Iberer

Die Eroberung der iberischen Halbinsel durch die Römer.

iberer vs rom

Die Eroberung der Iberischen Halbinsel durch Rom war ein langer, komplexer Prozess, der sich über fast zwei Jahrhunderte erstreckte, vom späten 3. Jahrhundert v. Chr. bis zum frühen 1. Jahrhundert v. Chr. Es handelte sich nicht um einen einzelnen Feldzug, sondern um eine Reihe von Kriegen, Aufständen und schrittweisen Annexionen.

Eroberung der iberischen Halbinsel durch Rom

Hintergrund
– Vor der Ankunft der Römer war die Iberische Halbinsel (das heutige Spanien und Portugal) von verschiedenen Völkern bewohnt: Iberern, Keltiberern, Lusitanern, Tartessern und keltischen Stämmen sowie phönizischen und griechischen Kolonien entlang der Küste.
– Im 3. Jahrhundert v. Chr. hatte Karthago einen starken Einfluss im Süden und Osten Iberiens aufgebaut, insbesondere nach dem Verlust Siziliens im Ersten Punischen Krieg.

Eintritt Roms: Der Zweite Punische Krieg (218–201 v. Chr.)
– Rom drang während des Zweiten Punischen Krieges gegen Karthago auf die Halbinsel vor.
– Im Jahr 218 v. Chr. landeten römische Truppen in Emporion (Empúries, Katalonien), um Hannibals Versorgungslinien zu unterbrechen.
– Nach jahrelangen Feldzügen vertrieb Rom Karthago bis 206 v. Chr. aus Iberien und erlangte die Kontrolle über einen Großteil des Ostens und Südens.

Frühe römische Provinzen
– Rom gliederte seine Besitztümer in zwei Provinzen: Hispania Citerior (Näheres Spanien) und Hispania Ulterior (Fernes Spanien).
– Die römliche Herrschaft beschränkte sich jedoch auf die Küsten- und Stadtzentren; ein Großteil des Landesinneren blieb unter der Kontrolle der Stämme.

Widerstandskriege

1. Keltibersische Kriege (181–133 v. Chr.):
– Langer Widerstand der Keltiberer in Zentraliberien.
– Die berühmteste Episode war die Belagerung von Numantia (134–133 v. Chr.), bei der die Keltiberer Widerstand leisteten, bis sie durch Hunger zur Kapitulation gezwungen wurden.

2. Lusitanische Kriege (155–139 v. Chr.):
– Die Lusitaner (im heutigen Portugal) kämpften unter Anführern wie Viriathus, der erfolgreich Guerillataktiken gegen Rom einsetzte, erbittert.
– Viriathus wurde 139 v. Chr. ermordet, was zum Zusammenbruch des organisierten lusitanischen Widerstands führte.

3. Sertorianischer Krieg (80–72 v. Chr.):
– Während der inneren Konflikte Roms führte der Feldherr Quintus Sertorius mit Unterstützung lokaler Stämme einen Aufstand in Hispanien an.
– Nach Jahren des erfolgreichen Widerstands wurde Sertorius ermordet und Rom erlangte wieder die Kontrolle.

Endgültige Eroberung
– Der letzte größere Widerstand kam von den Kantabrischen und Asturischen Kriegen (29–19 v. Chr.) während der Herrschaft von Augustus.
– Diese nördlichen Bergstämme wurden erst nach langwierigen Feldzügen unterworfen, was den effektiven Abschluss der römischen Eroberung markierte.

Romanisierung
Nach Abschluss der militärischen Eroberung begann Rom mit der Integration der Halbinsel:
– Urbanisierung: Gründung von Städten wie Emerita Augusta (Mérida) und Caesaraugusta (Zaragoza).
– Infrastruktur: Straßen, Aquädukte, Theater und Brücken.
– Sprache und Kultur: Verbreitung des Lateinischen, Vermischung mit lokalen Traditionen.
– Wirtschaft: Iberien wurde zu einer wichtigen Quelle für Silber, Olivenöl, Wein und Getreide für die römische Welt.

Zusammenfassung:
Die Eroberung der Iberischen Halbinsel war eine der längsten und schwierigsten militärischen Unternehmungen Roms. Sie begann mit der Niederlage Karthagos, setzte sich durch Wellen von Stammeswiderständen fort und endete unter Augustus. Nach der Befriedung wurde Hispanien zu einer der am stärksten romanisierten Provinzen des Reiches und brachte wichtige Persönlichkeiten wie die Kaiser Trajan und Hadrian sowie den Philosophen Seneca hervor.

