Henschel Hs 129
Typ: Erdkampfunterstützungsflugzeug.
Geschichte: Obwohl es im Ersten Weltkrieg viele spezielle Erdkampfflugzeuge gab, wurde diese Kategorie fast vergessen, bis sich im Spanischen Bürgerkrieg zeigte, daß diese eine der wichtigsten war. 1938 forderte das RLM (Reichsluftfahrtministerium) ein solches Flugzeug - die Luftwaffe sollte lediglich die Wehrmacht in den Blitzkriegen unterstützen - als Verstärkung für die Ju 87.
Henschels Dipl.-Ing. F. Nicholaus entwarf so etwas wie einen gepanzerten zweimotorigen Jäger mit schwächeren Motoren (zwei luftgekühlte Argus As 410A-1 V-12-Motoren). Der Pilot saß im gepanzerten Cockpit weit vorn im Bug hinter einer fast 8 cm dicken, gepanzerten Windschutzscheibe. Im Rumpf mit dreieckigem Querschnitt waren die selbstdichtenden Tanks, an den schrägen Seiten die Kanonen und darunter eine Bombenaufhängung.
Die Testpiloten in Rechlin hielten die Vorserien-A-0 für stark untermotorisiert, doch die rumänische Luftwaffe setzte sie an der Ostfront ein. Die umkonstruierte B-Serie erhielt die französischen M14-Motoren, die in großer Zahl in Vichy-Frankreich für die Me 323 hergestellt wurden. Insgesamt wurden 841 der B-Serie gebaut, die mit guter Wirkung an der Ostfront, doch mit weniger Erfolg in Nordafrika eingesetzt wurden.

Eine Henschel Hs 129B-2/R2 vom Schlachtgeschwader 9 an der Ostfront im Frühjahr 1943, aber immer noch mit Wintertarnanstrich.
Die B-1/R1 war mit zwei 7,92 mm MG
17, zwei 20 mm MG 151/20 sowie entweder zwei 50 kg-Bomben oder 48 Splitterbomben ausgerüstet.
Die R2 war mit einer unten aufgehängten 30 mm MK 101 das erste Flugzeug überhaupt, das eine 30 mm Kanone einsetzte.
Die R3 hatte einen Unterrumpfbehälter mit vier MG 17.
Die R4 trug bis zu 250 kg an Bomben.
Die R5 hatte eine Senkrechtkamera.
In der B-2-Serie wurden die eingebauten MG 17 durch MG 131 ausgetauscht. Andere Untertypen trugen unterschiedlichste Waffen einschließlich der 37 mm BK 3,7, welche auch die Ju 87G verwendete. Die neueste und gegen russische Panzer mit verheerendem Erfolg eingesetzte Waffe war eine Batterie von sechs rückstoßfreien Glattrohrkanonen, deren Schüsse automatisch beim Oberfliegen von Metall ausgelöst wurden.
Mit der Hs 129B waren auch drei Staffeln der 8. Schlachtgruppe der könglich-rumänischen Luftstreitkräfte ausgerüstet.

Im Mai 1944 wurde diese Hs 129B-2 in Travemünde mit einer Attrappe der 75-mm BK 7,5 (PaK 40) Kanone für Testflüge umgebaut. Über 24 oder 25 Hs 129B-3 wurden mit dieser Panzerabwehrkanone ausgerüstet. Im Notfall konnte die gesamte Ausrüstung einfach abgeworfen werden.
Am spektakulärsten war jedoch der Einbau der riesigen PaK 40 vom Kaliber 75mm. Diese Waffe wog 1.500 kg in ihrer ursprünglichen Form als Panzerabwehrkanone und verschoß ein 3,2-kg-Wolfram-Karbid-Geschoß mit 933 m/s. Selbst auf eine Entfernung von 1.000 Metern konnte es eine 133mm dicke Panzerung bei flachem Einschlagwinkel durchschlagen. Abgeändert als PaK 40L hatte die Kanone eine viel größere Mündungsbremse um den Rückstoß und den elektro-pneumatischen Betrieb abzumildern, welcher durch das automatische Nachladen entstand. Eingebaut in der Hs 129B-3/Wa wurde die gigantische Kanone mit 26 Geschossen versorgt, welche mit einer Feuerkadenz von 40 Schuß in der Minute verschossen werden konnten. Dadurch konnten 3 oder 4 Granaten bei einem Anflug auf ein Ziel abgefeuert werden. Fast immer genügte ein gut platzierter Treffer um jeden Panzer zu zerstören, selbst direkt auf die stärkere Frontalpanzerung. Das einzige Problem war, daß die PaK 40L eigentlich viel zu mächtig für dieses Flugzeug war. Ganz abgesehen von dem starken Rückstoß und dem Geschoßknall, machte das schiere Gewicht der Kanone die Hs 129B-3/Wa kaum beherrschbar und im Notfall mußte der Pilot die ganze Kanone mit ihrer Mechanik abtrennen und fallen lassen.

