Deutsche Rüstungsproduktion 1939-1945

Deutsche Rüstungsproduktion im 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945.

Montageband für die deutschen Focke-Wulf Fw190
Montageband für die deutschen Focke-Wulf Fw 190 Jagdflugzeuge während des 2. Weltkrieges.

Deutsche Rüstungsproduktion im 2. Weltkrieg

Die deutsche Rüstungsproduktion während des Zweiten Weltkriegs (1939-1945) war ein entscheidender Aspekt der Kriegsanstrengungen des nationalsozialistischen Deutschlands.

Überblick

Die Ausgangslage: Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war Deutschland nicht auf einen langwierigen Konflikt vorbereitet. Die Wirtschaft wurde erst im weiteren Verlauf des Krieges auf den totalen Krieg vorbereitet.

Expansion und Höhepunkt: Die deutsche Rüstungsproduktion stieg von 1941 bis 1944 erheblich an. Der Höhepunkt der Produktion wurde 1944 erreicht, trotz der alliierten Bombenangriffe.

Schlüsselfiguren: – Albert Speer wurde 1942 Rüstungsminister und verbesserte die Effizienz der Produktion erheblich. Fritz Todt war sein Vorgänger und leitete einige frühe Reformen ein.

Hauptkategorien der Produktion:
– Flugzeuge: Kampfflugzeuge, Bomber und Transportflugzeuge
Panzer und gepanzerte Fahrzeuge
Artillerie und Kleinwaffen
– Unterseeboote (U-Boote)
Munition und Sprengstoffe

Bemerkenswerte Errungenschaften:
– Entwicklung fortschrittlicher Waffen wie des Düsenjägers Me 262 und der V-2-Rakete.
– Massenproduktion von effektiven Waffen wie dem Panther-Panzer und dem Tiger-Panzer.

Herausforderungen:
– Rohstoffknappheit, insbesondere bei Öl und seltenen Metallen
– Arbeitskräftemangel aufgrund der Wehrpflicht
– Strategische Bombenangriffe der Alliierten
– Ineffizienzen im bürokratischen System der Nazis

Zwangsarbeit: Umfassender Einsatz von Zwangsarbeitern aus besetzten Gebieten und Konzentrationslagern.

Technologie und Innovation: Deutschland hat in verschiedenen Bereichen bedeutende technologische Fortschritte gemacht. Einige Projekte, wie die Kernwaffenforschung, wurden nicht vollständig verwirklicht.

Dezentralisierung: Im weiteren Verlauf des Krieges wurde die Produktion dezentralisiert, um den alliierten Bombenangriffen zu entgehen. Es wurden zunehmend unterirdische Anlagen genutzt.

Ende der Produktion: Ende 1944 und Anfang 1945 begann die Rüstungsproduktion rasch zu sinken. Der Zusammenbruch der Transportnetze und der Verlust von Industriegebieten trugen zu diesem Rückgang bei.

Trotz beeindruckender Produktionszahlen und technologischer Innovationen konnte die deutsche Rüstungsproduktion letztlich nicht mit der geballten industriellen Kraft der Alliierten, insbesondere der Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, mithalten.

Die Entwicklung der deutschen Rüstungsindustrie im 2. Weltkrieg

Hitler spricht vor Rüstungsarbeitern.
Hitler spricht vor Rüstungsarbeitern.

Die überraschend schnell errungen Blitzsiege in den Jahren 1939 bis 1940, sowie die anfänglichen großen Erfolge beim Unternehmen Barbarossa, bewiesen offensichtlich die Richtigkeit der Blitzkrieg-Strategie.
So verkündete Hitler, den Endsieg über Russland offensichtlich vor Augen, am 14. Juli 1941 ein Ab- und Umrüstungsprogramm, mit der Begründung, dass ‚uns im Endkampf kein erst zu nehmender Gegner mehr entstehen kann‘.

So verharrte die deutsche Rüstungsproduktion 1941, im eigentlichen Jahr der Entscheidung des 2. Weltkrieges, auf gleichem, relativ niedrigen Niveau, während Großbritannien, die Sowjetunion und Amerika erheblich zulegten.
Bisher erfolgte die Rüstungsproduktion in Deutschland während des Krieges nach dem immer gleichen Schema: Die deutschen Arbeiter stellten die Rüstungsgüter her, wurden anschließend zur Wehrmacht eingezogen und verwendeten diese selbst hergestellten Waffen. War der Feldzug erfolgreich beendet, wurde der Großteil wieder aus der Armee in die Fabriken entlassen, um erneut neue Rüstungsgüter herzustellen.

