Rumänische Armee
Bis zum Herbst 1941 hatten die Rumänen, zumeist zu Fuß oder auf dem Rücken von Pferden, die Ukraine und Besserabien durchquert und das Schwarze Meer erreicht. Sie hatten Odessa nach zweimonatiger Belagerung eingenommen und betraten die Halbinsel Krim. Die Verluste waren jedoch groß und es wurden mehr als 130.000 Soldaten (darunter 5.400 Offiziere) getötet oder verwundet. Die Überlebenden waren in einem bedauerlichen Zustand, oft barfuß gehend und eines ihrer wichtigsten Transportmittel scheinen bespannte Bauernwagen gewesen zu sein.
Die Deutschen bemängelten das starre, hierarische System der königlichen Armee ihres Verbündeten, in welcher Offiziere immer noch ihre Bediensteten hatten und besondere Verpflegungsrationen erhielten. Und wenn die im direkten Kampf durchaus tapferen Offiziere getötet worden waren, fehlte dem Ersatz aus der Reserve die notwendige Qualifizierung für eine guten Führung. Während des bitteren Winter von 1941/42 fielen die Temperaturen östlich von Feodossja oft auf Minus 30 Grad und die rumänischen Truppen, welche noch schlechter mit Winterbekleidung als die Deutschen ausgestattet waren, hatten Mühe ihre Frontlinie zu halten. Verstärkungen wurden von den rückwärtigen Besatzungstruppen an die Front geschickt, trotz der Tatsache, daß sie dafür in keinster Weise angemessen bewaffnet waren.
Bild: Rumänische Infanterie während der Schlacht um Sewastopol im Juni 1942.
Am 2. Juli 1942 eroberten rumänische Einheiten als Teil der deutschen 11.Armee Sewastopol und rückten anschließend in den Don-Bogen vor. Im Spätsommer 1942 bestand das rumänische Heer an der Ostfront aus der 3. und 4.rumänischen Armee mit 13 Infanterie-Divisionen, 1 Panzer- und 2 Kavallerie-Divisionen. Weitere zwei Divisionen befanden sich als Küstenschutz auf der Halbinsel Krim und sechs Divisionen standen im Kaukasus. Desweiteren befanden sich 26 rumänische Divisionen als Besatzungs- und Sicherungstruppen hinter der Front, welche jedoch unter der Sollstärke und schlecht ausgerüstet waren.
Im November 1942 war das rumänische Heer mit 267.727 Mann immer noch das größte Kontingent der verbündeten Achsentruppen an der Ostfront, trotz 20.000 Verlusten alleine auf der Krim. Allerdings waren die Rumänen immer noch katastrophal schlecht ausgerüstet, vor allem mit Panzerabwehrwaffen, und alle Divisionen waren unter der Sollstärke. Den deutschen Stellen war der Mangel der Rumänen an Panzerabwehrgeschützen bekannt, und so begannen sie ab Oktober 1942 jede dieser Divisionen mit einer Abteilung von sechs der neuen 7,5-cm-PAK, gezogen durch Pferde, auszurüsten.
