Lend-Lease-Panzer und Flugzeuge

Lend-Lease Panzer und Flugzeuge für Russland 1941-1945. Waffenlieferungen der West-Alliierten an die Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges.

P-39 Kingcobra Lend-Lease Flugzeuge
Das Bell-Werk in Buffalo (USA) baute weit über 2.000 P-63 Kingcobra für Russland, wo sie sich unter den harten Bedingungen gut hielten

Das Lend-Lease-Gesetz

Das Lend-Lease-Gesetz (Lend-Lease Act) war eine wichtige Methode, die die Vereinigten Staaten während des Zweiten Weltkriegs verfolgten.

Überblick

– Offiziell hieß das Gesetz ‚An Act to Promote the Defense of the United States‘ und wurde am 11. März 1941 von Präsident Franklin D. Roosevelt unterzeichnet.

– Das Gesetz ermöglichte es den USA, die alliierten Nationen mit Nahrungsmitteln, Öl und Material, einschließlich Kriegsschiffen und Kampfflugzeugen, zu versorgen, ohne offiziell in den Krieg einzutreten.

– Es beendete effektiv die vorgetäuschte Neutralität der USA in diesem Konflikt.

– Die Hauptnutznießer waren Großbritannien, die Sowjetunion, China und Frankreich.

– Das Programm lief von 1941 bis 1945, wobei einige Lieferungen bis 1946 fortgesetzt wurden.

– Der Gesamtwert der gelieferten Güter belief sich auf etwa 50 Milliarden Dollar (das entspricht etwa 690 Milliarden Dollar im Jahr 2020).

– Das Gesetz erlaubte es, Materialien an die alliierten Länder zu verleihen, zu vermieten, zu verkaufen oder zu verschenken, wobei davon ausgegangen wurde, dass viele von ihnen nach dem Krieg nicht zurückgegeben werden würden.

– Es unterstützte die Kriegsanstrengungen der Alliierten in erheblichem Maße und half insbesondere der Sowjetunion, der deutschen Invasion zu widerstehen.

– Das Programm trug auch dazu bei, die US-Wirtschaft und die Kriegsproduktion anzukurbeln.

– Nach dem Krieg verlangten die USA Zahlungen für noch verwendbare Güter, wobei mit den Empfängerländern Vereinbarungen ausgehandelt wurden.

Das Lend-Lease-Gesetz war eine entscheidende Maßnahme, die den Verlauf des Zweiten Weltkriegs maßgeblich beeinflusste und die Rolle der Vereinigten Staaten als ‚Arsenal der Demokratie‘ festigte.

Die an die Sowjetunion während des Zweiten Weltkrieges von den westlichen Alliierten gelieferten Panzer und Flugzeuge im Rahmen des Lend-Lease-Abkommens:

Lend-Lease-Panzer

Lend-Lease M3 Murmansk
Amerikanische M3 Grant/Lee-Panzer werden bei Murmansk auf die Eisenbahn verladen.
Die Rote Armee verwendete eine große Anzahl von Panzern und andere gepanzerte Fahrzeuge aus den USA, Großbritannien und Kanada auf der Grundlage des Lend-Lease-Gesetzes.

Insgesamt wurden 22.800 Panzerfahrzeuge an die Rote Armee während des 2. Weltkrieges geliefert, von denen 1.981 bei gefährlichen Arktis-Konvois verloren gingen. Diese Lieferungen entsprachen etwa 20 Prozent der Gesamtzahl der Panzerfahrzeuge, welche von Russland während des Krieges produziert wurden. Im einzelnen waren dies 16 Prozent der russischen Kampfpanzer, 12 Prozent der russischen Selbstfahrlafetten und Jagdpanzer sowie 100 Prozent der russischen Schützenpanzer, da Russland keine Schützenpanzer während des 2. Weltkrieges hergestellt hat.

Die ersten Lieferungen von Panzern erfolgten schon 1941, und zwar 487 Matilda-Panzer, Valentine und Tetrarch aus England sowie 182 M3A1 Stuart und mittlere Panzer M3 Lee aus den USA.
Im Jahr 1942 lieferten England weitere 2.487 Panzer und die USA 3.023 Stück. Die ersten russischen Einheiten, welche mit diesen Lend-Lease-Panzern ausgerüstet waren, gingen mit Valentine und Matilda-Panzern bei Staraya Russia und im Valdai-Gebiet im Dezember 1941 und Januar 1942 in den Einsatz.
Eine interessante Note ist es, dass diese Brigaden mit Lend-Lease-Panzern und erbeuteten deutschen Panzern ausgerüstet waren.

