Anglo-Amerikaner Kräfteverteilung 1942

Kräfteverteilung der Anglo-Amerikaner (Großbritannien mit Dominions und USA) nach Kriegsschauplätzen in Europa und Mittleren Osten im Sommer 1942.

6-Pfünder-Panzerabwehrkanone
Britische 6-Pfünder-Panzerabwehrkanone feuerbereit in Nordafrika.

Anglo-Amerikaner Kräfteverteilung 1942

Britische und amerikanische Kräfteverteilung nach Kriegsschauplätzen im Sommer (Juni/Juli) 1942 nach Sollstärken.

Britische und Commonwealth-Streitkräfte: Divisionen:

Kriegsschauplatz
Küsten- verteidigung, Fallschirmjäger
8. Armee (West-Ägypten), -, 5, 2
"8. Armee (Festung Tobruk)
-
1 2/3
1/3
Britische Truppen Ägypten
-
2/3
1
in Zuführung zu 8. Armee (auf See)
-
1
1
9. Armee (Palästina)
-
1 2/3
-
10. Armee (Irak)
-
2
1
Zypern
-
1/3
-
Großbritannien
8
26
2 1/3
für Unternehmen Torch (in Großbritannien)
-
1
1
Verstärkungen für 8. Armee
-
3 1/3 (2 aus GB)
2 2/3 (aus GB)
INSGESAMT
8
42 2/3
11 1/3

US-Streitkräfte: Divisionen:

Kriegsschauplatz
Infanterie, Fallschirmjäger
(teil-)mot. Infanterie
Panzer
Östliche USA
-
ca. 10
ca. 3
für Unternehmen Torch (in USA)
-
4
3
Island
1
-
-
INSGESAMT
1
14
6

Britische und Commonwealth Infanterie:

Kriegsschauplatz
Infanteristen (Gewehr-Träger)
automat. Gewehre
MPIs
MGs
Granat- werfer
leichte Panzer- abwehrwaffen
8. Armee (West-Ägypten)
43.089
-
?
5.285
1.246
-
8. Armee (Festung Tobruk)
13.274
-
?
1.602
389
-
Britische Truppen Ägypten
8.130
-
?
1.052
223
-
in Zuführung zu 8. Armee (auf See)
10.569
-
?
1.342
296
-
9. Armee (Palästina)
12.190
-
?
1.920
363
-
10. Armee (Irak)
17.886
-
?
2.209
514
-
Zypern
2.439
-
?
289
73
Großbritannien
257.450
-
?
33.785
7.506
-
für Unternehmen Torch (in Großbritannien)
10.569
-
?
1.727
296
-
Verstärkungen für 8. Armee
33.058
-
?
4.610
883
-
INSGESAMT
408.696
-
?
53.821
11.789
-

US-Infanterie:

Kriegsschauplatz
Infanteristen (Gewehr-Träger)
automat. Gewehre
MPIs
MGs
Granat- werfer
leichte Panzer- abwehrwaffen
Östliche USA
85.140
?
?
3.079
1.518
7.391
für Unternehmen Torch (in USA)
36.120
?
?
1.306
690
3.678
Island
7.740
?
?
280
138
557
INSGESAMT
129.000
?
?
4.665
2.364
11.626

Britische und Commonwealth Fahrzeuge und Artillerie:

Kriegsschauplatz
Kampfpanzer
Sturmgeschütze, Selbstfahrlafetten
Schützen- panzer
LKWs
Feld- geschütze
PAK
Flak
8. Armee (West-Ägypten)
347
-
1.456
13.710
456
336
344
8. Armee (Festung Tobruk)
58
-
455
4.082
136
96
98
Britische Truppen Ägypten
174
-
259
2.899
96
80
86
in Zuführung zu 8. Armee (auf See)
174
-
344
3.618
120
96
102
9. Armee (Palästina)
-
-
426
3.595
120
80
80
10. Armee (Irak)
174
-
600
5.776
192
144
150
Zypern
-
-
85
719
16
16
16
Großbritannien
580
52
7.109
60.512
2.400
2.238
1.794
für Unternehmen Torch (in Großbritannien)
201
26
151
3.626
120
250
102
Verstärkungen für 8. Armee
758
52
1.155
10.129
312
564
268
INSGESAMT
2.466
130
12.040
108.666
3.968
3.900
3.040

US Fahrzeuge und Artillerie:

Kriegsschauplatz
Kampfpanzer
Sturmgeschütze, Selbstfahrlafetten
Schützen- panzer
LKWs
Feld- geschütze
PAK
Flak
Östliche USA
681
402
1.553
20.100
480
1.171
-
für Unternehmen Torch (in USA)
590
312
549
9.934
192
490
-
Island
-
24
-
-
48
109
-
INSGESAMT
1.271
738
2.102
30.034
600
1.700
-

Kräfteverteilung der Luftstreitkräfte

Stärke der RAF:

Kriegsschauplatz
Jabos
leichte, mittlere Bomber
schwere Bomber
Großbritannien
ca. 1.188
ca. 540
ca. 820
ca. 396
Island und USA
-
-
ca. 24
-
Naher und Mittlerer Osten
ca. 144
ca. 288
ca. 386
ca. 36
Malta
ca. 90
-
ca. 18
-
Gibraltar und Westafrika
ca. 18
-
ca. 16
-
INSGESAMT
1.440
828
1.264
432

Die Angaben für die US-Luftstreitkräfte basieren auf den Zahlen der US Army Air Force vom Dezember 1941.

US Army Air Force:

Kriegsschauplatz
Jagdflugzeuge
Jabos
leichte, mittlere Bomber
schwere Bomber
Östliche USA
ca. 651
-
ca. 463
ca. 86

Kräfteverteilung der Seestreitkräfte

Stärke der Royal Navy:

Kriegs- schauplatz
Schlacht- schiffe
schwere Kreuzer
leichte Kreuzer
Träger
kleine Träger, Geleit- träger
Geleiter
S-Boote
Handels- schiffe
Groß- britannien
1
ca. 41 (incl. leichte)
in schwere
1
ca. 3
ca. 67
ca. 242
?
ca. 18
?
Island, USA, Konvoi PQ-17
2
6 (incl. leichte)
in schwere
1
-
23
4
?
2
34
Naher und Mittlerer Osten
1
ca. 8 (incl. leichte)
in schwere
-
ca. 1
ca. 30
ca. 4
ca. 10
ca. 10
?
Malta
-
-
-
-
-
-
-
?
ca. 10
?
Gibraltar, Westafrika
2
ca. 4 (incl. leichte)
in schwere
2
-
ca. 10
-
?
-
?
INSG.
6 (+5 Ferner Osten + 2 Reparatur für 1 Jahr)
ca. 10 (+ 2 Ferner Osten)
ca. 41 (+5 Ferner Osten)
4
4 (+1 oder 2 Ferner Osten)
ca. 130 (+20 Ferner Osten)
ca. 250
?
ca. 40 (+15 Ferner Osten)
ca. 9.787 weltweit (ca. 19,095 Mill t) incl. Dominions, Belgien, Griechenland, Holland, Norwegen

Stärke der US Navy im Atlantik:

Kriegs- schauplatz
Schlacht- schiffe
schwere Kreuzer
leichte Kreuzer
Träger
kleine Träger, Geleit- träger
Zerstörer
Geleiter
S-Boote
U-Boote
Handels- schiffe
Östliche USA
7
3
9
1
7
76
46
-
ca. 40
ca. 3.000 (weltweit ca. 11,763 Mill t)

Die alliierte Situation in Nordafrika im Sommer 1942

abgeschossene deutsche Panzer während des Unternehmen Crusader
Von südafrikanischen Truppen abgeschossene deutsche Panzer während des Unternehmen Crusader, welches im Dezember 1941 die Belagerung von Tobruk aufhob und halb Libyen bis El Agheila wieder unter britischen Kontrolle brachte.

Die Möglichkeit eines deutsch-japanischen Zusammentreffens im Nahen Osten im Jahr 1942 schien real zu sein, wenn das japanische Vordringen und die potenzielle Bedrohung aus dem Osten auf einen deutschen Vorstoß aus dem Westen treffen würde.

Da die italienische Stellung am Indischen Ozean – am Horn von Afrika – durch die britische Eroberung dieses Gebiets im Winter 1940/41 vernichtet worden war, und die Briten auch den deutschen Versuch, eine alternative Position im Nahen Osten aufzubauen, durch den Sturz der Pro-Achsen-Regierung von al-Gaylani im Irak und die Niederlage der französischen Vichy-Truppen in Syrien im Mai und Juni 1941 verhindert hatten, konnten die Deutschen in diesen Teil der Welt nur vordringen, wenn sie aus dem verbliebenen italienischen Kolonialreich aus West-Libyen angriffen, durch die Türkei vorstießen oder den Kaukasus in Südrussland überquerten. Die beiden letztgenannten Möglichkeiten waren eng miteinander verknüpft.

