Fieseler Fi 103

Flagge Deutsches ReichFieseler Fi 103 Flugbombe, deutsche Vergeltungswaffe V-1.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

Fiesler Fi 103 Flugbombe

Fieseler Fi 103 Flugbombe in einer typischen Tarnbemalung von 1944.

Fieseler Fi 103
Typ: Flugbombe, Marschflugkörper.

Geschichte

Die Fieseler Fi 103 Flugbombe war bei den Deutschen als Kirchkern, Flakzielgerät FZG 76, oder als Vegeltungswaffe 1 und bei den Alliierten als V-1 oder ‘Doodle-bug’ bekannt.
Ihre Bedeutung hat dieser erste Marschflugkörper der Geschichte vor allem durch die Tatsache, daß es nach der praktischen Auflösung der konventionellen Bomberstreitkräfte der deutschen Luftwaffe ab Mitte 1944 wegen Treibstoffmangels und Produktionsstopp , die einzige in größerem Umfang eingesetzte deutsche strategische Bombardierungswaffe im letzten Kriegsjahr war. Das Gegenstück, die Rakete A-4 oder V-2, wurde vom Heer eingesetzt und stand damit nicht unter der operativen Kontrolle der Luftwaffe.

Die Fi 103 war praktisch ein kleines Flugzeug ohne Pilot, mit einer Spannweite von 5,30 m und einer Gesamtlänge von 7,90 m. Mit einem maximalem Startgewicht von 2.180 kg und einer Fügelfläche von 4,80 m² hatte sie einen Sprengkopf am vorderen Teil des Rumpfes montiert, welcher mit 850 kg hochexplosiven Sprengstoff gefüllt war.

Die Zelle wurde durch Diplom-Ingenieur Robert Lüsser bei der Firma Fieseler entwickelt und erhielt ein Zielsteuerungssystem von Siemens.
Die Flugzelle war nur für einen einzigen Flug über maximal 40 Minuten ausgelegt, was die Konstruktion einfach und so billig wie möglich machte. Größtenteils wurde die Zelle aus dünnem Stahlblech gefertigt und es gab nur ein Minimum an Komplexität. Zum Beispiel war der größte Teil des Höhenleitwerks aus einem einzigen Stück aus 8,6 mm dicken Stahlblech mit Versteifungsstreifen geformt, welche einfach gebogen und punktgeschweißt entlang der Hinterkante ohne Rippen waren.
Die Spitzen des Höhenleitwerks waren unverarbeitete Stahlpressungen, welche in die Enden eingefügt und punktgeschweißt wurden.

Querschnitt durch die Fieseler Fi 103

Querschnitt durch die Fieseler Fi 103

Es gab keine Treibstoffpumpen, da der Treibstoff einfach in den Motor gepresst wurde, was mit Hilfe von komprimierter Druckluft aus kugelförmigen Behältern im hinteren Teil des Flugkörpers geschah. Der Tank selbst hatte 570 Liter Leichtbenzin mit 75 Oktan.
Genauso wurde komprimierte Druckluft verwendet um den Steuerkreisel im Autopiloten und auch die Ruder- und Höhenruder-Steuerelemente zu betreiben. Querruder hatte der Flugkörper keine. Die Behälter mit der Druckluft wurden vor dem Start aufgeladen und verfügten über genügend Pressluft für einen Flug von etwa 40 Minuten.

Während des Fluges wurde die Flugbombe durch einen Magnetkompass auf ihrer Flugbahn gehalten und die vorgegebene Flughöhe durch eine barometrische Kapsel überwacht. Ein Askania-Gyroskop gab den Höhenrudern und dem Seitenruder Signale zur Steuerung von Flughaltung und Richtung,
Nach dem Start begann sich ein kleiner Windmühlenflügel auf der Spitze des Flugkörpers im Luftstrom zu drehen, welcher einen mechanischen Zähler antrieb, der als eine rohe Form von Milometer diente. Nach zuvor festgelegten Entfernungen nach dem Start machte dieser den Sprengkopf scharf, setzte einen manchmal eingebauten Funkpeilsender in Betrieb und leitete schließlich den endgültigen Sturzanflug ein.

