Jahr 1917

Die Situation an den Fronten im Jahr 1917.

Englische Panzer rollen in die Tank-Schlacht von Cambrai

Englische Panzer rollen in die Tank-Schlacht von Cambrai am 20. November 1917.

Während dieses ‘Jahres der Agonie’, in dem in so vieler Weise die moderne Welt begann, wie wir sie kennen, hat Russland die absolute Monarchie abgeschüttelt, zwei Revolutionen über sich ergehen lassen und sich sanft einem deutsch-österreich-ungarischen ‘Friedensdiktat’ unterworfen.

Die britische Armee verblutete in Flandern und die U-Boote wüteten unter den britischen Handelsschiffen, während die französische Armee von Meutereien und Defätismus überzogen wurde.
In Deutschland verursachte der zunehmende schwere Nahrungsmittelmangel Aufstände und Streiks, während es in der blockierten Hochseeflotte zu Streiks kam.
Österreich-Ungarn erlebte nahezu eine Hungersnot und die ersten, ernsten Unruhen unter seinen beherrschten Völkerschaften.
Am schlimmsten traf es jedoch Italien, welches nahezu durch einen tödlichen Schlag aus dem Krieg geworfen wurde.
Und in Ostafrika ging die letzte Kolonie Deutschland verloren, wenn auch der unbezwingbare Lettow-Vorbeck seine verbliebene Truppe in das portugiesische Mosambik führte und dadurch den Widerstand auf diesem Nebenkriegsschauplatz für ein weiteres Jahr verlängern konnte.

Der Krieg war zu einer immer mehr anwachsenden, allumfassenden Belagerung für die Völker geworden, in der Kampffront und Heimatfront in einer einzigen, unteilbaren Tortur verschmolzen.
Die Alliierten machten den Arabern und den Juden widersprüchliche Versprechungen zu ihrer Unabhängigkeit, als die Türken Bagdad und Jerusalem an die britischen Armeen verloren.

Das einzige, davon unabhängige Ereignis, welches letztlich aus freien Willen und nicht durch Notwendigkeiten erzwungen wurde und zum entscheidenden Faktor werden sollte, war jedoch Amerikas Kriegserklärung an Deutschland.

Die schweren Verluste, welche während der Schlacht an der Somme eingetreten waren, hatten das deutsche Oberkommando dazu veranlaßt, die zu weit vorgeschobenen Stellungen in Frankreich aufzugeben und sich auf eine neue, stark befestigte Verteidigungslinie zurückzuziehen, welche mit begrenzten Kräften gehalten werden konnte. In der Zwischenzeit konnten die Deutschen Russland den endgültigen Schlag versetzen.
Diese ‘Hindenburg’- (oder auch ‘Siegfried’-) Linie wurde während des Winters 1916/1917 erbaut. Genauer gesagt war diese ‘Linie’ eine komplexe Anlage mit Schützengräben, Betonunterständen, Geschützstellungen und Stacheldraht, welcher ‘Rasiermesser’ genannt wurde.
Dahinter wurden noch die ‘Hunding’- und ‘Brunhilde’-Linien errichtet, welche 1918 fertiggestellt wurden. Deutschlands Propagandisten verkündeten lauthals, daß dieses Stellungssystem ‘uneinnehmbar’ wäre, um der zunehmenden Kriegsmüdigkeit der unterernährten deutschen Bevölkerung entgegenzuwirken.
Ludendorff vertrat die Meinung, daß diese Linie gehalten werden könnte, bis der uneingeschränkte U-Boot-Krieg die Engländer zu Sinnen gebracht haben würde – oder besser, auf ihre Knie.

Anfang 1917 zogen sich deutsche Truppen in die Hindenburg-Linie zurück und führten rücksichtslose Deportationen und Zerstörungen in den geräumten Gebiet durch. Heeresgruppen-Befehlshaber Prinz Rupprecht protestierte gegen dieses unnötige und ausufernde Vernichtungswrk und drohte zurückzutreten.
Die alliierten Offensiven im April eroberten die Vimy-Höhe, aber schreckliche französische Verluste während der übermäßig geförderten und unfähig durchgeführten Nivelle-Offensive am Aisne-Abschnitt lösten große Meutereien in der französischen Armee aus. Dank der meisterhaften Intervention von Petain wurden diese Unruhen schnell und heimlich unterdrückt.

