Luftwaffe September 1939

Einsatzstärken und Ausstattung an Flugzeugen der deutschen Luftflotten bei Kriegsbeginn und der Luftkrieg über Polen.

Ju87B Stuka dive-bomber
Kein anderes Flugzeug verkörpert die deutsche Luftwaffe zu Beginn des Krieges besser als der Sturzkampfbomber Ju 87B Stuka.

Die deutsche Luftwaffe spielte eine wichtige Rolle bei der Invasion Polens im Jahr 1939, die den Beginn des Zweiten Weltkriegs markierte. Unter dem Kommando von Hermann Göring führte die Luftwaffe massive Luftangriffe durch, um den Vormarsch der deutschen Armee nach Polen zu unterstützen.

Die Luftwaffe setzte während der Invasion verschiedene Taktiken ein, darunter die Unterstützung der Bodentruppen aus der Luft, die strategische Bombardierung polnischer Städte und Infrastruktur sowie die Sperrung polnischer Flugplätze und Militäreinrichtungen. Die deutsche Luftwaffe war der polnischen Luftwaffe, die unter veralteter Ausrüstung und unzureichender Ausbildung litt, sowohl zahlenmäßig als auch technisch überlegen.

Eines der bemerkenswertesten Ereignisse während des Feldzugs war die Bombardierung der polnischen Hauptstadt Warschau, die am 1. September 1939, dem Tag, an dem die deutsche Armee die polnische Grenze überschritt, begann. Die anhaltenden Bombenangriffe führten zu erheblichen Schäden in der Stadt und zu Opfern in der Zivilbevölkerung.

Trotz des polnischen Widerstands wurden die polnische Streitkräfte durch den kombinierten Angriff des deutschen Heeres und der Luftwaffe zerschlagen, so dass es nach etwas mehr als einem Monat besiegt war. Der Überfall auf Polen markierte den Beginn des Zweiten Weltkriegs in Europa und demonstrierte die verheerende Wirksamkeit der Luftkriegsführung in modernen Konflikten.

Diese Kriegsgliederung der Luftwaffe gibt die Einsatzstärken und Ausstattung der Einsatzverbände am Tag nach dem deutschen Angriff auf Polen und einen Tag vor der Kriegserklärung durch England und Frankreich an Deutschland, wieder.

Luftwaffen-Kriegsgliederung zu Beginn des 2. Weltkrieges

Die Mehrzahl der Jagdeinsitzer, Sturzkampfbomber und Aufklärungsverbände in der Kriegsgliederung Luftwaffe waren der Luftflotte 1 und 4 für den Angriff auf Polen unterstellt. Allerdings waren Kampfflugzeuge mit größerer Reichweite von anderen Luftflotten auch in den Feldzug eingebunden. Die Lehrdivision operierte unabhängig von den Luftflotten, allerdings waren auch mehrere ihrer Verbände am Polenfeldzug beteiligt.


Kriegsgliederung Luftwaffe vom 2. September 1939:

