Avro Lancaster

british-flagEnglischer schwerer Bomber Lancaster Mk I der RAF und Lancaster Spezial und Mk II, die schwersten Bombenflugzeuge auf dem europäischen Kriegsschauplatz.
Geschichte, Entwicklung, Spezifikationen, Statistiken, Bilder und 3d-Modell.

Formation von Lancaster-Bombern

Eine seltenes Farbfoto, aufgenommen aus einer Formation von Lancaster-Bombern im August 1942.

Avro 683 Lancaster
Typ: englischer schwerer Bomber der RAF.

Geschichte:

Der Avro Lancaster, zweifellos eines der wichtigsten Flugzeuge des 2. Weltkrieg und eines der großen Flugzeuge der Luftfahrtgeschichte, verdankt seine Entstehung den Unzulänglichkeiten seiner Vorgänger. Mit der Spezifikation P.13/36 hatte das englische Luftwaffenkommando einen sehr großen und leistungsfähigen zweimotorigen Bomber gefordert, für den einer der starken Motoren als Antrieb gewählt werden sollte, die derzeit gerade in der Entwicklung waren. Vorzugsweise war an den Rolls-Royce 24-Zylinder X-Motor gedacht.

Handley Page baute den Halifax-Bomber mit vier Merlin-Motoren, während sich Avro für den doppelten Boxermotor entschied und seinen Typ 679 Avro Manchester am 25. Juli 1939 zum Erstflug brachte. Insgesamt wurden bis November 1941 209 Manchester-Bomber ausgeliefert, doch litt dieses Flugzeug unter der geringen Leistung und der Unzuverlässigkeit seiner Motoren. Deshalb wurde die Manchester, obgleich acht Bomberstaffeln voll und zwei weitere teilweise damit ausgerüstet waren, und obgleich die Maschine auch in der Küstenverteidigung eingesetzt war, im Juni 1942 zurückgezogen und verschrottet.
Trotzdem war der Grundentwurf der Manchester außerordentlich gut. Deshalb wurde 1940 beschlossen, eine größere Version mit vier Merlin-Motoren zu bauen.

Die erste Avro Lancaster (BT 308) flog als Manchester III Anfang 1941. Die Flugleistungen waren so außergewöhnlich gut, daß das Flugzeug unverzüglich in die Serienproduktion genommen wurde. Die bereits auf dem Fließband befindlichen Manchester-Bomber wurden von der L7527 an als Lancaster weiter gebaut (sie unterschieden sich von den späteren Typen durch die Reihe von rechteckigen Fenstern im hinteren Rumpf).

Die ersten Lieferungen gingen an die 44. Staffel in Waddington. Am 17. April 1942 unternahm ein gemischter Verband der 44. und 97. Staffel einen tollkühnen Tagesangriff auf die MAN-Werke in Augsburg und stellte damit den neuen Bomber vor.
Von diesem Tag bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges flogen die Lancaster 156.000 Einsätze in Europa und warfen dabei 608.612 t Bomben ab.
Die Gesamtproduktion betrug, einschließlich der bei Victory Aircraft in Kanada gebauten Flugzeuge, 7.377, von denen 3.425 Mk I und 3.039 Mk III mit den in den USA von Packard gebauten Motoren waren.

Einsatzleistung der Lancaster

Der Befehlshaber des englischen Bomberkommandos, genannt Bomber-Harris, fasste folgendes über die Avro Lancaster zusammen: ‘Man kann eine Lancaster vier Halifax-Bomber vorziehen. Die Halifax erleidet viermal so viele Verluste für die gleiche abgeworfene Bombenmenge. Niedrige Flughöhe und kürzere Reichweite machen sie zu einer Verlegenheitslösung bei der Planung von Angriffen zusammen mit der Lancaster.’