Valentine-Panzer der Roten Armee
Ein Valentine-Panzer der Roten Armee im Einsatz im Winter 1942/43.

Obwohl die Sowjets gehofft hatten, homogene Lend-Lease-Einheiten zu bilden, wurden die Lend-Lease-Panzer während des gesamten Krieges zusammen mit sowjetischen Panzertypen eingesetzt. In der Regel wurden Panzerbrigaden oder Panzerregimenter ein einziger Lend-Lease-Panzertyp zugeteilt, um die Logistik zu vereinfachen.
Ein typisches Beispiel für sowjetischen Einheiten, die mit Lend-Lease-Panzern ausgerüstet waren, war die 38. Panzerbrigade, die 1942 mit dreißig Matildas und sechzehn leichten T-60-Panzern ausgerüstet war. Im Jahr 1943 variierte die Zusammensetzung der sowjetischen Panzerbrigaden. Brigaden, die ausschließlich mit russischen Panzern ausgerüstet waren, machten etwa 61-68 % der Streitkräfte aus; gemischte Brigaden (russische und Lend-Lease-Panzer) 19-22 %; ausschließlich mit Lend-Lease-Panzern ausgerüstete Brigaden 10-17 %.

Zu Beginn des Jahres 1943 gab es 1.023 Lend-Lease-Panzer in russischen Einheiten, obwohl 6.179 seit 1941 geliefert worden waren. In den Jahren 1944 und 1945, mit dem großen Zugang von amerikanischen M4A2 Sherman, waren einige Panzer-Korps und Mechanisierte Korps ausschließlich mit diesem Panzertyp ausgestattet.
Zum Beispiel waren die Panzerverbände das 1. Garde-Mechanisierte Korps im Jahr 1945 ausschließlich mit M4A2 Shermans ausgerüstet.

Der Beitrag des Lend-Lease-Materials zu den sowjetischen Kriegsanstrengungen ist Gegenstand heftiger Kontroversen, wobei einige westliche Geschichtsschreiber ihr einen entscheidenden Einfluss auf den Krieg an der Ostfront zuschreiben, während sowjetische Historiker sie im Allgemeinen als unbedeutend herunterspielen.
Die Lieferung von Lend-Lease-Panzern dürfte jedoch kaum kriegsentscheidend gewesen sein, spielte aber eine sehr nützliche Rolle, insbesondere in den Jahren 1941 und 1942, als sich die sowjetische Panzertruppe von den verheerenden Niederlagen des Sommers 1941, der Evakuierung der Panzerfabriken und dem Einbruch der sowjetischen Panzerproduktion im Herbst und Winter 1941 sowie nach den Niederlagen im Kaukasus im Sommer 1942 erholten. Die Lend-Lease-Panzer füllten in dieser Zeit entscheidend die Lücken, was verhinderte, dass der Panzerbestand der Roten Armee stagnierte oder sogar abnahm.

Es sollte auch nicht vergessen werden, dass Großbritannien 14 Prozent seiner eigenen Panzerproduktion an die Russen lieferte, obwohl die Sowjetunion die britische Panzerproduktion um das Dreifache übertraf, und das in den Jahren 1941 und 1942, als die britische Armee in Nordafrika einen großen Mangel an Panzern hatte.

Valentine-Panzer für Russland im Iran
Valentine Mk VIII Panzer mit 6-Pfünder-Kanone warten auf ihre Entladung im Iran während des Transportes nach Russland.

Neben der Kritik an der Quantität der an die Rote Armee gelieferten Lend-Lease-Panzer haben sowjetische Historiker auch die Qualität der gelieferten Panzer heruntergespielt.
Insbesondere der Valentine und der Matilda wurden als dem T-34 unterlegen dargestellt. Dies trifft offensichtlich zu, aber man darf nicht vergessen, dass die britische Armee zu dieser Zeit über keine besseren Panzer verfügte, und außerdem waren der Valentine und der Matilda dem fürchterlich kleinen T-60 weit überlegen und sicherlich mit dem späteren T-70 vergleichbar, den die Sowjets in sehr großen Stückzahlen bauten.