Im Juni nahmen die Briten unter Plumer die Messines-Höhe und andere wichtige Punkte im Ypern-Frontbogen. Aber der gesuchte Erfolg ab dem 31. Juli in der Dritten Schlacht von Ypern oder Schlacht von Passchendaele, von Ypern aus nach Osten bis zu den deutschen U-Boot-Stützpunkten in Flandern durchzubrechen, brachte wenig bei schrecklich hohen Verlusten. Viele Hunderte, wenn nicht sogar tausende Soldaten des Britischen Empires sind einfach von der Bildfläche verschwunden und im bodenlosen Schlamm ertrunken.

Vielleicht hatte diese britische Offensive – wie von Haig und Robertson entschuldigend behauptet – die volle deutsche Aufmerksamkeit in einer kritischen Phase erzielt, während die zerschlagene und meuternde französische Armee sich langsam wieder erholte.
Aber bestimmt hätten ähnliche Erfolge auch mit einer besser durchdachten Strategie bei dem Verlust von weniger Menschenleben erreicht werden können, z.B. durch den schon detailliert geplanten amphibischen Angriff unter Verwendung spezieller Landungsfahrzeuge und auch Tanks auf die deutsch-besetzte belgische Küste.

Von August bis Oktober erzielten die Franzosen dann vor Verdun deutliche Geländegewinne und nahmen auch die Höhe Chemins des Dames in einer Folge von gut geplanten und begrenzt durchgeführten Angriffen.

Die Italiener hatten ihre wiederholten Offensiven gegen die österreich-ungarische Linie am Isonzo nordöstlich von Venedig fortgesetzt. Geringe Geländegewinne wurden gemacht, aber die italienischen Truppen waren ermattet. Wiederholte italienische Appelle um die Bitte von mehr anglo-französischen schweren Geschützen waren ungehört verhallt.
Zwar erkannte der italienische Oberbefehlshaber Cadorna die drohende Gefahr einer deutsch-österreich-ungarischen Offensive, aber seine Vorsorgemaßnahmen wurden nicht von seinen dilettantischen Korpskommandeuren umgesetzt.
So boten italienische Gasmasken nur eingeschränkten Schutz und italienische Flieger waren im Allgemeinen den von der Westfront eingetroffenen deutschen Fliegern unterlegen.
Unerkannt von den Italienern, war dazu heimlich eine kampfstarke deutsche Verstärkung aus sieben Divisionen von der eingeschlafenen Ostfront herangeführt worden. Ihre Truppenführer waren alle in die neuen ‘Sturmtruppen’-Infiltrationstaktik des General Hutier eingewiesen, darunter auch ein Württemberger namens Erwin Rommel.

Am 24. Oktober 1917 erfolgte der Schlag am Caporetto. Die italienische Linie brach zusammen und wurde mit dem Verlust von 320.000 Mann und 3.000 Kanonen 115 Kilometer weit zum Fluß Piave zurückgedrängt.
Elf britische und französische Divisionen mußten in aller Eile an die Piave verlegt werden und ein oberster alliierter Kriegsrat wurde gegründet, um eine einheitliche Strategie zu planen.

In dieser dunklen Stunde erfolgte für die Alliierten ein Hoffnungsschimmer durch den überraschenden, massiven britischen Panzereinsatz bei Cambrai am 20. November 1917. Zwar war der Durchbruch nur vorübergehend und bald durch deutsche Verstärkungen von der Ostfront und aus Italien beseitigt, aber das Potential eines massiven Tank-Einsatzes war zweifelsohne bewiesen worden. Das Ereignis wurde zur Geburtsstunde des modernen, mechanischen Krieges.


