann jede Streitmacht wieder sich der Frage des automtischen Gewehrs zuzuwenden.
Die Russen experimentierten schon seit einiger Zeit mit einem Entwurf und ließen es auch für die Rote Armee herstellen. Aber das Gewehr hatte viele Probleme und arbeitete nur zuverlässig, wenn es ständig gepflegt wurde und so bewaffneten sie niemals ihre gesamten Streitkräfte mit diesem Tokarew-Gewehr im Gegensatz zu den Amerikanern . Die Zahlen der russischen automatischen Gewehre vor 1945 sind daher relativ gering.


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3d-Modell eines englischen Tommys

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