In den Jahren 1939 bis 1940 befanden sich die sowjetischen Streitkräfte in einer Phase des Umbruchs. Neue Waffen und taktische Ideen wurden entwickelt, aber eine fehlgeleitete und häufig lähmende zentrale Kontrolle verhinderte jeden Sinn für Initiativen und Eigenverantwortung, und so wurden wichtige Fortschritte in einem Bereich sich oft selbst überlassen. Die ausgezeichneten Fortschritte, welche zum Beispiel beim Panzerbau gemacht wurden, wurden wieder zunichte gemacht durch das Fehlen eines effektiven Funk-Nachrichtensystems, ohne welches Panzereinsätze stark eingeschränkt waren.
Die Rote Armee setzte noch in erheblichem Maße auf Kavallerie, da in dem großen Land weite Entfernungen mit nur einem schlechten Straßen- und Schienennetz überbrückt werden mußten, und die sowjetische Industrie nicht in der Lage war, die riesige Armee mit genügend Fahrzeugen auszustatten.
Die Sowjetunion war in 13 Militärbezirke und 2 militärische Kommissariate eingeteilt. Die Armee war im wesentlichen ein stehendes Heer, welches von einem professionellen Kader angeführt wurde, aber sie stützte sich auf die Wehrpflicht für die Masse ihres Personals. Die Männer konnten zum Wehrdienst für eine Dauer von theoretisch 22 Jahren eingezogen werden, ab dem Alter von 20 bis 41 Jahren.
Die Friedensstärke der Roten Armee wurde auf 1,8 Millionen Mann geschätzt, während sie eine Stärke von bis zu 11 Millionen Mann bei der Mobilisation erreichen konnte.
Der unheinvolle Einfluß von Stalin auf die sowjetischen Streitkräfte während der 30er Jahre gipfelten in den großen Säuberungen von 1938, die das Offizierskorps erheblich dezimierten. Fast zwangsläufig wurden die fähigsten und innovativsten Offiziere durch die Säuberungen dahingerafft, was ein wesentlicher Faktor für die schwache Leistung der Roten Armee im Winterkrieg von 1939 gegen Finnland war. Es wurde geschätzt, daß die russischen Verluste sich auf etwa 200.000 Mann in diesem kurzen Feldzug beliefen.
Grundsätzliche Verbände der Roten Armee:
|
Schützen Division |
Kavallerie Division |
Schwere Tank Brigade |
Leichte Tank Brigade |
| Verbände insgesamt |
110
(einschließlich 23 Territorial-Divisionen) |
44 |
4 |
21 |
Infanterie
Regimenter |
3 mit je 2.900 Offizieren und Mannschaften |
2 motorisierte Schützen-Batallione
(zusammen ca. 1.900 Offiziere und Mannschaften) |
2.745 Offiziere und Mannschaften |
2.745 Offiziere und Mannschaften |
Kavallerie
Regimenter |
- |
4 |
- |
- |
| Gesamtstärke |
19.000 |
? |
? |
? |
| Maschinengewehre |
417
(174 schwere 7,62mm Maxim, 243 leichte 7,62mm Degtyare) |
? |
? |
? |
| Granatwerfer |
100+
(50 bis 120mm) |
? |
? |
? |
| Haubitzen und Feldgeschütze |
100
(12 x 152mm, 28 x 122mm, 42 x 76mm, 18 Infanterie-Geschütze)
|
ca. 50
(76mm) |
46 Kanonen, auf Selbstfahr-lafetten oder von Traktoren gezogen |
46 Kanonen, auf Selbstfahr-lafetten oder von Traktoren gezogen |
| Panzerabwehrkanonen |
72
(45mm) |
? |
? |
? |
| Panzer |
|
64
( BT oder Panzerspähwagen) |
136 T-28 (eine Brigade mit 2/3 T-35), 37 BT, 10 Flammenwerfer-Panzer |
278 BT oder 267 T-26 |
| LKWs und Traktoren |
? |
? |
521 |
521 |
Bestand an Panzerkampfwagen in der Roten Armee 1939:
Panzerkampfwagen |
Bestand |
| T-27 |
400 |
| T-37 |
ca. 2.400 |
| T-38 |
ca. 1.200 |
| T-18M |
ca. 400 |
| T-26 |
ca. 9.500 |
| BT |
ca. 5.300 |
| T-28 |
488 |
| T-35 |
ca. 80 |
| Insgesamt |
ca. 19.768 |
Bestand an Panzerspähwagen in der Roten Armee 1939: 2.594 Stück
Bestand an Panzerspähwagen in der Roten Armee 1940: 4.819 Stück

Russische Infanterie mit einem BT-7 Panzer während der Kämpfe in der Mongolei gegen die Japaner, 1939.
