Junkers Ju 88
Typ: mittlerer Bomber, Sturzkampfbomber, Erdkampfflugzeug, Nachtjäger, Zerstörer, Aufklärer, Torpedobomber und unbemannter Flugkörper.
Geschichte: Vermutlich wurde kein anderes Flugzeug in so vielen Versionen für derart unterschiedliche Aufgaben entwickelt - vielleicht mit Ausnahme der Mosquito. Lange vor dem Zweiten Weltkrieg als zivile Prototypen geflogen, wurden die ersten Ju 88 in einem schnellen Entwicklungsprozess
der zeitweilig von zwei amerikanischen Fachleuten für selbsttragende Bauweise geleitet wurde - in die schwereren, langsameren und leistungsfähigeren A-1 Bomber um konstruiert. Sie wurden bei Beginn des Krieges gerade in Dienst gestellt.

Junkers Ju-88 A-4 von I/KG 51 'Edelweiss' an der Ostfront im Sommer 1941.
Die übergroße Bombenlast und die allgemein guten Flugeigenschaften wurden durch die schlechte Abwehrbewaffnung wieder ausgeglichen. Die A-4 hatte eine größere Spannweite, verbesserte Bombenlast und Abwehrbewaffnung. Sie bildete die Grundlage für die verschiedenen Weiterentwicklungen. Wenn es auch richtig wäre, die folgenden Versionen als einen Mischmasch von Notlösungen zu beschreiben, so muß man doch sagen, daß die Ju 88 grundsätzlich hervorragend war und großen Treibstoffvorrat mit großer Nutzlast verband. Ihre Leistungen wurden niemals so weit verringert, daß sie - wie die Bomber von Heinkel und Dornier - ernsthaft verwundbar wurden. Tatsächlich waren die späteren Versionen mit BMW-Sternmotor und Jumo 213 fast so schnell wie die besten Jäger.

Junkers Ju 88 der III. Gruppe von KG 51 mit dem gelben Band am hinteren Rumpfteil, welches anzeigt, daß das Flugzeug an der Ostfront eingesetzt ist.
Einer der Konstruktionsgrundsätze war, daß die Mannschaft eng zusammen saß, um die Kampfmoral zu stärken. Doch in der Luftschlacht um England stellte es sich heraus, daß gerade dadurch die Unterbringung von ausreichender Abwehrbewaffnung schwierig wurde. Deshalb wurde die spätere Ju 188 mit einer größeren Kabine ausgestattet. Ein weiteres Kennzeichen waren die einbeinigen mit Stahlfedern abgefederten Landegestelle, die um 90° in die Motorgondeln einschwenkten.
Von 1940 bis 1943 wurden jährlich etwa 2000 Ju 88 Bomber gebaut, fast alle A-5 oder A-4. 23 Ju-88 A-4 wurden 1943 an Finnland geliefert, 52 A-4 und D an die Regia Aeronautica und weitere A-4 und D an die ungarische und rumänische Luftwaffe.

Ju 88 A-4 in der Überführung nach Italien.
Nachdem die Entwicklung zur Ju 188 und Ju 388 aus dem Programm herausgenommen war, konzentrierte man sich auf die leistungsfähigere S-Serie. Es hatte sich nämlich gezeigt, daß die traditionellen Luftwaffen-Bomber, ganz gleich wieviel zusätzliche Abwehrwaffen und Besatzung man ihnen gab, mit Sicherheit abgefangen werden konnten. Um die Leistung zu erhöhen, verzichtete man sogar auf einen Teil der Bomben- und Treibstoffzuladung. Die S-2 hatte Treibstofftanks in den Rumpfschächten und große Ausbuchtungen für die Bomben.

