Kriegstagebuch 1. August 1914


Warten auf Mobilmachung

Um 17 Uhr warten Menschen auf den Stufen des Berliner Doms auf die Mobilmachungs-Erklärung.

Kriegstagebuch 1. Weltkrieg für Samstag den 1. August 1914:

POLITIK: DEUTSCHLAND
DEUTSCHLAND ERKLÄRT RUSSLAND DEN KRIEG um 19:10 Uhr, nach dem Russland das Ultimatum vom Vortag ignoriert hat. Zuvor wurde bereits um 17:00 Uhr die Mobilmachung aller Männer im Alter von 20 bis 45 Jahren ausgerufen.
Der Kaiser unterschreibt die Mobilmachungsorder, Reichskanzler Bethmann meint ‘Gott helfe uns, wenn der eiserne Würfel rollt.’ Die SPD unterstützt mehrheitlich die Kriegserklärung, anstatt einen Generalstreik auszurufen.
Kaiser Wilhelm II. erfährt erst jetzt, daß eine Mobilmachung nicht auf die Ostfront beschränkt werden kann, sondern nur hauptsächlich im Westen erfolgen muß, da es keine Pläne zum Aufmarsch gegen Russland gibt und die komplexen Zugfahrpläne für die Mobilisierung nicht kurzfristig umgeworfen werden können !
Das preußische Belagerungsrecht unterteilt das Deutsche Reich in 24 Armeekorps-Bezirke.
2 U-Boot-Flotillien mit 20 Booten werden vor Helgoland zusammengezogen. Die Hochseeflotte versammelt sich bei den Jade-Ankerplätzen, wo sie vom 2. und 3. Schlachtgeschwader aus Kiel verstärkt wird. Die Moblmachung der Flotte erfolgt um 20:00 Uhr.
Im Mittelmeer treffen sich der Schlachtkreuzer ‘Goeben’ und der Leichte Kreuzer ‘Breslau’ bei Brindisi.

WESTFRONT
Ein Zug des deutschen 69. Infanterie-Regiment der 16. Division dringt um 17.00 Uhr vorzeitig in Luxemburg ein, um einen wichtigen Schienen- und Telegraphenleitungs-Knotenpunkt zu besetzen. Der Kaiser verbietet aber Grenzverletzungen per Telegramm, sodaß Moltke die Truppe um Mitternacht wieder zurücknimmt.

POLITIK: RUSSLAND
Der Zar schickt an König George V. von England ein Telegramm, dass Russland für Serbien mobilisieren mußte. Nun hätte Deutschland den Krieg erklärt, obwohl er dem deutschen Kaiser versprochen hätte, keine Truppenbewegungen durchzuführen, solange Gespräche laufen.

OSTFRONT
Um 19:00 Uhr herum, erstaunlicherweise umittelbar zur Zeit der deutschen Kriegserklärung welche erst für den nächsten Tag gilt, dringt russische Kavallerie schon in Ostpreußen ein.

POLITIK: BELGIEN
Die Regierung erklärt, daß sie ihre bewaffnete Neutralität in jedem Fall beibehält, eine Po­sition die von Großbritanni­en und Frankreich garantiert wird.

POLITIK: FRANKREICH
Präsident Raymond Poincare erklärt sich mit der Ausgabe eines General­mobilmachungsbefehls einverstanden.
Die Aéronautique Militaire (französische Militär-Luftwaffe) beschlagnahmt 50 zweisitzige Morane-Saulnier Parasol-Eindecker, welche vom Osmanischen Reich bestellt waren.

POLITIK: GROSSBRITANNIEN
Außenminister Grey protestiert dagegen, daß britische Schiffe in Hamburg festgehalten werden, aber das Kabinett stimmt nicht der Einschiffung des BEF (Britisches Expeditionskorps) nach Frankreich zu. Grey fordert Deutschland auf, nicht Frankreich anzugreifen, falls dieses neutral bleibt.
Der Wechselkurs der Banken in Großbritannien zieht auf 10% an, dem höchsten in der Geschichte der ‘Bank of England’.
Die Britische Mittelmeerflotte zieht sich bei Malta zusammen.
Großbritannien konfisziert die neuen, für das Osmanische Reich fertiggestellten Schlachtschiffe ‘Sultan Osman I,’ und ‘Reshadieh‘, welche umbenannt als ‘Agincourt’ und ‘Erin’ von der Royal Navy übernommen werden. Die Türken hatten bereits 3 Millionen £ des Gesamtpreises von 3,6 Millionen £ bezahlt.

POLITIK: ÖSTERREICH-UNGARN
Österreich-Ungarn appelliert versöhnlich an Großbritannien.
Generalstabschef von Hötzendorf fragt bei seinem italienischen Amtskollegen Cadorna an, wann mit italienischer Truppenhilfe in Galizien zu rechnen ist.

POLITIK: ITALIEN
Einführung einer Kriegsgewinnsteuer. Getreide-, Zucker- und Rinderexporte werden verboten.

NEUTRALE: DÄNEMARK
Dänemark erklärt seine Neutralität und mobilisiert die Notfall-Armee.

NEUTRALE: NORWEGEN
Norwegen erklärt seine Neutralität und mobilisiert die Marine am nächsten Tag.


NEUTRALE: NIEDERLANDE
Holland mobilisiert.

NEUTRALE: SCHWEIZ
Die Schweiz mobilisiert.

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