Während die Sowjetarmee mit dem amerikanischen mittleren Panzer M3 Lee/Grant unzufrieden war, wurden die gleichen Beschwerden von amerikanischen Panzerbesatzungen geäußert, die ihn zur gleichen Zeit in Tunesien einsetzten. Der M3A1 Stuart waren den sowjetischen leichten Panzern T-60 und T-70 durchaus vergleichbar oder sogar überlegen.

Der M4A2 Sherman war zwar nicht ein so brillanter Entwurf wie der russische T-34, aber in den anschließenden Konflikten in Korea und Nahen Osten war der US-Panzer jedoch – trotz der Überlegenheit des T-34 auf dem Papier – immer der Sieger zwischen den beiden.

Russische Sherman und T-34
Russische Sherman und T-34 Panzer haben 1945 die österreichischen Alpen erreicht.

Von viel entscheidender Bedeutung für die russische Kriegsführung waren jedoch die Lieferungen von Kraftfahrzeugen, vor allem aus den Vereinigten Staaten. Während des 2. Weltkrieges baute Russland lediglich 343.624 Personen- und Lastkraftwagen, da die großen Automobil-Hersteller, wie die GAZ-Fabriken, zur Herstellung von Panzerkampfwagen herangezogen wurden. Alleine die USA versorgte die Russen mit 501.660 taktischen Rad- und Kettenfahrzeugen, darunter 77.972 Jeep, 151.053 1,5-t-LKW und 200.622 2,5-t-Lastkraftwagen.

Diese Hilfe war von entscheidender Bedeutung, nicht nur aufgrund der enormen Menge, sondern auch wegen derer Qualität. Während die russische Automobilindustrie sich ausschließlich auf die Produktion von veralteten Kopien von zivilen amerikanischen LKWs aus den 30er Jahren konzentrierte, waren die Kraftfahrzeuge, welche unter dem Lend-Lease-Abkommen bereitgestellt wurden, moderne militärische Entwürfe mit mehreren Antriebsachsen und zweckmäßiger Geländegängigkeit.

Der enorme Einfluss dieser Entwürfe auf die sowjetischen Fahrzeugentwürfe der Nachkriegszeit ist unübersehbar. In der Tat wurden US-Lastwagen mit ihren noch sichtbaren ‚USA‘-Seriennummern in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs in Osteuropa so alltäglich, dass der lokale Volksmund diese schablonierten Buchstaben als ‚Ubiyat Sukinsyna Adolfa‘ (‚Tötet den Hurensohn Adolf‘) interpretierte.

Zudem wurden neben Rohstoffen, Lebensmitteln und Treibstoffen auch 15.631 Geschütze und 131.633 Maschinenpistolen von den Alliierten an Russland geliefert.


Lend-Lease Panzerfahrzeuge für Russland 1941-1945:

Panzerfahrzeug
verschickt
auf See verloren
angekommen
Amerikanische Panzerfahrzeuge
M3A1 Stuart
1.676
443
1.233
M5 Stuart
5
-
5
M24 Chaffee
2
-
2
M3 Lee
1.386
?
969 (?)
2.007
(M3 u. M4 insg. 417)
2.007 (?)
M4A2(76mm) Sherman
2.095
?
2.095 (?)
1
-
1
M31 ARV (Bergepanzer)
115
-
115
M15A1 MGMC (37-mm-Flak)
100
-
100
M17 MGMC (MG-Vierlings-Flak)
1.000
-
1.000
T48 Panzerjäger (57-mm-Pak)
650
-
650
M18 Hellcat
5
-
5
M10 Wolverine
52
-
52
M2-M9 Halftrack
1.178
54
1.124
M3A1 Scout Car
3.340
228
3.112
LVT
5
-
5
96
?
96 (?)
US insgesamt
13.713
1.142
12.571
Britische Panzerfahrzeuge
Valentine
2.394
320 (incl. kanadische)
2.074
Valentine Brückenleger
25
-
25
Matilda Mk II
1.084
252
832
Churchill
301
43
258
Cromwell
6
-
6
Tetrarch
20
-
20
Universal Carrier
1.212
224 (incl. US und kanadische)
988
Briten insgesamt
5.042
839
4.203
Kanadische Panzerfahrzeuge
Valentine
1.388
?
1.388 (?)
Universal Carrier
1.348
?
1.348 (?)
Kanada insgesamt
2.736
?
2.736
GESAMTSUMME
21.491
1.981
19.510


Lend-Lease-Flugzeuge

B-25J Mitchell-Bomber
Dieser B-25J Mitchell-Bomber war einer der 870 Stück verschiedenerer Untertypen, welche von 1941 bis 1944 an Russland per Lend-Lease geliefert wurden.