He 111 mit V-1

Von Herbst 1944 an waren die einzig wirksamen strategischen Bomber der Luftwaffe vom KG 53, deren Heinkel He 111 so ausgerüstet waren, daß sie Fi103 Marschflugkörper (V-1) weit vor dem Zielgebiet starten konnten.

Der Schub, welcher von dem Verpuffungsstrahltriebwerk geliefert wurde, war abhängig von der Geschwindigkeit und variierte von Flugkörper zu Flugkörper. Bei einer Geschwindigkeit von 645 km/h betrug er etwa 254 kg, konnte aber bis zu 300 kg erreichen.

Die Waffe wurde gegen Großbritannien ab dem 13. Juni 1944 eingesetzt. Später kamen noch andere Ziele in Europa hinzu und nach dem Verlust der Abschussbasen an der Kanalküste erfolgte der Einsatz auch von Trägerflugzeugen He 111 gegen Ziele in Großbritannien. Dies waren zumeist He 111H des KG 3 und später KG 53.
Unabhängig von der Startmethode kamen bald nur noch etwa 25 Prozent der Fi 103 durch die alliierte Luftverteidigung.

Mehr als 30.000 Fi 103 wurden von Henschel, Mittelwerke und Volkswagen bis Kriegsende hergestellt.

Bodenorganisation

Oberst Max Wachtel

Oberst Max Wachtel, Kommandeur des Flak-Regiment 155(W).

Die Einheit, welche für den Einsatz und Start der Fi 103 gegen Großbritannien bis zum Spätsommer 1944 verantwortlich war, führte den Tarnname Flak-Regiment 155(W), später Flak-Gruppe Creil.
Das Regiment war nach den gleichen Grundsätzen wie eine gewöhnliche Flak-Einheit organisiert und war in Abteilungen, Batterien und Züge unterteilt. Die Abteilungen I, II, III und IV kontrollierten die Abschusseinheiten und Abteilung V das Nachrichten-Personal.

Jede der Abschuss-Abteilungen bestand aus vier Abschuss-Batterien und zwei Versorgungs-Batterien. Jede Feuer-Batterie bestand aus zwei Zügen, welche jeweils zwei Startplätze und deren Mannschaften kontrollierten. Auf diese Weise kontrollierte einen Zug zwei Abschussplätze, eine Batterie vier, eine Abteilung 16 und das Regiment insgesamt 64.

Startplatz für  Fi 103 Flugbomben bei Vignacourt

Der Startplatz für Fi 103 Flugbomben bei Vignacourt in der Nähe von Abbeville in Frankreich auf einem alliierten Aufklärungsfoto vom Juni 1944. Bei dem unauffällige Komplex aus offensichtlichen Farmgebäuden fällt nur die Startrampe zwischen den Bäumen in der rechten oberen Bildecke auf, welche gegen London ausgerichtet ist.

Die Mannschaften eines Startplatzes bestanden aus etwa 50 Unteroffizieren und Mannschaften, unterteilt in 7 Trupps. Dies waren der Montagetrupp aus einem Unteroffizier und vier Mannschaften, der Steuerungstrupp aus einem Unteroffizier und zwei Mann, der Einstelltrupp mit einem Unteroffizier und sechs Mann, der Geschütztrupp aus einem Unteroffizier und fünf Mann, der Ladetrupp aus einem Unteroffizier und zwei Mann, der Transporttrupp aus zwei Unteroffizieren und 20 Mann und der befehlshabende Unteroffizier der Stellung mit zwei Funkern.

weiter Teil II: Abschussverfahren, Flug und Auswirkungen der V-1


Spezifikationen Fi 103

Spezifikationen
Fi 103 Spezifikation
Antrieb 1 x 300 kg Schub As 109-014
Spannweite 5,30 m
Länge über alles 7,90 m
Rumpfdurchmesser 0,383 m
Flügelfläche 4,80 m²
Leergewicht 815 kg
Sprengkopf 850 kg
Startgewicht 2.180 kg
Höchstgeschwinidgkeit (Horizontalflug) 645 km/h
Startgeschwindigkeit 378 km/h
Gipfelhöhe 3.000 m
Reichweite 240 km

Animation 3d-Modell Fiesler Fi 103 (V-1)


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