Offizier
und Grenadiere britischer Foot-Regimenter (1791-94)
Großbritannien war der erbitterste and standfesteste Gegner der
Französischen Revolution. Im Zeitraum von 1792 bis 1814 war lediglich eine
kurze Spanne von weniger als zwei Jahren Frieden zwischen den beiden Gegnern.
Großbritannien war in seiner moderneren Geschichte immer bemüht, ein
Gleichgewicht der Kräfte auf dem Kontinent bestehen zu lassen - allerdings
nicht zuletzt, um sein koloniales Weltreich im Windschatten der Konflikte auf
dem Kontinent zu errichten und zu erhalten.
Als traditionell stärkste Macht auf dem Kontinent und damit potentiellen Gegner
galt im ganze 18.Jahrhundert über Frankreich. Unter diesem Gesichtspunkt war es
für die Briten nicht maßgebend, ob die Bourbonen, das Direktorium oder
Napoleon in Frankreich herrschten. Insbesondere wichtig für die britische
Außenpolitik war es, dass die Niederlande mit ihrer großen Flotte und
Kolonialreich nicht von einer europäischen Großmacht beherrscht wurden,
besonders nicht durch Frankreich. Im Jahre 1793 kämpften britische Truppen
erstmals seit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen das revolutionäre
Frankreich in Belgien.
Soldat, Offizier und Sergant des 42.
(schottischen) Highland-Regimentes (1794/95)
Die Armee war eigentlich die uneffektivste Waffe im britischen
Rüstungsarsenal. Sie war klein und nicht gerade hoch angesehen in Europa. Die
Amerikanische Revolution hatte katastrophale Auswirkungen auf ihr Ansehen.
Jedoch war gerade diese Niederlage der Auslöser, welcher zum letztendlichen
Sieg in Waterloo führte. Vielfältige Lehren wurden gezogen, welche die Armee
zu mehr als einen Gegner für selbst größere französische Kräfte
machten.
Die Organisation der Armee - welche Wellington später als die einzige Armee
beschrieb, welche "in der Lage ist, überall hinzugehen und alles zu
tun" - änderte sich in dieser Zeit, bis auf den weiteren Ausbau der
Leichten Infanterie, nicht besonders mehr. Dies hatte die Ursache, dass alleine
die britische Infanterie einen ungebrochenen Rekord von Erfolgen über die
Franzosen erzielte, und somit es keine Gründe für Veränderungen gab.
Bis auf die Garde und den 60.Royal Americans hatten alle britischen
Infanterie-Regimenter, von denen bis 1805 sechsundneunzig bestanden, lediglich
ein Bataillon aus 600 bis 1100 Mann. Die Standardwaffe in diesen Regimentern war
die schon 1717 eingeführte Steinschlossmuskete 'Brown Bess'. Sie wog 6 kg und
feuerte runde Bleikugeln von etwa 28 g Gewicht. Von der Treffgenauigkeit wusste
Oberst Hanger, der mit den hessischen Jägern im Amerikanischen
Unabhängigkeitskrieg diente, zu berichten:
"Die Muskete eines Soldaten, falls nicht äußerst schlecht gebohrt, kann
einen Mann auf 75 Metern treffen, vielleicht sogar auf 90 Metern, aber ein
Soldat muss schon viel Pech haben, wenn er von einer gewöhnlichen Muskete auf
130 Metern verwundet wird, vorausgesetzt der Feind zielt auf ihn, und was das
Schießen mit einer normalen Muskete auf 180 Metern angeht, so könnte man
ebenso gut auf den Mond schießen..."
Offizier der Leichten Kompanie der 12.Foot (1796) und Soldat der 60.Royal
Americans (Leichtes Infanterie-Regiment, 1799)
Die Überlegenheit der Briten auf dem Schlachtfeld gegenüber den Franzosen
hatte also weniger mit der Ausrüstung zu tun, sondern vielmehr mit der Taktik:
Die leichte Infanterie bildete eine Vorpostenlinie, welche den französischen
Plänklern die Annäherung an die Linieninfanterie verwehrte. Die
Linieninfanterie bestand im Gegensatz zu den tiefen französischen Kolonnen
lediglich aus zwei Gliedern, sodass jede Waffe eingesetzt werden konnte und
vielfach mit deutlich unterlegenen Truppen trotzdem die Feuerüberlegenheit
erzielt wurde. Hinzu kam, dass die Engländer für gewöhnlich niemals
angriffen, sondern eine sorgfältig gewählte Verteidigungsstellung in
ansteigendem Gelände besetzten, wo nur wenig von ihnen zu sehen war.
Zudem waren die nach und nach aufgestellten Leichten Truppen den französischen
Plänklern in Ausbildung aufgrund der Erfahrungen des Amerikanischen
Unabhängigkeitskrieges weit überlegen, und als im Jahre 1800 noch die Baker
Rifle beim 95.Regiment eingeführt wurde, bestand zumindest hier auch ein
erheblicher waffentechnischer Fortschritt. Die Baker war eine echte Büchse mit
gerilltem Lauf und erzielte bis auf 275 m gegen Einzelziele gute Ergebnisse !
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