Britische Rüstungsproduktion und der Dominions (Kanada, Australien, Neuseeland, Indien, Südafrika) im 2. Weltkrieg von 1939 bis 1945.

Die britische Rüstungsproduktion im 2. Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs spielte die britische Rüstungsproduktion eine entscheidende Rolle bei den Kriegsanstrengungen. Großbritannien war eines der wichtigsten alliierten Mächte, und seine Industriekapazitäten waren für die Versorgung der eigenen Streitkräfte und der Verbündeten mit Waffen, Munition und Ausrüstung unerlässlich.
Übersicht
Schnelle Industrialisierung: Großbritannien mobilisierte seine Industrie schnell, um den Anforderungen der Kriegsproduktion gerecht zu werden, wobei viele Fabriken von der zivilen auf die militärische Produktion umgestellt wurden.
Wichtige Waffensysteme: Britische Fabriken produzierten eine breite Palette von Waffen, darunter Flugzeuge (Supermarine Spitfire, Hawker Hurricane, Lancaster-Bomber), Panzer (Cromwell, Churchill-Panzer), Handfeuerwaffen (Sten MP, Lee-Enfield Gewehr) und Artilleriegeschütze.
Produktion für die Marine: Britische Werften bauten und unterhielten eine große Schiffsflotte, darunter Schlachtschiffe, Kreuzer, Zerstörer und U-Boote.
Lend-Lease: Im Rahmen des Lend-Lease-Programms erhielt Großbritannien auch umfangreiche materielle Unterstützung von den Vereinigten Staaten, die wichtige Rohstoffe, Maschinen und Fertigprodukte lieferten.
Innovation: Britische Wissenschaftler und Ingenieure entwickelten während des Krieges mehrere bahnbrechende Technologien, wie Radar, Sonar und das Hohlraummagnetron (entscheidend für die Radarentwicklung).
Herausforderungen: Trotz seiner industriellen Stärke stand Großbritannien vor Herausforderungen wie Arbeitskräftemangel, Rohstoffknappheit und der Bedrohung durch deutsche Bombenangriffe und U-Boote auf Fabriken, Infrastruktur und Seezufuhr.
Beitrag des Commonwealth: Andere Nationen des britischen Commonwealth, wie Kanada und Australien, leisteten durch die Produktion von Waffen und die gemeinsame Nutzung von Ressourcen ebenfalls einen wichtigen Beitrag zu den Kriegsanstrengungen.
Die britische Rüstungsproduktion spielte zusammen mit den Anstrengungen der anderen Alliierten eine entscheidende Rolle für den letztendlichen Sieg der Alliierten im Zweiten Weltkrieg und bewies die Widerstandsfähigkeit und das industrielle Können der Nation in einer der schwierigsten Zeiten ihrer Geschichte.
Britische Rüstungsproduktion nach Waffengattung

Eine Aufstellung der jährlichen britischen Rüstungsproduktion und die gesamte Rüstungsleistung der Dominions (Kanada, Australien, Neuseeland, Indien, Südafrika) nach Waffengattungen und Rüstungsgütern (ohne Munition) sowie ein Vergleich des dafür notwendigen Rohstoffaufwandes.
Jährliche britische Produktionszahlen der wichtigsten Waffengattungen und Rüstungsgüter (ohne Munition) während des 2. Weltkrieges von 1939 bis 1945.