Luftflotte
Geschwader
Gruppe
Flugzeug-Typ
insg.
Einsatzbereit
Luftflotte 1 (Nordost Deutschland)
Aufklärungs-Gruppe 10
Hs126
23
22
insg. 1.109 Flugzeuge:
12
12
99 Hs126
Aufklärungs-Gruppe 11
Hs126
9
9
281 Do17
He46
3
1
5 He46
Do17
33
32
5 He45
Aufklärungs-Gruppe 21
Hs126
35
31
286 Bf109
He45
9
8
32 Bf110
Aufklärungs-Gruppe 41
Hs126
32
26
185 He111
He46
2
0
18 Ju88
Aufklärungs-Gruppe 120
Do17
13
12
154 Ju87
Aufklärungs-Gruppe 121
Do17
44
33
40 Hs123
JG1
I. Gruppe
Bf109
54
54
JG2
II Gruppe
Bf109
42
39
10. Nachtjagd-Staffel
Bf109
9
9
JG3
Stab
Bf109
3
3
I. Gruppe
Bf109
48
42
JG20
I. Gruppe
Bf109
21
20
JG21
I. Gruppe
Bf109
29
28
ZG1
I. Gruppe
Bf110
32
24
II. Gruppe
Bf109D
36
36
ZG2
I. Gruppe
Bf109D
44
40
KG1
Stab
He111
7
1
I. Gruppe
He111
38
32
KG2
Stab
Do17
11
10
I. Gruppe
Do17
37
29
II. Gruppe
Do17
35
33
KG3
Stab
Do17
9
7
II. Gruppe
Do17
36
25
III. Gruppe
Do17
39
38
KG4
Stab
He111
6
5
I. Gruppe
He111
31
28
II. Gruppe
He111
32
27
III. Gruppe
He111
33
21
KG25
I. Gruppe
Ju88
18
15
KG152
I. Gruppe
He111
38
32
StG1
I. Gruppe
Ju87
38
31
Do17
3
3
StG2
I. Gruppe
Ju87
38
32
Do17
3
3
II. Gruppe
Ju87
38
36
Do17
3
3
III. Gruppe
Ju87
40
37
Do17
3
3
LG2
II. Schlacht-gruppe
Hs123
40
37
Luftflotte 4 (Südost Deutschland)
Aufklärungs-Gruppe 14
Hs126
30
27
insg. 636 Flugzeuge:
He46
6
1
39 Hs126
Do17
11
9
23 He46
Aufklärungs-Gruppe 31
Hs126
9
9
231 Do17
He46
17
17
3 He45
He45
3
2
189 Bf109
Do17
12
12
31 Bf110
Aufklärungs-Gruppe 124
Do17
11
9
120 Ju87
JG76
I. Gruppe
Bf109
49
45
JG77
I. Gruppe
Bf109
50
43
II. Gruppe
Bf109
50
36
ZG76
I. Gruppe
Bf110
31
29
II. Gruppe
Bf109D
40
39
KG76
Stab
Do17
9
9
I. Gruppe
Do17
36
33
III. Gruppe
Do17
39
35
KG77
Stab
Do17
6
6
I. Gruppe
Do17
32
29
II. Gruppe
Do17
32
32
III. Gruppe
Do17
34
24
StG76
I. Gruppe
Ju87
39
32
Do17
3
3
StG77
Stab
Ju87
3
3
I. Gruppe
Ju87
39
32
Do17
3
3
II. Gruppe
Ju87
39
34
Do17
3
3
Luftlotte 2 (Nordwest-Deutschland)
Aufklärungs-Gruppe 12
Hs126
33
30
insg. 524 Flugzeuge:
He46
10
8
33 Hs126
He45
3
0
10 He46
Aufklärungs-Gruppe 122
Do17
30
27
3 He45
JG26
I. Gruppe
Bf109
48
48
30 Do17
II. Gruppe
Bf109
48
44
244 Bf109
ZG26
I. Gruppe
Bf109D
52
46
204 He111
II. Gruppe
Bf109D
48
47
III. Gruppe
Bf109D
48
44
KG26
Stab
He111
8
8
I. Gruppe
He111
32
32
II. Gruppe
He111
35
27
KG27
Stab
He111
6
3
I. Gruppe
He111
34
28
II. Gruppe
He111
26
18
III. Gruppe
He111
28
20
KG28
II. Gruppe
He111
35
35
Luftflotte 3 (Südwest-Deutschland)
Aufklärungs-Gruppe 13
Hs126
53
49
insg. 841 Flugzeuge:
He46
3
1
77 Hs126
He45
3
2
24 He64
Aufklärungs-Gruppe 22
Hs126
12
12
6 He45
Do17
35
35
78 Do17
Aufklärungs-Gruppe 23
Hs126
12
8
287 Bf109
He46
21
18
28 Ar68
He45
3
1
301 He111
Aufklärungs-Gruppe 123
Do17
37
36
40 Ju87
JG51
I. Gruppe
Bf109
47
39
JG52
I. Gruppe
Bf109
39
34
JG53
I. Gruppe
Bf109
51
39
II. Gruppe
Bf109
43
41
JG70
I. Gruppe
Bf109
24
24
JG71
I. Gruppe
Bf109
39
18
JG72
III. Gruppe
Ar68
28
24
ZG52
I. Gruppe
Bf109D
44
43
KG51
Stab
He111
6
3
Do17
3
3
I. Gruppe
He111
36
36
III. Gruppe
He111
36
34
KG53
Stab
He111
6
6
I. Gruppe
He111
32
29
II. Gruppe
He111
32
32
III. Gruppe
He111
35
34
KG54
Stab
He111
9
8
I. Gruppe
He111
36
36
KG55
Stab
He111
9
6
I. Gruppe
He111
33
27
II. Gruppe
He111
31
22
StG51
III. Gruppe
Ju87
40
34
Do17
3
3
Lehrdivision
LG1
Stab
He111
10
4
I.(Z) Gruppe
Bf110
32
29
II.(K) Gruppe
He111
41
35
III.(K) Gruppe
He111
40
34
IV.(St) Gruppe
Ju87
39
36
Do17
3
3
LG2
Stab
Bf109
3
3
I.(J) Gruppe
Bf109
36
34
III. Gruppe
Do17
24
18
He46
2
2
Hs126
9
9
10. Staffel
He111
9
8
JG26
10. Staffel
Bf109
12
9
der Marine unterstellt
verschiedene Gruppen
He59
31
30
He60
81
66
He115
8
8
Do18
63
54
4.Staffel der Träger-Gruppe 186
Ju87
12
12
5. und 6. Staffel der Träger-Gruppe 186
Bf109
24
24
Kampfgruppe 806
He111
21
20
Transport
verschiedene Gruppen
Ju52
547
535
FW200
2
2
Ju90
2
2
Ju38
1
1

