Wehrmacht

Deutsche Streitkräfte im Dritten Reich

Am 16. März 1935 führte Adolf Hitler die Wehrpflicht wieder ein und verkündete der Welt die Aufstellung der deutschen Luftwaffe. Es ist überflüssig darauf hinzuweisen, daß dies für die Beschränkungen im Umfang und in der Ausrüstung der deutschen Streitkräfte ein abruptes Ende bedeutete. Die nächsten vier Jahre sahen einen raschen Ausbau des deutschen Heeres und die Umwandlung aus General von Seeckts Reichswehr der Weimarer Republik in die Wehrmacht des Dritten Reich.

Im September 1939 zog die Wehrmacht mit Streitkräften in den Zweiten Weltkrieg, die zwar hervorragend ausgebildet waren und über moderne Doktrinen für die mechanisierte Kriegsführung verfügten, jedoch nur wenig Kampferfahrung besaßen. Lediglich im Spanischen Bürgerkrieg konnte eine sehr begrenzte Kampferfahrung gewonnen werden. Dazu war ein Großteil der geplanten Ausstattung mit militärischen Karftfahrzeugen noch nicht erfolgt und so mußten – bis auf die Panzer-Divisionen und motorisierten Infanterie-Divisionen – alle Soldaten zu Fuß marschieren und der Nachschub und die Artillerie durch Pferdefuhrwerke gezogen werden.

Was auch immer an Mängeln bei der Quantität und Qualität der Ausrüstung bestanden haben mochte, das deutsche ‘Menschenmaterial’ war vom besten. Der Versailler Vertrag, der nur eine 100.000 Mann starke Reichswehr zugestanden hatte, wurde zum Vorteil genutzt, in dem nur das beste Personal in einer hochprofessionellen Armee diente. Es gab sogar einen Überschuß an Soldaten, wenn man die bewaffneten Polizeikräfte der verschiedenen deutschen Staaten (Landespolizei) ebenfalls berücksichtigt. Diese Männer der Landespolizei wurden nach der Wiedereinführung der Wehrpflicht in die Wehrmacht übernommen. Dazu gab es noch ein großes Reservoir aus den teilweise militärisch ausgebildeten Mitgliedern der para-militärischen SA-Formationen der NSDAP.

Abgesehen von den Wehrpflichtigen, war es für die Wehrmacht wichtig, attraktive Arbeitsbedingungen für freiwillige Berufssoldaten, welche dort eine Karriere machen wollten, anzubieten. Um dies zu erreichen, wurden die Dienst- und Beförderungsvorschriften attraktiver gestaltet, elegante und zweckmäißge Uniformen eingeführt und gut ausgestattete, moderne Unterkünfte gebaut. Zur gleichen Zeit wurde der Versuch unternommen, den traditionellen, preußisch-autoritären Stil der Armee zu brechen, welcher sowieso überhaupt nicht in die Ideologie der Nationalsozialisten paßte. Allerdings sollte die privilegierte Stellung der deutschen Soldaten und Offiziere in der Gesellschaft nicht angetastet werden – denn nur eine in ihrem jeweiligen Land auch angesehene Armee erzielt eine hohe Kampfkraft .

Die Streitkräfte der Wehrmacht stellten einen sehr hohen und professionellen Standard dar, sodaß sie, als sie 1939 in den Krieg zogen, dies nicht mit übergroßer Begeisterung taten, aber mit der starken und berechtigten Überzeugung, daß sie die besten Soldaten der Welt waren.

Hitlers Hauptproblem mit der Wehrmacht waren einige ihrer höheren Offiziere, mit alt-preußischen Tugenden und Moralvorstellungen sowie konservativen Ansichten über die Durchführung von Militäroperationen. Diese standen seiner aggressiven Außenpolitik ablehnend gegenüber, hatten aber nicht genügend Einfluß. Ihr Widerstand war immer zurückhaltend und verzögerte auch das Modernisierungsprogramm der Wehrmacht. Sie wurden aber zunehmend immer mehr umgangen oder ersetzt, wenn sie sich als zu lästig erwiesen. Im Allgemeinen war die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg ein treues, gehorsames und vertrauensvolles Instrument der NS-Diktatur.


Organisation der Wehrmacht

Im März 1939 wurde die operative Führung der deutschen Streitkräfte unter dem Dach des Oberkommandos der Wehrmacht (OKW) vereinigt, deren Chef Generaloberst Keitel war. Die Leitung des Heeres unterlag dem Oberkommando des Heeres (OKH), welches ebenfalls über einen Generalstab verfügte. Während der Krise in der Schlacht um Moskau im Dezember 1941 übernahm Hitler auch persönlich dieses Oberkommando von dessen bisherigen Oberbefehlshaber von Brauchitsch und griff zunehmend in den Tagesablauf des Krieges – bis teilweise in die kleinsten Details – ein.


