Die japanische Armee war ein Spiegelbild der japanischen Gesellschaft vor 1945. Dieses enthielt eine eigentümliche Mischung aus mittelalterlichen Traditionen und modernen Ansichten. Für die Armee bedeutete dies, daß sie immer noch dem Bushido-Code folgte, welcher die Tugenden des Kampfes Mann gegen Mann im Maschinenzeitalter lehrte und von japanischen Soldaten erwartete, daß sie eher sterben sollten als sich zu ergeben.
Der politische Einfluß der Armee hatte sich im wesentlichen zwischen den beiden Weltkriegen vergrößert. Die Armee sah die Zukunft von Japan in China. Japan sollte sich die immensen Resourcen des asiatischen Festlandes durch die Schaffung eines kontinentales Reiches sichern. Die Armee betrachtete von daher Russland als den gefährlichsten Feind Japans - eine Macht, welche traditionell starke Interessen in Nord-China hatte.
Die Marine jedoch sah den Pazifischen Ozean, vor allem jedoch das reiche Malaya und Niederländisch-Ostindien, als Beute an, mit dessen Ressourcen das Bestehen Japans als Großmacht gesichert werden könnte. Die Marine sah daher die weltweit stärksten Seemächte, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, als die größten Todfeinde Japans.
Es war also kein Zufall, daß diese nicht vereinbaren Ansichten der zwei Teilstreitkräfte die japanische Strategie entweder ausschließlich zugunsten der Armee oder der Marine entscheiden würden. Bis 1941 hatte der Weg der Armee größtenteils Japans Strategie bestimmt.
Japan besetzte 1931 die Manschurei und 1934 die Provinz Jehol. Drei Jahre später befand sich die Armee in einem niemals erklärten, umfassenden Krieg gegen China. Die Japaner zielten darauf ab, die chinesische Armee im Felde zu vernichten und das Land schnell in die Knie zu zwingen, um die gewaltige Aufgabe zu vermeiden, die enormen Flächen Chinas erobern und besetzen zu müssen. Jedoch scheiterten die japanischen Generale an dieser Aufgabe. Die chinesische Armee war standfester als angenommen und blieb intakt, sodaß Japan ständig gezwungen war, starke Kräfte auf dem chinesischen Festland einzusetzen - ein Faktor der für seine Strategie im 2. Weltkrieg hemmend war.
Die Friedensstärke der japanischen Armee belief sich auf 17 Divisionen.
Bis 1940 hatte die Armee 2 Divisionen in Japan und Korea, 12 in der Mandschurei und 27 in China (insgesamt 41 Divisionen).
Selbst noch im Jahr 1943 waren in China 25 Infanterie-Divisionen, 1 Panzer-Division, 11 geschmischte Brigaden, 1 Kavallerie-Brigade und 1 Luftlande-Division gebunden - Streitkräfte von 620.000 Mann mit 14.000 Fahrzeugen. Diese Streitkräfte wurden als Kwangtung-Armee bezeichnet und mußten während des Pazifik-Krieges ständig Verstärkungen dafür abstellen, sodaß sie bis 1945 unterbesetzt und zu schwach waren, um eine wirkliche Bedrohung darzustellen.
Die tatsächliche Armee der Mandschurei hatte im Jahre 1939 zusätzlich eine Stärke von etwa 75.000 Mann in Infanterie- und Kavallerie-Einheiten.
Grundsätzliche japanische Kampfverbände:
|
Infanterie Division |
Panzer Division |
Amphibische Brigade (Armee) |
Marine-Landungs-verband |
| Verbände insgesamt |
40 |
1 |
? |
? |
| Infanterie Regimenter |
3
(ca. je 2.500 Offiziere und Mannschaften) |
1 Brigade
(3.800 Offiziere und Mannschaften) |
3 Batallione mit 3.200 Offizieren und Mannschaften |
2.000 Offiziere und Mannschaften |
| Kavallerie Regimenter |
1
(950 Offiziere und Mannschaften) |
- |
- |
- |
| Gesamtstärke |
? |
10.500 |
4.000 |
ca. 3.500 |
| Maschinengewehre |
120
(nur in den MG-Kompanien) |
? |
? |
? |
| Haubitzen und Feldgeschütze |
66
(48 x 75mm, 18 x 70mm + unabhängige Artillerie-Kompanien zugeteilt)
|
12
(8 x 105mm, 4 x 155mm) |
? |
8
(4 x 3inch, 2 x 75mm, 2 x 70mm) |
| Panzerabwehrkanonen |
18
(37mm) |
18
(47mm) |
? |
? |
| Flugabwehrkanonen |
? |
20
(4 x 75mm, 16 x 20mm) |
? |
? |
| Panzer |
10-17
(leichte Tanketten) |
270 |
- |
- |
| Fahrzeuge |
ca. 300 |
1.580 |
- |
- |

Schwer beladene japanische Soldaten beim Überqueren einer Pontoon-Brücke in China. Sie tragen M98 Felddienst-Uniformen und 6,5mm Ariska-Gewehre. Die enormen Entfernungen, welche die Kriegsführung in China erforderte, waren nur schwer zu bewältigen, insbesondere für eine so unmechanisierte Armee wie die Japans. Nachschub und Logistik waren ein ständiges Problem.