Tatsächlich aber erlitten die Lancaster eine höhere Verlustquote als der Halifax während der Tagesangriffe, welche gegen Ende des 2. Weltkrieges vorherrschten. Außerdem kamen im Verhältnis mehr ihrer Besatzungsmitglieder ums Leben, wenn ihr Flugzeug abgeschossen wurde. Es wird auch vielfach vermutet, daß die Besatzungen von Lancaster-Bombern aufgrund der größeren Flughöhe und ihrer unkomfortablen Ausstattung letztlich ihre Bomben ungenauer abgeworfen haben. Schließlich, obwohl es die größere Bombenmenge tragen konnte, war die Lancaster weniger nützlich als Mehrzweck-Flugzeug als die geräumige Halifax, und war auch weniger gut für Einsätze in den Tropen geeignet.

Aber in Arthur Harris strategischem Bombenkrieg waren lebende Bomberbesatzungen in deutschen Kriegsgefangenenlagern nicht mehr nützlich als die Gefallenen, und ein zwar etwas ungenauerer, aber dafür richtig dichter Bombenteppich um das Ziel, das ja immerhin die Größe einere ganzen Stadt hatte, viel wichtiger.

Die Tatsache, daß ein durchschnittlicher Lancaster 154 Tonnen Bomben in seinen 27,2 Einsatzleben abwerfen und auch Ziele hinter Berlin erreichen konnte, war eher nützlich als eine kürzere Reichweite der Halifax mit ihren durchschnittlichen 100 Tonnen. Mit diesen Vorteilen von einem Flugzeug, daß zudem auch noch billiger in der Herstellung war, war es unvermeidlich, daß die Lancaster in größerer Zahl als jeder andere Bomber gebaut wurde und auch die Hauptlast des Luftkrieges trug.

Sie wurden während des 2.Weltkrieges auf 156.192 Einsätze geschickt, bei denen 3.836 verloren gingen. Diese Einsätze beinhalteten 107.085 Angriffe auf Deutschland (23.204 davon bei Tag) wobei 2.508 Lancaster verloren gingen (179 bei den Tagesangriffen), was fast die Hälfte aller Verluste des englischen Bomberkommandos entspricht.

Die Optimierung der Lancaster auf die einzige Rolle als strategischer Bomber war weitgehend eine Konsequenz des Krieges. Die Halifax- und Stirling-Bomber waren in Friedenszeiten für einen voraussichtlichen Kriegsbedarf entwickelt worden, während die Lancaster im Lichte der tatsächlichen Ereignisse entstanden ist. Ein Mehrzweck-Kampfflugzeug war nicht erforderlich, es kam vielmehr auf leichte und wirtschaftliche Herstellung an, weniger auf Komfort für die Besatzungen oder die bestmögliche Sicherheit für deren Überleben im Falle eines Abschuss.

Der Mk I (FE) war speziell für Fernostoperationen mit der Tiger Force ausgerüstet.
Die Mk VI der 635. Staffel und der 100. Gruppe hatten Merlin-Höhenmotoren und vierblättrige Propeller. Sie dienten, ohne Waffentürme, als Funk- und Radarstörmittel. Weitere Varianten dienten als Luft- und Seeaufklärer sowie als Seenotrettungs-Flugzeuge.

Lancaster-Bomber nahmen in der zweiten Kriegshälfte bei jedem wichtigen Nachtangriff auf Deutschland teil. Sie zeigten darin bald ihre Überlegenheit durch den Abwurf von 132 Tonnen Bomben für jedes verlorene Flugzeug, während es die Halifax auf 56 (später 86) und der Stirling auf nur 41 Tonnen brachten. Bei den Kämpfen in der Normandie im Raum Caen wurden die Lancaster-Bomber auch zur Unterstützung der Bodentruppen eingesetzt und sie beendeten den Krieg mit dem Rücktransport von ehemaligen Kriegsgefangenen und den Abwurf von Hilfgütern über dem zerstörten Europa.
Im Februar 1954 verließen die letzten den aktiven Dienst in der RAF.