Eine Zeit lang sah es so aus, als ob die erste dieser drei Möglichkeiten funktionieren könnte. Die Verlegung der deutschen 2. Luftflotte von der Ostfront ins Mittelmeer im Dezember 1941 und die Erschöpfung der britischen 8. Armee, die Rommels Afrikakorps zurückgedrängt hatte, ermöglichte es den Deutschen, eine Linie zu errichten, die den westlichen Teil Libyens im Januar 1942 halten konnte.
Unterstützt wurde Erwin Rommel dabei durch eine Reihe von Erfolgen der Achsenmächte auf See, bei denen deutsche U-Boote den britischen Flugzeugträger Ark Royal und das Schlachtschiff Barham versenkten, während italienische Kleinst-U-Boote zwei weitere Schlachtschiffe im Hafen von Alexandria schwer beschädigten und für Monate außer Gefecht setzten, und das zu einem Zeitpunkt, als weitere britische Kriegsschiffe in den Fernen Osten geschickt werden mussten, um den japanischen Angriff aufzuhalten.

Außerdem führten die ständigen Angriffe auf die von den Briten gehaltenen Insel Malta durch die deutsche Luftwaffe dazu, dass Deutsche und Italiener ihre Armee in Nordafrika fast ungehindert mit Nachschub versorgen konnten.

Beaufighter Mk IF auf Malta
Ein kampfkräftiger Verteidiger von Malta, diese Beaufighter Mk IF rollt zur Startbahn.

Gleichermaßen überraschend für Briten und auch die deutschen und italienischen Oberkommandos, schlug Rommel am 21. Januar 1942 wieder zu und überrannte schnell die britischen Vorposten. Bis zum Ende des Monats fiel Benghazi wieder an die Deutschen, aber die Offensive kam eine Woche später jedoch vorübergehend zum Stillstand, weil die Italiener sich weigerten, daran teilzunehmen.

Beide Seiten standen nun vor der Frage, wie es weitergehen sollte. Die Briten planten tatsächlich einen Gegenangriff, um die Deutschen zurückzudrängen und vielleicht die Eroberung des italienischen Nordafrikas abzuschließen. Solch eine Operation würde die gefährliche Situation für Malta entschärfen, das Mittelmeer zumindest für einen Teil der alliierten Schifffahrt öffnen und die Bedrohung Ägyptens aus Libyen ein für alle Mal beenden. Außerdem passte eine solche Operation weitgehend in das große strategische Konzept der Briten.
Zudem hatten die zivilen und militärischen Behörden in London schon seit einiger Zeit über eine Landung in Nordwest-Afrika in Zusammenarbeit mit den Amerikanern nachgedacht. Eine solche Landung würde die Wiedereröffnung der Seefahrtrouten durch das Mittelmeer ermöglichen und als Basis für einen Angriff auf Europa von Süden dienen, was im Einklang mit einer übergeordneten Strategie stand, Deutschland durch periphere Angriffe zu besiegen, um es für den endgültigen Schlag zu schwächen.

Die Katastrophen im Pazifik im Winter 1941/42 hatten Anfang 1942 zur Aufgabe solcher Projekte gezwungen, aber Churchill hoffte, sie wiederzubeleben zu können. Ein Sieg über Rommel im Frühjahr 1942 könnte den Weg dafür ebnen, aber die Wechselbeziehung zwischen dem Wüstenkrieg und einer möglichen Landung in Nordwestafrika waren tatsächlich sehr unterschiedlich.

Die Deutschen und die Italiener hatten die Wahl zwischen dem Verbleib an Ort und Stelle, einem erneuten Angriff in Libyen in Richtung Suezkanal oder einer Invasion von Malta, um das zentrale Mittelmeer für die Alliierten zu schließen und es für sich selbst zu öffnen, sodass eine große, nachhaltige Offensive in den Nahen Osten durchgeführt werden konnte.
Die erste Alternative, einfach mit minimalen Kräften die Stellung zu halten, wurde durch den Umstand ausgeschlossen, dass die Briten im Laufe der Zeit überwältigende Kräfte dort ansammeln könnten, solange die Japanische Marine und deutsche Kriegsmarine die alliierte Nachschubroute durch den Indischen Ozean nach Ägypten nicht unterbrechen konnten. Solange könnten die Alliierten ihre Kräfte dort jederzeit wieder auffüllen, auch wenn dies viel Zeit durch den langen Weg um Afrika herum in Anspruch nahm.