Rumänische Kriegsgliederung an der Ostfront im November 1942 |
Heeresgruppe |
Armee |
Korps |
Divisionen |
Heeresgruppe Don
(Marschall Antonescu)
vorgesehen, jedoch niemals wegen der russischen Gegenoffensive bei Stalingrad umgesetzt ! |
3. Armee
(Dumitrescu)
an der Don-Front
nördlich von Stalingrad
Reserven: 7. Kavallerie-Division, 15. Kavallerie-Division |
IV. Korps |
1. Kavallerie-Division
13. Infanterie-Division |
| V. Korps |
6. Infanterie-Division
5. Infanterie-Division |
| II. Korps |
14. Infanterie-Division
9. Infanterie-Division |
| I. Korps |
11. Infanterie-Division
7. Infanterie-Division |
4. Armee
(Constantinescu)
in der Kalmücken-Steppe
südlich von Stalingrad
Reserven: 1. Panzer-Division Groß-Riumänien, deutsche 16. motorisierte Infanterie-Division, deutsche 29. motorisierte Infanterie-Division |
VII. Korps |
8. Kavallerie-Division
5. Kavallerie-Division |
| VI. Korps |
4. Infanterie-Division
1. Infanterie-Division
2. Infanterie-Division
18. Infanterie-Division |
| deutsches IV. Korps |
20. Infanterie-Division
deutsche 297. Infanterie-Division
deutsche 371. Infanterie-Division |
deutsche 6. Armee
(Paulus) inStalingrad |
siehe Kriegsgliederung der Wehrmacht |
| auf der Krim |
Gebirgs-Korps |
10. Infanterie-Division
4. Gebirgs-Division
1. Gebirgs-Division |
| bei der deutschen 17. Armee der Heeresgruppe A im westlichen Kaukasus |
Kavallerie-Korps |
6. Kavallerie-Division
9. Kavallerie-Division
19. Infanterie-Division
3. Gebirgs-Division (dem deutschen V. Korps unterstellt) |
| bei der deutschen 1. Panzer-Armee der Heeresgruppe A im Zentral-Kaukasus |
|
2. Gebirgs-Division |
Grundsätzliche Verbände der rumänischen Armee 1942:
| |
Infanterie-Division |
Gebirgs-Division |
Kavallerie-Division |
Panzer-Division |
| Anzahl der Verbände |
21 + 6 Reserve + 1 Garde |
4 + 1 Elite-Grenzschutz |
6 - 9 |
1 |
| Infanterie-Regimenter |
3 (nur je 2 statt normalerweise 3 Bataillone) + 1 Kavallerie-Abteilung
(ausgerüstet mit tschechischen 7,92mm-Karabinern = Kar98k oder alten 6,5mm Mannlicher und ZB30 (=Bren) Maschinengewehren)
|
2 |
3 Kavallerie-Regimenter
(3 Divisionen hatten jeweils ein mit Skoda-Halbkettenfahrzeugen ausgestattetes Infanterie-Regiment anstatt Pferde) |
1 - 2 motorisierte Infanterie-Regimenter |
| Gesamtstärke |
ca. 12.000 |
12.000 |
6.000 |
? |
| Panzerabwehr-Kanonen |
30 - 36
(18 x 37mm Pak36, 12 x 47mm + von Oktober 6 x deutsche 7,5-cm PAK40) |
|
|
ca. 6 - 12 |
| Artillerie |
24 - 52
( 75mm M1897 Feldgeschütze und 100mm-Haubitzen) |
24
(75mm Skoda Feldgeschütze und 100mm Skoda -Haubitzen)
|
|
ca. 24
(mit Zugmaschinen) |
| Fahrzeuge |
keine LKW, nur einige VW Kübelwagen zur Aufklärung |
- |
3 Divisionen waren mit Skoda-Halbkettenfahrzeuge für 1 Regiment ausgestattet |
Kapazität von weniger als 60 Tonnen |
| Panzer |
- |
- |
- |
?
(Skoda LT35 = PzKpfw 35(t), Renault R-35, leichte CKD-Panzer - ab Ende 1942 PzKpfw 38(t) und PzKpfw IV) |
Die Kavallerie-Divisionen bewährten sich gut in Russland. Ihre Beweglichkeit hat dazu beigetragen die zahlenmäßige Schwäche und geringe Artillerie-Ausstattung auszugleichen. Berichte zeugen oft von ihrer überragenden Disziplin und Zusammenhalt im Vergleich zu den gewöhnlichen Infanterie-Divisionen.
Rumänische Luftwaffe
Als Rumänien zusammen mit Deutschland die Sowjetunion im Juni 1941 angegriffen hatte, bestand die rumänische Luftwaffe aus einer Vielzahl von Flugzeugtypen, was auch die Entwicklung der diplomatischen Beziehungen des Landes wiederspiegelte:
- 12 Jagdflieger-Staffeln (insgesamt 240 Jäger) mit polnischen PLZ P11 (148 Flugzeuge), P.24 (56 Flugzeuge), englische Hawker Hurricane (12 Flugzeuge) und deutsche Heinkel He112B (24 Flugzeuge).
