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Russische Truppen in der Wehrmacht
Stärke und Organisation der Freiwilligen aus Russland, den baltischen Staaten und der Russischen Befreiungsarmee ROA |
Russische Truppen in der Wehrmacht
Schon bald nach Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion kamen aus den Lagern, wo jeweils viele Tausende russischer Kriegsgefangener unter schwierigsten Bedingungen zusammenlebten, Gesuche von einzelnen und Gruppen zur Übernahme in den Hilfsdienst der Wehrmacht oder zum Einsatz mit der Waffe an der Front. Bei den Kriegsdienstwilligen handelte es sich meist um Angehörige von Volksgruppen der Sowjetunion, die der bolschewistischen Weltanschauung aus politischen oder religiösen Gründen ablehnend gegenüberstanden oder die aus historisch oder völkisch motiviertem Freiheitsbewußtsein mit Hilfe Deutschlands ihr Volk und Land aus der straffen Zentralgewalt Moskaus zu lösen hofften.
Bild: Russische Kosaken im Dienst der Wehrmacht.
Hitler und der größte Teil der nationalsozialistischen Führungsgremien standen diesen Bestrebungen ablehnend und feindlich gegenüber. Sie sahen in den eroberten, weiten und fruchtbaren Gebieten ein Beuteland, das nicht nur die deutsche Raumnot für alle Zukunft beseitigen, sondern als Siedlungsgebiet für Millionen von Einwanderern aus den germanischen Ländern des europäischen Westens und Nordens dienen sollte.
Diesen Zukunftsplänen konnte jede Unterstützung von nationalen Bestrebungen und Freiheitsidealen in dem besetzten Ostgebiet nur schaden. Erst sehr viel später, unter dem Druck der russischen Offensiven seit 1944, hat Hitler seinen Widerstand gegen die Bildung von russischen Bataillonen innerhalb der deutschen Wehrmacht aufgegeben.
Entgegen dieser Grundhaltung des Führers und Obersten Befehlshabers hat die Wehrmacht, besonders das Heer, im rückwärtigen Heeresgebiet die Übernahme von Hilfswilligen (Hiwis) als Arbeitskräfte geduldet. Hohe Offiziere, wie die Generale Gehlen und von Tresckow, Oberstleutnant Graf von Stauffenberg, die Obersten Herre, von Roenne und andere, befürworteten ausdrücklich die Aufstellung von bewaffneten Einheiten aus einheimischen Freiwilligen, die wegen ihrer Landes- und Sprachkenntnisse besonders im Partisaneneinsatz verwendet werden sollten.
Unter der Protektion dieser deutschen Offiziere begannen der 1942 gefangengenommene General Andrej Wlassow und der Oberst Wladimir Bojarskij mit einer großangelegten Werbungsaktion für die Aufstellung einer nationalrussischen Armee. Der überraschende Erfolg weckte die Gegnerschaft der NS-Funktionäre, die bei Hitler ein Verbot jeder weiteren Tätigkeit Wlassows erwirkten. Der General wurde in 'Ehrenhaft' nach Berlin gebracht.
Trotz aller Widerstände wurden russische Freiwilligenverbände weiter an der Front eingesetzt und lobend im Wehrmachtsbericht erwähnt. Unter ihnen waren Großrussen, Weißruthenen, Esten, Litauer, Ukrainer, Bessarabier und Tataren. Mit hervorragender Tapferkeit kämpften die Kosaken vom Terek, vom Kuban und vom Don, die bereits unter dem Zaren als Elitesoldaten galten. Sie hatten eine alte Rechnung mit dem Bolschewismus zu begleichen, der ihnen alle Sonderrechte genommen hatte. Die verwegenen Reiter wurden besonders im Späh- und Aufklärungsdienst und zur Partisanenbekämpfung verwendet.
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Russische Freiwilligen-Verbände
Die steigenden Verluste der Wehrmacht an der Ostfront, zusammen mit der zunehmenden Partisanentätigkeit hinter der Front, führte zwangsläufig zu einem Prozess, der mit einer zunehmenden Einbindung einer großen Anzahl der russischen Kriegsgefangenen in die deutschen Kriegsanstrengungen führte.