Eine Ju 88 A-4 mit Flammendämpfer an den Auspuff-Öffnungen wird für einen Nachtangriff auf England während einer der Steinbock-Operationen Anfang 1944 mit einem AB-1000-Behälter beladen, welcher 610 B-1-Brandbomben beinhaltet.
Unter den letzten Bomberversionen war auch die P-Serie als Erdkampfunterstützungsflugzeuge mit großkalibrigen Panzerabwehrkanonen und die Nbwe mit Flammenwerfern und rückstoßfreien Raketenstartern. Hierzu gehörten auch die Mistel-Kombinationen, bei denen die Ju 88 als ferngelenkter Flugkörper von einem Bf 109 Jäger aus gesteuert wurde.
An Bombern, Aufklärern und verwandten Ju 88 wurden insgesamt 10.774 hergestellt, während die Entwicklung der starken Nachtjäger-Versionen 1944-45 die Gesamtzahl auf 14.980 brachte. Die Ju 88-Nachtjäger, und hier besonders die hervorragende G-Serie, starrten vor Radar und Kanonen und zerstörten mehr alliierte Nachtbomber als alle anderen Jäger zusammen.
Benutzer: Bulgarien, Finnland, deutsche Luftwaffe, Ungarn, Italien, Rumänien.
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Junkers Ju 88 A-4 |
| Typ |
mittlerer Bomber |
| Antrieb |
zwei flüssigkeitsgekühlte 1.340 PS Junkers Jumo 211J-1 12-Zylinder-V-Motoren
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| Besatzung |
4 |
| Spannweite |
20,00 m |
| Länge über alles |
14,40 m |
| Höhe über alles |
4,85 m |
| Flügelfläche |
54,50 m² |
| Leer-Gewicht |
9.860 kg |
| Startgewicht (maximum) |
14.000 kg |
| Höchstgeschwindigkeit |
470 km/h |
in Flughöhe von |
5.300 m |
| Reisegeschwindigkeit |
400 km/h |
in Flughöhe von |
5.000 m |
| Anfangssteigleistung |
400 m/min. |
| Steigleistung auf |
5.400 m |
in Zeit |
23,0 min. |
| max. Flügelbelastung |
256,88 kg/m² |
| max. Leistung |
5,18 kg/PS |
| Dienstgipfelhöhe |
8.200 m |
| Reichweite |
1.790 km |
| Bewaffnung |
1 x 7,92-mm MG 81 [1.200 Schuss/min, Mündungsgeschw. 765 m/s] und 1 x 13-mm MG 131 [930 Schuss/min, Mündungsgeschw. 760 m/s] nach vorn |
13-mm MG 131 [930 Schuss/min, Mündungsgeschw. 750 m/s] nach oben hinten |
| 2 x 7,92-mm MG 81 [1.200 Schuss/min, Mündungsgeschw. 765 m/s] in der Bodenwanne hinten |
| 2 x 7,92-mm MG 81 [1.200 Schuss/min, Mündungsgeschw. 765 m/s] in der Bodenwanne vorne |
500 kg im Rumpfschacht, je zwei Aufhängungen mit 1000 kg innen und 500 kg außen. Höchstlast von 3.000 kg Bomben.
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| Erstflug (Ju 88 V1) |
21. Dezember 1936
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| Truppenlieferung Ju 88 A-1 |
7. September 1939 |
| Erstflug Ju 88 A-4 |
1. November 1940 |
| Truppenlieferung (A-4) |
April/Mai 1941 |
| Endlieferung (Nachtjäger) |
Mai 1945 |
| Stückpreis |
? |
| Stückzahl (alle) |
10.774 Bomber und Aufklärer (alle Varianten zusammen mindestens 14.980) |
| Übernommen von Luftwaffe 1/39-12/44 (Bomber, Erdkampfflugzeuge, Nachtjäger, Aufklärer) |
14.321 |
| Produziert (nur Bomber) 1939 |
69 |
| Produziert 1940 |
1.816
(+62 Jäger, +330 Aufklärer) |
| Produziert 1941 |
2.146
(+66 Jäger, +568 Aufklärer) |
| Produziert 1942 |
2.270
(+257 Jäger, +567 Aufklärer) |
| Produziert 1943 |
2.160
(+706 Jäger, +394 Aufklärer) |
| Produziert 1944 |
661
(+2.513 Jäger, +3 Erdkampf, +52 Aufklärer) |
| Produziert 1945 |
-
(+355 Jäger) |
| Bestand Ju 88 am 1.9.1939 |
20 |
| Bestand Ju 88 (alle) am 20.9.1942 |
917 |
| Bestand Ju 88 (alle) am 21.12.1942 |
845
(520 Bomber, 260 Aufklärer, 65 Jäger) |
| Bestand Ju 88 (alle) am 10.1.1945 |
935
(179 Bomber) |

3D-Modell der Junkers Ju 88.
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