Doch schon im Herbst 1941 wird klar, dass der Sieg über Russland zumindest in diesem Jahr nicht mehr möglich ist. Dies erkennt auch Hitler, kann sich aber nicht zu einer Änderung der Prioritäten für die Rüstung durchringen.
An der Ostfront bereiten zwischenzeitlich die nun in immer größeren Zahlen aufkommenden Panzer der Roten Armee vom Typ T-34 und KW-1 zunehmende Schwierigkeiten. Gegen ihn ist das deutsche Standard-Panzerabwehrgeschütz 3,7-cm PAK 36 wirkungslos und selbst der stärkste deutsche Panzer, der PzKpfw IV mit der kurzen 7,5-cm-Kanone, auch unterlegen.

Dies wirft erhebliche Probleme für die Rüstung auf, welche durch die Rivalitäten der Wehrmachtteile noch gesteigert werden. Im März 1940 wurde unter dem Generalmajor der Luftwaffe Dr. Fritz Todt ein Reichsministerium für Bewaffnung und Munition geschaffen. Zwar hatte Todt mit seiner ‚Organisation Todt‘ schon den Bau der Reichsautobahnen und des Westwall organisiert und sollte auch den ‚Atlantikwall‘ aufbauen, aber bei der Rüstung sind seine Erfolge eher bescheiden.

Am 8. Februar 1942 hat Todt eine Besprechung mit Hitler in Rastenburg (Ostpreußen) über die verworrene Rüstungssituation. Wenige später stürzt sein Flugzeug aus ungeklärten Gründen ab und Hitlers junger Architekt Speer wird sofort zum Nachfolger ernannt.

Speer erkennt sofort, dass Hitler für Deutschland eine Art ‚Scheinfrieden‘ aufrechterhalten will und sich so z.B. gegen den Einsatz von Frauen in der Industrie ausspricht. Offensichtlich hatte Hitler eine pathologische Angst vor einem Popularitätsverlust und wollte unter allen Umständen aus den Erfahrungen des 1. Weltkrieges Unruhen, Streiks und womöglich Umstürze oder Aufstände vermeiden.

Speer und Milch
Rüstungsminister Speer (rechts) in einer Konferenz mit Generalfeldmarschall Milch (mitte) von der Luftwaffe, welcher verantwortlich für die Flugzeugproduktion ist.

Auch gibt es keine übergeordnete Lenkung der Rüstungsprioritäten zwischen Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine und nun auch noch zusätzlich der Waffen-SS. Dazu wurde bereits 1941 ein Entwicklungsstopp bei der Luftwaffe beschlossen, da der Krieg als gewonnen angesehen wurde und keine neuen und besseren Flugzeugmodelle benötigt werden.

Dies alles kann Speer zwar beheben und erreicht bis 1944 einen vielfach größere deutsche Rüstungsproduktion, aber die verlorene Zeit kann er nicht mehr aufholen. Wäre das Rüstungsmaterial von 1944 zwei oder drei Jahre früher verfügbar gewesen, so wäre es ausreichend gewesen, den Krieg zu gewinnen – aber zu diesem Zeitpunkt hatten Hitlers Feinde trotz allem eine gewaltige und erdrückende Übermacht.

Deutsche Rüstungsproduktion nach Waffengattung

Eine Aufstellung der jährlichen deutschen Rüstungsproduktion nach Waffengattungen und Rüstungsgütern (ohne Munition) sowie ein Vergleich des dafür notwendigen Rohstoffeinsatz.
Dazu Informationen zur Herkunft der Rohstoffe und Auswirkungen des Bombenkriegs auf die Produktion.

