Infanterie 1914-18

 britischer Soldat an der Westfront

Ein britischer Soldat an der Westfront, welcher mit dem kurzen Lee-Enfield Gewehr von 1907 bewaffnet ist.

Infanterie-Waffen im Ersten Weltkrieg 1914 bis 1918.

Das Gewehr war die am meisten benutzte Waffe des Ersten Weltkrieg und obwohl es eine ansehnliche Anzahl von Waffenherstellern quer über Europa verteilt gab, waren alle im Dienstgebrauch verwendeten Entwürfe in ihrem Mechanismus und Spezifikationen weitgehend gleich.
Alle hatten einen Zylinderverschluss, die meisten davon den Geradezugverschluss, und alle hatten ein Patronenmagazin, welches das Abfeuern von mehreren Schüssen ohne nachzuladen ermöglichte.
Einige dieser Infanteriegewehre hatten herausnehmbare Magazine, aber bei den meisten waren sie ein integrierter Bestandteil des Gewehres und der Schütze führte einfach nur Ladestreifen mit Patronen während des Nachladens hinein.

Die Gewehre erschienen auch nur in einer begrenzten Anzahl von Kalibern. Zum Beispiel hatte das deutsche Mauser-Gewehr Modell 1898 ein Kaliber von 7,92 Millimetern, während das russische Mosin-Nagant 7,62 Millimeter und das rumänische Mannlicher Modell 1893 6,5 Millimeter verwendete.
Alle britischen Gewehre hatten das Kaliber 0,303 Inch (7,7 Millimeter), während die amerikanischen Infanteriewaffen, wie das Modell 1903 Springfield, das 0,3 Inch Kaliber verwendeten.
Die meisten Gewehre waren um die 1,25 Meter lang und wogen 4 kg.

Die meisten Infanteriegewehre hatten ein Magazin mit fünf Patronen, aber einige – hier insbesondere die britischen und französischen Modelle – konnten einige mehr aufnehmen. Das französische Modell 1916 Lebel hatte zum Beispiel ein Acht-Patronen-Magazin, während die beiden britischen Lee-Enfield Mark I und SMLE (Short Magazine Lee-Enfield) Mark III jeweils ein herausnehmbares Magazin mit 10 Patronen hatten.
Die beiden letzten Modelle reflektierten den Glauben der britischen Armee, daß ein schnelles Feuer einen Angriff zusammenbrechen lassen würde und der reguläre britische Infanterist war in der Lage, etwa 15 bis 20 gezielte Schüsse je Minute über einen kurzen Zeitraum abzugeben. Bei den meisten anderen Armeen waren es nur etwa 8 bis 12 Schuss je Minute.

Das größere, herausnehmbare Magazin und der Umlegiegelgriff wurde bei dem Entwurf der Lee-Enfield verwendet, um eine höhere Schlussfolge zu erreichen. Allerdings konnten die hastig während des Krieges ausgebildeten Freiwilligen oder später Wehrpflichtigen nicht den Vorkriegsstandard der regulären Soldaten bei der Feuergeschwindigkeit und Schussgenauigkeit erreichen.

Die Gewehre waren in der Regel mit Zielvorrichtungen für Entfernungen bis zu 2.560 Meter ausgelegt, aber in den meisten Armeen wurde nicht davon ausgegangen, daß einzelnes, gezieltes Feuer auf ein bestimmtes Ziel über 550 Meter zu Treffern führen würde. Diese Entfernung galt als ‘kurze Reichweite’.
Dahinter lagen weitere Zonen, welche bei der britischen Armee die effektive Feuerreichweite von 550 bis 1.280 Metern, die große Reichweite von 1.280 bis 1.830 Metern und der entfernte Bereich von 1.830 bis 2.560 Metern waren.
Massenziele konnten eher als Einzelziele noch innerhalb der effektiven Reichweite des Gewehres unter Feuer genommen werden, aber es war kaum sinnvoll, etwas auf große oder entfernte Reichweite unter Feuer zu nehmen.

An den Gewehren befanden sich zudem drei Hauptarten eines Bajonetts. Am weitesten verbreitet waren diejenige, welche wie eine Klinge oder Messer geformt waren, während die dünneren Nadeltypen anfällig für das Umknicken waren. Die verhältnismäßig seltenen Dolch-Bajonette mit einer gezackten Klinge wurden vor allem von der deutschen Armee verwendet.
Die alliierte Propaganda behauptete, daß die gezackten Klingen vorsätzlich verwendet wurden, um abscheuliche Wunden zu verursachen, aber in Wirklichkeit wurden sie für verschiedene Pionieraufgaben benötigt.

Ausbildungshandbücher aus der Vorkriegszeit betonten die außerordentliche Bedeutung von Bajonettangriffen und den meisten Soldaten wurde der ‘Elan des Bajonetts’ eingeschärft. In der Realität sah es allerdings etwas anders aus.
Bajonettangriffe waren nach 1914 sehr selten und verhältnismäßig wenige Soldaten wurden anschließend noch durch ein Bajonett getötet oder verwundet. Bajonetten wurden natürlich noch weiter im Grabenkrieg verwendet, aber der einzelne Soldat floh oder ergab sich eher im Angesicht eines Bajonetts, als diesen Kampf auszufechten.

Genaue Angaben über die Anzahl der Verwundungen durch Bajonette während des Krieges gibt es zwar nicht, aber diese waren äußerst gering im Vergleich zu dem größten Verursacher von Opfern, der Artillerie. Die britischen Feldärzte fügten Bajonettverwundungen nur in der Kategorie ‘verschiedene Verwundungen’ hinzu, ein Bereich, der insgesamt nur für etwas mehr als ein Prozent aller Verlustmeldungen der britischen Armee im Ersten Weltkrieg verantwortlich war.


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