PzKpfw 6 (VI) Tiger I (Sdkfz 181)
Typ: schwerer Panzer
Geschichte: Obwohl die Massenproduktion der Panzer III und Panzer IV beschlossen war, und obgleich man damals fast sicher sein durfte, daß diese für die zu erwartenden Kämpfe kampfkräftig genug waren, forderte das deutsche Oberkommando 1937 einen noch schwereren Kampfpanzer. Er sollte etwa 30 t oder mehr wiegen und war dazu bestimmt, als schwerer »Durchbruchspanzer« die gepanzerten Angriffsverbände anzuführen. Die Entwurfsarbeiten zogen sich bis 1941 hin - bis deutlich wurde, daß die PzKpfw III und IV weniger erfolgreich waren, als man es nach den Ergebnissen von 1940 gegen die schweren britischen Matilda und französischen Panzer hatte erwarten dürfen. Diese Erkenntnis wurde durch das Auftauchen der sowjetischen T-34 und KW-1 bestätigt. So kam es zur Forderung nach einem schweren Kampfpanzer, der mit der wirkungsvollen 8,8-cm-Kanone in einem voll schwenkbaren Turm bewaffnet sein sollte. Außerdem sollte er stark genug gepanzert sein, um allen bestehenden und künftigen Panzerabwehrwaffen widerstehen zu können.

Panzer Tiger I in der Bereitstellung. Der Unterstand dient als Wetterschutz für die an den Fahrzeugen arbeitende Besatzung, vor allem aber als Fliegerdeckung.
Zwei Firmen - Porsche und Henschel - bauten Prototypen, wobei auf die Entwicklungen seit 1937 zurückgegriffen wurde. Der Turm war für beide Fahrzeuge gleich. Er wurde von Krupp geliefert. Der Porsche-Entwurf war unkonventionell und wurde nicht akzeptiert. Aus ihm wurde später eine Selbstfahrlafette. Der HenschelEntwurf war verhältnismäßig konventionell, ganz sicher leichter herzustellen und wurde deshalb genehmigt. Er erhielt die Bezeichnung PzKpfw VI und den Namen Tiger. Die Produktion lief im August 1942 langsam an. Zur Zeit seiner Einführung und noch eine Zeit danach war der Panzer VI der stärkste Panzer der Welt. Die 8,8-cm-Kanone (mit 92 Schuß) war außerordentlich wirkungsvoll, und die Panzerung war so stark, daß kein Frontaltreffer sie durchschlagen konnte. Er war derart wirkungsvoll, daß die Alliierten spezielle Taktiken entwickeln mußten, um mit ihm fertig zu werden, obgleich das Fahrzeug oft so unüberlegt eingesetzt wurde, daß seine Kampfkraft nicht voll zur Geltung kam. Trotzdem war sein Erscheinen für die Alliierten ein Schock, und er erwarb sich bald den Ruf, die größte Gefahr auf dem Schlachtfeld zu sein.

Tiger werden bei der 7.Panzer-Division im Raum Bjelgorod für das Unternehmen Zitadelle (Schlacht von Kursk, Juli 1943) vorbereitet.
Die Panzer sollten in Sonderbataillonen zu je 30 Fahrzeugen zusammengefaßt werden und direkt dem Armee- oder Korpskommando unterstehen. Allgemein wurde dies auch so gehalten, doch erhielten einige Panzerdivisionen - speziell die der Waffen-SS - auch ihre eigenen Tigerbataillone. Hitler nahm an dem schweren Panzer sehr persönlich Anteil und drängte auf den frühest möglichen Einsatz. Im Spätsommer 1942 wurden sie in der Nähe von Leningrad in die Schlacht geworfen - weit auseinandergezogen in kleiner Zahl und auf ungünstigem Boden. Der Einsatz endete wie auch der Kursk-Einsatz im Jahr darauf - mit einem Fiasko. Doch bei Überfällen aus verdeckten Stellungen
bei denen die Kanonen ihre große Schlagkraft voll einsetzen konnten und wo die starke Panzerung einen stufenweisen Rückzug möglich machte - waren die Tiger weit überlegen. Tatsächlich hielt 1944 in Frankreich ein einzelner Tiger eine ganze Division auf und knackte 25 alliierte Panzer, bevor er selbst zerstört wurde.