Fahrzeuge und Transportmittel:

Waffengattung
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945 (2-3 Monate)
insg.
Kampfpanzer
962
1.573
3.399
4.386
5.813
7.983
956
25.072
Flammenwerfer-Panzer
-
87
47
81
110
20
-
345
Panzer-Befehlswagen
44
34
132
131
134
41
-
516
Jagdpanzer
-
-
-
-
90
3.280
1.750
5.120
Sturmgeschütze
-
184
548
789
3.279
5.172
988
10.960
PAK-Selbstfahrlafetten
-
173
214
1.222
1.695
457
16
3.777
Sturmartillerie
-
-
-
34
304
1.227
112
1.677
Artillerie-Selbstfahrlafetten
-
40
16
183
1.362
670
87
2.358
Flak-Panzerfahrzeuge
15
-
-
-
87
361
64
527
324
422
618
992
867
555
113
3.024
andere Panzerfahrzeuge
55
334
605
45
310
959
142
2.450
Ladungsträger (Goliath usw)
100
-
-
1.088
4.494
3.102
138
8.922
232
337
813
2.574
7.153
9.486
1.285
21.880
Ketten-Zugkraftwagen
?
3.224
7.489
7.627
9.827
7.840
696
36.703+
Gleisketten-LKWs
-
-
-
10.704
37.427
27.761
724
87.329
LKWs
32.558
53.348
51.085
49.707
52.896
103.314
4.582
347.490
PKWs
?
?
?
24.152
105.693
96.492
?
226.337+
Kräder
?
?
?
34.017
33.046
27.830
2.577
97.470+
Lokomotiven
?
1.688
1.918
2.637
5.243
3.495
?
14.981+
Bahnwaggons
?
28.200
44.845
60.892
66.263
45.189
?
245.389+

Nicht nur die Stückzahlen sind zwischen 1942 und 1944 stark angestiegen, auch die Qualität und der Kampfwert der einzelnen Waffen ist teilweise deutlich angestiegen, wie sich z.B. aus dem Gefechtsgewicht der produzierten gepanzerten Fahrzeuge widerspiegelt:

Gefechtsgewicht der produzierten gepanzerten Fahrzeuge:

Jahr:
1940
1941
1942
1943
1944
Stückzahl
2.154
5.138
9.278
19.824
27.340
Gefechtsgewicht in t
37.325
83.188
140.454
369.416
622.322
Durchschnittliches Gefechtsgewicht in t
17,3
16,2
15,1
18,6
22,8

t_arrow1 siehe auch: Deutsche Produktion an Panzerfahrzeugen (im Detail)

Infanteriewaffen:

Waffengattung
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945 (2-3 Monate)
insg.
Pistolen
?
?
?
467.253
959.540
1.038.340
145.140
2.610.273+
Gewehre (K98k, K41, K43, G 33/40)
?
1.371.700
1.358.500
1.149.593
1.946.200
2.282.380
310.118
8.418.491+
MGs
?
(bei MP)
(bei MP)
77.340
165.527
278.164
56.089
ca. 674.280
MP 38, 40, 44
?
170.880 (incl.MGs)
324.800 (incl.MGs)
152.683
240.073
500.074
131.672
ca. 1.400.000+
Panzerabwehr-Handwaffen (bis Dez. 42 Pz.B. 38,39,41 - ab Aug. 43 Panzerschreck)
?
?
?
880
50.835
209.000
21.000
281.715+
-
-
-
-
ca. 500.000
2.870.000 (nur Okt.-Dez.), mind. 1.500.000 davor
2.056.000
ca. 7.000.000+
Granatwerfer
?
4.380
4.230
18.551
25.955
29.598
3.675
86.389+

Artillerie-Geschütze:

Waffengattung
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945 (2-3 Monate)
insg.
Artillerie insgesamt
1.214
6.730
11.200
(Details unten)
(Details unten)
(Details unten)
(Details unten)
159.144+
leichte PAK (3,7-cm-PAK, 4,2-cm-PAK, Pak38)
(in Art)
(in Art)
(in Art)
4.798
2.481
-
-
(in Art)
mittlere PAK (7,5-cm-PAK 38, 40, 41, 7,62-cm PAK (r) )
(in Art)
(in Art)
(in Art)
4.344
12.400
12.151
618
(in Art)
schwere PAK (8,8-cm-PAK, 12-cm-PAK)
-
-
-
-
1.224
2.058
367
(in Art)
leichte Flak
(in Art)
(in Art)
(in Art)
15.527
19.602
16.863+
1.771+
(in Art)
(in Art)
(in Art)
(in Art)
1.028
6.138
7.714+
?
(in Art)
Infanteriegeschütze
(in Art)
(in Art)
(in Art)
1.687
2.802
6.458
876
(in Art)
(in Art)
(in Art)
(in Art)
3.864
1.706
3.767
460
(in Art)
leichte Art. (10,5 cm)
(in Art)
(in Art)
(in Art)
1.476
4.533
9.000
604
(in Art)
schwere Art. (10-cm K18, sFH, 17-cm-K)
(in Art)
(in Art)
(in Art)
931
1.773
3.652
475
(in Art)
schwerste Art. (21-cm-K, 20,3-cm-K, 24-cm H, K3, K5, K38, E, M1)
(in Art)
(in Art)
(in Art)
33
123
125
61
(in Art)

