Luftwaffe in der zweiten Kriegshälfte

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Deutsche Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg

Teil II: Die Luftwaffe in der zweiten Kriegshälfte.

t_arrow2 zu Teil I hier: Luftwaffe in den siegreichen Jahren

Bf 110 Nachtjäger nach Einsatz

Ein Bf 110 Nachtjäger ist aus dem Einsatz zurückgekehrt und die Besatzung wird begrüßt.

Jeschonneks Nachfolger wurde General Günther Korten, der sein Amt mit neuen und richtigen Ideen begann. Er reorganisierte die Luftwaffe und gab den strategischen Bombenangriffen – vor allem gegen die kaum bisher verteidigten Zielobjekte der russischen Rüstungsindustrie – sowie der Heimatluftverteidigung höchste Priorität. Die Vernachlässigung der Luftunterstützung für das Heer nahm er dafür bewußt in Kauf. Jedoch wurden Kortens Pläne durch die russischen Gegenoffensiven zwischen Sommer 1943 und Frühjahr 1944 weitgehend über den Haufen geworfen, da dadurch die notwendigen und schon ausgebauten Luftwaffenbasen innerhalb der deutschen Bomberreichweite zu den wichtigsten russischen Industriezielen verloren gingen. Inzwischen waren die Achsenmächte auch schon aus Nordafrika vertrieben, Italien hatte kapituliert und die Alliierten schritten zwar langsam, aber stetig durch Italien nach Norden voran.

Trotzdem hatte Korten noch in der ersten Hälfte des Jahres 1944 durchaus Grund zum Optimismus. Seine Stärke an einsatzfähigen Frontflugzeugen war nun auf über 5.500 Maschinen angewachsen, die Treibstoffsituation, welche bisher immer ein gewisses Problem war, hatte sich durch den Aufbau der synthetischen Treibstoffindustrie entspannt und es kamen mehr und besser ausgebildete neue Flugzeugbesatzungen aus den Luftwaffen-Flugschulen. Mehrere lang erwartete neue Flugzeugtypen wurden eingeführt, darunter der große strategischen Bomber He 177 und die Ju 188 Bomber, der Me 410 Zerstörer und der He 219 Nachtjäger – und noch viel mehr wurde von einer neuen Generation von Düsenflugzeugen und Raketenjägern erwartet, welche in der Entwicklung waren und in kürze Frontreif werden würden.

Zwar richtete sich seit Sommer 1943 das Hauptziel der amerikanischen Bomberoffensive gegen die deutsche Flugzeug- und Flugzeugmotoren-Industrie und es wird geschätzt, daß zwischen Mitte 1943 und Ende 1944 etwa 14.000 Jagdflugzeuge und 4.000 andere Flugzeuge während der Produktion zerstört wurden. Doch auf der anderen Seite, wären diese Flugzeuge – selbst wenn sie fertiggestellt worden wären – durch den zu diesem Zeitpunkt schon bestehenden Mangel an qualifizierten Flugpersonal und Treibstoff in ihrer effektiven Nutzung stark eingeschränkt gewesen.

US Jäger hinter Bf 110

Ein amerikanischer Begleitjäger schnappt sich einen deutschen zweimotorigen Bf 110 Zerstörer.

Doch eine nicht vorhergesehene technische Innovation der Alliierten zerstörte jeden Optimismus: das Erscheinen des amerikanischen Langstrecken-Begleitjägers P-51 Mustang mit Zusatztanks brachte den US-Bombern den dringend notwendigen Begleitschutz bis zu jedem Ziel in Deutschland.

Als Folge davon verlor die Luftwaffe nicht nur innerhalb weniger Wochen vollständig die Beherrschung des eigenen Luftraums über dem Reichsgebiet, sondern es wurde nun auch unbarmherzig die synthetische Treibstoffindustrie in Deutschland sowie die Erdölversorgung aus Rumänien zerschlagen. Dies wiederum schränkte die Einsatzfähigkeit der Luftwaffen-Verbände sehr stark ein und brachte vor allem praktisch die qualifizierte Ausbildungstätigkeit der Luftwaffen-Flugschulen zum erliegen. Erst einmal in diesen Teufelskreis geraten, konnte die Luftwaffe diesem bis zum Kriegsende nicht mehr entrinnen.