Ein Tiger-Panzer 1944 in Rom.
Die Wanne des Panzer VI war eine verhältnismäßig einfache Schweißkonstruktion, auf die der einteilige Aufbau aufgeschweißt war. Die Panzerung war zwar nicht sehr abgeschrägt, doch recht dick. Sie war vorn 100 mm, an den Seiten 80 mm und an den waagerechten Flächen 26 mm stark. Zugunsten der leichteren Herstellung wurden
alle Formen einfach gehalten. Die Wanne lief kastenförmig über die Ketten. Der Turm war ebenfalls sehr einfach, die Seiten standen fast senkrecht. Der hydraulische Turmantrieb war stark untersetzt und wurde vom Hauptmotor angetrieben. Deshalb mußte, wenn der Motor nicht lief, der Turm von Hand geschwenkt werden. Die Blende für das lange Kanonenrohr war mit 110 mm Panzerung sehr schwer.

In den Wäldern der mittleren Ostfront begegnen sich zwei deutsche Tiger-Panzer. Der eine fährt zurück, um seine Munition zu ergänzen, der andere rollt zu neuem Einsatz vorwärts an die in schweren Abwehrkämpfen stehende Front.
Obwohl der Motor zuverlässig und kräftig genug war, wurde er Ende 1943 gegen einen etwas stärkeren ausgetauscht. Ein großer Nachteil war der geringe Fahrbereich. Auch die Höchst-geschwindigkeit war gering, weil der Antrieb stark untersetzt werden mußte. Das Gewicht war für die normale deutsche Bremsensteuerung zu hoch. Deshalb übernahm Henschel das britische Merritt-Brown-System und koppelte es mit einem Vorwahlgetriebe von Maybach mit acht Vorwärtsgängen. Dieses Steuersystem machte es dem Fahrer leicht, brachte jedoch Schwierigkeiten bei der Instandhaltung und Reparatur. Zum erstenmal bei einem deutschen Panzer hatte das Laufwerk überlappende Laufräder, die ruhige und stabile Laufeigenschaften brachten. Zur Federung gab es an jeder Seite nicht weniger als acht Drehstäbe. Die Schwierigkeit war, daß die überlappenden Räder in den russischen Winternächten zusammenfroren
und die Ketten blockierten. Deshalb fuhren die Russen ihre Angriffe oft in der Morgendämmerung, wenn sie sicher sein konnten, daß die schweren Panzer unbeweglich waren. Da die normalen Ketten zu breit für den Eisenbahntransport waren, montierte man schmalere für den Straßen- und Schienentransport. Dabei mußten auch die äußeren Laufräder demontiert werden. Dieser Kettenwechsel war ermüdend und aufwändig und beeinträchtigte zu einem gewissen Grad auch die Beweglichkeit.

Hier sind die Aussenräder für den Strassen- oder Bahntransport entfernt worden.
Die Wanne war in vier Abschnitte unterteilt. Der Fahrer und der Bug-MG-Schütze saßen vorn mit dem Getriebe zwischen sich. Der Turm hatte normale Maße, doch ging es ziemlich eng zu, wenn die 92 Schuß Munition geladen waren. Das Kanonenrohr wurde durch eine schwere Zugfeder ausbalanciert, die in einem Rohr links im Turm lag. Die 8,8-cm-Granate durchschlug auf 450 m Panzerungen bis zu 112 mm - das war damals mehr als genug. Von den Besatzungen des sehr verwundbaren Sherman, dem Hauptpanzer der Alliierten war er deshalb sehr gefürchtet.

Ein Tiger I wird aufmunitioniert. An jeder Seite des Turms sind S-Minen-Werfer montiert, zur Abwehr feindlicher Infanterie.
Der Panzer VI war recht kompakt gebaut, doch auch sehr schwer. Er konnte deutsche Brücken nicht befahren, doch konnten die ersten 400 Modelle auch tiefe Flüsse durchwaten. Der Kettenwechsel für den Schienentransport war ermüdend. Außerdem wurden die verbleibenden Laufrollen so überlastet, daß sie Ärger machten. Weiterhin fanden die alliierten Panzerfahrer heraus, daß man den schweren Panzer ausmanövrieren und von hinten angreifen konnte.