Animation 3d-Modell Avro Lancaster Mk I

Avro Lancaster Bomber Spezial und Mk II

Bodenpersonal belädt eine Lancaster mit einer 5443-kg-Tallboy-Bombe

Das Bodenpersonal belädt eine Lancaster mit einer 5443-kg-Tallboy-Bombe. Die auf dem Rumpf der Lancaster gemalten Bomben geben die Anzahl der bisher geflogenen Bombeneinsätze an.

Eine Serie von 300 Avro Lancaster-Bombern wurden als Mk II mit den kräftigeren Bristol-Herkules Sternmotoren ausgerüstet. Sie hatten vergrößerte Bombenkammern (durch Ausbeulungen erkennbar) und einen Waffenstand unter dem Rumpf.

Unter Verzicht auf die ‘Radarbeule’ unter dem Rumpf war der Mk II und Mk I Spezial darauf eingerichtet, Luftminen mit 5443 kg und Sprengbomben mit 5443 kg und 9979 kg Gewicht aufzunehmen.

Die Flugzeuge der 617. Staffel (Dambusters) waren dafür ausgerüstet, die Wallis-Lufttorpedos abzuwerfen und zum Einsatz zu bringen.

Sie transportierten eine schwerere Ladung und größerer Bomben als jedes andere Flugzeug auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Die panzerbrechenden 5443 kg-Bomben wurden eingesetzt, um das deutsche Schlachtschiff Tirpitz zu versenken und mittels 9979 kg-Bomben letztlich das mächtige Viadukt in Bielefeld im März 1945 zerstört.

Benutzer: England (RAF mit englischen, kanadischen und polnischen Staffeln), Australien, Kanada, Neuseeland.

Animation 3d-Modell Lancaster Bomber Mk II


Spezifikationen Avro Lancaster Mk I und Mk II

Spezifikationen
Spezifikation Mk I Mk II
Typ schwerer strategischer Nachtbomber
Antrieb 4 x Rolls-Royce Merlin 20-Motoren mit je 1.460 PS 4 x Bristol Hercules VI 14-Zylinder-Doppelstern-Motoren mit je 1.650 PS
Besatzung 7 8
Spannweite31,10 m
Länge über alles21,10 m
Höhe über alles5,97 m
Leergewicht 16.705 kg
Startgewicht 30.800 kg
Höchstgeschwindigkeit 462 km/h in 3.500 m
Marschgeschwindigkeit 338 km/h
Steigleistung auf 6.095 m in 41 Minuten (mit Höchstladung)
Dienstgipfelhöhe 7.467 m
Reichweite2.675 km (mit 6.350 kg Bomben), maximal bis zu 4.320 km
Bewaffnung
Spezifikation Mk I Mk II
elektrisch angetriebenen Türme2: im Bug und auf dem Rumpf mit je 2 x 7,7-mm Browning MG3: im Bug, auf und unter dem Rumpf mit je 2 x 7,7-mm Browning MG
Heckstand4 x 7,7-mm Browning MG
MGs insgesamt 8 10
Bombenzuladung6.350 kg Bomben als Normallast internbis zu 9.979 kg Bomben
Einsatzstatistik
Avro 683 LancasterAngaben
Erstflug9. Januar 1941
Truppenlieferung September 1941 (Mk II nicht später als Oktober 1942)
Erster Kampfeinsatz 17. April 1942
Endlieferung 2. Februar 1946
in Truppenverwendung bis Februar 1954
Stückzahl (alle)insgesamt: 7.366 (davon 3.425 Mk I, 300 Mk II und 3.039 Mk III)
Stückpreis40.000 £ (= ca. 420.000 Reichsmark)
Einsätze im 2.Weltkrieg (alle)156.192 (davon 148.403 als Bomber)
Verluste (alle)3.832 (40,76 Einsätze je Verlust)
Bombenmenge auf Ziele (alle)608.612 t (4,1 t je Bombereinsatz)

Kriegsgliederung RAF Bomber Command, April 1945

Bis April 1945 bestand die Frontstärke des RAF Bomber-Kommandos fast nahezu aus Avro Lancaster, wobei drei Gruppen vollständig mit dem Flugzeug ausgerüstet waren und eine die Umrüstung darauf abschloss.

