Glattdeck-Zerstörer

US-Zerstörer der Flush-Decker (Glattdeck)-Klasse, gebaut von 1917 bis 1921.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

3D-Modell der HMS Cambeltown
3D-Modell der HMS Cambeltown, an die Royal Navy abgegebener Glattdeck-Zerstörer der Wickes-Klasse.

Amerikanische Glattdeck-Zerstörer

Glattdeck-Zerstörer (6 Schiffe der Caldwell, 110 oder 111 der Wickes und 155 von der Clemson-Klasse).
Typ: Zerstörer.

Glattdeck-Zerstörer (Flush-decker destroyers), auch bekannt als ‚Four-Pipers‘ oder ‚Four-stackers‘, waren eine Klasse von Zerstörern, die während und kurz nach dem Ersten Weltkrieg für die US-Marine gebaut wurden. Diese Schiffe zeichneten sich durch ihre besonderen Konstruktionsmerkmale aus und spielten eine wichtige Rolle bei Marineoperationen im frühen 20. Jahrhundert.

Überblick

Bündiges Deck: Die Schiffe hatten ein durchgehendes Hauptdeck vom Bug bis zum Heck, was ihnen den Namen ‚Flush-Decker‘ (bündig) einbrachte.
Vier Schornsteine (Funnels): Die meisten dieser Zerstörer hatten vier herausragende Schornsteine, was ihnen den Spitznamen ‚Four-Pipers‘ oder ‚Four-stackers‘ (‚Vierpfeifer‘) einbrachte.
Hohe Geschwindigkeit: Sie waren für Hochgeschwindigkeitseinsätze ausgelegt und erreichten in der Regel Geschwindigkeiten von über 30 Knoten.
Leichte Bewaffnung: Ausgestattet mit 4-Zoll-(10,2-cm)-Geschützen und Torpedorohren.
Große Stückzahlen: Über 270 dieser Zerstörer wurden zwischen 1917 und 1922 gebaut.

Erster Weltkrieg: Während des Ersten Weltkriegs wurden viele Glattdeck-Zerstörer zur Bekämpfung deutscher U-Boote gebaut, die meisten wurden jedoch erst nach Kriegsende fertiggestellt.
Zwischenkriegszeit: Diese Schiffe bildeten das Rückgrat der US-Zerstörerflotte in den 1920er und 1930er Jahren.
Zweiter Weltkrieg: Obwohl sie veraltet waren, dienten viele Glattdeck-Zerstörer während des Zweiten Weltkriegs in verschiedenen Funktionen, darunter Konvoi-Begleitung, U-Boot-Bekämpfung und als schnelle Transporter.
Lend-Lease: Fünfzig dieser Zerstörer wurden 1940 im Rahmen des Lend-Lease-Programms an die britische Royal Navy übergeben.
Nachkriegszeit: Die meisten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg außer Dienst gestellt und abgewrackt, einige wurden jedoch für andere Zwecke umgebaut oder an andere Marinen übergeben.

Bemerkenswerte Klassen von Flush-Decker-Zerstörern:
1. Caldwell-Klasse (6 Schiffe)
2. Wickes-Klasse (111 Schiffe)
3. Clemson-Klasse (156 Schiffe)

Obwohl die Flush-Deck-Zerstörer nach den Maßstäben des Zweiten Weltkriegs als veraltet galten, spielten sie eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Zerstörerkonstruktion und -taktik, und ihre große Zahl machte sie zu einem wichtigen Bestandteil der Marineoperationen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Geschichte

USS Scheck (DD-159) der Wickes-Klasse
Die USS Scheck (DD-159) der Wickes-Klasse. Sie lief 1919 als Zerstörer vom Stapel, wurde 1944 zum Hilfsschiff umklassifiziert (AG-82) und 1947 abgewrackt.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs begannen die USA mit einem umfangreichen Bauprogramm für Zerstörer.

Der Grundentwurf lehnte sich stark an die Vorkriegsklassen Tucker und Sampson (DD-57 bis DD-68) an. Wichtigstes Unterscheidungsmerkmal war das Glattdeck anstelle des Decksprungs hinter der Back bei den älteren Fahrzeugen. Tatsächlich handelte es sich bei der Caldwell-Klasse um eine Reihe Versuchsschiffe, deren interne Auslegung sehr unterschiedlich ausfiel.

Die Wickes-Klasse wurde nach zwei Generalplänen gebaut, die von Bethlehem und Bath Iron Works stammten.

Die ihr folgende Clemson-Klasse war ihr sehr ähnlich, hatte aber mehr Bunkerraum für Brennstoff.
Am Ende des 1. Weltkrieg waren nur 44 Einheiten vollendet, aber der Rest wurde (außer den annullierten DD-200 bis DD-205) schließlich 1922 fertig.

Damit erhielt die US Navy zu einem Zeitpunkt eine Menge neuer Schiffe, da fremde Marinen die Konzeption der Zerstörer-Entwürfe neu überdachten. Dies bedeutete eine rasche Überalterung der Glattdecker und 1941 war nur noch ein Zerstörer der Caldwell-Klasse (Manley, APD-1) übrig. Sie war zum Typschiff Schneller Truppentransporter umgebaut worden. Zwei der Zerstörer waren abgewrackt und drei an die Royal Navy abgegeben worden.