Der katastrophale Verlauf der ersten Wochen des Russlandfeldzuges und die enormen Verluste, welche die sowjetische Luftwaffe dabei erlitt, machten es für die Alliierten zwingend notwendig massiv Flugzeuge zu liefern, bis die russische Industrie genügend moderne Flugzeuge produzieren konnte. Die ersten ausländischen Flugzeuge waren zwei Staffeln von Hawker Hurricane, welche von einem englischen Flugzeugträger mit englischen Piloten nach Murmansk in Nordrussland überflogen wurden. Die RAF-Piloten flogen die Maschinen auch in den ersten Kämpfen im Herbst 1941, bis russische Piloten mit dem für sie ungewohnten Flugzeugtyp vertraut gemacht waren.

Erste Flugzeug-Lieferungen 1941

Die Masse der 1941 von der Roten Luftwaffe übernommen Lend-Lease-Flugzeuge war jedoch die amerikanische P-40 Curtiss Hawk. Die ersten 195 P-40 oder in der britischen Bezeichnung Tomahawk-Jäger trafen auch mit dem ersten britischen Arktis-Konvoi PQ-1 am 12. Oktober 1941 in Archangelsk ein. Davon waren 146 britische Tomahawk IIA und 49 P-40B direkt aus den USA.
Trotz mangelhafter Qualitäts- und Einsatzbereitschaft dieser gerade angelieferten Flugzeuge wurden sie von der Roten Luftwaffe praktisch sofort in den letzten Monaten des Jahres 1941 in den Kampf geworfen.
Insgesamt übernahm die Rote Luftwaffe 315 Lend-Lease-Jäger im Jahr 1941, davon 247 P-40B oder Tomahawk IIA.
Bei der britischen Tomahawk war die amerikanische Original-Bewaffnung aus 0,3-inch-Maschinengewehren in den Flügeln gegen britische 0,303-inch-MGs ausgetauscht worden. 195 Tomahawk IIB (P-40C) wurden vom britischen Kontigent nach Beginn des Unternehmens Barbarossa in die UdSSR abgezweigt.

Der andere 1941 gelieferten und von der Roten Luftwaffe eingesetzte Flugzeugtyp war die Hawker Hurricane. Die Hurricane war allerdings bis 1941 als reines Jagdflugzeug weitgehend überholt. Bereits 1940 war sie der Bf 109 Emil unterlegen und 1941 wurde sie von der Bf 109 F und der neuen Fw 190 A deklassiert. Die Hurricane war jedoch grundsätzlich solide konstruiert, verfügte über eine robuste Zelle und hatte relativ dicke Tragflächen. Letzteres war aus verschiedenen Gründen nicht die beste Idee für ein reines Jagdflugzeug, aber für ein Bodenangriffsflugzeug mit schwerer Bewaffnung in den Tragflächen von Vorteil.

englische Piloten spielen im Schnee Fußball in Murmansk
Die englischen Hurricane-Piloten spielen auf ihrem Flugfeld bei Murmansk während einer Einsatzpause im Schnee Fußball

Die Hurricane IIB erschien als Bodenangriffsflugzeug bei der Royal Air Force im Mai 1941 und war mit 12 in den Flügeln montierten 7,7-mm-MGs bewaffnet und konnte zwei 227-kg-Bomben oder später acht 27-kg-Raketen tragen.
Für das Jahr 1941 war die Hurricane IIB ein relativ effektives Bodenangriffsflugzeug, denn sie verfügte über eine leistungsstarke Feuerbewaffnung, eine beachtliche Bombenlast, hatte eine Höchstgeschwindigkeit von 528 km/h in 5.486 m Höhe und eine brauchbare Reichweite von 748 km. Wenn sie mit Abwurftanks ausgestattet war, was bei so starken Tragflächen kein Problem darstellte, wurde die Reichweite der Hurricane IIB auf beeindruckende 1.505 km erhöht.