Kriegsliederung RAF Bomber Command April 1945
Gruppe Stützpunkt Staffel (Squadron) Flugzeugtyp
No 1 Group (HQ Bawtry) Binbrook No 460 Sqn Lancaster
Elsham Wolds No 100 Sqn Lancaster
Elsham Wolds No 103 Sqn Lancaster
Elsham Wolds No 576 Sqn Lancaster
Faldingworth No 300 Sqn Lancaster
Hemswell No 170 Sqn Lancaster
Kelstern No 625 Sqn Lancaster
Kirmington No 166 Sqn Lancaster
Ludford Magna No 101 Sqn Lancaster
North Killingholme No 550 Sqn Lancaster
Scampton No 153 Sqn Lancaster
Wickenby No 12 Sqn Lancaster
Wickenby No 626 Sqn Lancaster
No 2 Group (HQ Huntingdon (der 2. Alliierten Taktischen Luftwaffe unterstellt)
No 3 Group (HQ Exning) Chedburgh No 218 Sqn Lancaster
East Wretham No 115 Sqn Lancaster
Mepal No 75 (neuseeländ.) Sqn Lancaster
Methwold No 149 Sqn Lancaster
Midenhall No XV Sqn Lancaster
Middenhall No 622 Sqn Lancaster
Stradishall No 186 Sqn Lancaster
Tuddenham No 90 Sqn Lancaster
Tuddenham No 138 Sqn Lancaster
Waterbeach No 514 Sqn Lancaster
Witchford No 115 Sqn Lancaster
Wratting Common No 195 Sqn Lancaster
No 4 Group (HQ York) (insg. 11 Staffeln) alle noch mit Halifax ausgerüstet
No 5 Group (HQ Grantham) Balderton No 277 Sqn Lancaster
Bardney No IX Sqn Lancaster
Coningsby No 83 Sqn Lancaster
Coningsby No 97 Sqn Lancaster
East Kirkby No 57 Sqn Lancaster
East Kirkby No 630 Sqn Lancaster
Fulbeck No 189 Sqn Lancaster
Metheringham No 106 Sqn Lancaster
Scampton No 57 Sqn Lancaster
Skellingthorpe No 50 Sqn Lancaster
Skellingthorpe No 61 Sqn Lancaster
Spilsby No 44 Sqn Lancaster
Spilsby No 207 Sqn Lancaster
Syerston No 49 Sqn Lancaster
Waddington No 463 Sqn Lancaster
Waddington No 467 Sqn Lancaster
Woodhall Spa No 617 Sqn Lancaster
No 6 (RCAF = kanad.) Group (HQ Alierton Park, Knaresborough) Croft No 431 Sqn Lancaster
Croft No 434 Sqn Lancaster
East Moor No 432 Sqn Halifax
Leeming No 427 Sqn Lancaster
Leeming No 429 Sqn Lancaster
Linton-on-Ouse No 408 Sqn Lancaster
Linton-on-Ouse No 426 Sqn Halifax
Middleton St George No 419 Sqn Lancaster
Middleton St George No 428 Sqn Lancaster
Skipton-on-Swale No 424 Sqn Lancaster
Skipton-on-Swale No 433 Sqn Lancaster
Tholthorpe No 420 Sqn (Umrüstung auf Lancaster)
Tholthorpe No 425 Sqn (Umrüstung auf Lancaster)
No 8 (Pfadfinder) Group (HQ Eyton) (teilweise mit DH Mosquitos ausgerüstet)
Downham Market No 635 Sqn Lancaster
Gransden Lodge No 405 Sqn Lancaster
Graveley No 35 Sqn Lancaster
Little Staughton No 582 Sqn Lancaster
Oakington No 7 Sqn Lancaster
Upwood No 156 Sqn Lancaster
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