^HMS Georgetown
HMS Georgetown gehörte zu den 50 von den USA gegen Stützpunktrechte an England abgetreten Flush-Deckern. Sie wurde von den Engländern vollständig zu einem U-Abwehr-Geleitschiff umarmiert.
Beim Eintritt der USA in den 2. Weltkrieg waren 32 Einheiten der Wickes-Klasse bereits abgewrackt, 27 an die Royal Navy abgegeben und 20 für andere Aufgaben als den Geleitdienst abgestellt worden. Zwölf weitere baute man später noch zu schnellen Truppentransportern um und Ende 1945 waren die meisten Schiffe der Klasse nicht mehr einsatzbereit.

Bei der Clemson-Klasse verhielt es sich ähnlich. Nach Pearl Harbor waren 64 abgewrackt, vier verkauft, 29 für andere Aufgaben umgebaut und 20 an die Royal Navy abgegeben worden. Acht Einheiten richtete man als schnelle Transporter her; 1945 liefen die meisten unter der wenig rühmlichen Klassifizierung AG (sonstige Hilfsschiffe). Somit ergibt sich für die Glattdecker eine bunt gemischte Geschichte.

Ihre Präsenz behinderte Verbesserungen an den Entwürfen, und erst als sie 10 bis 15 Jahre alt waren (1932) legten die Amerikaner die ersten neuen Zerstörer auf Kiel. Als die Amerikaner in den 2. Weltkrieg eintraten, waren 102 von ursprünglich 271 abgewrackt, 50 für andere Aufgaben umgerüstet und weitere 50 Glattdeck-Zerstörer im Rahmen des Anglo-amerikanischen Vertrags vom September 1940 an die Royal Navy abgegeben worden.

17 Einheiten gingen im 2. Weltkrieg verloren, der Rest wurde innerhalb weniger Jahre nach Kriegsende abgewrackt. Kein einziger Zerstörer verblieb als Museumsschiff von diesen zahlenmäßig sehr starken Klassen, deren 50 an die Royal Navy abgegebene Schwesterschiffe lebenswichtig für das Überleben Großbritanniens in den kritischsten Tagen der Atlantikschlacht waren.

McFarland (DD-237)
McFarland (DD-237) der Clemson-Glattdeckzerstörer.

Benutzer: US-Navy, britische Royal Navy, Kanada.


Spezifikationen Wickes-Klasse

Spezifikationen:

Wickes-Klasse
Spezifikation
Typ
Zerstörer
Wasserverdrängung
1.172 - 1.210 t
Einsatzverdrängung
ca. 1.267 t
Länge zwischen Loten
94,5 m
Länge über alles
95,5 m
Breite
9,4 m
Tiefgang
2,9 m
4 Yarrow, Thornycroft oder White
Maschinen
Parsons oder Westunghouse-Turbinen mit 2 Wellen
Gesamtleistung
24.200 - 27.000 PS
Brennstoffvorrat
295 t (Heizöl)
Geschwindigkeit
35 kn
Fahrbereich
2.500 sm bei 20 kn
Besatzung
114 - 122

Bewaffnung:

Wickes-Klasse
Spezifikation
Haupt-Bewaffnung
4 x 10,2-cm-Geschütze
Sekundär-Bewaffnung
-
Flak
ursprünglich 1 x 7,6-cm-Flak
Torpedorohre
12 x 53,3-cm
Minen
-
U-Abwehr-Waffen
? (umgebaute englische Eskortschiffe mind. 2 Wabo-Abwurfschienen auf Fotos zu sehen)
Flugzeuge
-

Einsatzstatistik:

Glattdeck-Zerstörer
Angaben
Bauzeit Caldwell-Klasse
6 Schiffe 1916-1917
Bauzeit Wickes-Klasse
110 oder 111 Schiffe 1917-1919
Bauzeit Clemson-Klasse
155 Schiffe 1918-1921
Verbleib Caldwell-Klase
1 umgebaut zum Schneller Truppentransporter, 3 an Royal Navy 1940, 2 bis 1941 verschrottet
Verbleib Wickes-Klasse
32 bis 1941 verschrottet, 27 an Royal Navy 1940, 14 zu Schnellen Minenlegern umgebaut, 6 für andere Aufgaben umgebaut, 12 ab 1942 zu Schnellen Truppentransportern umgebaut
Verbleib Clemson-Klasse
64 bis 1941 verschrottet, 4 verkauft, 29 für andere Aufgaben umgebaut, 20 an Royal Navy 1940, 8 ab 1942 zu Schnellen Truppentransportern umgebaut
insgesamt 17 versenkt während des 2. Weltkrieges, alle anderen 1946-1947 abgewrackt

Fairfax, ein Glattdeck-Zerstörer der Wickes-Klasse
Fairfax, ein Glattdeck-Zerstörer der Wickes-Klasse mit einem Tarnanstrich aus dem Ersten Weltkrieg.

Animation 3D-Modell Glattdeck-Zerstörer HMS Cambeltown der Wickes-Klasse, 1940 abgegeben an die britische Royal Navy:


Quellenangaben und Literatur

Fighting Ships of the World (Antony Preston)
Kriegsschiffe von 1900 bis heute – Technik und Einsatz (Buch und Zeit Verlagsgesellschaft)
The Illustrated Directory of Warships from 1860 to the present day (David Miller)
Flotten des 2. Weltkrieges (Antony Preston)
Die Schlacht im Atlantik (Andrew Kershaw)
The Encyclopedia of Weapons of World War II (Chris Bishop)

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