Flugzeuge:

Waffengattung
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945 (2-3 Monate)
insg.
Bombenflugzeuge
737
2.852
3.373
4.337
4.649
2.287
-
18.235
Jagdflugzeuge
605
2.746
3.744
5.515
10.898
25.285
4.935
53.728
Schlachtflugzeuge
134
603
507
1.249
3.266
5.496
1.104
12.359
Aufklärungsflugzeuge
163
971
1.079
1.067
1.117
1.686
216
6.299
Wasserflugzeuge, Flugboote
100
269
183
238
259
141
-
1.190
Transportflugzeuge
145
388
502
573
1.028
443
-
3.079
Lastensegler
-
378
1.461
745
442
111
8
3.145
Verbindungsflugzeuge
46
170
431
607
874
410
11
2.549
Trainingsflugzeuge
588
1.870
1.121
1.078
2.274
3.693
318
10.942
Düsenjagdflugzeuge
-
-
-
-
-
564
929
1.493
-
-
-
-
-
150
64
214
Flugbombe Fi 103 (V-1)
-
-
-
-
-
23.672
6.509
30.181
Rakete A-4 (V-2)
-
-
-
-
-
4.128
1.669
5.797

Schiffe:

Waffengattung
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945 (2-3 Monate)
insg.
U-Boote
58
50
219
222
292
283
98
1.220
Schlachtschiffe
-
1
1
-
-
-
-
2
-
2
5
3
6
2
-
18
Torpedoboote
?
?
6
6
6
6
-
24+
S-Boote
?
?
36
36
41
63
-
176+

Anteile am Gesamtwert der Rüstungsendfertigung

Anteile wichtiger Bereich an der Rüstungsendfertigung von 1942 bis 1944 in Prozentpunkten vom Gesamtwert unter Berücksichtigung bei gleichbleibenden Preisen.

Bereich
Anfang 1942
Mitte 1942
Ende 1942
Mitte 1943
Ende 1943
Mitte 1944
Flugzeuge
46,1 %
38,7 %
36,3 %
41,9 %
35,7 %
45,9 %
9,3 %
12,1 %
10,9 %
9,7 %
6,6 %
5,6 %
Panzer und Kfz
11,3 %
10,6 %
11,3 %
13,0 %
13,4 %
13,0 %
Munition
23,1 %
29,2 %
30,6 %
24,6 %
31.5 %
25,4 %
andere Waffen
7,0 %
6,6 %
8,2 %
8,0 %
9,7 %
9,4 %
Pulver
3,2 %
2,8 %
2,7 %
2,8 %
3,1 %
2,5 %

Bemerkenswert ist, dass die erhebliche Rüstungssteigerung zwischen 1942 und 1944 (über 300 Prozent) im Wesentlichen ohne Zugriff auf mehr Rohstoffe ermöglicht wurde und vor allem durch die Steigerung der Produktivität und Einsparungen im zivilen Sektor erreicht werden konnte. Dazu folgende Übersicht:

Rohstoffe (in Millionen Tonnen) und Jahr:

Jahr:
1939
1940
1941
1942
1943
1944
1945
Kohle
332,8
364,8
402,8
407,8
429,0
432,8
50,3
Eisenerz
18,5
29,5
53,3
50,6
56,2
32,6
?
Stahl
23,7
21,5
28,2
28,7
30,6
25,8
1,4
Aluminium (in 1000 Tonnen - wichtig vor allem für die Flugzeugproduktion)
239,4
265,3
315,6
420,0
432,0
470,0
?

