Sturmgewehr 44 oder Maschinenpistole 43, MP43
Typ: Automatisches Gewehr
Geschichte: Nachdem die deutsche Wehrmacht festgestellt hatte, wie erfolgreich das amerikanische Garand-Gewehr, ja, wie überlegen selbst noch das alles andere als problemlos funktionierende sowjetische Tokarew-Gewehr dem nicht-automatischen Gewehr war, beschloß Deutschland gleichzuziehen. Die randlose 7,92-mm-Mauser-Patrone des Karabiner 98K
erwies sich für die automatischen Waffen als sehr geeignet und so wurde 1940 die Forderung nach einem automatischen Gewehr aufgestellt.
Angesichts dessen was es bedeutete, mitten in einem Krieg die Standard-Patrone, von der 8 Milliarden (!) für Infanterie-Waffen auf Lager waren, zu wechseln, muß das, was nun zur Entwicklung des Urvaters aller modernen Sturmgewehre führte, geradezu als unglaublich bezeichnet werden. Tatsächlich erwies es sich die Einführung des Sturmgewehres 44 als eine der kühnsten Ideen der Deutschen.
Während der Vorkriegsjahre hatten einige deutsche Stabsoffiziere eine sehr genaue Untersuchung über die Benutzung des Gewehrs bei der Infanterie angestellt. Sie waren dabei zum Schluß gekommen, daß die bisher üblichen Forderungen, wonach ein Gewehr eine Patrone großer Durchschlagskraft bis zu 2000 m weit verschießen müsse, nicht mehr der Realität entsprächen. Abgesehen von Scharfschützen kam es äußerst selten vor, daß ein Infanterist über Entfernungen von mehr als 400 m schießen mußte. Dafür aber genügte eine Patrone von geringerer Durchschlagskraft.
Deshalb stellten sie Spezifikationen für eine kurze Patrone und für ein einschüssiges Gewehr für diese Patrone auf. Waren die Patronen kürzer, konnten der Mechanismus und somit das ganze Gewehr kleiner und leichter gehalten werden. Hinzu kam außerdem, daß der Rückstoß der kleinen Patrone geringer sein würde, was wiederum Ersparnisse an Länge und Gewicht bedeutete. War aber die Munition kleiner, so wog sie weniger, und der Soldat konnte mehr tragen.
Um die Dinge etwas zu vereinfachen, wurde die bisherige Ausführung der Patrone aufgegeben und stattdessen eine neue geschaffen. Sie benutzte die Standardkugel des Kalibers 7,92 mm und eine Patronenhülse, die praktisch eine verkürzte der bisherigen war. Das bedeutete, daß die vorhandenen Maschinen für die Herstellung weiter benutzt werden konnten. Nachdem dies geklärt worden war, erhielten die Firmen Haenel und Walther den Auftrag, Prototypen von
Sturmgewehren herzustellen. Wichtigste Forderung: Die Waffe mußte sich für eine schnelle Massenproduktion eignen.
Beide Entwürfe wurden 1942 fertig und als Maschinenkarabiner 42 (H) und 42 (W) bekannt.
Für Versuche an der Ostfront wurden zunächst je 5000 Sturmgewehre beider Typen hergestellt. Das Resultat war, daß der Walther-Entwurf fallengelassen wurde und der Haenel-Entwurf in Massenfertigung ging.
Doch nun gab es Schwierigkeiten. Die gesamte
Waffen-Produktion mußte von Hitler persönlich genehmigt werden, und als ihm das Projekt unterbreitet wurde, weigerte er sich, die Weiterführung zu genehmigen. Seiner Ansicht nach mußte ein Gewehr eine große Schußweite erzielen und eine durchschlagskräftige Patrone besitzen - das, so betonte er, habe er im Ersten Weltkrieg aus der Praxis erfahren. Alle weiteren Erklärungen über die Vorzüge der neuen Waffe vermochten nicht, ihn zu überzeugen.
Die Konstrukteure und die Befürworter der neuen Waffe waren zunächst etwas entmutigt, doch sie hatten genügend Erfahrungen mit der Politik jener Tage sammeln können. So wußten sie, was sie zu machen hatten. Sie tauften die Waffe in Maschinenpistole MP 43 um und nahmen sie in Produktion. Fortan vermutete Hitler, es handele sich bei der MPi 43 um Ersatz für die in Produktion befindlichen MP40, und da er diese Waffe sehr schätzte, stellte er keine Fragen und ließ alle Schriftstücke, die sich auf diese Waffe bezogen, passieren.
Drei Fabriken stellten das Sturmgewehr 44 her und lieferten es an die Ostfront, wo jede Infanterie-Division nach dieser vorzüglichen Waffe 'schrie'.
So kam die Angelegenheit schließlich eines Tages im Führerhauptquartier ans Licht, als einige Kommandeure von Infanterie-Divisionen von Hitler geradeheraus wissen wollten, wann denn nun auch ihre Einheiten endlich das neue Gewehr bekämen.
Hitler geriet in Zorn und ordnete eine strenge Untersuchung an. Mit einem meisterhaften politischen Schachzug rüstete jedoch das Waffenamt die Soldaten der Waffen SS von Hitlers Hauptquartier mit der neuen Waffe aus. Nach einer Gefechtsdemonstration, in der der hauptsächliche Vorteil des neuen Gewehres besonders hervortritt, nämlich das voll-automatische Feuern während der letzten Phase eines Sturmangriffes, änderte Hitler seine Ansicht und gab der Produktion seinen Segen. Ja, er ordnete an, daß die neue Waffe die Bezeichnung Sturmgewehr tragen solle. Es darf freilich bezweifelt werden, daß einer der Offiziere, die mit dieser Angelegenheit beschäftigt waren, soweit gegangen ist, den Führer daraufhinzuweisen, daß das Gewehr diesen Namen schon seit drei Jahren trug.
Trotzdem konnten bis Kriegsende niemals genug Sturmgewehre, dem Vorläufer aller modernen Infanterie-Waffen, hergestellt werden, um die veralteten Karabiner vollständig zu ersetzen. |