Der zweite und dritte mögliche Weg – Malta und ein direkter Angriff auf Ägypten – waren eng miteinander verbunden. Nachdem die Italiener es versäumt hatten, Malta gleich bei Kriegseintritt im Sommer 1940 zu erobern, hatten sie ihre beste Chance vertan. 1941 hatten sich die Deutschen für die Luftlandung auf Kreta entschieden, da diese Insel für zukünftige Operationen profitabler erschien, als Malta.
Nach den schweren Verlusten auf Kreta hatten sie aber nicht mehr genügend Ressourcen für einen weiteren Luftlandeangriff und das deutsche Oberkommando und vor allem Adolf Hitler selbst standen sehr skeptisch gegenüber der Idee eines Angriffs auf eine stark verteidigte Insel.

Illustrious nach Bombenteffern
Bei dem Angriff auf den englischen Konvoi westlich von Malta hat der Flugzeugträger Illustrious schwere Bombentreffer erhalten. Die Aufbauten an Steuerbord sind weggefegt, das Flugdeck aufgerissen, zischend verdampft das Löschwasser auf den rotglühenden Stahlplatten. Trotz der schweren Beschädigungen konnte Illustrious sechs Stunden später Malta erreichen.

Die Italiener waren allerdings zu der Auffassung gelangt, dass die Einnahme Maltas für die Fortsetzung der Operationen in Nordafrika absolut notwendig war und bereiteten sich auf einen Angriff vor. Später wurde dieser Angriff als gemeinsame deutsch-italienische Operation mit dem Codenamen ‚Herkules‘ geplant, welche ab Juli 1942 möglich sein sollte.
Die Deutschen waren jedoch nicht bereit, bis zu diesem Zeitpunkt mit einer Offensive zu warten und schlugen daher einen Kompromiss vor: Die Achsenmächte würden Ende Mai angreifen und bis zur libysch-ägyptischen Grenze vorstoßen. Anschließend würde ‚Herkules‘ durchgeführt und dann sollte die Invasion von Ägypten folgen, welche nach der Einnahme von Malta ausreichend versorgt werden und daher bis zum Suezkanal durchgeführt werden konnten.

Unternehmen Herkules, die Invasion von Malta

SM.79 Sparviero startbereit zum Angriff auf Malta
Ein italienischer Bomber Savoia-Marchetti SM.79 Sparviero (Sperber) der 2. Squadra, startbereit zum Angriff auf Malta.

Die Operation Herkules (italienisch: Operazione C3) war die von den Achsenmächten geplante, aber nie durchgeführte Invasion der strategisch wichtigen Insel Malta während des Zweiten Weltkriegs.

Strategische Bedeutung von Malta

Die Lage Maltas im zentralen Mittelmeer machte es außerordentlich wertvoll als:
– Ein britischer Marine- und Luftwaffenstützpunkt direkt zwischen Italien und Nordafrika.
– Ausgangspunkt für Angriffe auf Versorgungskonvois der Achsenmächte nach Nordafrika.
– Ein wichtiger Beobachtungsposten für den alliierten Geheimdienst und Aufklärung.

Planung und Vorbereitung

Anfang 1942 erkannten Hitler und Mussolini die Bedrohung, die Malta für ihre Mittelmeerstrategie darstellte, insbesondere im Hinblick auf die Nachschubwege für Rommels Afrikakorps. Zu den wichtigsten Aspekten gehörten:

– Geplant als gemeinsame deutsch-italienische Operation mit etwa 70.000 Mann
– Umfangreiche Luftlandekomponente mit deutschen Fallschirmjägern
– Invasionskräfte auf dem Seeweg von Sizilien aus
– Vorläufige Luftoffensive zur Neutralisierung der Verteidigungsanlagen von Malta
– Von den Italienern unter dem Codenamen „Operazione C3“ und von den Deutschen als „Unternehmen Herkules“ bezeichnet

Zugewiesene Truppen

An der Operation wären beteiligt gewesen:
– Deutsches X. Fliegerkorps und italienische Luftstreitkräfte
– Deutsche Fallschirmjägerbrigade Ramcke
– Italienische Luftlandedivisionen Folgore und La Spezia
– Italienische Marinedivision San Marco
– Zahlreiche Marineschiffe für Transport und Unterstützung

Warum es nie zustande kam:

Die Operation wurde wiederholt verschoben und schließlich aus mehreren Gründen aufgegeben:

1. Konkurrierende Prioritäten: insbesondere an der Ostfront und in Nordafrika.
2. Ressourcenbeschränkungen: insbesondere Transportflugzeuge und Marineeskorten
3. Bedenken wegen der Verluste: nach den schweren deutschen Fallschirmjägerverlusten auf Kreta.
4. Unstimmigkeiten in der Führung zwischen Hitler und dem Oberkommando
5. Verbesserte alliierte Verteidigungsanlagen auf Malta erschweren die Invasion zunehmend

Folgen des Verzichts

Die Entscheidung, nicht in Malta einzumarschieren, hatte erhebliche strategische Konsequenzen:
– Malta blieb ein Dorn im Auge der Nachschublinien der Achsenmächte nach Nordafrika.
– Die dort stationierten britischen Streitkräfte fingen weiterhin Konvois ab, die für Rommel bestimmt waren.
– Die Nachschubprobleme trugen wesentlich zur Niederlage der Achsenmächte in Nordafrika bei.

Historische Bewertung

Die meisten Militärhistoriker betrachten das Versäumnis, Malta zu neutralisieren, als einen bedeutenden strategischen Fehler der Achsenmächte. Indem sie die Operation Herkules aufgaben, ermöglichten sie es der Insel, ein effektiver Stützpunkt der Alliierten zu bleiben, der den Nordafrikafeldzug und damit den gesamten Mittelmeerraum maßgeblich beeinflusste.

Rommels Vorstoß nach Ägypten

Ende Mai 1942 waren die Briten zwar zahlenmäßig überlegen, aber ihre Führung war erschöpft und ineffektiv. Dazu war ein Großteil der britischen Ausrüstung der deutschen unterlegen, die Zusammenarbeit zwischen Land- und Luftstreitkräften ungenügend und vor allem die taktischen Dispositionen, nämlich die Aufstellung der Divisionen in eigenen Rund-um-Verteidigungsstellungen war hoffnungslos mangelhaft.

Valentine-Panzer in der Wüste
Valentine Infanteriepanzer sind über die Wüste vor der englischen Ghasala-Linie verteilt.

Zu allem Überfluss wurde die Situation für die Alliierten noch schlimmer, als die Deutschen mit italienischer Hilfe den Code des militärischen Vertreters der Vereinigten Staaten in Kairo, Oberst Bonner F. Fellers, geknackt hatten und die britischen Pläne und Dispositionen anhand seiner detaillierten und genauen Berichte nachvollziehen konnten.
Der britische Geheimdienst entschlüsselte zwar genug des deutschen Funkverkehrs, um Kairo vor dem Kommenden zu warnen, aber man glaubte ihm erst, als es zu spät war.

Am 26. Mai schlug Rommel ein paar Tage vor der britischen 8. Armee zu. Die Schlacht, die gewöhnlich als Schlacht an der Gazala-Linie bezeichnet wird, war ein erbitterter Kampf, in dem die Deutschen und Italiener die britische 8. Armee zerschlugen. Über einen Zeitraum von zwei Wochen wurden die britischen Panzereinheiten zerschlagen und ihre wichtigsten Verteidigungsstellungen eine nach der anderen eingenommen.
Mitte Juni waren die deutschen Einheiten im Begriff, Tobruk ein zweites Mal abzuschneiden und die Briten bereiteten sich auf eine zweite Belagerung vor. Aber die Erfahrung von 1941 wiederholte sich nicht. Diesmal drangen die deutschen Panzerspitzen in die Verteidigungsanlagen von Tobruk ein, erzwangen die Kapitulation von über 28.000 hauptsächlich südafrikanischen Soldaten und erbeuteten enorme Vorräte, die sie für einen Vormarsch nach und sogar innerhalb Ägypten versorgen konnten. Dieser spektakuläre deutsche Sieg und die britische Katastrophe hatten erhebliche Auswirkungen auf die Strategie der Achsenmächte und der Alliierten in diesem Feldzug.

Die Achsenmächte konnten sich zunächst nicht auf einen gemeinsamen Kurs einigen. Die Italiener waren zwar mit einem Vormarsch bis zur ägyptischen Grenze einverstanden, wollte aber dann die Malta-Operation durchführen. Rommel hingegen wollte sofort nach Ägypten hineinstoßen. Dabei hatte er die Unterstützung Hitlers, der Zweifel am Angriff auf Malta hatte und nun die Gelegenheit sah, die gesamte britische Position im Nahen Osten auszuhebeln, und dass zu einem Zeitpunkt, als die deutsche Sommeroffensive an der Ostfront seiner Meinung nach die Tür für eine Invasion über den Kaukasus von Norden her öffnen würde und dadurch eine gigantische Zangen-Operation entstünde.

