Die Punischen Kriege waren eine Epoche, als die wenige Jahrzehnte
zuvor kaum bekannte Stadt Rom in Mittelitalien aufbrach, das wichtigste Weltreich der
Geschichte zu gründen und bis zur Eroberung von Konstantinopel, der späteren Hauptstadt
und heute Istanbul, am 29.Mai 1453 durch die Osmanen die heutigen sozialen, kulturellen
und politischen Strukturen von Europa und daraus letztendlich einem Großteil der Erde zu
bestimmen. Nach dem ersten 'Welteroberer', Alexander dem Großen, dessen überraschender
und früher Tod etwa hundert Jahre vor dem Beginn der Punischen Kriege, das von ihm eroberte
persische Großreich in Makedonien, Perganum, Seleukiden-Reich, Bithynien, Pontus,
Armenien, Baktrien, Ägypten, die griechischen Stadtstaaten und eine Vielzahl kleinerer
Reiche zerfallen ließ, die in blutigen Fehden eine Nachfolgeregelung erzwingen wollten,
nutzte eine bis dahin kaum bekannte, kleine Stadt in Italien dazu, nahezu unbemerkt die
griechischen und etruskischen Städte in Süd- und Mittelitalien zu unterwerfen.

Ihre großen Erfolge verdankte die römische Armee, welche in 'Legionen' gegliedert war, ihrer Disziplin. Die Gallier zum Beispiel
stürzten sich in wilden, ungeordneten Haufen in die Schlacht. Jeder kämpfte für sich
allein, schwang seine Waffe und stieß dabei ein schauerliches Kriegsgeheul aus. Schon von
diesem Geschrei ergriffen manche Gegner die Flucht. Ganz anders kämpften die Römer: Sie
gingen in einer geschlossenen Schlachtordnung vor, der sogenannten 'Phalanx', die aus
acht, zwölf oder gar fünfundzwanzig enggeschlossenen Reihen hintereinander bestand.
Spieß reihte sich an Spieß - der Feind hatte kaum eine Chance zum Durchbruch. Im
3.Jahrhundert v.Chr. hatten die Römer sich eine neue Schlachtordnung erdacht, die in den
nächsten Jahrhunderten jeden Gegner bezwang. Jetzt kämpften drei Phalangen, zu einer
'Manipel' zusammengeschlossen, hintereinander, an die Stelle des Spießes war der
Wurfspeer (Pilum) getreten. Feinde, die den Geschosshagel dieser Speere überlebten,
standen nun zumeist ohne den unbrauchbar gewordenen Schild den kurzen, tödlichen
Schwertern gegenüber, mit denen das römische Fußvolk den Nahkampf führte. Aber keine
Armee ist unschlagbar, und auch die Römer mussten Anfangs einige blutige Niederlagen
hinnehmen: 321 v.Chr. hungerten die Samniter, ein Bergvolk in Mittelitalien, zwei
römische Legionen aus. Rund 40 Jahre später verloren die Römer wieder um zwei
Schlachten: Bei Heracleia am Golf von Tarent (280 v.Chr) und bei Asculum (279 v.Chr)
unterlagen sie dem Molosser- König Pyrrhos ('Phyrus-Sieg', noch heute ein Sprichwort),
der mit 25.000 Mann und 20 Kriegselefanten nach Italien gekommen war. Doch Rom war immer
ein 'Stehauf-Männchen'. Es rächte sich. 295 besiegte es die Samniter, 275 wurde Pyrrhos
bei Benevent vernichtet. Eine siegreiche Schlacht bedeutete für die Römer im Gegensatz
zu anderen Reichen oft mehr als ein militärischer Triumph. Aus geschlagenen Feinden
wurden oft Verbündete, eroberte Gebiete wurden römische Kolonien. So wuchs das Reich,
bis es schiesslich fast ganz Italien umfasste. 275 v.Chr. reichte es von dem heutigen
Seebad Rimini und Pisa bis hinunter an die Straße von Messina nach Sizilien. Hier
standen die Römer zum erstenmal dem Volk gegenüber, das ihr erbitterster und
gefährlichster Feind werden sollte: DEN KARTHAGERN.
Karthago, ein Stadtstaat in Nordafrika am Golf von Tunis, war älter als Rom. Es war im
9.Jahrhundert vor Christus von Phöniziern aus Tyros (Libanon, von Alexander dem Großen
zerstört) gegründet worden; die Bewohner des Stadtstaates wurden von den Römern
'Punier' genannt. In mancher Hinsicht glichen Karthager den Römern: Auch sie waren stolz
und angriffs- lustig, und auch sie waren harte Arbeiter. Sie waren aber auch Seeleute. Als
man glaubte, dass jeder sterben müsse, der an den Säulen des Herkules (Gibraltar)
vorbeisegelte, wagten sich die Karthager bereits durch die Meerenge weit in den Atlantik
bis zu den Azoren hinaus. Sie segelten an der afrikanischen Küste bis nach Guinea
hinunter, und sie kamen zum Warentausch regelmäßig nach England. Vermutlich wurde auch
Grönland und Kanada erreicht. Die karthagischen Kaufleute waren reich. Sie wohnten in
großen Häusern mit Badezimmern und Schwimmbädern, ihre Segelschiffe waren bis zu 36m
lang
Wie die
Römer hatten auch die Karthager den ungestümen Drang, ihr Reich auszudehnen. Da die
Wüste jedoch unbewohnbar war, richteten sich die Eroberungsgelüste der Karthager nach
Norden über das Meer. Als Rom den Südgipfel Italiens erreichte, beherrschten die
Karthager bereits ein großes Reich, zu dem Sardinien, Korsika, die Balearen, Teile von
Spanien und Sizilien gehörten. Früher, als beide Reich noch damit beschäftigt waren,
ihre Gebiete auszudehnen, aber ihre Grenzen sich noch nicht berührten, waren sie
Verbündete. Sie hatten mehrere Verträge abgeschlossen, den ersten bereits 508 vor Chr.