Kriegsgliederung der Roten Armee gegen Finnland:
Armee |
Einsatzort |
Schützen-Divisionen |
Panzer-Brigaden |
| 7.Armee |
westliche Karelische Landenge |
12 |
5 |
| 13.Armee |
östliche Karelische Landenge |
8 |
1 |
| 8.Armee |
nördlich vom Ladoga-See |
6
(155., 139., 75., 56., 18., 168. Schützen-Division) |
|
| 9.Armee |
Karelien (westlich der Murmansk-Bahn) |
5
(122., 88., 163., 44., 54. Schützen-Division) |
|
| 14.Armee |
Petsamo (Arktis) |
1
(104. Schützen-Division) |
|
Rote Luftwaffe
Während der 20er und 30er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts machte die sowjetische Regierung erhebliche Anstrengungen, um eine große und moderne Luftwaffe aufzubauen. Jedoch waren die Schwierigkeiten bei der Suche nach geeigneten Entwürfen und Maschinen sowie Materialien für die Massenproduktion von Flugzeugen enorm. Um den Mangel an Piloten und Mechaniker zu überwinden, steckte die Regierung Gelder in die Freiwilligen-Organisation Osoaviakhim (Gesellschaft zur Unterstützung der Verteidigung, Luftfahrt und Schutz vor chemischen Angriffen). Bald nach ihrer Gründung im Jahr 1927 hatte diese 3 Millionen Mitglieder, eine Zahl die bis 1936 auf 13 Millionen angestiegen war. Flug-Klubs wurden gegründet, um Piloten, Mechaniker und Fallschirmspringer heranzuziehen und bis 1940 kamen alle Freiwilligen der Roten Luftwaffe von dort. Jedoch war der Mangel an Fluglehrern, Hilfsmitteln und Flugzeugen in den Flug-Klubs zu groß, sodaß die Vorbildung der zukünftigen Soldaten sehr gering war und so wurde schließlich beschlossen, die Rekruten der Luftwaffe aus den jährlichen Wehrpflichtigen auszuwählen.
Zwischen 1935 und 1937 wurden 3.576 Flugzeugem gebaut, darunter ein großer Anteil viermotoriger Bomber, aber um so mehr die Produktionszahlen anstiegen, desto geringer wurde die Qualität, da der technische Standard der russischen Luftfahrtindustrie hinter denjenigen der mehr fortgeschrittenen Industrienationen fiel.
Die Rote Luftwaffe hatte ihre ersten praktischen Einsatzerfahrungen im Spanischen Bürgerkrieg erhalten, welche zu einigen organisatorischen und taktischen Veränderungen führte, aber erst die traumatischen Erfahrungen im Winterkrieg gegen Finnland (wo etwa 1.000 russische Flugzeuge verloren gingen) zeigten wirklich die alarmierenden Mängel in der Ausbildung, Taktik und Ausrüstung. Den Kommandierenden der Roten Luftwaffe waren diese nicht unbekannt, aber die großen Säuberungsaktionen von 1937 und 1938, welchen viele hochrangige Kommandeure zum Opfer fielen, ließen viele Maßnahmen nicht unbedingt wirksam werden.