Eisen und Stahl sind die Grundlagen jeglicher Rüstungsproduktion und standen als ‚Leitrohstoffe‘ bei der kriegswirtschaftlichen Planung im Zentrum aller Entscheidungen. Die seit 1942 erfolgten Reformen des Kontingentierungssystems führten zu einer Zunahme der Rüstungsanstrengungen, ohne dass dabei ein spürbarer Anstieg der Eisen- und Stahlerzeugung notwendig war.
Die Voraussetzungen dafür waren gegeben, da die deutsche Versorgung mit Eisenerz als ziemlich gut gesichert galt. Die rückläufige deutsche Förderung wurde durch die besetzten französischen Minen und dem Import von schwedischen Erzen mehr als ausgeglichen.
Ab Mitte 1942 wurde durch die neue Organisation ‚Reichsvereinigung Eisen‘ (REV) restriktivere Marktregeln durchgesetzt, interne Rivalitäten verschiedener konkurrierender Dienste und Wirtschaftsbereiche reduziert und die Schwerindustrie stärker an staatliche Zielvorgaben gebunden.


Wichtige Einflüsse auf die Rüstungsproduktion

Unterirdischer Ruestungsbetrieb
Mit enormem Aufwand wurden die Rüstungsbetriebe vor den alliierten Luftangriffen ausgelagert und unter die Erde verlagert – oder zumindest dezentralisiert in entlegenen und entfernten Gebieten. Dadurch konnte zwischen 1942 und 1944, trotz der mehr als 16-fachen Zunahme der abgeworfenen Bomben, die Rüstungsfertigung verdreifacht werden.

Verschiedene Faktoren hatten einen wichtigen Einfluss auf die Fähigkeit des Deutschen Reiches, Rüstungsgüter während des Zweiten Weltkrieges zu produzieren.
Dazu gehört die Abhängigkeit von Rohstoffen aus den besetzten und eroberten Gebieten oder deren Import aus neutralen Staaten. Ebenso führte die alliierte Luftoffensive zu erheblichen Ausfällen und zwang zu einer aufwendigen Verlagerung der Produktionsstätten.

Bedeutung besetzter und neutraler Länder für die Rohstoffproduktion des Deutschen Reiches:

Angaben im Monatsdurchschnitt in 1.000 t für 1943:

ausgewählte, wichtige Rohstoffe
besetzte Gebiete
Insgesamt
Anteil der besetzten Gebiete in %
Eisenerz (vor allem aus Frankreich und Belgien)
950,0
437,0
1.387,0
31,5 %
Steinkohle
23.200,0
6.400,0
29.600,0
21,6 %
Rohstahl (vor allem aus Frankreich)
2.550,0
337,0
2.887,0
11,7 %
Hüttenaluminium
20,8
9,7
30,5
31,8 %
Zellstoff
5,3
14,5
19,8
73,2 %
Summe
26.726,1
7.198,2
33.924,3
21,2 %

Bedeutung der Manganerz-Einfuhr aus der Ukraine 1941-1943 (in 1.000 t Mangangehalt):

Halbjahr:
II/1941
I/1942
II/1942
I/1943
II/1943
Insgesamt
deutscher Verbrauch
63,8
55,7
67,4
84,1
85,8
356,8
Einfuhr aus der Ukraine
25,5
39,0
86,7
94,8
70,0
316,1
Anteil der Einfuhr aus der Ukraine am Verbrauch in %
40,0 %
70,0 %
128,6 %
112,7 %
81,6 %
88,6 %

Wichtige Rohstoff-Einfuhren aus neutralen Staaten 1942-1944:

Staat
Rohstoff
1942
1943
1944
Schweden
Eisenerz (in 1.000 t)
8.000
10.300 (=38%)
4.500
Zellstoff (in 1000 t)
174
150
110
Portugal
Zinn (in t)
649
1.236
?
Wolfram (in t)
611
463
895
Türkei
Chromerz (in t)
-
4.950
11.700

Somit ergibt sich, dass z.B. der wichtige Grundrohstoff Eisenerz (für die Stahlproduktion) des Deutschen Reiches im Jahr 1943 zu 42 Prozent aus Großdeutschland, zu 38 Prozent aus Schweden importiert und zu 20 Prozent aus den besetzten Gebieten stammt.