Ende August 1941 trafen 39 Hawker Hurricane IIB-Kampfflugzeuge zusammen mit Bodenpersonal und Piloten der RAF-Squadrons 81 und 134 in Murmansk ein. Diese Flugzeuge wurden sofort von der Roten Luftwaffe übernommen, wobei die meisten an der Polarfront eingesetzt wurden. Mindestens 29 weitere Hurricane IIB trafen zwischen Oktober und Dezember 1941 ein.

Hurricane-Jäger auf dem Flugplatz Vaenge in Nord-Russland
Hurricane-Jäger der 134. Squadron der RAF auf dem Flugplatz Vaenge in Nord-Russland.

Viele moderne Quellen tun die Hurricane als ein für das Kriegsjahr 1941 ‚überholtes‘ Flugzeug ab, wobei der Sherman-Panzer oft ebenso eingeordnet wird, was aber nicht der Realität entspricht.
Zugegebenermaßen konnte die Hurricane II in den Luftkämpfen des Jahres 1941 nicht so gut abschneiden wie die Yak-1 und vielleicht sogar die LaGG-3.
Wie jedoch zuvor erwähnt wurde, war die Hurricane II Mitte 1941 eindeutig für den Bodenangriff optimiert, und in dieser Rolle erwies sie sich 1941/42 jedem der sowjetischen Jagdbomber überlegen.

Es ist auch erwähnenswert, dass die Hurricane IIC, die 1942 erstmals ausgeliefert wurde, doppelt so viele 20-mm-Kanonen wie die Il-2 Stormowik und eine ähnliche Gesamtbewaffnung hatte. Die Hauptaufgabe der sowjetischen Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg war die Bodenunterstützung und der Bodenangriff, und die Sowjets erhielten 2.952 Hurricane II im Zweiten Weltkrieg, was sich durchaus bemerkbar machte.

Schließlich beurteilten auch die finnischen Luftstreitkräfte, gegen die eine signifikante Anzahl der praktisch vor der Tür liegenden Arktis-Route angelieferten Hurricane II eingesetzt wurden, diesen Flugzeugtyp als mindestens genauso kampfkräftig wie jeden anderen sowjetische Jägertyp, der während der Jahr 1941/42 angetroffen wurde.

Lieferungen 1942 bis 1944

Im Rahmen des Lend-Lease-Abkommens wurde dann eine große Zahl von US-Flugzeugen nach Russland geliefert. Insgesamt wurden 14.833 amerikanische Flugzeuge zwischen 1942 und 1944 an die Rote Luftwaffe abgegeben. Die russische Flugzeugproduktion belief sich im gleichen Zeitraum auf 42.427 Jäger und 11.797 Bomber (plus 30.506 Schlachtflugzeuge), sodass etwa 20 Prozent der Jäger und 30 Prozent der Bomber der Roten Luftwaffe aus amerikanischen Typen und etwa weitere 10 Prozent aus englischen Jagdflugzeugen bestanden.

Russische Piloten übernehmen in Anchorage in Alaska Lend-Lease B-25-Bomber
Russische Piloten übernehmen in Anchorage in Alaska Lend-Lease B-25-Bomber, welche über die Nordroute nach Sibirien geflogen werden.

Die russische Luftfahrtindustrie nutzte während des 2. Weltkrieges die amerikanischen und englischen Flugzeuglieferungen in vollem Umfang und in vielen Fällen wurden die westlichen Flugzeuge zur Grundlage vieler neuer russischer Entwürfe. Eine Reihe amerikanischer Flugzeugtypen, vor allem die Douglas C-47 Dakota und Boeing B-29 Superfortress, wurden sogar ganz einfach kopiert und nach gebaut.


Lend-Lease-Flugzeuge für die Rote Luftwaffe 1942-1944:

US-Flugzeuge
insgesamt
Curtiss P-40
2.097
Bell P-39 Airacobra
4.746
Bell P-63 Kingcobra
2.400
195
B-25 Mitchell
862
Douglas A-20 Boston
2.908
US insgesamt
13.208
Britische Flugzeuge
insgesamt
Curtiss Tomahawks, Kittyhawks
270
Hawker Hurricane
2.952
143
1.188
Handley Page Hampden
46
Armstong Albemarle
14
Briten insgesamt
4.613
GESAMTSUMME
17.821


Wie wichtig waren die Lend-Lease-Lieferungen für die Kriegsanstrengungen der Sowjetunion?

m3 halftracks red army
Vorausabteilung der Roten Armee, ausgerüstet mit amerikanischen M3 Halftruck Schützenpanzer.