Da Ägypten inzwischen vor Mussolinis Augen als wertvolle und prestigeträchtige Beute baumelte, vereinbarten Berlin und Rom die ‚Herkules‘-Operation fallenzulassen und all ihre Ressourcen – einschließlich der für die Landung auf Malta bereitgestellten Kräfte – in die Eroberung Ägyptens zu stecken.

Öffentlich versprachen sie, die Unabhängigkeit Ägyptens zu respektieren, während sie insgeheim planten, dass das Land von Italien kontrolliert werden sollte. In diesem Land, wie in anderen Teilen des Nahen Ostens, fanden sie zahlreiche Menschen, die an die Versprechungen der Achsenmächte glaubten und die Realitäten von deren Imperialismus ignorierten.

So verließ sich das deutsche und italienische Oberkommando auf weitere Luftangriffe, um die Rolle Maltas bei der Beeinträchtigung des eigenen Nachschubs einzudämmen, und Kreta als alternative Basis für den Transport von Nachschub und Verstärkungen in das eroberte Tobruk und Benghazi zu verwenden.
So stürmten die Achsenmächte nach Ägypten hinein und kamen bis Ende Juni bis auf knapp 100 Kilometer an Alexandria heran, nur zehn Tage nach der Einnahme von Tobruk. Alles schien sich für sie zum Guten zu wenden, und der Kontakt mit Japan war nun ein realistisches Ziel.

Britische 4,5-inch Haubitze feuert
Britische 4,5-inch Haubitze feuert während der ‚Ersten Schlacht von El Alamein‘.

Die unmittelbaren Folgen für die Alliierten waren düster, die langfristigen von vielleicht noch größerer Bedeutung. Die offensichtliche Notwendigkeit bestand darin, den deutschen Vormarsch aufzuhalten. In verzweifelten Kämpfen hielt die britische 8. Armee den Vorstoß der Achsenmächte in der Stellung von El Alamein auf, die wegen ihrer Kürze eine Umgehung praktisch unmöglich machten, da die unpassierbare Qattara-Senke im Süden ein sicherer Flankenschutz war.

'Auk' auf der Straße nach Alexandria
Der ‚Auk‘ auf der Straße nach Alexandria während der ‚Ersten Schlacht von El Alamein‘. Trotz seines hervorragenden Abwehrsieges gegen Rommel wurde er von Churchill aus seinem Amt entfernt. Das Hauptproblem von Auchinleck ist, dass es sich nicht gut verkaufen kann und sich weigert, eine Gegenoffensive bis Mitte September durchzuführen, so wie es Churchill unrealistisch von ihm fordert. Bescheidenheit ist oft ein nicht allzu hoch angesehener Charakterzug in der Politik.
Feldmarschall Sir Claude Auchinleck übernahm persönlich das Kommando in der Schlacht und konnte den Vormarsch der deutsch-italienischen Truppen zum Stehen bringen, aber sie nicht aus ihren vorgeschobenen Stellungen verdrängen.

Die Juli-Kämpfe endeten mit einem Patt an der El Alamein-Linie, und beide Seiten hofften, wieder in die Offensive gehen zu können: die Deutschen, um bis zum Suezkanal vorzudringen, während die Briten ihre Offensive mit der geplanten Landung in Nordwestafrika, dem Unternehmen Torch, koordinierten.

Da sowohl Churchill als auch Brooke vor Ort waren, wurde nun das gesamte britische Kommando ausgewechselt. Auchinleck wurde durch Alexander ersetzt, während General William Henry E. Gott das Kommando über die 8. Armee übernehmen sollte. Dieser wurde jedoch zuvor getötet, sodass schließlich Montgomery das Kommando erhielt.


Quellenangaben und Literatur

The Armed Forces of World War II (Andrew Mollo)
World War II – A Statistical Survey (John Ellis)
Der Grosse Atlas zum II. Weltkrieg (Peter Young)
The Desert War (Andrew Kershaw, Ian Close)
The Unknown Alamein – Crucial Battles of World War 2 (Charles Messenger)
Krieg der Panzer (Piekalkiewicz)
Luftkrieg (Piekalkiewicz)
Flotten des 2. Weltkrieges (Antony Preston)
A World at Arms – A Global History of World War II (Gerhard L. Weinberg)

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