Spitzengliederung der wichtigsten Bereiche der Wehrmacht und im Dritten Reich
Heer Luftwaffe Kriegs-marine Reichs-Ministerien Staatliche Funktionäre NSDAP
Führer (Reichs-kanzler, Reichs-präsident, Kriegs-minister und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht): Hitler
OKW (Wehrmacht): Hitler, General-stabschef: Keitel, Chef des Operations-stabes: Jodl, Chef Planungsamt: Warlimont, Chef Abwehr (Auslands- und Gegen-spionage): Canaris (bis Februar 1944)
OKH: von Brauchitsch bis Dezember 1941, HitlerOKL: Göring bis April 1945, von GreimOKM: Raeder bis Januar 1943, Dönitz bis Mai 1945, von FriedeburgAuswärtiges von Ribbentrop bis Mai 1945, von KrosigkInspektorat Straßen-system: TodtKanzleramt: Hess bis Mai 1941, Bormann
Chef des Generalstab: Halder bis Sept. 1942, Zeitzler bis Juli 1944, Guderian bis März 1945, KrebsChef des Generalstab: Jeschonnek bis August 1943, Korten bis Juli 1944, Kreipe bis Oktober 1944, KollerInneres: Frick bis August 1943, HimmlerDAF (Deutsche Arbeits-front): LeySchatz-meister: Schwarz
Rüstung: Todt bis Februar 1942, SpeerArbeits-einsatz (incl. Zwangs-arbeiter): SauckelPartei-Organisation: Ley
Propaganda Goebbels bis Mai 1945, NaumannVier-Jahres-Pläne: GöringJugend: von Schirach bis August 1940, Axmann
Besetzte Ostgebiete: RosenbergPresse: Dietrich bis März 1945, Ausland: Rosenberg
SS: Himmler, RSHA mit Gestapo, SD und Polizei: Heydrich bis Juni 1942, Kaltenbrunner


Kräftebilanz der Wehrmacht

Es ist nicht sicher, welcher Prozentsatz einer jeden Altersgruppe der Wehrpflichtigen nun tatsächlich in die Wehrmacht einberufen wurden. Er wurde für Planungszwecke bei 75% festgesetzt, mußte jedoch im Verlauf des Krieges und bei Herabsetzung der Anforderungen höher geworden sein. Von September 1939 bis April 1945 durchliefen 17.893.200 Mann Wehrmacht und Waffen-SS; wenn man einmal eine Bevölkerungsbasis von 90 Millionen voraussetzt (einschließlich Österreich, Sudetenland, Elsaß und Teile Polens), dann müssen etwa 3,6 Prozent der gesamten Bevölkerung jährlich die Wehrmacht durchlaufen haben. Zur Zeit ihrer Spitzenstärke 1943 machte der Anteil der Wehrmacht mehr als 10% dieser Basis aus.

Kräftebilanz der Wehrmacht (Zahlen in 1000 Mann)
Jahr: 1939 1940 1941 1942 1943 1944 1945
Feldheer 2.741 3.650 3.800 4.000 4.250 4.000 3.800
Ersatzheer 996 900 1.200 1.800 2.300 2.510 1.500
Heer insg. 3.737 4.550 5.000 5.800 6.550 6.510 5.300
Luftwaffe 400 1.200 1.680 1.700 1.700 1.500 1.000
Kriegsmarine 50 250 404 580 780 810 700
Waffen-SS 35 50 150 230 450 600 830
Insgesamt 4.222 6.050 7.234 8.310 9.480 9.420 7.830
US Army (zum Vergleich) 5.575
gesamte US-Streitkräfte 11.484
Kräftebilanz des Großdeutschen Reich 1939-1944 (in Millionen)
Zeit (Ende Mai): 1939 1940 1941 1942 1943 1944 30.9.44
Zivile Arbeitskräfte:
Deutsche Männer24,520,419,016,915,514,213,5
Deutsche Frauen14,614,414,114,414,814,814,9
Deutsche insgesamt39,134,833,131,330,329,028,4
Ausländer, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene0,31,23,04,26,37,17,5
Wehrmacht:
insg. Einberufen1,45,77,49,411,212,413,0
kommulierte Verluste00,10,20,81,73,33,9
Aktivbestand1,45,67,28,69,59,19,1
Gesamtzahl erfaßte Deutsche40,540,540,540,741,541,441,4
Zivile Arbeitskräfte insg.39,436,036,135,536,636,135,9
Gesamte aktive Kräfte40,841,643,344,146,145,245,0
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