Schließlich begann im Sommer 1944, mit der Invasion in der Normandie und den russischen Vorstößen nach Polen und in den Balkan hinein, die unaufhaltsame Dynamik des endgültigen Niederganges. Verzweifelte Panik-Maßnahmen, wie das V-Waffen-Programm, der gewaltigen Steigerung des Jäger-Bauprogrammes auf Kosten der fast vollständigen Aufgabe der Produktion von Bombern und anderer Flugzeugtypen, die überhastete Einführung der Jet- und Raketengetriebenen Abfangjäger, alle kamen zu spät, um den Ablauf der Dinge noch einmal herumzureißen.

Heinkel He 162 Volksjäger der I. Gruppe des Jagdgeschwader 1

Zu spät für die Luftwaffe und das Dritte Reich kam dieser Heinkel He 162 Volksjäger der I. Gruppe des Jagdgeschwader 1. Die Einheit erreichte gerade die Bereitschaft zum Kampfeinsatz mit dem neuen Düsenjäger, als der Krieg zu Ende war.

Durch den Verlust des Vorfeldes im Westen mit seinen Radarstationen und den nun nur noch kurzen Anflugzeiten der alliierten Bomber über deutschen Luftraum bis zu ihren Zielen, verlor nun auch die Streitmacht der Nachtjägern ihren beinahe schon in den nächtlichen Luftschlachten über Deutschland erzielten Abwehrsieg.
Die letzte große Operation der Luftwaffe (Unternehmen Bodenplatte) zur Unterstützung der Ardennen-Offensive am Neujahrstag 1945 gegen die alliierten Flugplätze in Europa scheiterte unter hohen Verlusten (vor allem wegen der zahlreichen Abschüsse durch die eigene Flak, welche über das Unternehmen aus Geheimhaltungsgründen nicht unterrichtet war) und danach war der letzte verfügbare Treibstoff so ziemlich aufgebraucht.

Bei einer Ansprache am Vorabend des Zweiten Weltkrieges im August 1939 hatte Göring als Tagesbefehl herausgegeben: ‘Inspiriert in dem Glauben an unseren Führer und Oberbefehlshaber … sind wir bereit, jeden Befehl unseres Führers blitzschnell und mit ungeahnter Kraft auszuführen.’
Die Realität, das Scheitern einer Luftwaffe, welche von ihren eigenem Befehlshabern nicht richtig geführt werden konnte, wurde nach dem Krieg von General Karl Koller, welcher die Position des Chefs des Generalstabes der Luftwaffe nach dem Tod von General Korten übernommen hatte, wie folgt beschrieben:
‘Es gab viele Gründe, warum Deutschland den Krieg verloren hat: politische, wirtschaftliche und militärische Gründe, welche unsere eigenen Fehler waren. Keiner dieser Gründe war jedoch dafür ausschlaggebend, noch waren sie es zusammen. Wenn sie vermieden worden wären, dann hätte in der Tat eine günstigere Entwicklung der Lage möglich sein können. Davon jedoch abgesehen, was eigentlich entscheidend war, war der Verlust der Lufthoheit !
Wir waren wie die einsamen Stimmen im Wald – niemand hörte uns zu. Versprechungen wurden gemacht für den Aufbau der großtmöglichsten Luftwaffe nach der Beendigung des Krieges in Rußland. Millionen von Soldaten sollten dann aus der Armee entlassen werden, um in der Flugzeugindustrie oder der Luftwaffe zu arbeiten. Nur die Luftwaffe sollte dann noch ausgebaut werden. In der Zwischenzeit mußte natürlich die Luftwaffen-Rüstung bei der Reihenfolge der Produktionsprioritäten hinten anstehen. Erst kamen U-Boote, dann Panzer, dann Sturmgeschütze, dann Haubitzen und was Gott noch alles weiß – und dann kam erst die Luftwaffe. Unterdessen fraß der Krieg in Rußland alles auf: Männer, Material, Waffen und Flugzeuge – und das einzige was für die Luftwaffe übrig blieb, waren nie eingehaltene Versprechungen. Ihre Aufgabe war es nur noch, Opfer zu bringen.’

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Fliegerasse
Land Name Abschüsse
DeutschlandHartmann, Erich 352
Barkhorn, Gerhard 301
Rall, Günther 275
Kittel, Otto 267
Nowotny, Walter 258
Bautz, Wilhelm 237
Rudorffer, Erich 222
Bär, Heinz220 (16 mit Me 262 )
Graf, Hermann 212
GroßbritannienPattle, M.P.st.J. 41
Johnson, J.E. 38
Malan, A.G. 35
RusslandKozhedub, Iwan Nikitch 62
Pokryshkin, Alexander Ivanovich 59
Rechkalow, Grigori Andreevich 58
Gulayew, Niklai Dmitrievich 57
Yewstigneew, Kirill Alekseevich 52
USA Bong, Richard 40
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