Rüstungsgüter:
Waffengattung | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 | INSGESAMT |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Panzerkampfwagen und Selbstfahrlafetten | 969 | 1.399 | 4.841 | 8.611 | 7.476 | 4.600 | ? | 27.896+ |
Artillerie (einschließlich PAK und Flak) | 538 | 4.700 | 16.700 | 43.000 | 38.000 | 16.000 | 5.939 | 124.877 |
Granatwerfer | 102.950 (1939-45) | ? | ? | ? | ? | ? | ? | 102.950 |
Maschinengewehre (ohne MPis) | 297.336 (1939-45) | ? | ? | ? | ? | ? | ? | 297.336 |
Gewehre | 1.000.000+ (Lee-Enfield von 1939 bis 1945, einschl. in Kanada und den USA) | ? | ? | ? | ? | ? | ? | 1.000.000+ |
MPi's (Sten) | - | - | 2.000.000+ (1941-45, einschl. Kanada mit ca.40%) | ? | ? | ? | ? | 2.000.000+ |
Militär-LKWs | ? | 89.582 | 88.161 | 87.499 | 113.912 | 54.615 | 47.174 | 480.943 |
1.324 | 4.283 | 7.064 | 9.849 | 10.727 | 10.730 | 5.445 | 49.422 |
|
Bombenflugzeuge | 1.837 | 3.488 | 4.668 | 6.253 | 7.728 | 7.903 | 2.812 | 34.689 |
Aufklärungsflugzeuge | 61 | 387 | 196 | 546 | 1.054 | 1.123 | 600 | 3.967 |
Transportflugzeuge | - | - | - | - | 209 | 889 | 686 | 1.784 |
Trainer und andere Militärflugzeuge | 4.209 | 6.415 | 6.934 | 5.942 | 4.825 | 2.877 | 692 | 31.894 |
Flugzeugträger (alle Klassen) | - | 2 | 2 | - | 2 | 4 | 4 | 14 |
Schlachtschiffe | - | 1 | 2 | 2 | - | - | - | 5 |
Kreuzer | 3 | 7 | 6 | 6 | 7 | 2 | 1 | 32 |
Zerstörer | 22 | 27 | 39 | 73 | 37 | 31 | 13 | 240 |
Geleiter (Korvetten, Fregatten) | 5 | 109 | 87 | 71 | 79 | 55 | 7 | 413 |
U-Boote | 7 | 15 | 20 | 33 | 39 | 39 | 14 | 167 |
Handelsschiff-Tonnage | 629.705 | 842.910 | 1.185.894 | 1.270.714 | 1.136.804 | 919.357 | 393.515 | 6.378.899 |
Rohstoffproduktion für diese Rüstungsproduktion:
Rohstoffe (in Millionen Tonnen) und Jahr:
Jahr: | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Kohle | 231,3 | 224,3 | 206,3 | 204,9 | 198,9 | 192,7 | 182,8 |
Eisenerz | 14,5 | 17,7 | 19,0 | 19,9 | 18,5 | 15,5 | 14,2 |
Stahl | 13,2 | 13,0 | 12,3 | 12,8 | 13,3 | 12,1 | 11,8 |
Aluminium (in 1000 Tonnen - wichtig vor allem für die Flugzeugproduktion) | 25,0 | 18,9 | 22,7 | 46,8 | 55,7 | 35,5 | 31,9 |
Rüstungsproduktion in den Dominions
Gesamtzahlen, da Details zu den jährlichen Produktionszahlen sind, mit Ausnahme der Handelsschiff-Tonnage nicht verfügbar.
Rüstungsproduktion in den Dominions:
Waffengattung | Kanada | Australien, Neuseeland, Indien, Südafrika | Insgesamt |
|---|---|---|---|
Panzerkampfwagen und Selbstfahrlafetten | 5.678 | 1.399 | 7.077 |
Artillerie (einschl. PAK und Flak) | 10.552 | 4.700 | 15.252 |
Granatwerfer | 20.619 | 25.395 | 46.014 |
Maschinengewehre (ohne MPi's) | 251.925 | 37.983 | 289.908 |
MPi's | ca. 800.000 nach Juni 1941 | ? | ca. 800.000 |
Militärflugzeuge und Trainer aller Art | 16.431 | 3.081 | 19.512 |
Geleiter (Korvetten, Fregatten) | 191 | 12 | 203 |
Bau an Handelsschiff-Tonnage:
1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 | INSGESAMT |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
36.142 | 18.886 | 90.595 | 720.172 | 1.002.850 | 692.405 | 141.893 | 2.702.943 |
Rohstoffproduktion in Kanada:
Rohstoffe (in Millionen Tonnen) und Jahr:
Jahr: | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
Kohle | 13,3 | 14,9 | 15,3 | 15,9 | 14,7 | 14,2 | 13,6 |
Eisenerz | 0,1 | 0,4 | 0,5 | 0,5 | 0,6 | 0,5 | 1,0 |
Stahl | 1,4 | 1,7 | 2,5 | 2,8 | 2,7 | 2,7 | 2,6 |
Wichtige Einflüsse auf die Rüstungsproduktion von Großbritannien

Im Vergleich zum Industriepotential und dem Zugang zu den weltweiten Rohstoffen ist die Rüstungsproduktion von Großbritannien im Vergleich zu den anderen, am Zweiten Weltkrieg beteiligten Nationen, überraschend gering ausgefallen.