Ausrüstung der Frontverbände der Luftwaffe am 1. September 1939:

Flugzeug-Typ
Anzahl
He 111 Bomber
780
Do 17 Bomber
470
Do17 Aufklärer
280
Ju 88 Bomber
20
Ju 87 Sturzkampfbomber
335
235
Bf 109 E Jäger
850
195
Ar66 Jäger
5
Ar68 Jäger
35
Hs126 taktische Aufklärer
195
He46 taktische Aufklärer
100
Küstenflugzeuge, Flugboote205
Verschiedene
65
Insgesamt
3.960

Staffel:
Die Anzahl des Flugpersonals in einer Staffel hing natürlich vom Typ der Flugzeuge ab. Es waren 10 Piloten bei einsitzigen Jagdflugzeugen und konnten mehr als 40 Mann Flugpersonal bei mehrmotorigen Bombern sein. Die Anzahl des Bodenpersonals variierte zwischen 150 Mann bei einsitzigen Jagdflugzeugen und nur 80 Mann Mann bei mehrmotorigen Bombenflugzeugen. Der Grund für die im ersten Moment erstaunlich wirkende geringere Anzahl bei den Bombern ist, dass ein Großteil der Wartungseinrichtungen und administrativen Bürotätigkeiten von den örtlichen Luftgau übernommen wurde, in der die Einheit stationiert war.
Eine Staffel hatte eine Stärke von 9 bis 12 Flugzeugen bei Kriegsbeginn, dies stieg aber ständig während des Krieges bis zu einer Maximalstärke von 16 an, wodurch natürlich auch die Anzahl des Flugpersonals und des Bodenpersonals vermehrt werden musste.

Gruppe:
Die Gruppe war normalerweise die grundsätzliche Einheit für operative Einsätze und Organisationsaufgaben. Ursprünglich bestand eine Gruppe aus drei Staffeln und dem Stab mit drei weiteren Flugzeugen, was somit eine Gesamtzahl von 30 Flugzeugen ergab. Ab der Mitte des Krieges hatten viele Jagdgruppen eine vierte Staffel und zusammen mit der maximalen Staffelstärke von 16 Jagdflugzeugen ergab dies eine Gruppenstärke von bis zu 67 Flugzeugen.
Die Mannschaften eine Gruppe waren zwischen 35 und 150 Mann Flugpersonal sowie zwischen 300 und 515 Mann Bodenpersonal stark.