Kriegstagebuch 10. Dezember 1917

MAS-Torpedoboot vom Typ 'Grillo'

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Montag den 10. Dezember 1917: Seekrieg Adria: 2 italienische MAS-Boote dringen in den Hafen von Triest ein, wo MAS9 (Leutnant Rizzo) das österreich-ungarische Schlachtschiff Wien versenkt, der bisher schwerste Kriegsschiffsverlust der Österreicher. Nordsee: Wasserflugzeuge des Royal… mehr

Kriegstagebuch 9. Dezember 1917

Britische Artillerie in Palästina

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Sonntag den 9. Dezember 1917: Mittlerer Osten Palästina – FALL VON JERUSALEM: Der Bürgermeister übergibt den Schlüssel zur Kirche und Andrewes Messebesteck an den kommandierenden General der britischen 60. Division, dessen Truppen den Berg Scopus erstürmen.… mehr

Kriegstagebuch 8. Dezember 1917

Türkische Kavallerie in einem Feldlager bei Jerusalem

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Samstag den 8. Dezember 1917: Naher Osten Palästina: Der Vormarsch auf Jerusalem beginnt trotz heftigen Regens, die britische 60. Division nimmt zwei Dörfer, 297 Kriegsgefangene, 3 Kanonen und 12 MGs. Das türkische XX. Korps (12.000 Soldaten… mehr

Kriegstagebuch 7. Dezember 1917

erbeutete britische Tanks Mark IV

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Freitag den 7. Dezember 1917: Westfront Großbritannien: Der Nachrichtendienst des Hauptquartiers des BEF sagt eine deutsche Offensive spätestens für März 1918 voraus. Schlacht von Cambrai endet: Die britischen Truppen sind seit dem 20. November im Norden… mehr

Kriegstagebuch 6. Dezember 1917

Italienische Frauen heben Schützengräben aus

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Donnerstag den 6. Dezember 1917: Südfronten Trentino: Die österreich-ungarische 21. Infanterie-Division erstürmt den Mt.Sisemol mit 2.000 Kriegsgefangenen. Die Italiener konsolidieren eine neue Linie weiter im Süden über Valstagna und die Frenzela-Täler. Ostfront Rumänischer Waffenstillstand mit den… mehr

Kriegstagebuch 5. Dezember 1917

Conrad von Hötzendorf inspiziert Truppen

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Mittwoch den 5. Dezember 1917: Südfronten Trentino: Die österreich-ungarischen Truppen von Conrad von Hötzendorf drängen in Richtung Foza, werden jedoch von der italienischen Nachhut aus Bersaglieri und Alpini aufgehalten. Naher Osten Palästina: Die ersten britischen Eisenbahnzüge… mehr

Kriegstagebuch 4. Dezember 1917

Gruppe von tschechoslowakischen Soldaten in französischen Uniformen

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Dienstag den 4. Dezember 1917: Politik Frankreich: Außenminister Pichon unterzeichnet ein Dekret zur Bildung einer unabhängigen tschechischen Armee. USA: Wilsons Botschaft an den Kongress besagt, dass Frieden eintreten wird, wenn die Deutschen sich auf eine Vereinbarung… mehr

Kriegstagebuch 3. Dezember 1917

Türkische Feldartillerie, ausgerüstet mit deutschen 75-mm-Haubitzen

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Montag den 3. Dezember 1917: Naher Osten Palästina: Ein Bataillon der britisches 74. Division (286 Mann Verluste) nimmt und verliert dann wieder Beit-Ur-el Foka. Mesopotamien – Drittes Gefecht von Jebel Hamrin: Egertons 20.000 Mann mit 116… mehr

Kriegstagebuch 2. Dezember 1917

Ankunft von Trotzki in Brest-Litowsk

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Sonntag den 2. Dezember 1917: Ostfront Waffenstillstand, der zu Terminen beginnt, welche die lokalen Armeekommandeure jeweils vereinbaren. Die Russische Waffenstillstandskommission passiert bei Dünaburg die deutschen Linien und fährt weiter nach Brest-Litowsk, wo sie vom deutschen Oberbefehlshaber… mehr

Kriegstagebuch 1. Dezember 1917

türkische Sturmtruppen

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Samstag den 1. Dezember 1917: Naher Osten Palästina: Das Sturmbataillon der türkischen 19. Division, welches auf deutsche Art ausgebildet ist, zerstört den Angriff der ALH (australische berittene Infanterie) und der britischen 52. Division bei El Burj.… mehr