Einige der Ursachen dürften in den Ausfällen durch den Zufuhrkrieg und die Seeblockade Großbritanniens in der Schlacht im Atlantik liegen, sowie dem Verlust von Gebieten mit wichtigen strategischen Rohstoffen (Malaysia, Burma, Südpazifik) an die Japaner im Jahr 1942.
Offensichtlich haben jedoch auch die USA ab 1942 die Hauptlast der anglo-amerikanischen Rüstungsproduktion – und zu einem Teil wohl auch auf Kosten Großbritanniens – übernommen, wie sich aus den britischen Importen an strategischen Rohstoffen herleiten lässt. So fällt z.B. die Verfügbarkeit von Eisenerz in Großbritannien beginnend mit dem Jahr 1941 um etwa 30 Prozent und steigt auch dann nicht mehr wesentlich an, nachdem die Schlacht im Atlantik seit Mitte 1943 von den Alliierten gewonnen wurde.
Schlacht im Atlantik

Die Schlacht im Atlantik war die längste ununterbrochene Militärkampagne des Zweiten Weltkriegs und dauerte von September 1939 bis Mai 1945. Es war ein Kampf zwischen den Alliierten (vor allem Großbritannien, Kanada und später den Vereinigten Staaten) und Deutschland um die Kontrolle über die Seewege im Atlantik.
Warum sie so wichtig war:
– Großbritannien war in hohem Maße von Lieferungen von Lebensmitteln, Treibstoff und militärischer Ausrüstung aus Übersee abhängig.
– Deutschland wollte diese Versorgungslinien mit Hilfe von U-Booten (Unterwasserbooten), Überwasser-Handelszerstörern und Flugzeugen unterbrechen.
– Bei Erfolg hätte Deutschland Großbritannien aushungern und zur Kapitulation zwingen oder zumindest die Kriegsanstrengungen der Alliierten lähmen können.
Wichtige Phasen
1. 1939–1941: Frühe Erfolge der U-Boote
– Deutsche U-Boote versenkten eine große Anzahl von Handelsschiffen und nutzten dabei Schwächen in der Konvoiverteidigung der Alliierten aus.
2. 1941–1943: Der Höhepunkt
– Nachdem die USA Ende 1941 in den Krieg eingetreten waren, verschärfte sich der Kampf. Das Jahr 1942 war für die alliierte Schifffahrt besonders tödlich, da die „Wolfsrudel” der U-Boote Schiffe schneller versenkten, als sie ersetzt werden konnten.
3. 1943–1945: Die Wende
– Neue Technologien (Radar, Sonar, Langstreckenflugzeuge und die Entschlüsselung der deutschen Enigma-Kommunikation) sowie verbesserte Konvoitaktiken reduzierten die Wirksamkeit der U-Boote drastisch. Mitte 1943 hatten die Alliierten die Oberhand gewonnen.
Ergebnis
– Die Alliierten gewannen letztendlich die Schlacht im Atlantik.
– Über 3.500 Handelsschiffe und 175 Kriegsschiffe gingen verloren, zusammen mit etwa 30.000 U-Boot-Besatzungsmitgliedern (etwa 75 % der Gesamtzahl Deutschlands).
– Die Sicherung des Atlantiks ermöglichte es den Alliierten, Truppen und Vorräte in Großbritannien aufzubauen und ebnete den Weg für die Invasion am D-Day 1944 und die Befreiung Westeuropas.