Noch 279 v.Chr. hatten sie gemeinsam gegen Pyrrhos gekämpft. Aber 15 Jahre später waren
sie Rivalen geworden. Der Krieg war unvermeidlich.
Der erste von drei PUNISCHEN KRIEGEN in den folgenden 120 Jahren kam im Jahre 264
v.Chr.: Kriegsgrund war die Stadt Messina im Nordosten von Sizilien. Samnitische Soldaten
hatten die Stadt besetzt, und der König von Syrakus bat Rom und Karthago um Hilfe. Beide
Reiche sagten zu. Als erste erschienen die Karthager und besetzten die Stadt. Dadurch
fühlte Rom sich in seiner Ehre gekrängt. Der römische Befehlshaber bestand darauf, auch
mit seinen Truppen in Messina einmarschieren zu dürfen. Als der karthagische Befehlshaber
diesen Wunsch ablehnte, nahmen die Römer in gefangen und zwangen ihn, die Stadt zu
räumen. So begann, wegen eines verhältnismäßig harmlosen Zwischenfalls - ein
furchtbarer Krieg, der 'Erste Punische Krieg'. Er dauerte 23 Jahre. Als er begann, hatten
die Römer - im Gegensatz zu den Karthagern - weder eine Flotte noch seemännische
Erfahrung. Ihre Stärke lag im Heer und die Flotte, die sie in aller Eile bauten, war die
erste ihrer Geschichte.
Die Römer gewöhnten sich jedoch schnell an das neue Element, und es war für die
Karthager ein furchtbarer Schock, als sie gleich die erste Seeschlacht gegen die neue
römische Flotte verloren. Seeschlachten wurden von den Römern, im Gegensatz zu den
bis dato bekannten Ramm-Manövern, nach den gleichen Regeln und Gesetzen wie Schlachten zu
Lande, ihrer Stärke, geführt. Soldaten mussten die feindlichen Schiffe entern und die
Entscheidung fiel dann im Kampf Mann gegen Mann. Dazu hatten sie die Enterbrücke
erfunden, an deren Ende ein dicker Haken saß. Die Brücke wurde am Bug heruntergelassen
und hakte sich auf dem feindlichen Deck fest - die Soldaten konnten das Schiff erstürmen
! So errangen die Römer bei Milazzo an der Nordküste Siziliens 260 v.Chr. einen großen
Sieg. Nach zwei weiteren großen Seesiegen über die Karthager (256 und 241 v.Chr.) war
der Erste Punische Krieg zu Ende. Die Kampfhandlungen an Land beschränkten sich auf
langwierige Belagerungen punischer und syrakusischer Städte auf Sizilien und einer
römischen Expedition nach Tunesien, um Karthago zu belagern, welche in einem
Desaster
endete. Nach dem Verlust ihrer Seemacht und Bedrohung ihrer lebenswichtigen
Handelsverbindungen sowie dem Verlust von Korsika an die Römer, baten die Karthager um
Frieden.
In dem Friedensvertrag traten sie Sizilien und die nördlich gelegenen Liparischen
Inseln an Rom an; außerdem verpflichteten sie sich zur Zahlung von 3200 Talenten (das ist
immerhin die Kleinigkeit von 105000 kg Silber). Schlimmer als diese Abgaben wog aber für
die Karthager der Verlust der Seeherrschaft im Mittelmeer. Aus Scham und Wut entstand
alsbald der Wunsch nach Rache. Und kaum war der Friede da, begannen sie Spanien zu erobern
und mit dem Bau eines neuen Hafens (Neu-Karthago) eine Basis für den Seekrieg gegen Rom
zu errichten. Schritt für Schritt begannen die Karthager, Heer und Flotte in Spanien
wieder aufzurüsten. Aus Karthago holten sie Söldner und Waffen übers Meer, und aus den
spanischen Gruben förderten sie Gold und Silber. Befehlshaber der karthagischen Truppen
auf Sizilien war ein Mann namens HAMILKAR BARKAS gewesen. Er erhielt nun die Aufgabe,
Karthagos Niederlage zu korrigieren. Er ließ seinen Sohn, ein Junge Namens HANNIBAL einen
feierlichen Eid schwören, nicht eher zu ruhen, bis Rom besiegt sein. Als Hannibal gerade
26 Jahre alt war, übernahm er nach der Ermordung seines Vaters den Oberbefehl der
karthagischen Truppen in Spanien. Nun hatte Rom gegen den gefährlichsten Feind seiner
Geschichte zu bestehen.
Hannibal hasste Rom aus tiefstem Herzen. Als Neunjähriger hatte er miterlebt wie Rom
das erschöpfte Karthago zwang, drei Jahre nach Friedensschluss auf Sardinien zu
verzichten und weitere zwölf Talente zu bezahlen. Nun sollte Karthago noch seinen
Machtbereich in Spanien auf das Gebiet südlich des Ebro beschränken. Er plante jedoch,
die griechische Kolonie Saguntum nördlich des Ebro zu erobern. Saguntum war mit Rom
verbündet.
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