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Die Franzosen hatten kein Interesse daran, auf eine feindliche Offensive zu warten. Für die Armeeführung war klar, dass das Desaster des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 seine Ursache im fehlenden Angriffsgeist und Esprit der eigenen Seite hatte. Gemäß der Tradition der napoleonischen Kriege wurde die Armee in einem mystischen Geist des Angriffs großgezogen: Angriff, egal was es kostet, lautete die Antwort auf militärische Probleme !
Um diesen Elan zu demonstrieren, trugen die französischen Soldaten die traditionellen langen, blauen Röcke mit großen und deutlich roten Streifen, während das deutsche Heer schon längst im wenig auffälligen Feldgrau gekleidet war. Praktische Maßnahmen wurden ignoriert und der französische Soldat trug seinen langen Rock und schwere militärische Unterkleidung im heißen August des Jahres 1914. Sein Ausrüstung war schwer und lag 20% über dem Gewicht eines deutschen Soldaten.
links: französischer Gebirgsjäger, General und Infanterist (1914)
In Sachen Feuerkraft stützten sich die Franzosen auf das Gewehr und ihre hervorragendes 75mm-Feldgeschütz, eine hervorragende Kanone welche in großen Mengen hergestellt wurde. Maschinengewehre, eine Waffe die gar nicht in das Konzept des Angriffs-Elans passte, wurden vernachlässigt.
Mit dieser Taktik und Ausrüstung konnten sich die französischen Soldaten glücklich schätzen, dass sie nicht nur gehorsam und anpassungsfähig waren, sondern vor allem schnell im Kampf lernten. Die ersten katastrophalen Verluste der französischen Armeen konnten zudem durch Eingeborene aus dem Kolonialreich wettgemacht werden, die während des Krieges 500.000 Mann stellten.
General Joffre, 62 Jahre alt, war Vizepräsident des Kriegsministeriums und wurde Oberbefehlshaber des französischen Heeres bei Ausbruch des Krieges. Er war gewichtig und schweigsam, aber ein guter Zuhörer. Als Veteran des Kolonialdienstes hatte er keine besonders ausgeprägten Vorstellungen von Strategie und Taktik, war aber ein hervorragender Arbeiter und Organisator. Er konnte improvisieren, war aber zu genügsam um vor dem Krieg Pläne und Möglichkeiten für Krisen in einem zukünftigen Krieg vorzubereiten. Gallieni, Joffre's Nachfolger in den Kolonien, war wachsamer und realistischer, war aber ohne Einfluss.
Von den Armeekommandeuren war Lanrezac von der 5.Armee, ein brillanter und pessimistischer Mann, schon von vielen als Joffres wo möglicher Nachfolger ausgemacht. Foch, ein Vertreter der Angriffsdoktrin und zuvor Kommandant der Kriegsakademie, war Korpskommandeur. Wie Joffre konnte auch er Krisen hervorragend meistern und hatte in Weygand einen Stabschef, der seine Wünsche in klare Befehle umsetzen konnte. Petain, ohne Rückhalt in der Armeeführung wegen seiner kritischen Haltung gegenüber der Elan-Doktrin und seinen realistischen Ansichten der modernen Feuerkraft, kommandierte im August 1914 nur eine Division.
rechts: so hat sich das Bild bis 1915 gewandelt = Infanterist, Oberst und Korporal (Frankreich, 1915-1918)
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