Artillerie 1914-18

30,5cm Skoda-Haubitze

Eine österreich-ungarische 30,5cm Skoda-Haubitze ‘Schlanke Emma’ im Einsatz.

Die Artillerie im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918.

Der allgemeine Mangel an schwerer Artillerie im Jahr 1914 spiegelte teilweise die vorausgegangenen militärischen Erfahrungen der kriegführenden Staaten wider. Die Franzosen waren weiterhin von ihrer Idee der schnellen und beweglichen Kriegführung aus den Tagen Napoleons zu Anfang des Neunzehnten Jahrhunderts zugetan, während die Briten erst vor kurzem gegen die schwer fassbaren, berittenen Buren-Kommandos im Zweiten Burenkrieg von 1899 bis 1902 gekämpft hatten.
So sahen diese beiden Armeen keinen Bedarf für mehr als die vollbewegliche und schnell einsetzbare Feldartillerie, welche durch Pferdegespanne gezogen wurden und mit Kavallerie und Infanterie Schritt halten konnten.

Dagegen lernten die deutschen und österreich-ungarischen militärischen Planer einige der Lektionen aus dem Russisch-Japanischen Krieg von 1904 bis 1905, bei dem die Japaner schwere Haubitzen einsetzten. Trotzdem zogen auch ihre Armeen mit einem Übergewicht aus leichteren Feldgeschützen in den Krieg, obwohl ihrer beider Generalstäbe davon ausgingen, mit einigen feindlichen Festungen fertig werden zu müssen und daher etwas schwere Artillerie benötigt würde.

Preussische Truppen waren an Belagerungen während des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 beteiligt und stellten damals einen Mangel an ausreichender eigener Feuerkraft fest. Die französische Reaktion auf ihre Niederlage war der Bau oder die Modernisierung einer Reihe von Festungen, welche den schnellen Vormarsch der deutschen Truppen verlangsamen würde, welcher nach dem Schhlieffen-Plan erforderlich war. Dazu folgte auch Belgien dem französischen Beispiel mit dem Bau von Festungen an den Stellen, welche die deutschen Truppen passieren müssten.

Österreich-Ungarn hatte zwei bedeutende potentielle Feinde, Russland und Italien. Ein Krieg gegen einen der beiden wird entweder Kämpfe in den Gebirgen der Karpaten oder den Alpen nach sich ziehen, beides natürliche Festungsbereiche. In beiden Fällen waren Granaten mit einer steilen Flugbahn erforderlich.

Österreich-Ungarn ging voraus mit der ‘Schlanken Emma’ von Skoda, einer 30,5-cm-Haubitze. Deutschland folgte mit der von Kruppe entwickelten 42-cm-Haubitze mit dem Spitznamen Dicke Berta. Ihren ersten Kampfeinsatz erlebten beide Haubitzen gegen die Festungen von Liege am 12. August 1914, welche als die stärksten Festungen der Welt galten.
Zur Bestätigung der Deutschen und zum Schock für die Gegner, zerlegten innerhalb von bloß vier Tagen etwa ein Dutzend der ‘Emmas’ und ‘Bertas’ die angeblich undurchdringbaren, mit Stahl verstärkten Betonwerke der Festungsstadt in Schutthaufen.

Als die Schützengräben entlang der Westfront Ende 1914 gegraben waren, begannen alle Kriegsteilnehmer vollständig den Bedarf schwerer Artillerie zu erkennen, welcher die Stacheldrähte, Grabenstellungen und tief ausgehobene Unterstände in dieser modernen Form des Belagerungskrieges zerschlagen konnte. Sie begannen solche Geschütze in größerer Zahl zu bauen und neue Modelle zu entwerfen, oder verwendeten als Zwischenlösung die schweren Festungsgeschütze aus nun anderen Orts überflüssig gewordenen Forts.
Zum Beispiel bestanden nur etwas mehr als acht Prozent der französischen Artillerie im Jahr 1914 aus schweren Geschützen, aber vier Jahre später war ihr Anteil auf fast 50 Prozent angewachsen.

Eine große Anzahl unterschiedlicher schwerer Artilleriegeschütze wurde entwickelt. Einige wurden auf Lafetten mit Rädern montiert, andere wiederum wurden in Teile zerlegt und auf diese Weise transportiert und in verstärkten Feuerbettungen zusammengebaut.
Einige von ihnen, wie die 220mm Schneider Modell 1917 der französischen Armee, konnten eine 90,7 kg schwere Granate über 22.400 Meter schleudern, aber die meisten der schweren Haubitzen-Typen hatten kürzere Reichweiten.

Der Handel war ziemlich einfach: umso schwerer die Granate, desto kürzer die Reichweite. Aber die allgemeine Entwicklung ging in Richtung schwerer und zerstörerischer Granaten.
Die Granate des deutschen Standard-Feldgeschützes von 1914 wog lediglich 6,8 kg, während das des schweren 21-cm Langer Mörser von 1916 bereits 113 kg wog.


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