Französische Armee 1. Weltkrieg

French-flagFranzösische Armee und Uniformen im 1. Weltkrieg.

Angriff französischer Infanterie 1914

Angriff französischer Infanterie in den ersten Kriegstagen, beim Versuch Elsaß-Lothringen zurückzuerobern.

Französische Armee

französischer Gebirgsjäger, General und Infanterist (1914)

französischer Gebirgsjäger, General und Infanterist (1914)

Die Bevölkerungszahl Frankreichs und des Norddeutschen Bundes waren im Jahr 1870 ungefähr gleich. Jedoch bis zum Jahr 1914 stieg die Bevölkerung des Deutschen Reiches auf über 65 Millionen an, während die von Frankreich noch unter 40 Millionen lag. Diese Ungleichheit prägte das französische strategische Denken, jedoch mit tragischer Ironie, da dies am Ende zu einem militärischen Credo führte, welches zahlreiche Menschenleben in der französischen Armee kostete.

Frankreich hatte die Welt mit seiner schnellen Wiederauferstehung nach der Niederlage von 1870/71 überrascht und reorganisierte seine Armee nach dem preußischen Vorbild mit kurzer Militärdienstzeit und einem leistungsfähigen Generalstab. Wo der Verlust von Elsass und Lothringen die französische Ostgrenze offen legte, wurde eine starke Festungslinie errichtet, welche sich von Belfort bis nach Verdun zog. Zur Jahrhundertwende wurde die Moral der Armee jedoch tief von der Dreyfus-Affäre erschüttert und ihr Ansehen diskreditiert. Im Jahr 1905 wurde dann der Militärdienst auf zwei Jahre verkürzt. Konfrontiert mit der steigenden Bedrohung durch ein überlegenes Deutschland, stieg das Ansehen der Armee wieder, sowie die Bereitschaft, in ihr zu dienen. Im Jahre 1913 konnte der Militärdienst wieder auf 3 Jahre festgesetzt werden. Danach traten die Männer in die Reserve, der Territorial-Armee und der Territorial-Reserve für unterschiedliche Zeiträume bis zu einem Alter von 48 Jahren.

Im Juli 1914 belief sich die Friedensstärke der Armee Frankreichs auf 736.000 Mann. Bei der Mobilisierung stieg sie auf 3,5 Millionen an, von denen rund 1,7 Millionen im Feldheer zum Einsatz kamen. Dieses Feldheer bestand aus fünf Armeen mit zusammen 21 Armeekorps, sowie 2 Kolonial-, 3 unabhängigen, 10 Kavallerie- und 25 Reservedivisionen. Der Rest befand sich bei Territorial-Einheiten, in Garnisonen und Depots.
Die fünf Armeen waren von der Schweizer Grenze, wo die 1. Armee ihren rechten Flügel bei Belfort hatte, etwa zu einem Drittel des Weges entlang der belgischen Grenze verteilt, wo der linke Flügel der 5. Armee sich in der Nähe von Hirson befand. Weiter nördlich befand sich nur ein Kavalleriekorps aus 3 Divisionen. Einer deutschen Offensive von Metz aus konnte also begegnet werden, aber eine Offensive durch Belgien hindurch würde nur auf den schwachen französischen Kavallerie-Schleier treffen.

Die Franzosen hatten jedoch kein Interesse daran, auf eine feindliche Offensive zu warten. Für die Armeeführung war klar, dass das Desaster des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 seine Ursache im fehlenden Angriffsgeist und Esprit der eigenen Seite hatte. Gemäß der Tradition der napoleonischen Kriege wurde die Armee in einem mystischen Geist des Angriffs großgezogen: Angriff, egal was es kostet, lautete die Antwort auf militärische Probleme !

Um diesen Elan zu demonstrieren, trugen die französischen Soldaten die traditionellen langen, blauen Röcke mit großen und deutlich roten Streifen, während das deutsche Heer schon längst im wenig auffälligen Feldgrau gekleidet war. Praktische Maßnahmen wurden ignoriert und der französische Soldat trug seinen langen Rock und schwere militärische Unterkleidung im heißen August des Jahres 1914. Seins Ausrüstung war schwer und lag 20% über dem Gewicht eines deutschen Soldaten.

In Sachen Feuerkraft stützten sich die Franzosen auf das Gewehr und ihr hervorragendes 7,5-cm-Feldgeschütz M1897, eine hervorragende Kanone welche in großen Mengen hergestellt wurde. Maschinengewehre, eine Waffe die gar nicht in das Konzept des Angriffs-Elans passte, wurden vernachlässigt.

so hat sich das Bild bis 1915 gewandelt = Infanterist, Oberst der Schützen und Korporal der Pioniere (Frankreich, 1915-1918)

So hat sich das Bild 1915 gewandelt = Infanterist, Oberst und Korporal (Frankreich, 1915-1918)

Mit dieser Taktik und Ausrüstung konnten sich die französischen Soldaten glücklich schätzen, dass sie nicht nur gehorsam und anpassungsfähig waren, sondern vor allem schnell im Kampf lernten. Die ersten katastrophalen Verluste der französischen Armeen konnten zudem durch Eingeborene aus dem Kolonialreich wettgemacht werden, die während des Krieges 500.000 Mann stellten.

General Joffre, 62 Jahre alt, war Vizepräsident des Kriegsministeriums und wurde Oberbefehlshaber des französischen Heeres bei Ausbruch des Krieges. Er war gewichtig und schweigsam, aber ein guter Zuhörer. Als Veteran des Kolonialdienstes hatte er keine besonders ausgeprägten Vorstellungen von Strategie und Taktik, war aber ein hervorragender Arbeiter und Organisator. Er konnte improvisieren, war aber zu genügsam um vor dem Krieg Pläne und Möglichkeiten für Krisen in einem zukünftigen Krieg vorzubereiten. Gallieni, Joffre’s Nachfolger in den Kolonien, war wachsamer und realistischer, war aber ohne Einfluss.

Von den Armeekommandeuren war Lanrezac von der 5.Armee ein brillanter und pessimistischer Mann und schon von vielen als Joffres wo möglicher Nachfolger ausgemacht. Foch, ein Vertreter der Angriffsdoktrin und zuvor Kommandant der Kriegsakademie, war Korpskommandeur. Wie Joffre konnte auch er Krisen hervorragend meistern und hatte in Weygand einen Stabschef, der seine Wünsche in klare Befehle umsetzen konnte. Petain, ohne Rückhalt in der Armeeführung wegen seiner kritischen Haltung gegenüber der Elan-Doktrin und seinen realistischen Ansichten der modernen Feuerkraft, kommandierte im August 1914 nur eine Division.


FRANKREICH (3.8.1914-11.11.1918)

  • Truppenstärke bei Kriegsbeginn = 4.000.000
  • Heeresstärke im Verlauf des Krieges = 7.935.000
  • Tote Militär = 1.390.000
  • Verwundete Militär = 2.500.000
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