Historiker diskutieren seit Jahrzehnten über die Bedeutung der Lend-Lease-Lieferungen an die Sowjetunion. Die kurze Antwort lautet: Sie haben den Krieg für die UdSSR nicht gewonnen, aber sie waren äußerst wichtig, damit die Rote Armee insbesondere ab 1943 effektiver kämpfen konnte.

Der Zeitpunkt ist entscheidend:
– In den Jahren 1941–42, als die Sowjetunion die Hauptlast der deutschen Invasion zu tragen hatte, war die Lend-Lease-Hilfe relativ gering und kam nur langsam an. Die UdSSR stoppte die Wehrmacht im Wesentlichen mit eigenen Mitteln vor Moskau und Stalingrad.
– Ab 1943 stieg das Liefervolumen jedoch dramatisch an, und zu diesem Zeitpunkt gewann Lend-Lease an strategischer Bedeutung.

Was wurde geliefert?
– Fahrzeuge: Über 400.000 Lastwagen, darunter die berühmten Studebaker, die der Roten Armee eine beispiellose Mobilität verliehen. Diese logistische Unterstützung war für große Offensiven wie die Operation Bagration (1944) von entscheidender Bedeutung.
– Lokomotiven und Triebwagen: Die Sowjets verloren 1941–42 einen Großteil ihrer Eisenbahninfrastruktur. US-amerikanische Lokomotiven und Schienen waren für den Transport von Nachschub unverzichtbar.
– Lebensmittel: Konservenfleisch, Zucker, Mehl usw. im Wert von mehreren Milliarden Dollar. Sowjetische Soldaten scherzten oft, dass „Spam” ihre Geheimwaffe sei.
– Industriematerialien: Aluminium, Kupfer, Werkzeugmaschinen, Flugkraftstoffzusätze – Dinge, die die UdSSR nur schwer in ausreichender Menge produzieren konnte.
– Flugzeuge und Panzer: Tausende wurden geliefert, aber dies war nur ein kleiner Bruchteil im Vergleich zur sowjetischen Eigenproduktion. Die UdSSR baute den Großteil ihrer Frontwaffen selbst.

Auswirkungen auf die Rote Armee
– Mobilität: Lkw und Jeeps ermöglichten es den sowjetischen Streitkräften, tiefgreifende Operationen durchzuführen und deutsche Armeen effektiver einzukreisen.
– Nachhaltigkeit: Lebensmittel und Rohstoffe entlasteten die sowjetische Industrie, sodass sie sich auf die Waffenproduktion konzentrieren konnte.
– Luftwaffe: Hochoktaniger Treibstoff und bestimmte Flugzeugtypen (wie die P-39 Airacobra, die von sowjetischen Piloten bevorzugt wurde) steigerten die Leistungsfähigkeit.

Ansichten von Historikern
– Erzählung aus der Sowjetzeit: Lend-Lease wurde heruntergespielt, der sowjetische Heroismus und die sowjetische Industrie wurden betont.
– Westliche Historiker: Betonen, dass die UdSSR zwar auch ohne Lend-Lease überlebt hätte, ein so schneller und entscheidender Sieg jedoch weitaus schwieriger gewesen wäre.
– Ausgewogene Sichtweise: Die UdSSR trug die Hauptlast des Landkriegs gegen Deutschland, aber Lend-Lease beschleunigte den Sieg und reduzierte die sowjetischen Verluste durch die Bereitstellung wichtiger Unterstützung.

Lend-Lease hat die Sowjetunion 1941 nicht „gerettet”, aber ab 1943 wurde es zu einem entscheidenden Faktor für die Offensivkraft der Sowjets. Ohne Lend-Lease hätte die Rote Armee Deutschland vielleicht trotzdem besiegt – aber wahrscheinlich langsamer, mit höheren Kosten und möglicherweise ohne Berlin bis Mai 1945 zu erreichen.