Die Luftwaffe der Roten Armee (VVS-RKKA) war in zwei Komponenten aufgegliedert. Die erst war die Luftwaffe der Armee, die aus Jagd- und Schlachtflieger-Regimentern bestand und unter direkter Kontrolle der Militär-Bezirke (später Fronten) stand. Die zweite Komponente waren die Langstreckenbomber-Verbände, welche dem Verteidigungsministerium unterstellt waren, und wenn nötig für den taktischen Einsatz bei einer Front unterstellt werden konnten.
Im April 1939 fand eine gründliche Reorganisation der Luftwaffe statt. Die größte Formation war nun die Luft-Division, welche aus vier bis sechs Luft-Regimentern (zuvor Brigaden) bestand. Jedes Regiment hatte etwa 60 Flugzeuge mit einer zusätzlichen Reserve von etwa 40 Maschinen.
Es gab drei Arten der Luft-Regimenter:
Bomber-Regimenter mit vier Staffeln zu je 12 Flugzeuge,
Jagdflieger-Regimenter mit vier Staffeln zu 15 Flugzeuge,
Schlachtflieger-Regimenter mit vier Staffeln zu 15 Flugzeuge.
Die Staffel wurde in Gruppen zu drei Flugzeugen aufgeteilt.
Die Luftwaffen-Verbände welcher einem Militär-Distrikt oder einer Front unterstellt waren, enthielten eine Anzahl von Jäger- und Bomber-Regimenter, während gemischte Regimenter aus Jagdflugzeugen und Bomber einem Armee-Korps zugeteilt wurden, welches außerdem noch seine eigenen Aufklärungsstaffeln hatte.
wichtigste Flugzeugtypen 1939 |
Anzahl |
| Beriew MBR-2 Flugboot |
ca. 1.500 gebaut 1933-42 |
| Illjuschin II-4 Bomber |
1.528 gebaut 1937-39 |
| Polikarpow I-15 Jäger |
ca. 1.000+ |
| Polikarpow I-16 Jäger |
ca. 5.000 |
| Tupolew SB-2 Bomber |
ca. 6.000 gebaut 1936-1941 |
| Tupolew TB-3 schwerer Bomber |
800 gebaut 1931-1939 |

Der wichtigste Jäger der Roten Luftwaffe zu dieser Zeit war die Polikarpow I-16 Rata. Obwohl dieses Modell Typ 24 noch in russischer Sommer-Tarnfarbe fotografiert ist, trägt es Lande- und Startkuven für den Winter. Die Skier können in der Luft eingefahren werden und liegen dann dicht am Rumpf an.
Rote Flotte
Als eine Landmacht betrachte die Sowjetunion die Flotte nicht als strategisches Instrument. Ihre Hauptaufgabe war die Patrouille der russischen Gewässer, der Schutz von Anlagen von der Seeseite, die Unterstützung der Landstreitkräfte und die Bereitstellung von Schiffen und Personal für amphibische Landungen.
Die Stärke der Roten im Flotte im Jahr 1939 wurde auf 40.000 Mann, von denen etwa 22.000 Dienst auf See taten, geschätzt.
Die Flotte, welche hauptsächlich am Krieg gegen Finnland beteiligt war, war die russische Ostseeflotte. Zu Beginn dieses Krieges war die Flotte operativ dem Leningrader Militärbezirk unterstellt und bestand aus folgenden Schiffen:
2 Schlachtschiffe,
2
Kreuzer,
21 Zerstörer und Torpedoboote,
52 U-Boote,
41 Motortorpedobbote (S-Boote),
13 Minenleger, Minenräumer und Hilfsschiffen,
2 Geleiter und Patrouillenboote.
Dazu kamen noch kleinere Schiffe der Ladoga-See-Flotillie.
Gesamtstärke der sowjetischen Streitkräfte gegen Finnland:
600.000 Soldaten, 32 Divisionen, 1.200 Panzer.
696 Flugzeuge aufgeteilt zwischen den Armeen, sowie 300 mehr in Estland stationiert.
2 Schlachtschiffe, 1 Kreuzer, 9 Zerstörer, 16 kleinere Kriegsschiffe, 11 U-Boote von der Ostseeflotte und der Polarflotte (Murmansk).
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