Der steigende Bedarf an Manganerzen konnte vor 1944 durch Einfuhren aus dem besetzten Russland gedeckt werden. Bei den Verbündeten oder neutralen Staaten stießen die steigenden deutschen Rohstoffanfragen auf unterschiedlich starke Hindernisse, welche politischer oder ökonomischer Art waren. Diese wurde durch den sich für Deutschland ungünstig entwickelnden Kriegsverlauf verstärkt.
Insbesondere Schweden reduzierte die Lieferungen – vor allem des kriegswichtigen Eisenerzes – nach der Abwicklung bestehender Handelsverträge nach den katastrophalen deutschen Rückschlägen des Jahres 1943 deutlich. Selbst 1943 waren die schwedischen Zellstofflieferungen für die deutsche Textilindustrie noch von großer Bedeutung.
Dagegen konnten die Importe von ebenso kriegswichtigen Zinn, Wolfram und Chromerz aus der Türkei, Portugal und über Spanien noch bis zum Abreißen der Landverbindungen durch die militärischen Ereignisse in der zweiten Hälfte des Jahres 1944 sogar noch gesteigert werden.

Mit enormem Einsatz wurde auch versucht, andere kriegswichtige Rohstoffe, wie Naturkautschuk aus Japan mithilfe von Untersee-Frachtbooten oder Blockadebrechern in die ‚Festung Europa‘ hineinzubringen. Entgegen aller im Frieden üblicher ökonomischer Vernunft wurden im diktatorische geleiteten Deutschland auch neue Rohstoffindustrien geschaffen, zum Beispiel die Förderung der minderwertigen Eisenerze von Salzgitter durch die ‚Reichswerke Hermann Göring‘.


Ausfälle in der Rüstungsfertigung infolge von Luftangriffen

Werksgeländes der Rüstungsfirma Krupp in Essen nach den englischen Bombenangriffen
Ein Teil des Werksgeländes der Rüstungsfirma Krupp in Essen nach den englischen Bombenangriffen. Außer den Schornsteinen ist praktisch nichts mehr ganz geblieben.

Die Schwächung der feindlichen Streitkräfte durch möglichst starke Paralysierung oder sogar völlige Vernichtung ihrer Hilfsquellen ist das Ziel von strategischen Bombern. Keine Armee kann ohne Waffen, Munition oder Versorgung kämpfen und selbst der beste Pilot ist hilflos ohne Treibstoff oder Flugzeug.

Die Bekämpfung der Rüstungszentren, wo die Waffen hergestellt werden, ist viel leichter und effektiver, als diese anschließend Stück für Stück an der Front vernichten zu müssen. Dies trifft insbesondere dann zu, wenn sich die Waffe noch im Entstehungsprozess befindet und viele von ihnen dabei auf engsten Raum massiert sind.
Schon aus diesem Grund haben deutsche Wolfsrudel die alliierten Atlantik-Konvois oder die Russland-Konvois angegriffen. Ein versenktes, voll beladenes Schiff oder ein Bombentreffer in ein Rüstungswerk schadet dem Gegner mehr, als ein Volltreffer auf einen Panzer an der Front.

Bis zum Frühjahr 1944 hatte die Kampfkraft der deutschen Luftwaffe so weit abgenommen, dass die alliierten strategischen Bomber praktisch volle Bewegungsfreiheit über der ‚Festung Europa‘ hatten. Weder die 8. noch die 15. US Army Air Force hatten sich seitdem abschrecken lassen, irgendein Ziel wegen zu hoher möglicher Verluste anzugreifen.
Zwischen Juni und September 1944 wurden, neben den bisherigen Pendelangriffen von Großbritannien nach Nordafrika b.z.w. Süditalien, auch noch solche zu den von den Sowjets in der Ukraine zur Verfügung gestellten Luftstützpunkten durchgeführt. Dies sollte die beim zweimaligen Durchfliegen der deutschen Flak- und Jagdabwehr im Westen bei einem Angriff höheren Verluste reduzieren und gleichzeitig die Russen mit der Schlagkraft und den Fähigkeiten der amerikanischen Bomber beeindrucken.

B-17 Fliegende Festung beim Bombenabwurf.
B-17 Fliegende Festung beim Bombenabwurf.

Das amerikanische ‚Special Planning Committee‘ sprach sich auch eindeutig gegen das Bombardement von Zivilisten aus und schlug vor, nur Städte mit Industriebetrieben anzugreifen. Ziel war es, den Widerstand einer totalitären Gesellschaft am schnellsten zu brechen, zumal von einer vorangeschrittenen Demoralisierung der Deutschen ausgegangen wurde.