Heeres-Luftwaffe:
Es gab keine unabhängige japanische Luftwaffe. Die Armee und die Marine hatten jeweils ihre eigenen Flieger-Verbände. Beide wurden nominell durch den Kaiser kommandiert. Die tatsächliche Kontrolle wurde jedoch dem Generalstab, den Ministerien der Armee und Marine und dem Generalinspekteur der Luftfahrt übertragen.
Die Aufgabe der Heeres-Luftwaffe war die Unterstützung der Armee und das Abfangen feindlicher Luftangriffe. Es wurde nicht erwartet, daß sie eigenständige strategische Angriffe flog, wie es zum Beispiel bei der englischen RAF der Fall war.
Die Luftwaffe der Armee war relativ klein bei Beginn des Zweiten Weltkrieges und Japans hervorragend ausgebildete Piloten waren bald gefallen. Dem Ersatz fehlten die fliegerischen Fähigkeiten es mit der wachsenden technischen und zahlenmäßigen Überlegenheit der Amerikaner aufzunehmen. Zum Teil als Reaktion auf diese Mängel wurden Kamikaze-Einsätze eingeführt. Ein Kamikaze-Flugzeug war eigentlich nicht mehr als eine fliegende Bombe, in dem ein Pilot saß, der das Flugzeug auf sein Ziel stürzte. Zuerst verwendet während der Schlacht im Leyte Golf, verursachten diese Flugzeuge zu Beginn einige Bestürzung bei den US-Streitkräften, aber ihre Wirkung war insgesamt zu gering, um den endgültigen Ausgang des Konfliktes zu beeinflußen.
Die Luftwaffe der Armee war in fünf Luftarmeen organisiert, mit eindeutig festgelegten Operationszonen. Die Koordination zwischen der Armee und der Luftwaffe wurde erreicht, indem die Luftstreitkräfte in jedem Operationsgebiet immer dem jeweiligen Oberbefehlshaber dieses Bereiches unterstellt wurden.
Die größte taktische Einheit war die Luft-Division, zwei oder mehr davon bildeten eine Luft-Armee. Darunter war die Luft-Brigade, wobei zwei Brigaden eine Luft-Division bildeten. Die Zusammensetzung der Brigade war unterschiedlich. Ihr Hauptquartier war klein und befaßte sich vor allem mit der taktischen Planung. Die Brigade bestand in der Regel aus drei oder vier Luft-Regimenter, wobei jedes Regiment mit der gleichen Kategorie von Flugzeugen (Jäger, leichte oder mittlere Bomber) ausgestattet war und in drei oder vier Kompanien unterteilt war. Die Kompanie war die wichtigste operative Einheit und bestand in der Regel aus neun Flugzeugen, unterteilt in drei Abteilungen zu jeweils drei Flugzeugen.
Die Gesamtstärke der japanischen Luftstreitkräfte der Armee im Jahre 1940 bestanden aus 36 Jäger- (324 Flugzeuge), 28 leichten (252 Flugzeuge) und 22 mittleren Bomber- (198 Flugzeuge) sowie 29 Aufklärungs-Kompanien (261 Flugzeuge) mit 33.000 Offizieren und Mannschaften.
Marine-Luftwaffe:
Abgesehen von 370 Trainings- und Reservemaschinen, hatte die japanische Marine-Luftwaffe etwa 1.400 Flugzeuge. Es gab 660 Jäger, 330 bordgestützte Bomber, 240 zweimotorige, landgestützte Torpdeoflugzeuge für den abgestimmten Einsatz mit der Flotte, und 520 Flugboote und Wasserflugzeuge.
Alle diese Flugzeuge waren in der Kombinierten Flotte in Kanoya zusammengefaßt. Sie wurden unterteilt in die 1.Luftflotte (zum Einsatz von den Flugzeugträgern) und der 11.Luftflotte unter Vize-Admiral Nishizo Tsukuhura auf Landflugplätzen in Formosa und Indo-China. Diese Luftflotten wurden desweiteren unterteilt in Flotillien (jede von einem Vize-Admiral kommandiert), welche wiederrum aus zwei oder mehr Luft-Gruppen bestanden. Jede Gruppe hatte 12 bis 36 Flugzeuge und 4 bis 12 weitere in Reserve, je nach Größe. Die Kampfformation war die Luft-Division aus neun Flugzeugen.