Hs 129B-3/Wa Panzerjagdflugzeug mit der 7,5-cm PaK 40L mit elektro-mechanischem Nachladesystem. Dieses Flugzeug war beim Schlachtgesschwader 9 an der Ostfront im Winter 1944/45 im Einsatz.
Ende September 1944 wurde das gesamte Fertigungsprogramm eingestellt, zusammen mit dem fast aller anderen deutschen Flugzeugtypen mit Ausnahme des 'Jäger-Notfall-Sonderbauprogrammes' und der neuen Düsenflugzeuge. Insgesamt betrug die Produktion nur etwa 870 Flugzeuge, einschließlich der Prototypen. Aufgrund von Verschleiß, Unfällen und Verlusten war die Hs 129 daher niemals in der Lage, in der notwendigen Zahl die 'fliegende Panzerabwehr' gegen die sowjetischen Panzer zu stellen.
Benutzer: deutsche Luftwaffe, Ungarn, Rumänien.
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Henschel Hs 129B-3/Wa |
| Typ |
Erdkampfunterstützungs-Flugzeug |
| Antrieb |
zwei Gnome-Rhone 14M 4/5 14-Zylinder-Doppelsternmotoren mit je 700 PS
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| Besatzung |
1 |
| Spannweite |
14,20 m |
| Länge über alles |
9,75 m |
| Höhe über alles |
3,25 m |
| Flügelfläche |
29,00 m² |
| Leer-Gewicht |
4.020 kg |
| Startgewicht (maximum von B-2) |
5.250 kg |
| max. Flügelbelastung (B-2) |
181,03 kg/m² |
| max. Leistung (B-2) |
3,75 kg/PS |
| Höchstgeschwindigkeit (B-2) |
407 km/h |
in Flughöhe von |
3.830 m |
| Marschgeschwindigkeit (B-2) |
315 km/h |
in Flughöhe von |
3.000 m |
| Anfangssteigleistung (B-1) |
425 m/min. |
| Steigleistung auf (B-2) |
3.000 m |
in Zeit |
7,0 min. |
| Dienstgipfelhöhe (B-2) |
9.000 m |
| Reichweite (B-2) |
690 km |
| maximale Reichweite |
? |
| Einsatzradius |
? |
| Bewaffnung |
2 x 13-mm MG 131 [930 Schuss/min, Mündungsgeschw. 760 m/s] und 2 x 20-mm MG 151/20 Schnellfeuerkanonen [720 Schuss/min, Mündungsgeschw 593 m/s] starr nach vorne in den Bugseiten. |
1 x75-mm BK 7,5 (PaK 40L) Kanone [40 Schuss/min, Mündungsgeschw. 933 m/s] mit 26 Schuss in Behälter unter dem Rumpf. Durchschlagskraft auf 30°: 143 mm auf 100 m, 120 mm auf 500 m, 97 mm auf 1000 m, 77 mm auf 1500 m.
- anstatt der 75-mm-Kanone auch:
30-mm MK 103 [420 Schuss/min, Mündungsgeschw. 870 m/s] oder
4 x 7,92-mm MG 17 [1.200 Schuss/min, Mündungsgeschw. 765 m/s] oder 92 x 2-kg-Splitterbomben oder eine 250-kg-Bombe unter dem Rumpf.
Zwei 50-kg-Bomben oder 48 x 2-kg-Splitterbomben an den Flügelstationen. |
| Erstflug (Hs 129V-1) |
Anfang 1939 |
| Truppenlieferung Vorserie (Hs 129A-0) |
Anfang 1941 |
| Erstflug (Hs 129B) |
Oktober 1941 |
| Truppenlieferung (Hs 129B) |
Ende 1942 |
| Erstflug mit 7,5-cm PaK (Hs 129B-3/Wa) |
Mai 1944 |
| Endlieferung |
Ende September 1944 |
| Stückpreis |
? |
| Stückzahl (alle Varianten) |
ca. 870
(einschließlich Prototypen, 841 B-Serienmodelle, über 24 bis 25 Hs 129B-3/Wa)
|
| Übernommen von Luftwaffe 1/39-12/44 (alle Versionen) |
876 |
| Produziert 1939 |
- |
| Produziert 1940 |
- |
| Produziert 1941 |
7 |
| Produziert 1942 |
221 |
| Produziert 1943 |
411 |
| Produziert 1944 |
302 |
| Produziert 1945 |
- |
| Bestand Hs 129 am 1.9.1939 |
- |
| Bestand Hs 129 am 20.9.1942 |
35 |
| Bestand Hs 129 am 21.12.1942 |
40 |
| Bestand Hs 129 am 10.1.1945 |
59 |

3D-Modell der Henschel Hs 129B-3/Wa.
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