Geschichte und Armee der Armenier in der Antike.
Armenien konnte bis ins Jahr 386 n.Chr. selbständig bleiben. Dies geschah durch eine geschickte Politik, welche jeweils den schwächeren der späteren großen Nachbarn Rom und das Parther-Reich gegen den jeweils anderen unterstützte. Letztendlich führte die Selbstüberschätzung des letzten armenischen Herrschers und Verärgerung beider großen Nachbarn zu einer Aufteilung des Landes zwischen Rom und den Parthern.
Durch das ständige Wechseln der Bündnisse übernahm die wilde armenische Armee einige Bestandteile und Ausrüstungen der römischen Legionen und der Reiterheere der Parther.
So waren auch hier die schweren Panzerreiter, Cataphracts, weit verbreitet. Die wilden Bergvölker stellten die leichten Fußtruppen, während die Bildung schwerer Infanterie nach römischen Muster mangels Fähigkeit zur Herstellung der umfangreichen Ausrüstung und Disziplin für den notwendigen Drill wenig Erfolg beschieden war.
Historischer Überblick
190 v. Chr. – Aufstieg der armenischen Macht
Nach dem Sieg Roms über das Seleukidenreich in der Schlacht von Magnesia (190 v. Chr.) verloren die Seleukiden die Kontrolle über weite Teile Kleinasiens. Dieses Machtvakuum ermöglichte es den lokalen Herrschern in Armenien – Artaxias I. und Zariadres – unabhängige Königreiche in Großarmenien und Sophene zu errichten und damit den Grundstein für die **Artaxiad-Dynastie** zu legen.
1. Jahrhundert v. Chr. – Tigranes der Große (95–55 v. Chr.)
Unter Tigranes II. „dem Großen” wurde Armenien zu einem bedeutenden Reich, das sich vom Kaspischen Meer bis zum Mittelmeer erstreckte. Sein Expansionismus brachte ihn jedoch in Konflikt mit Rom.
– Im Jahr 69 v. Chr. fiel der römische Feldherr Lucullus in Armenien ein und besiegte Tigranes in der Nähe von Tigranokerta.
– Später zwang Pompeius Tigranes, Armenien als römisches Klientelreich anzuerkennen (66 v. Chr.).
1. Jahrhundert n. Chr. – Die Arsakiden-Dynastie und die römische Rivalität
Rom und Parthien (später das Sassanidenreich) konkurrierten um den Einfluss auf Armenien. Die Arsakiden-Dynastie von Armenien (ein Zweig der parthischen Königsfamilie) regierte von 12 n. Chr. bis 428 n. Chr. und wechselte dabei häufig ihre Loyalität zwischen Rom und Persien.
– Nero setzte Tiridates I. (Bruder des parthischen Königs) im Jahr 66 n. Chr. als König von Armenien ein, was einen diplomatischen Kompromiss symbolisierte: Tiridates wurde in Rom von Nero selbst gekrönt.
2.–3. Jahrhundert n. Chr. – Pufferstaat und römische Feldzüge
Armenien blieb ein Pufferstaat zwischen Rom und Persien.
– Kaiser Trajan annektierte Armenien kurzzeitig als römische Provinz (114–117 n. Chr.), aber Hadrian stellte es wieder als Klientelreich her.
– Häufige Kriege zwischen Rom und den Parthern/Sassaniden (z. B. unter Caracalla, Severus und Diokletian) machten Armenien zu einer wichtigen militärischen Grenzregion.
4. Jahrhundert n. Chr. – Christianisierung und Teilung
– Im Jahr 301 n. Chr. wurde Armenien unter König Tiridates III. als erstes Reich das Christentum zur Staatsreligion – ein Ereignis, das es kulturell mit Rom und gegen Persien verbündete.
– Nach jahrhundertelangen Konflikten teilte der Frieden von Acilisene (387 n. Chr.) Armenien jedoch zwischen dem Oströmischen (Byzantinischen) Reich und dem sassanidischen Persien.

Die armenische Armee unter römischem Einfluss

Struktur und Zusammensetzung
– Die armenische Armee entwickelte sich in dieser Zeit von einer Stammesstreitmacht zu einer besser organisierten Streitmacht, die sowohl vom römischen als auch vom parthischen Militärsystem beeinflusst war.
– Unter Tigranes II. stellte Armenien große Armeen (angeblich bis zu 100.000 Mann) auf, darunter Kataphrakten (schwere Kavallerie), Bogenschützen und Infanterie, die den hellenistischen und östlichen Traditionen nachempfunden waren.
– Während der Arsacid-Periode stellten Adelshäuser (Nakharars) Truppen zur Verfügung, ähnlich wie bei feudalen Heeresverbänden.
Armenier in der römischen Armee
– Viele Armenier dienten als Hilfstruppen in römischen Legionen, insbesondere entlang der Ostgrenze.
– Römische Quellen erwähnen armenische Kohorten, die in Syrien und Kappadokien stationiert waren.
– Im Laufe der Zeit gewannen armenische Offiziere an Bedeutung im römischen Militär, und armenische Festungen wurden zu wichtigen Vorposten in der östlichen Verteidigung Roms.
Militärische Rolle in regionalen Konflikten
– Armenien diente oft als Ausgangspunkt für römische Feldzüge gegen Parthien und Persien.
– Umgekehrt kämpften armenische Truppen, wenn sie sich mit Persien verbündeten, gegen römische Einfälle, was die wechselnden Allianzen des Königreichs widerspiegelte.
Zusammenfassende Zeitleiste
– 190 v. Chr.: Rom besiegt die Seleukiden; Armenien erlangt unter Artaxias I. die Unabhängigkeit.
– 95–55 v. Chr.: Herrschaft von Tigranes II.; Armenisches Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht; Krieg mit Rom.
– 66 v. Chr.: Armenien wird ein römisches Klientelreich.
– 66 n. Chr.: Tiridates I. wird von Nero in Rom gekrönt.
– 114–117 n. Chr.: Trajan annektiert Armenien; Hadrian stellt die Autonomie wieder her.
– 301 n. Chr.: Armenien nimmt das Christentum als Staatsreligion an.
– 387 n. Chr.: Armenien wird zwischen Rom und Persien aufgeteilt.
Zusammenfassung:
Von 190 v. Chr. bis 387 n. Chr. war die Geschichte Armeniens durch seine strategische Lage zwischen zwei Supermächten – Rom und Persien – geprägt. Seine Armee verband östliche Kavallerietraditionen mit römischer Organisation, und seine politische Flexibilität ermöglichte es ihm, als halb-unabhängiges Königreich über Jahrhunderte hinweg zu bestehen, bis es schließlich geteilt wurde.
Quellenangaben und Literatur
Rome’s Enemies (3): Parthians and Sassanid Persoans (Peter Wilcox)
Ancient Armenia (Mark Cartwright)
Armenian Legions In Roman Army









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