Geschwader:
Das Geschwader war die größte Flug-Formation in der Luftwaffe. Ursprünglich bestand es aus drei Gruppen mit 90 Flugzeugen und einem Stab mit vier, was insgesamt 94 Flugzeuge ergab.


Luftkrieg über Polen 1939

die deutsche Luftwaffe in Polen
Schlag auf Schlag – die deutsche Luftwaffe in Polen. NS-Propganada-Bericht.
Der Operationsplan der deutschen Luftwaffe für den Angriff auf Polen am 1. September 1939 sah die Umsetzung der ‚Douhet-Theorie‚ vor. Durch ’strategische‘ Angriffe auf die polnischen Luftstreitkräfte sollten diese noch zu Beginn des Feldzuges auf dem Boden ausgeschaltet werden. Anschließend sollten die ‚taktischen‘ Einsätze zur Unterstützung der Wehrmacht folgen.

Tatsächlich wurden zwar in den ersten Tagen die Bodeneinrichtungen der polnischen Luftwaffe zerstört, zusammen mit Schulflugzeugen und nicht einsatzfähigen Maschinen, aber keine einzige polnische Frontmaschine, da diese zuvor auf provisorische Feldflugplätze verlegt und getarnt worden waren. Allerdings hat die deutsche Luftwaffe aufgrund ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit und auch besseren Flugzeuge von Anfang an die eindeutige Überlegenheit in der Luft.

Der erste Angriff von Ju 87 des Stuka-Geschwaders 1 fand schon 15 Minuten vor dem eigentlichen Angriffsbeginn statt. Die Staffel hatte einen Sonderauftrag und sollte die polnischen Zündposten an der strategisch wichtigen Eisenbahnbrücke über die Weichsel bei Dirschau in Richtung Ostpreußen ausschalten, sodass ein Panzerzug die Brücke unversehrt erobern könnte. Die drei Stukas starteten um 4:26 Uhr und flogen im Tiefflug zu ihrem Ziel und erledigten ihren Auftrag, jedoch konnten die Polen die Zündkabel noch vor dem Eintreffen des Panzerzug flicken und um 6:30 Uhr wurde die Brücke trotzdem gesprengt.

Den ersten Luftsieg des Zweiten Weltkriegs erzielte Stuka-Pilot Frank Neubert über dem Flugplatz von Krakau, als er einen polnischen P.11-Jäger abschoss. Kurz danach, um 5:30 Uhr, gelang es dem Polen Gnys im selben Luftkampf das erste deutsche Flugzeug abzuschießen, einen Stuka der I. Gruppe des Geschwaders Immelmann.

He 111 Bomber warten auf Krieg
Der letzte Friedenstag vor dem 2. Weltkrieg: Die Besatzungen warten bei ihren unter Bäumen getarnten He 111 Bombern auf den Einsatzbefehl.

Die bis zum Sommer 1940 größte Luftschlacht des Krieges fand am selben Tag ab 7 Uhr für etwa 50 Minuten nördlich von Warschau statt, als über 80 deutsche Bomber vom Typ He 111 und Do 17, gesichert durch 20 Zerstörer Messerschmitt Bf 110, von 64 polnischen Jägern P-11 angegriffen wurden. Jedoch waren die polnischen Doppeldecker zu langsam, um sich deutschen Flugzeugen auf vielversprechende Schussweite zu nähern.

Auf Druck ihrer westlichen Verbündeten verweigerten die Polen ihren Bombern die Einsatzerlaubnis, selbst noch nicht einmal gegen deutsche motorisierte Kolonnen. Auch die modernen Los-Bomber, einer der besten mittleren Bomber zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, mussten auf dem Boden bleiben. Erst am zweiten Kriegstag griffen erstmals 6 leichte Karas-Bomber Einheiten des XVI. Panzer-Korps an.

Die deutschen Luftangriffe in den ersten beiden Tagen richteten sich neben den Angriffen auf die Flugplätze aber auch gegen Verkehrsziele, sodass die polnische Mobilisierung in ein Chaos ausartete und die Kommandostruktur teilweise lahmgelegt wurde.