Auswahl von Ausfällen für den Zeitraum Oktober bis Dezember 1943:

Waffe
Fertigung
Ausfall
Insgesamt
Anteil des Ausfalls in %
Sturmgeschütze
909
177
1.086
16,3 %
PzKpfw V Panther
776
144
920
15,6 %
PzKpfw VI Tiger
173
79
252
31,4 %
Zugkraftwagen
457
210
667
31,5 %
7,5-cm Pak 40
645
55
700
7,9 %
8,8-cm-Pak 43/41
117
63
180
35,0 %
leichte FH 18/40
268
32
300
10,7 %
schwere 10-cm-Kanone 18
26
19
45
42,2 %
LKW
11.373
2.257
13.630
16,6 %
Insgesamt
14.744
3.036
17.780
17,1 %

Allerdings begannen deutsche Rüstungsfirmen bereits 1943 damit, ihre Werkmaschinen und Belegschaften auf Orte und Räumlichkeiten von zuvor kriegsbedingt geschlossenen Zivilfirmen in der jeweiligen Umgebung zu verteilen. Dadurch konnten die Produktionsausfälle der Henschel-Werke in Kassel, welche zu 80% während des Zweiten Weltkrieges zerstört wurden und der einzige Hersteller des Tiger-Panzers waren, und die MAN-Werke in Nürnberg aufgefangen werden. Dazu kamen noch Auslagerungen in die Böhmisch-Mährische Maschinenfabrik bei Prag oder die Skoda-Werke, welche in der Tschechoslowakei relativ sicher waren.

Trotzdem blieb die Produktion unter den Vorgaben des ‚Adolf-Hitler-Panzer-Programms‘ vom 20. Januar 1943. Nach diesem sollten bis März 1944 gebaut werden: 6.370 Kampfpanzer, 2.818 Sturmgeschütze und 2.936 Selbstfahrlafetten. Dies war im Wesentlichen eine Folge der Luftangriffe auf die Henschel-Werke im Oktober 1943 sowie September 1944 und der Auswirkungen eines Angriffs auf die Maybach-Motorenwerke im April 1944.

Luftangriff am 7. Oktober 1944 auf die Henschelwerke in Kassel
Der Luftangriff am 7. Oktober 1944 auf die Henschelwerke in Kassel versetzte der Produktion von Königstigern einen schweren Schlag. Hier sind zerstörte Fahrzeuge in der Endausrüstung zu sehen.

Die Auslagerung oder Verlagerung der Produktion hatte natürlich erst einmal eine reduzierte Fertigung zur Folge. Bei der Zahnradfabrik Friedrichshafen, welche Panzergetriebe herstellte, waren zum Beispiel 60 % der Arbeiter eine Zeitlang unproduktiv. Die neuen Fertigungsreihen holten diesen Rückstand aber schnell wieder auf und insgesamt war das Ergebnis viel besser, als bei den bombardierten, nicht ausgelagerten Betrieben.

So verlagerte die ‚Deutsche Kugellagerfabrik‘ in Leipzig ab März 1943 ihre Produktion gerade noch rechtzeitig. Beim Luftangriff im Juli des gleichen Jahres war diese zwar noch nicht vollständig abgeschlossen, aber das Produktionsergebnis an den Ausweichplätzen stieg bald steil an und die Gesamtproduktion hatte schon nach wenigen Wochen wieder ihr ursprüngliches Ergebnis erreicht.

Bezogen auf die Industrieproduktion wirksam und zumeist unwirksam bombardierte deutsche Städte und deren Produktionsausfall:

Stadt
erster 500-t-Angriff
Bomben- menge insg. in t
Einwohner 1939
Einwohner-anteil im Reichs- gebiet
Wert der Industrie-produktion in 1.000 RM
Anteil der Industrie-produktion im Reich
Gesamter Produktions-ausfall in Monaten
Ausfall bezogen auf die gesamte Reichs-Produktion
Wuppertal
29.05.1943
5.883
401.672
0,50 %
77.242
0,82 %
4,4
0,30
Düsseldorf
31.07.1942
24.000
726.261
0,91 %
153.262
1,63 %
2,2
0,30
Dortmund
04.05.1943
17.538
542.261
0,68 %
84.866
0,90 %
3,4
0,26
Bochum
13.05.1943
11.175
305.495
0,38 %
84.820
0,90 %
2,8
0,21
Bremen
22.06.1942
13.890
450.084
0,56 %
114.132
1,22 %
1,9
0,20
Leipzig
20.10.1943
4.764
831.615
1,07 %
157.822
1,68 %
1,2
0,17
Oberhausen
14.06.1943
3.067
191.842
0,24 %
47.785
0,51 %
2,0
0,09
Hagen
01.10.1943
4.502
151.760
0,19 %
32.082
0,34 %
0,6
0,02
zum Vergleich:
01.03.1943
35.000
4.338.756
5,46 %
717.251
7,41 %
unerheblich
unerheblich
Stuttgart
11.03.1943
20.822
458.429
0,57 %
176.790
1,84 %
unerheblich
unerheblich
München
09.03.1944
16.666
893.954
1,12 %
161.865
1,72 %
unerheblich
unerheblich
Köln
31.05.1942
30.679
887.724
1,11 %
132.600
1,41 %
unerheblich
unerheblich
Essen
03.04.1943
31.146
666.743
0,83 %
113.512
1,21 %
unerheblich
unerheblich
Gelsen-kirchen
25.06.1943
8.035
317.568
0,40 %
88.667
0,95 %
unerheblich
unerheblich

deutsche Flak-Batterie
Durch Funkpeilgeräte und Scheinwerfern unterstützte deutsche Flak-Batterie im Abwehrgürtel um wichtige strategische Ziele.

Wegen der starken Flak-Massierung im Ruhrgebiet wurden die Städte Süddeutschlands aus westlicher Richtung über Frankreich und die ostdeutschen Städte aus dem Nordwesten über die Nord- und Ostsee angeflogen. Mitteldeutsche Städte wurden über Norddeutschland hinweg angeflogen. Beim RAF Bomberkommando kam es durchaus vor, dass Besatzungen wegen zu starker Flak-Abwehr vom Kurs abwichen oder ihre Bomben zu früh abwarfen, um sofort zurückfliegen zu können. Bomber-Harris nannte diese ‚Rabbits‘ (Hasen).

Die theoretische Reichweite des britischen Short Stirling lag bei 1.190 km, der Avro Lancaster bei 2.670 km und die der amerikanischen B-17 Fliegenden Festung sogar bei 3.620 km. Dabei ist aber nicht berücksichtigt, dass die Bomberverbände sich erst sammeln, Ausweichmanöver bei Angriffen von Jagdfliegern oder starker Flak-Abwehr durchführen, ihre Motoren aufwärmen, starten und die Abflughöhe, Reiseflughöhe und Marschgeschwindigkeit erreichen müssen und dass je nach Bombenzuladung das Gewicht und damit die Reichweite sich verringerte.

Tatsächlich reduziert sich die Reichweite eines Flugzeugtyps dadurch auf die militärische Eindringtiefe, wenn das Umfliegen starker Flak-Konzentrationen und der psychologische Faktor einer bestimmten Treibstoffreserve für die Besatzungen berücksichtigt wird.
Daher lag diese Eindringtiefe bei etwa 1000 Kilometern, was es technisch gesehen möglich machte, alle Ziele in Deutschland zu erreichen.

Umfang des Bombenkrieges 1940-1945 (in Tonnen abgeworfener Bomben):

Jahr
1940
1941
1942
1943
1944
1945 (4 Monate)
Insgesamt (1945 hochgerechnet als volles Jahr)
auf Deutschland
10.000 = 0,4 %
30.000 = 1,3 %
40.000 = 1,7 %
120.000 = 5,1 %
650.000 = 27,7 %
500.000 (1.500.000 über ein Jahr) = 63,8 %
2.350.000 (tatsächlich 1.350.000)
zum Vergleich auf England
38.844
21.858
3.260
2.298
9.151
761 (2.283 über ein Jahr)
77.694 (tatsächlich 76.172)


Quellenangaben und Literatur

Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg (10 Bände, Zentrum für Militärgeschichte)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
Illustrierte Geschichte des Dritte Reiches (Kurt Zentner)
Chronology of World War II (Christopher Argyle)
German Aircraft of World War 2 in Colour (Kenneth Munson)
Encyclopedia of German Tanks of World War Two (P.Chamberlain, H.L.Doyle)
Kraftfahrzeuge und Panzer der Reichswehr, Wehrmacht und Bundeswehr (Werner Oswald)

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1 Kommentar zu „Deutsche Rüstungsproduktion 1939-1945“

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