Der Zufuhrkrieg und die Seeblockade gegen Großbritannien:
Schlacht im Atlantik:
| 1938 | 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Verluste an deutschen U-Booten | - | 9 | 22 | 35 | 85 | 287 | 241 | 70 (3 Monate) |
| deutsche Neubauten an U-Booten | ? | 58 | 50 | 219 | 222 | 292 | 283 | 98 |
| durchschnittlich je Monat kampfbereite deutsche U-Boote | - | 29 | 28 | 50 | 316 | 423 | 457 | 470 |
| Versenkte Handelsschiffe (in BRT) | - | 810.000 | 4.407.000 | 4.398.000 | 8.245.000 | 3.611.000 | 1.422.000 | 458.000 |
| davon durch U-Boote | - | 452.000 | 2.415.000 | 2.203.000 | 6.629.000 | 2.900.000 | 1.052.000 | 294.000 |
| Neubauten an Handelsschiffen in Grossbritannien und Dominions (in BRT) | ? | 231.000 | 780.000 | 815.000 | 1.843.000 | 2.201.000 | 1.170.000 | 283.000 |
| Neubauten an Handelsschiffen in USA (in BRT) | ? | 101.000 | 439.000 | 1.169.000 | 5.339.000 | 12.384.000 | 11.639.000 | 3.551.000 |
| gesamte Neubauten an alliierten Handelsschiffen (in BRT) | ? | 332.000 | 1.219.000 | 1.984.000 | 7.182.000 | 14.585.000 | 13.349.000 | 3.834.000 |
| geschätzter alliierter Gesamtbestand an Handelsschiffen (in BRT) | 34.500.000 | 34.123.000 | 30.935.000 | 28.521.000 | 27.458.000 | 38.432.000 | 48.359.000 | 51.735.000 |
Britische Importe

Jährliche Importe an wichtigen Gütern nach Großbritannien (in 1.000 Tonnen):
Britische Einfuhren:
| 1939 | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Erdöl | 11.628 | 11.270 | 13.130 | 16.280 | 14.790 | 20.340 | 15.620 |
| Eisenerz (gesamt) | 5.200 (ca. 54% durch Import) | 4.500 (ca. 51% durch Import) | 2.300 (ca. 34% durch Import) | 1.900 (ca. 30% durch Import) | 1.900 (ca. 30% durch Import) | 2.200 (ca. 33% durch Import) | 4.100 (ca. 48% durch Import) |
| Eisen und Stahl | 1.820 | 3.690 | 4.080 | 2.210 | 2.810 | 1.760 | 314 |
| Schrott | 605 | 937 | 549 | - | - | - | 200 |
| Bauxit | 302 | 112 | 87 | 48 | 242 | 172 | 163 |
| Blei (gesamt) | 334 (ca. 93% durch Import) | 336 (ca. 93% durch Import) | 139 (ca. 84% durch Import) | 235 (ca. 90% durch Import) | 226 (ca. 89% durch Import) | 225 (ca. 89% durch Import) | 165 (ca. 86% durch Import) |
| Zinn (gesamt) | 54 (ca. 95% durch Import) | 84 (ca. 97% durch Import) | 65 (ca. 96% durch Import) | 44 (ca. 94% durch Import) | 52 (ca. 95% durch Import) | 33 (ca. 69% durch Import) | 45 (ca. 94% durch Import) |
| Zink (gesamt) | 167 (ca. 95% durch Import) | 204 (ca. 96% durch Import) | 210 (ca. 96% durch Import) | 212 (ca. 96% durch Import) | 188 (ca. 96% durch Import) | 119 (ca. 94% durch Import) | 97 (ca. 92% durch Import) |
| Roh-Gummi (Kautschuk) | 69 | 200 | 168 | 66 | 69 | 34 | 36 |
| Strategische Rohstoffe (ohne Erdöl) insgesamt | 3.351 | 5.563 | 5.298 | 2.815 | 3.587 | 2.343 | 1.020 |
| Reis (Lebensmittel) | 143 | 191 | 179 | 53 | 131 | 72 | 25 |
| Erbsen und Bohnen (Lebensmittel) | 135 | 147 | 158 | 48 | 69 | 71 | 66 |
| Weizen | 5.300 | 5.800 | 5.400 | 3.500 | 3.300 | 2.800 | 3.600 |
| Insgesamt | 25.757 | 27.471 | 26.465 | 24.596 | 23.777 | 27.826 | 24.431 |
Umfang des Bombenkrieges 1940-1945
in Tonnen abgeworfener Bomben:
Jahr: | 1940 | 1941 | 1942 | 1943 | 1944 | 1945 (4 Monate) | Insgesamt |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
auf Großbritannien | 38.844 | 21.858 | 3.260 | 2.298 | 9.151 | 761 | 76.172 |
zum Vergleich auf Deutschland | 10.000 | 30.000 | 40.000 | 120.000 (Okt-Dez ca. 15% Rüstungsausfall durch Bombenkrieg) | 650.000 | 500.000 | 1.350.000 |
Quellenangaben und Literatur
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
Chronology of World War II (Christopher Argyle)
Die Schlacht im Atlantik (Andrew Kershaw)







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