Am dritten Kriegstag, dem 3. September 1939, begann die deutsche Luftwaffe mit der hauptsächlichen Unterstützung der Bodentruppen. Von nun an operierten die Luftwaffenverbände mit den Bodentruppen zusammen und griffen polnische Verteidigungsstellungen, Artilleriepositionen und Truppenkonzentrationen an.

Zwischenzeitlich hatten Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Zehn britische Blenheim-Bomber griffen am 4. September im hellsten Tageslicht die deutschen Kriegsschiffe vor Wilhelmshaven an. Davon wurden fünf abgeschossen und Feldwebel Troitsch von der II. Gruppe des JG 77 erzielt den ersten Luftsieg des Zweiten Weltkriegs im Westen.

Nachdem am 4. September 1939 die polnische Verteidigung langsam zusammengebrochen war, erhielten auch die modernen Los-Bomber Starterlaubnis. Insgesamt 27 der mittleren Bomber griffen das XVI. Panzer-Korps bei Radomsko an.
Aber die polnischen Fliegerverbände mussten nun auf andere Feldflugplätze zurückverlegen, wo kein Fliegerschutz bestand. Dadurch konnte die deutsche Luftwaffe erstmals 2 Los-Bomber und 3 P-11-Jäger auf dem Boden zerstören. Auch ging den polnischen Fliegern so langsam die MG-Munition aus.

Am 5. September flogen die polnischen Bomber ihren letzten Angriff auf die Spitzen des XVI. Panzer-Korps, dass nun nahezu ungehindert auf Warschau vorstoßen konnte.
Am nächsten Tag erfolgte nochmals ein Angriff von 6 Los-Bombern auf deutsche Panzertruppen bei Makow Mazowiecki, wobei die Hälfte von deutschen Jägern abgeschossen wurde. Die polnische Armeeführung wich nach Brest-Litowsk aus, wo sich auch die verbliebenen polnischen Fliegertruppen versammelten, welche bisher etwa 60 Prozent ihrer Flugzeuge eingebüßt hatten. Dies war auch auf den Beschuss durch eigene Flak und dem Versagen, auch nur ein einziges Mal Luftschutz für die polnischen Bomber durch Jäger verfügbar zu machen, zurückzuführen.
Von nun an wurden die verbliebenen polnischen Jäger und Bomber nur noch zur Aufklärung eingesetzt, da die veralteten Aufklärungsflugzeuge fast alle vernichtet waren.

Warschau war nun ohne Jagdschutz und auch die polnische Flak war nach Osten abgezogen worden. Währenddessen bombardierte die deutsche Luftwaffe in Zentral-Polen die Eisenbahnanlagen, um den Aufbau einer neuen polnischen Verteidigungsfront unmöglich zu machen.
Am 8. September 1939 besetzten deutsche Truppen den Flugplatz von Warschau, während die belagerte Stadt von 120.000 polnischen Soldaten verteidigt werden sollte.

Stukas fliegen über einen PzKpfw IV hinweg.
Stukas fliegen über einen PzKpfw IV während des Polen-Feldzugs hinweg.

Zwischenzeitlich entwickelte sich jedoch im Rücken der deutschen Belagerungstruppen überraschend die größte Schlacht des ganzen Polen-Feldzuges. Die Schlacht an der Bzura begann am 9. September, nachdem sich im Westen Polen zwei polnische Armeen unbemerkt von der Aufklärung der Luftwaffe vereinigen konnten.
Durch noch vorhandene Aufklärungsflugzeuge bei seinen Armeen konnte der polnische General Kutrzeba für zwei Tage die Initiative behalten und griff die offene Flanke der deutschen 8. Armee an. Die Lage entwickelt sich für die deutschen Truppen so bedrohlich, dass erstmals dringend starke Luftangriffe gegen polnische Bodentruppen angefordert wurden.
So griffen mehrere Kampfgeschwader in die Schlacht an der Bzura ein und die starken Stuka-Angriffe brachten den polnischen Angriff zum Stehen. Schließlich wurden die beiden polnischen Armeen mit fast 200.000 Soldaten auf einen 30 mal 45 km großen Kessel eingeschlossen.
Östlich der Weichsel bei Brest-Liotowks hatten die Polen zwar noch 120 Bomber und Jäger, aber aufgrund der völlig zusammengebrochenen Nachrichtenverbindungen erhielten sie keine Kenntnis von der großen Schlacht.

