Deutschlands Aufstieg zur Sportnation in der Weimarer Republik

Tennisspieler Gottfried von Cramm

Der erfolgreiche deutsche Weltklasse-Tennisspieler Gottfried von Cramm.

Deutschlands Aufstieg zur Sportnation in der Weimarer Republik.

Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg bedeutete für Deutschland eine „neue“, aufregende Epoche. Die erste demokratische Republik auf deutschem Boden, die Wiederkehr zur Kulturnation und nicht zuletzt auch die Entstehung von Sport als Freizeitbeschäftigung brachte einen ganz neuen Wind in das gesamte Land. In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen entstanden nicht nur eine Menge Vereine und Sportverbände, sondern es stiegen auch die ersten Athleten zu internationalen Sportstars auf. Wir werfen einen Blick zurück auf Deutschlands Aufstieg zur Sportnation.

Das Boxen und der erste deutsche Sportstar

Der Boxsport wurde schon in der Antike – abseits von Soldaten sowie den Legionen – ausgetragen. In England fand der Faustkampf nach den sogenannten Queensberry-Regeln Jahrhunderte später sein neuzeitliches Comeback. 1919 fand dann auch der erste offizielle Boxkampf auf deutschem Boden statt. Bereits ein Jahr später wurde die erste Meisterschaft ausgetragen. Schnell entwickelte sich ein wahrer Boom um die organisierten Faustkämpfe. Seinen Höhepunkt erreichte diese Begeisterung mit dem Aufstieg Max Schmelings. 1927 sicherte er sich den Europameistertitel und drei Jahre später folgte der erste große Erfolg seiner Karriere. In einer umstrittenen Entscheidung wurde er nach dem Kampf gegen Jack Sharkey zum Weltmeister ernannt. Sechs Jahre später schlug der den „braunen Bomber“ Joe Lewis – Militär-Allegorien waren damals keine Seltenheit. Bis heute ist Schmeling der einzige deutsche Schwergewichtler, der den WM-Gürtel erringen konnte. Schaut man auf die aktuellen Bestenlisten im Schwergewicht, scheint es unwahrscheinlich, dass sich daran in nächster Zeit etwas ändern wird. Momentan dominieren Namen wie Joshua, Wilder und Fury das Schwergewicht. Die beiden Letztgenannten bieten sich im Juli ein Rematch um den Titel. Bei den Buchmachern, die sich des beliebten Sports annehmen ist Tyson Fury mit einer Quote von 1,29 der Favorit. Man darf gespannt sein, ob er seinen Titel verteidigen kann.

Deutschland wird zur Motorsportnation

Auch wenn in der diesjährigen Formel 1 Saison mit Sebastian Vettel nur noch ein deutscher Fahrer vertreten sein wird, gilt Deutschland bis heute als Motorsportnation. Seine Anfänge nahm der deutsche Motorsport in der Weimarer Republik. Mit dem Aufstieg des Automobils entstanden auch die ersten Rennen. Schnell war klar, dass eine Rennstrecke her müsse. Bereits im Jahr 1913 wurde mit den Planungen für die „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße“ begonnen. 1921 wurde die AVUS dann feierlich eröffnet. Die Rennstrecke wurde sowohl für Privatfahrten als auch professionelle Autorennen genutzt. 1926 wurde auf der AVUS auch erstmals der „Große Preis von Deutschland“ ausgerichtet. Im Jahr darauf fand dieser dann auf dem brandneuen Nürburgring statt, welcher bis heute zu den beliebtesten Rennstrecken in Deutschland gehört. Die großen Namen diese Zeit waren Bernd Rosemeyer, Manfred von Brauchitsch oder Rudolf Caracciola. Auch der Aufstieg der legendären Silberpfeile fällt in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Die Anfänge des Königs Fußball

Schaut man auf die Gründungsdaten einiger Bundesligisten, ob BVB 09 oder Schalke 04, so wird deutlich, dass viele Vereine bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet wurden. Der DFB entstand bereits 1900 und vier Jahre später kam auch die FIFA hinzu, eine überregionale oder besser gesagt nationale Bundesliga gab es zu jener Zeit allerdings noch nicht. Stattdessen wurden in verschiedenen Regionalligen (Nord, Ost, Süd, West) die jeweiligen Meister ausgespielt, welche dann in Halb- und Finale den deutschen Meister ermittelten. Dieser Modus wurde bis zur Gründung der Bundesliga 1963 gespielt. In den 1920er Jahren dominierte vor allem der 1. FC Nürnberg den deutschen Fußball und konnte sich in dieser Dekade fünf Titel sichern. Auch Hertha BSC feierte in dieser Zeit zwei Meisterschaften.

Sport gehört zum Alltag

Ebenso entwickelte sich der Breitensport in der Weimarer Republik immer weiter. Ob Ruder- oder Turnverein, Fahrradfahren oder Wandern – die körperliche Ertüchtigung wurde in nahezu allen Gesellschaftsschichten praktiziert. Insbesondere der Radsport entwickelte sich in den 1920er Jahren zu einem Massenphänomen. Die bis heute populären Sechstagerennen wurden in dieser Zeit ebenfalls erstmals ausgetragen.
Erst mit Gründung der Bundesrepublik sollte Deutschland wieder zu solch einer Sportnation werden.
 
 

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