Kriegstagebuch 30. November 1917

Deutsche Soldaten vor Gegenangriff bei Cambrai

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Freitag den 30. November 1917: Westfront Cambrai – ÜBERRASCHENDER DEUTSCHER GEGENANGRIFF BEGINNT mit Sperrfeuer um 8:30 Uhr, einschließlich vieler Gasgranaten. Die Zweite Armeen, verstärkt auf 20 Divisionen, setzt die Infiltrationstaktik mit Luftunterstützung ein, welche erfolgreich bei… mehr

Kriegstagebuch 29. November 1917

Alabtros-Jäger über Alpen

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Donnerstag den 29. November 1917: Luftkrieg Italienische Front: Erster britischer Flugeinsatz über den italienische Linien im Abschnitt Montello, wobei 1 österreich-ungarischer Einsitzer niedergeht, aber Jägerangriffe verhindern die Fotoaufklärung durch RE8-Flugzeuge. 500 US-Flugschüler begannen am 28. November… mehr

Kriegstagebuch 28. November 1917

Kannibalismus in Russland

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Mittwoch dne 28. November 1917: Ostfront Russland: Lenin und Trotzki verkünden per Funk- und Telegramm ‘Die russische Armee und das russische Volk können und werden nicht länger warten.’ ESTLAND ERKLÄRT SEINE UNABHÄNGIGKEIT. Westfront Cambrai: 16.000 deutsche… mehr

Kriegstagebuch 27. November 1917

durch Artillerie-Volltreffer vernichteter Tank

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Dienstag den 27. November 1917: Westfront Cambrai: Die erschöpften britischen Truppen ziehen sich vor Cambrai zurück, nachdem die Garde-Division mit 32 Tanks im Abschnitt Bourlon und Fontaine zurückgetrieben wurde. Ludendorff und Rupprecht konferieren in Le Cateau,… mehr

Kriegstagebuch 26. November 1917

Gefangene-Sammelstelle für italienische Soldaten

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Montag den 26. November 1917: Südfronten Trentino: Die österreichische Edelweiß-Division (am 27. November nur noch 2.000 Mann stark) kann den Col della Berretta nicht gegen zwei italienische Brigaden, das Alpini Val Brenta-Bataillon und die 60. Bersaglieri… mehr

Kriegstagebuch 25. November 1917

Tauschhandel Ostfront 1917

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Sonntag den 25. November 1917: Ostfront Westrussland: Verbrüderungen bei Baranowitschi. Am Eisenbahnknotenpunkt von Orscha werden anti-bolschewistische Truppen daran gehindert, nach Moskau zu gelangen. Heimatfronten Russland – Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung (bis zum 27. November): Die Bolschewiki… mehr

Kriegstagebuch 24. November 1917

Kaiser Karl (links) und Wilhelm II

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Samstag den 24. November 1917: Südfronten Trentino: Kaiser Karl beendet die Angriffe im Asiago-Sektor, Conrad von Hötzendorfs Verluste sind 15.030 Mann (davon fast 7.000 Kranke) seit dem 10. November. Westfront Cambrai: Die britischen Truppen scheitern daran,… mehr

Kriegstagebuch 23. November 1917

Luftschhiff L59

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Freitag den 23. November 1917: Afrika Ostafrika: Nach zwei vergeblichen Versuchen am 13. und 16. November verlässt Zeppelin L59 am 21. November Jamboli in Bulgarien mit 15 Tonnen Vorräte, einschließlich 30 MGs, für die Truppen von… mehr

Kriegstagebuch 22. November 1917

Deutsche Truppen ziehen durch ein Dorf in Norditalien

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Donnerstag den 22. November 1917: Südfronten Piave: Krisentag im wichtigen Grappa-Abschnitt, als österreich-ungarische-deutsche Truppen den Mt.Tomba (968 Meter) erstürmen, aber Laderchis IX. Korps vertreibt sie mit letzter Kraft, wobei ein italienisches Regiment auf 400 Mann reduziert… mehr

Kriegstagebuch 21. November 1917

Britische Reserven warten in den Gräben

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Mittwoch den 21. November 1917: Westfront Cambrai: Der britische Vorstoss nach Cambrai wird wieder aufgenommen und mit 12 Tanks werden Cantaing (300 Kriegsgefangene) und Tadpole Copse genommen. 2 Tanks und die britische 6. Division erobern Noyelles… mehr

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