Am 13. September war Warschau vollständig eingeschlossen, aber mithilfe von Sportflugzeugen wurde der Kontakt zur polnischen Hauptstadt aufrechterhalten.
Am nächsten und übernächsten Tag griff die deutsche Luftwaffe die wichtigsten polnischen Flugplätze an, wobei fast alle Flugzeuge auf dem Boden zerstört werden. Daraufhin wurden alle noch verfügbaren polnischen Flugzeuge weiter nach Osten verlegt. Der letzte Bombenangriff polnischer Bomber fand am Morgen des 17. September auf deutsche Panzerkolonnen bei Hrubieszow statt.

Am nächsten Tag, den 17. September, überschritt die Rote Armee. die Ostgrenze Polens. Die in den Osten des Landes verlegten polnischen Fliegerverbände befanden sich sofort in heftigen Luftkämpfen mit dem Invasor. Dabei wurden zwei sowjetische Tupolew SB-2 und fünf I-16-Jäger abgeschossen, während die Sowjets 7 polnische Jäger und 3 Bomber als abgeschossen meldeten.
Nun wurde angeordnet, sämtliche noch vorhandenen, flugfähigen polnischen Flugzeuge nach Rumänien zu evakuieren und die anderen zu verbrennen. Etwa 100 polnischen Militärflugzeugen gelang es nach Rumänien zu fliegen. Die polnischen Karas- und Los-Bomber wurden von den Rumänen übernommen und später an der Ostfront gegen die Sowjets verwendet.

deutscher He 111-Bomber über Warschau
Deutscher He 111 Bomber über Warschau.
Zwischenzeitlich flog die deutsche Luftwaffe fast alle Einsätze gegen den Kessel an der Bzura. Aber schon am 25. September greifen 400 deutsche Bomber wieder Warschau an und werfen etwa 550 Tonnen Bomben ab. Da die Feuerwehr zusammen mit der Flak aus der polnischen Hauptstadt schon zwei Wochen zuvor evakuiert worden war, war die Lage dort hoffnungslos. Am nächsten Tag kapituliert die Garnison.

Am 4. Oktober 1939, als Hitler in Warschau die Siegesparade abnahm, flogen die letzten zwei polnischen Maschinen den letzten Kampfeinsatz bei der Schlacht von Koeck, wo der letzte polnische Großverband Widerstand leistete.

Im Polenfeldzug verlor die deutsche Luftwaffe 285 Flugzeuge, weitere 279 wurden beschädigt und 734 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.
Auf polnischer Seite hat die Flak doppelt so viele eigene Flugzeuge abgeschossen, wie die deutsche Flugabwehr polnische Maschinen vom Himmel geholt hat. Etwa 10 Prozent der polnischen Flugzeuge fielen eigenem Luftabwehrfeuer zum Opfer, jede dritte Besatzung kam dabei ums Leben. Offensichtlich feuerten die polnischen Flak-Kanoniere aus Psychose auf jedes Flugzeug, welches sie sahen. Selbst aus abgeschossenen polnischen Flugzeugen abgesprungene Piloten wurden von eigenen Landsleuten verprügelt, da man sie für Deutsche hielt.

Im Polenfeldzug exerzierte die deutsche Luftwaffe die Zusammenarbeit mit dem Heer für die nachfolgenden Blitzkriege. Die effektive, taktische Bodenunterstützung wird aber von den westlichen Alliierten verkannt. Durch die Erfolge bei der Unterstützung der Bodentruppen wurde aber der Aufbau einer zusätzlichen strategischen Bomberstreitmacht verschlafen, welche im späteren Kriegsverlauf schmerzlich vermisst wurde.


Quellenangaben und Literatur

Luftwaffe Handbook (Dr Alfred Price)
Das große Buch der Luftkämpfe (Ian Parsons)
Luftkrieg (Piekalkiewicz)
Der 2. Weltkrieg (C. Bertelsmann Verlag)
Zweiter Weltkrieg in Bildern (Mathias Färber)


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