Quellenangaben und Literatur

Soviet Tanks and Combat Vehicles of World War Two (Steven J. Zaloga, James Grandsen)
World Aircraft World War II (Enzo Angelucci, Paolo Matricardi)
Operation Barbarossa: the Complete Organisational and Statistical Analysis, and Military Simulation, Volume I – IIIB (Nigel Askey)

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10 Kommentare zu „Lend-Lease-Panzer und Flugzeuge“

  1. Andreas Schmidt

    Zum Beispiel von Mansteins Buch „Verlorene Siege“ hat sich in Deutschland so gut verkauft… weil die Deutschen es immer noch nicht wahr haben wollen, das rund 80 % ihrer Wehrmacht und der Waffen-SS sowie ihrer Verdbündeten an der Ostfront draufgingen…. Man hat den Eindrduck,
    heute haben sie alles vergessen oder systematisch umgedeutet. Anders lassen sich Aussagen von Bundeskanzler Merz und „Verteidigungsminister“ Pistorius nur schwer interpretieren.
    @ Kretaner ja ja, „anerkannte Quellen“ aus den USA haben auch gesagt, das die USAF in Vietnam den Luftfkrieg „weitgedend gewonnen haben.“ Ich war 1986 vor Ort und hatte die Möglichkeit, mitf Beteiligten zu sprechen. Es war aufschlussreich.
    Es gibt keine „absolute Wahrheitf“ auf keiner Seite. Aber wer glaubt, das die deutsche Wehrmacht und ihre Verbündeten kurz davor waren, zu gewinnen, sollte sich mal zur Feier des Tayges mit den Verlustzahlen auf beiden Seiten befassen und sich die Frage stellen, wer konnte sich Verluste so brutal wie es klingt „leisten“ und wer nicht? Das Gleiche sehen wir heute in der Ukraine.

    1. Wieso sollte der Ukraine Krieg mit dem zweiten Weltkrieg vergleichbar sein? Für Russland geht es doch hier nicht um die totale Auslöschung. Dieser Krieg hat doch offensichtlich viel eher die Charakteristik eines stellvertreter Krieges aus der Zeit des kalten Krieges. Und da musste der angegriffene dem Angreifer nur klar machen das es sich nicht lohnt den Krieg weiter zu führen. So geschehen mit den Amis in Vietnam und den Russen in Afghanistan in den 80ern. Da hat die Sowjet Union sich entschieden das mehr als 15000 Soldaten und 50000 Verwundete es nicht Wert sind um ein paar Ölquellen oder was auch immer sie da wollten zu erobern.

  2. Andreas Schmidt

    Ich bestreite nicht den grundsätzlichen Wert von Lend Lease. Über Panzer werde ich nichts sagen, denn das ist nicht mein Gebiet. Bei Flugzeugen… brachte ChatGTP Folgendes (Zitat:) „✈️ Lend-Lease-Flugzeuge für die UdSSR – Mythos vs. Realität
    Mythos:
    „Der Westen hat die Rote Armee in der Luft überhaupt erst kampffähig gemacht.“

    Oft genannte Zahl:
    14.000 bis 15.000 Flugzeuge aus den USA und Großbritannien.

    Das klingt nach einer enormen Hilfe – aber ist nur die halbe Wahrheit.

    ✅ Realität:
    Fakt Zahl / Bemerkung
    Gesamtzahl sowjetischer Flugzeuge (1941–45) ca. 137.000–140.000
    Davon Lend-Lease-Flugzeuge ca. 14.000–14.500, inkl. Verluste
    Effektiv eingesetzte Frontflugzeuge aus Lend-Lease ca. 10.000–11.000
    Anteil an einsatzbereiten Frontmaschinen unter 5 % (teilweise nur 3–4 %)
    Bedeutung einzelner Typen z. B. P-39 Airacobra, Douglas A-20, B-25 Mitchell = taktisch nützlich, aber zahlenmäßig begrenzt

    ✈️ Lend-Lease-Flugzeuge für die UdSSR – Fakten statt Mythen
    Die UdSSR bekam im Zweiten Weltkrieg etwa 14.000 bis 15.000 Flugzeuge von den USA und Großbritannien geliefert. Das klingt nach viel, doch im Vergleich zu den über 135.000 in der Sowjetunion selbst gebauten Maschinen waren das weniger als 5 %.

    Wichtige Typen im Überblick:
    Curtiss P-40: Robust und verfügbar, aber technisch schon veraltet. Vor allem das Allison-Motorproblem schwächte die Leistung.