Antike Armeen Spaniens

Süd-Iberischer Häuptling
Süd-Iberischer Häuptling und dahinter eine adelige Dame und ein einfacher Krieger
Die Eroberung und Befriedung des heutigen Spaniens, dessen Bewohner im allgemeinen – trotz ihrer Herkunft aus verschiedenen Völkern – Iberer genannt wurden, durch Rom dauerte fast 200 Jahre.

Als römische Legionen im Jahre 218 v.Chr. erstmals iberischen Boden betraten, um im Zweiten Punischen Krieg die dortigen karthagischen Besitzungen anzugreifen, begann ein nach heutigen Maßstäben als Kolonialkrieg zu bezeichnende Auseinandersetzungen mit den Iberern, der vorwiegend von diesen in einer Art Guerilla-Taktik geführt wurde. Erst im Jahre 19 v.Chr. konnten die Kampfhandlungen als beendet bezeichnet werden.

In diesen Kriegen wurde das wehrfähige Bevölkerungspotential Roms und Italiens dermaßen strapaziert, das die ehemaligen römischen Kolonien im Mittelmeerraum nach und nach immer mehr an Bedeutung gewannen und letztendlich das Mutterland überrundeten, was einige hundert Jahre später in der Gründung Konstantinopels und Ost-Roms seine Höhepunkte erreichte. Alleine im Zweiten Kelto-iberischen Krieg von 153 bis 133 v.Chr. betrugen die italienischen Opfer ohne die der Verbündeten etwa 200.000 Mann, wodurch alleine die wehrfähige Bevölkerung Roms um 65.000 Mann abnahm, statt in dieser Zeit um normalerweise 60.000 anzuwachsen.

Während des zweiten Jahrhunderts vor Christi, am Vorabend des Zweiten Punischen Krieges zwischen Rom und Karthago bestanden die Iberer aus drei wichtigen kulturellen und ethnischen Gruppen, dessen Ursachen in lange anhaltenden Wanderbewegungen zu Beginn der ersten Eisenzeit zu finden sind.

Die Gruppe, welche in Nordspanien lebte, bestand aus Indoeuropäern welche weitgehend ‚keltisiert‘ waren. Zentralspanien war von den sogenannten Kelto-Iberiern besiedelt, welche aus der Vermischung der keltischen und alten iberischen Kultur entstanden. Die dritte Gruppe in Südspanien mit einer weiter fortgeschrittenen Kultur ist bis heute ein Streitfall in der spanischen Vorgeschichte. Vermutlich ist es eine Vermischung aus alteingesessenen Stämmen und seit dem 7. Jahrhundert vor Christi zugewanderten Kolonisten der Phönizier, Griechen, Ägypter und anderen Mittelmeerkulturen, welche sich bis nach Südfrankreich an den Küstenstreifen finden lässt. Hier bestand eine adelige Gesellschaft mit einem König an der Spitze, freien Bürgern, Arbeiterklassen und Sklaven.

Iberische Krieger
Iberischer Anführer (vorn), keltiberischer Krieger und Reiter

Im Kriege bildeten Iberer kleine Kampfgruppen, welche von den Römern einfach als Banden oder Banditen bezeichnet wurden. Hin und wieder sollen jedoch auch große Armeen mit mehreren zehntausend Mann vorgekommen sein. Wenn der Kampf nicht in Guerillataktik mit blitzartigen Überfällen geführt werden konnte und es zu großen Auseinandersetzungen in übersichtliche Gelände kam, bestand die Taktik der Iberer lediglich, auf Kommando in völliger Unordnung auf den Gegner loszustürmen. Auf ein vorher festgelegtes Signal (in der Regel ein oder mehrere große Hörner) zogen sie sich dann alle wieder zurück und wiederholten diese Aktion, was sich auch über mehrere Tage hinziehen konnte.

Verloren die so Angegriffenen die Disziplin – oder auch die Nerven, nach mehrtägigen Geplänkel dieser Art – und gingen selbst zu einem unkoordinierten Angriff über, gruppierten sich die Iberer recht schnell um und zerschlugen den Feind Stück für Stück in geeignetem Gelände. Diese Taktik wurde von den Römern als Concursare bezeichnet.

Die Verbreitung von Waffen war in der iberischen Gesellschaft weit verbreitet, und das Schwert Falcata wurde das Vorbild des späteren römischen Kurzschwertes Gladius, welches eine hohe Schmiedekunst erforderte. Gymnastische Übungen und Sportkämpfe, ähnlich wie bei den späteren römischen Gladiatoren bis auf den Tod, waren die Regel.


Quellenangaben und Literatur

Der große Bildatlas zur Weltgeschichte (Christian Zentner)
dtv-Atlas Weltgeschichte (Band 1 – Von den Anfängen bis zur Französischen Revolution)
Romes Enemies (4): Spanish Armies (218BC-19BC) (Rafael Trevino)
Armies of the Carthaginian Wars 265-146 BC (Terence Wise)

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