Aber der Tiger war nicht unbesiegbar: ein von der sowjetischen Abwehr in Brand geschossener Tiger südlich Orel während des Unternehmens Zitadelle.
Dies führte, zusammen mit anderen Unzulänglichkeiten dazu, daß der Panzer 1944 durch den Königstiger (Tiger II) ersetzt wurde. Bis August dieses Jahres waren 1300 Stück gebaut. Nicht viel, wenn man den Ruf bedenkt, den sie sich erworben hatten, und den Einfluß, den sie auf die Kampfmoral der alliierten Truppen hatten.
Benutzer: Deutschland
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Tiger I der Pz.Abt.502 im Kampfeinsatz im Nordabschnitt der Ostfront (Frühsommer 1944).
PzKpfw VI Ausf E Tiger I |
| Typ |
schwerer Panzer |
| Antrieb |
Maybach HL210P45 bzw HL230P45 V-12, wassergekühlter Benzinmotor mit 700 PS bei 3000 U/min. |
| Getriebe |
8 Vorwärts-, 4 Rückwärtsgänge |
| Besatzung |
5 |
| Länge |
8,45 m |
| Breite |
3,70 m |
| Höhe |
2,93 m |
| Gewicht |
55 t |
| Bodendruck |
1,04 kg/cm² |
| Straßengeschw. |
38 km/h |
| Geländegeschw. |
20 km/h |
| Verbrauch/100 km |
Straße 570 , Gelände 850 Liter |
| Kraftstoffvorrat |
534 Liter in 4 Tanks |
| Strassen-Fahrbereich |
140 km |
| Gelände-Fahrbereich |
100 km |
| Kletterfähigkeit |
0,80 m |
Grabenüberschreitung |
1,80 m |
| Watfähigkeit |
1,20 m |
| Wendekreis |
7,00 m |
Steigfähigkeit |
35° |
| Panzerung: |
mm / Winkel |
| Turm Vorn |
100 / 8° |
| Turm Seite |
80 / 0° |
| Turm Hinten |
80 / 0° |
| Turm Oben |
25 / 81-90° |
| Aufbau Vorn |
100 / 10° |
| Aufbau Seite |
80 / 0° |
| Aufbau Oben |
25 / 90° |
| Wanne Vorn |
100 / 24° |
| Wanne Seite |
60 / 0° |
| Wanne Hinten |
80 / 8° |
| Wanne Unten |
25 / 90° |
| Geschütz-Mantel |
100-110 / 0° |
| Haupt-Bewaffnung |
8,8 cm KwK36 L/56 mit 92 Schuss |
| Schwenkbereich |
360° (hydraulik), Höhe -9° bis +10° |
| Mündungsgeschw. |
Pzgr39: 773 m/s
Pzgr40: 930 m/s |
| Granatgewicht |
Pzgr39: 10,2 kg
Pzgr40: 7,3 kg |
| Durchschlag 100m auf 30° |
Pzgr39: 120 mm
Pzgr40: 171 mm |
| Durchschlag 500m auf 30° |
Pzgr39: 110 mm
Pzgr40: 156 mm |
| Durchschlag 1000m auf 30° |
Pzgr39: 100 mm
Pzgr40: 138 mm |
| Durchschlag 1500m auf 30° |
Pzgr39: 91 mm
Pzgr40: 123 mm |
| Durchschlag 2000m auf 30° |
Pzgr39: 84 mm
Pzgr40: 110 mm |
| Sekundär-Bewaffnung |
7,92mm MG 34 vorn in Wanne (Schwenkbereich 15° links bis 15° rechts, Höhe -7° bis +20°),
7,92mm MG 34 koaxial zur Kanone (zusammen 4.800 Schuss), später Fla-MG auf Kuppel |
| Funkgerät |
FuG5 (bis 4 km Reichweite) |
| Zieloptik |
TZF9b, später TZF9c (bis 4.000 m Zielentfernung) |
| Serienproduktion |
Juli 1942 bis August 1944
|
| Stückpreis |
260.000 RM (300.000 RM voll ausgerüstet) |
| Stückzahl (alle) |
1.354
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| Produktion (Verluste) 1942 - Bestand 1.1.43 |
84 (3) - 65 |
| Produktion (Verluste) 1943 - Bestand 1.1.44 |
647 (307) - 395 |
| Produktion (Verluste) 1944 - Bestand 1.1.45 |
623 (783) - 245 |
| Verluste Jan.1945 |
62 |
| Gesamtverluste 1942-1945 |
1.155 |

Vorderansicht.

Seitenansicht von oben

3D Modell PzKpfw VI Tiger I

Hier ist ein Tiger I kurz nach seiner Erbeutung durch die Engländer in Tunesien zu sehen.
Der in Tunesien erbeutete Tiger I steht heute im RAC Tank Museum, Bovington Camp, Dorset (England).

Ein Modell eines ferngesteuerten Tiger Panzers. |