    Bell P-39 Airacobra: Im Westen unbeliebt, aber in der UdSSR geschätzt, weil der Luftkampf an der Ostfront überwiegend in niedriger Höhe stattfand. Pokryschkin & Co flogen sie erfolgreich.

    Bell P-63 Kingcobra: Spätere Variante, solide, aber kaum Frontrolle.

    Hawker Hurricane: Bereits überholt, aber 1941/42 dringend gebraucht. Kein Favorit der Piloten.

    Supermarine Spitfire Mk V (143 Maschinen aus Nordafrika): Eingesetzt vor allem 1943 im Kuban, technisch ausgelutscht und wenig beliebt. Spätere Mk IX und Mk XIV wurden zwar geliefert, aber ihre Rolle blieb unklar und kaum dokumentiert.

    Douglas A-20 und B-25 Mitchell: Gute und zuverlässige Bomber, geschätzt und intensiv genutzt.

    Consolidated Catalina: Wurde in geringen Stückzahlen geliefert und in Lizenz (GST) in der UdSSR gebaut. Wichtig für Patrouillen, Seenotrettung und U-Boot-Jagd, besonders bei der Nordflotte und am Pazifik.
    Den Rest kann man vergessen und abhaken.

  3. tvuporsche

    Jedem Slowaken, der heute der Meinung ist ,die Rote Armee hätte ihn allein, ohne die Hilfe der Westalliierten vom Joch des Faschismus Befreit!!
    20000 Gepanzerte Fahrzeuge ,Tausende Jeeps+ Lkw`s ,18000 Flugzeuge sprechen eine andere Sprache!!
    Ohne diese Lieferungen an die Rote Armee wäre das Vorrücken auf Deutschland und die Befreiung der osteuropäischen Länder schlimmer ausgegangen.
    Nicht der Westen ist immer der ´Böse`.
    Und unter Putins Knute würde ich nicht gerne leben!!!!
    ´Böse`.

    1. Felix

      Es hatte laenger gedauert, aber der Sieg war der Udssr nicht zu nehmen. Die Zahlen sehen groesser aus als Sie sind. Russland hatte ueber 100000 Panzer im Einsatz. Eigene wohlgemerkt.

      1. Was wenig genutzt hätte bei einem Verlustverhältnis von rund 3:1, siehe Produktion und Verluste an Panzern!

  4. Wührer

    Ich rekapituliere:
    Hitler hat die Wehrmacht bis zum Exzess hochgerüstet. Bitte schauen sie sich an was welche Stärke diese zu Kriegsbeginn ggen Russland war, und vergleiche diese mit jenen die im Bericht hier angeführten. Möchte bemerken, daß diese Zahlen nicht das Ende der Fahnenstange swaren.
    Fast 20 000 Panzerkampfwagen und 18 000 Flugzeuge waren nicht kriegsentscheident ?, hinzu kommen tausende LKW´s und Verpflegung sowie weitere Ausrüstunggegenstände ( hier nicht angeführt) .
    was hat sich der Schreiber dabei gedacht?. “ Die lieferungen waren nicht Kriegsentscheident“?

    Quellen belegen, daß die Wehrmacht OHNE der Westfront 1944 in der Lage gewesen wäre die russische Arme zu schlagen.
    Generale baten die USA-Truppenführern in der Normandie um „Waffenstillstand “ .Die Wehrmacht sah sich zu dieser Zeit noch in der Lage die Russische Front zurückzu drängen.
    Weil nicht sein kann-was nicht sein darf. -Systemtreu halt!.,
    w.k.

    1. Diese Schlussfolgerungen mit ausschließlichem Bezug auf die gelieferten Lend-Lease-Panzertypen wurden von Steven J. Zaloga und James Grandsen – anerkannten Panzer-Experten aus dem angelsächsischen Raum gezogen. In der Frage, ob Russland den Krieg alleine hätte gewinnen können, gibt es auch andere Meinungen: https://www.weltkrieg2.de/produktion-verluste-panzer/
      Kann ich mir die Frage erlauben, welche anerkannte Fachliteratur über Panzer Sie schon veröffentlicht haben?

    2. Ohne lend lease wäre der Krieg sehr wahrscheinlich länger gedauert aber nicht von Nazie Deutschland gewonnen wäre. Es ist die Rede von über Millionen Soldaten der Roten Armie, und das Hilfsgut zählt nur Tausende , was nicht wirklich viel ist.

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