Panther-Panzer mit aufgesessener Infanterie während der Ardennen-Offensive. Zumindest der Soldat links ist mit dem Sturmgewehr 44 bewaffnet.
Sturmgewehr 44 |
| Typ |
Automatisches Gewehr |
| Kaliber |
7,92 mm (Kurz-Patrone) |
| Länge |
93,98 cm |
| Gewicht |
5 kg |
| Lauf |
41,91 cm mit 4 rechtsläufigen Zügen |
| Magazin |
30 Schuss einsteckbares Kasten-Magazin |
| Funktion |
Gas, Kipp-Schraube |
| Geschoßgeschw. |
650 m/s |
| Feuergeschw. |
500 Schuss/min. |
| Hersteller |
- C.G. Haenel Waffeb- und Fahrradfabrik, Suhl
-
B.Giepel GmbH
- Waffenfabrik Erma, Erfurt
- Mauserwerke AG, Oberndorf
|
| Serienproduktion |
seit 1943 |
| Endlieferung |
Mai 1945 |
| Stückzahl (alle) |
ca. 424.000 von 1943-1945 |
| Stückpreis |
66 RM |

3D-Modell Sturmgewehr 44

Kavalleristen der Waffen-SS gegen Kriegsende. Sie haben Tarnanzüge und sind mit dem modernen, automatischen Sturmgewehr 44 ausgerüstet. Die Waffe hatte einen hervorragenden Ruf. Obwohl billig und mit Presstahl hergestellt, war das Sturmgewehr die einzige Infanterie-Waffe, die ausnahmslos immer im russisschen Schlamm, Kälte oder Schneesturm funktionierte.

Das Sturmgewehr mit Infrarot-Zielfernrohr wird nach dem Krieg von den Engländern getestet.
|