Sturzflug-Taktiken
Die nachfolgende Beschreibung von Sturflug-Taktiken bezieht sich auf den deutschen Sturzkampfbomber (kurz Stuka) Junkers Ju 87. Die Methoden der zweimotorigen Junkers Ju 88 waren im wesentlichen ähnlich, wenn auch der tatsächliche Sturzflugwinkel etwas flacher war (60° in der ersten Kriegshälfte, später dann 50°).
Der Sturzflugangriff war eine der genauesten Methoden zur Bombardierung. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung an der spezialisierten Sturzkampfbomber-Flugschule wurde von den Besatzungen erwartet, daß sich 50% der geworfenen Bomben innerhalb eines Radius von 25 m vom Ziel befinden. Der vergleichbare Radius für mittlere Horizontal-Bomber war etwa zwei- bis dreimal so groß (wobei die Bombendichte der mittleren Bomber im Zielgebiet noch zweieinhalb mal höher war als die der alliierten schweren viermotorigen Bomber).
Zudem waren operative Ziele in der Regel von Flugabwehrkanonen (FLAK) verteidigt, sodaß die Genauigkeit bei allen Arten der Bombardierung um den Faktor zwei bis drei abnahm. Wenn auch der Sturzangriff nicht genau genug war, um kleine, geschützte Ziele, wie z.B. einzelne Panzer zu zerstören, so war er doch sehr wirksam gegen weiche Ziele, wie Fahrzeug-Kolonnen, die anfällig auch für Nahtreffer waren. Gegen eine Feldbefestigung mit einem Durchmesser von etwa 75m, welche mäßig mit schwereren Flak-Geschützen verteidigt wurde, hatte eine Staffel von Ju 87 (volle Stärke neun Flugzeuge) eine gute Erfolgsaussicht, etwa vier oder fünf Treffer mit großen Bomben zu erzielen.
Die Bombenladung der Ju 87 Stuka war abhängig vom ausgewählten Ziel. Gegen eine Beton-Stellung wurde eine einzelne SD-500-Bombe verwendet, gegen eine Artillerie-Feldstellung eine SC-250 und vier SC-50-Bomben unter den Flügeln. Die Bezeichnung der deutschen Bomben gibt den Typ und das
Gewicht in Kilo an.
Bei der Annäherung an das Ziel flogen die Ju 87 in der Regel in Ketten von drei Flugzeugen in einer Höhe von etwa 5.000m und mit 250 km/h. Grössere Formationen, bis zur Gruppenstärke von 30 Flugzeugen, bestanden aus mehreren Ketten, mit einem Abstand von etwa 250 Metern. Wenn Jagdschutz bestand, befand sich dieser knapp hinter und etwas über den Sturzkampfbombern. Am Ziel blieben etwa ein Drittel der Jagdflugzeuge in der Flughöhe, während die anderen auf etwa 1000 m heruntergingen, um die Stukas nach dem Sturzangriff vor feindlichen Jägern zu schützen.
Vor Beginn des Sturzangriffes schaltete der Stuka-Pilot sein Zielkontrollfenster ein, trimmte das Flugzeug für den Sturz, wählte die Bombenabwurfhöhe in der Vorwahlanzeige für den Sturzflug, schloss die Klappen, drosselte den Motor und öffnete die Lüftung für die Windschutzscheibe, um ein Anlaufen durch feuchte Luft in Bodennähe zu verhindern. Schließlich öffnete er die Sturzflugbremsen.
Das Signal für den Angriff wurde durch den Formationsführer gegeben, indem dieser zum Sturzflug überging. Gegen kleinere Ziele staffelten sich die Flugzeuge hintereinander und eine Maschine nach der anderen griff an. Gegen grössere Ziele, wie z.B. Hafenanlagen und Schiffswerften, erfolgte der Angriff in Kettenformation. Die Stuka-Piloten konnten durch ein kleines Fenster im Boden ihr Ziel sehen, und wussten dann wann sie in den Sturzflug zu gehen hatten.
Nachdem der Sturzflug begonnen hatte, normalerweise in einem Winkel von 80°, wurde die Geschwindigkeit durch die geöffneten Sturzflugbremsen nur allmählich größer. Die Maschine mußte bis auf unter 3000m stürzen, bevor sie ihre Maximalgeschwindigkeit von 570 km/h erreichte, die dann konstant blieb. Die Genauigkeit des Angriffs hing davon ab, wie genau der ausgewählte Sturzflugwinkel eingehalten wurde. Zur Hilfe hatte der Stuka-Pilot Linien auf seiner Windschutzscheibe, ähnlich einem Winkelmesser, wodurch er durch anpeilen des Horizontes den Winkel ablesen konnte. Erfahrene Stuka-Piloten benötigten diese Hilfe jedoch nicht und konnten schon gefühlsmäßig den richtigen Sturzflugwinkel einhalten. |