- 20 Bomber-Staffeln (insgesamt 226 Bomber) mit französischen Bloch 210 (24 Flugzeuge), Potez 633 (20 Flugzeuge), polnischen P37 (39 Flugzeuge), englischen Bristol Blenheim (34 Flugzeuge), italienischen Savoia-Marchetti SM-79B (24 Flugzeuge), deutschen Heinkel He111 (35 Flugzeuge) und Junkers Ju87B (50 Flugzeuge).
- 8 Aufklärungs-Staffeln (insgesamt 355 Aufklärer und leichte Bomber) mit polnischen P23 (30 Flugzeuge) und rumänischen IAR37, IAR38 und IAR39 (325 Flugzeuge).
- 2 Marineflieger-Staffeln, wovon eine mit italienischen Cant Z-501 und eine mit deutschen Heinkel He114B Flugbooten ausgerüstet war.
Die Ausfälle waren groß, was mehr an den Schwierigkeiten lag, eine solche große Anzahl verschiedener Flugzeugtypen zu warten, als am russischen Widerstand. Am Ende des Jahres wurden die rumänischen Luftwaffen-Verbände zurückgezogen, um für die kommende Sommeroffensive neu reorganisiert zu werden. Ein bescheidener deutscher Beitrag bestand in der Lieferung von fast 70 Messerschmitt Bf109E Jägern (siehe Foto), 12 Heinkel He112 Jägern und 20 Junkers Ju88A Bombern.
Zur Unterstützung des Vorstoßes auf Stalingrad bestand das 1. rumänische Fliegerkorps im Juli 1942 aus:
Rumänische Marine
Dem rumänischen Verteidigungsminister, General Pantazi, waren die Unterstaats-Sekretäre der Marine und der Luftwaffe unterstellt. Die königliche rumänische Marine wiederrum war in zwei Abteilungen organisiert, welche aus der Donau-Flottille und der Schwarzmeer-Flotte bestanden. Mit Stützpunkten in Galatz und Konstanza war die königlich-rumänische Marine 4.980 Mann stark und bestand 1939 aus:
- 7 Zerstörer und Torpedoboote (davon zwei moderne Einheiten),
- 3 Motor-Torpedoboote (englischer Bauart),
- 1 U-Boot,
- 1 Minenräumer,
- 4 Sicherungs- und Patrouillenboote,
- 7 Flußfahrzeuge,
- 35 Handelsschiffen.
Bild: Mitglieder der Besatzung eines rumänischen Zerstörers während eines Einsatzes im Schwarzen Meer.
Die meisten der rumänischen Kriegsschiffe wurden in Italien und England entworfen oder gebaut.
Nach dem Bündnis mit Deutschland wurde die Marine leicht vergrößert, wenn auch der Schwerpunkt eindeutig bei der Armee lag. Zwei weitere U-Boote wurden unter deutscher Leitung zusammengebaut und einige deutsche S-Boote erworben. Zusätzlich wurden noch einige Hilfsschiffe umgebaut.
Die Donau-Flotillie sah als erste Kampfeinsätze, während die Kriegsschiffe der Schwarzmeer-Flotte alsbald die russische Nachschubs- und Evakuierungsrouten angriffen. Die Motor-Torpedoboote erwiesen sich dabei nicht als so erfolgreich wie gehofft. Die Zerstörer sicherten Minenleger, welche defensive Minenfelder auslegten, oder Minenräumer, welche die eigenen Versorgungsrouten an der Küste von russischen Minen befreiten. Auch eskortierten die Zerstörer Nachschubs- oder Evakuierungs-Geleitzüge und außerdem Tanker mit rumänischen Öl, welche durch den Bosporus in die Ägäis liefen.
Nach der Ankunft deutscher Seestreitkräfte über die Donau wurden die rumänischen Schiffe dem deutschen kommandierenden Admiral für das Schwarze Meer, Vize-Admiral Brinkmann, unterstellt. Im August 1943 übernahm die rumänische Marine noch fünf italienische Kleinst-U-Boote, welche zuvor von den Italienern im Schwarzen Meer eingesetzt worden waren. |