Zwei Mitsubishi A5M Claude über China. Dieses Jagdflugzeug veränderte das Kräfteverhältnis im Luftkrieg über China zugunsten Japans und erlangte vollständige Luftüberlegenheit.
Japanische Marine:
Der japanische Ministerpräsident hatte den Vorsitz über das kaiserliche Hauptquartier (GHQ), welches in zwei Bereiche aufgeteilt war: das Heer und die Marine. Führende Positionen im kaiserlichen Hauptquartier hatten der Marine-Minister und der Chef des Marine-Generalstabes, Admiral Osami Nagano. Andere Offiziere und Abteilungen behandelten die Verantwortlichkeiten von Stab und Ministerien.
Die Ausführung der Befehle des kaiserlichen Hauptquartieres an die Marine oblag dem Oberbefehlshaber aller Kriegsschiffe. Dieser war Admiral Isoroku Yamamoto, und nach dessen Tod im April 1943 wurde sein Nachfolger Admiral Mineichi Koga, dann ab März 1944 Admiral Soemu Toyoda und zuletzt ab Mai 1945 Admiral Jisaburo Ozawa.
Neben der Verantwortung für die Umsetzung der strategischen Aufgaben wurde auch von ihnen erwartet, daß sie den taktischen Oberbefehl über die wichtigsten Operationen selbst übernahmen. Admiral Yamamoto hatte sein Flagge auf dem Schlachtschiff Nagato bis das Superschlachtschiff Yamato am 16. Dezember 1941 in Dienst gestellt werden konnte. Es gab eine starke Beschränkung für Funksprüche, wenn sich die Flotte auf See befand und in diesen kritischen Momenten war der Oberbefehlshaber oft nicht über den augenblicklichen Stand der Lage informiert.
Von Mai bis September 1944 war der Kreuzer Oyodo das Flaggschiff des Oberbefehlshabers. Das Schiffe sollte ein spezieller Kommando-Kreuzer für kombinierte Operationen von See-, Luft und U-Boot-Streitkräften sein und obwohl es ständig zuerst in Tokio und dann in der Bucht von Hiroshima ankerte, erwiesen sich seine Kommunikations-Einrichtungen als unzureichend. Das Hauptquartier des Oberbefehlshabers der Kombinierten Flotte wurde schließlich in der Keio-Universität im Vorort Hiyodashi von Tokio verlegt.
Wie der Name schon sagt, war die Kombinierte Flotte (Rengo Kantai) die gesamte Flotte. Alle anderen Einheiten, unabhängig von Auftrag und Zusammensetzung, wurden als Tai oder Butai bezeichnet, was als Korps oder Kampfgruppe übersetzt werden könnte. Andere Marinestäbe bezeichneten sie als Flotten, Geschwader oder Divisionen zum Zwecke der Beschreibung.
Es war für Gruppen kleiner Kriegsschiffe üblich, daß sie von einem größeren Schiff angeführt wurden. So wurden vier Zerstörer zu einer Division, vier Divisionen zu einem Zerstörergeschwader mit einem Kreuzer als Flaggschiff. Eine ähnliiche Organisation gab es auch für U-Boote.
Für administrative Zwecke wurde die Kombinierte Flotte in kleinere Flotten nach Funktion unterteilt.
| Schiffe der Kombinierten Flotte |
Anzahl |
Schiffsklassen |
im Bau |
| Schlachtschiffe |
10 |
4 Kongo, 2 Fuso, 2 Ise, 2 Nagato |
|
| Flugzeugträger |
6 |
1 Hosho, 1 Akagi, 1 Kaga, 1 Ryujo, 2 Hiryu |
10 |
| Schwere Kreuzer |
16 |
2 Furutaka, 2 Aoba, 4 Myoko, 4 Takao, 4 Mogami |
2 |
| Leichte Kreuzer |
17 |
2 Tenryu, 1 Yubari, 5 Kuma, 3 Jintsu, 6 Natori |
9
(nur 8 fertig) |
| Zerstörer |
99 |
3 Momi, 13 Minekaze, 7 Wakatake, 4 Kamikaze, 12 Mutsuki, 20 Fubuki, 4 Akatsuki, 6 Hatsuhara, 10 Shiratsuyu, 10 Asashio |
62 |
| U-Boote |
63 |
|
? |

Die Kirishima war eines von vier im Ersten Weltkrieg gebauten Schlachtkreuzern. Sie wurden zwischen 1933 und 1940 alle zu schnellen Schlachtschiffen umgebaut. Ihre Bewaffnung bestand aus acht 36,6-cm-Geschützen, die Geschwindigkeit lag bei 30 Knoten.
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