Ausgewählten ehemalige Soldaten der Roten Armee wurden in deutsche Uniformen ohne Rangabzeichen gesteckt und sie wurden oft in den offiziellen Stärkenachweisen der Truppe eingerechnet. Diese 'Frans' oder 'Hiwis' (Ablkürzung für Hilfswillige) ermöglichten es den deutschen Einheiten, mehr deutsche Soldaten als Kampftruppen zu verwenden und den Hiwis die Durchführung der Nachschubstransporte, Bauarbeiten und andere, nicht mit direkten Kampfhandlungen verbundene Aufgaben, zu überlassen.
Bild: Eine Patrouille einer Kosaken-Einheit der Wehrmacht reitet eine Attacke.
Es wird geschätzt, daß insgesamt etwa 1,5 Millionen Russen in der Wehrmacht Dienst taten. Mitte 1944 gab es etwa 160 Bataillone mit rund 300.000 russischen Kämpfern.
Der nächsten Schritt war dann, den Hiwis eine zunehmend aktivere Rolle als Übersetzer, Späher, Wachen und schließlich als Frontkämpfer zu übertragen. Zum gleichen Zeitpunkt begannen Befehlshaber hinter der Front ganze Einheiten aus gefangengenommen ehemaligen Rotarmisten in Bataillonsstärke zu rekrutieren, welche als Sicherungstruppen hinter der deutschen Front und insbesondere zum Schutz der wichtigen Eisenbahnlinien gegen sowjetische Partisanen eingesetzt wurden. Zu Beginn trugen diese Männer ihre alten russischen Uniformen, von denen die sowjetischen Erkennenugszeichen entfernt worden waren und sie erhielten eine Armbinde mit der Aufschrift 'Im Dienste der deutschen Wehrmacht'. Ab August 1942 erhielten sie dann deutsche Uniformen, welche besondere Abzeichen enthielten.
Im Juli 1942 wurde der Stab und das Rahmenpersonal der aufgelösten deutschen 162. Infanterie-Division im besetzten Polen dazu verwendet, sechs neu aufgestellte Freiwilligen-Legions-Bataillone aus Armenien, Aserbeidschan, Georgien, Nord-Kaukasus, Wolga-Tartaren und Turkestan auszubilden. Insgesamt wurden 98 Legions-Bataillone aus Ostvölkern aufgestellt, davon 82 durch die deutsche 162. Infanterie-Division. Von diesen wurden zwischen 1942 und 1945 79 an der Ostfront oder auf dem Balkan eingesetzt, 12 gingen 1943 und 1944 nach Italien und Frankreich.
Am 4. August 1943 wurde dann die 1. Kosaken-Division aus sechs Kavallerie-Regimentern (1. und 5. Don-Kosaken, 2. Sibirische Kosaken, 3. und 4. Kuban-Kosaken und 6. Terek-Kosaken) mit unterstützenden Divisionseinheiten aufgestellt. Sie wurde ab Oktober 1943 in Kroatien eingesetzt und im November 1944 der Waffen-SS eingegliedert, welche die Division in die 1. und 2. Division aufteilte, welche zusammen das XV. Kosaken-Kavallerie-Korps bildeten.
Neun unbahängige Kosaken-Infanterie-Bataillone und 19 unabhängige Kosaken-Kavallerie-Bataillone kämpften an der Ostfront bei deutschen Divisionen. |
Russische Befreiungsarmee (ROA)
Im Januar 1943 wurden die Ostbataillone der deutschen Divisionen der Russischen Befreiungsarmee (Russkaya Osvoboditel'naya Armiya) oder kurz ROA unterstellt, welche unter dem Kommando des ehemals sowjetischen General Wlassow stand. Er hatte gehofft, alle russischen Freiwilligen-Einheiten in der Wehrmacht in eine eigene Armee überführen zu können, um die Sowjetunion von der kommunistischen Herrschaft befreien zu können und ein neues Rußland zu schaffen.
Jedoch blieben die Bataillone, verteilt auf einzelne deutsche Divisionen, weiterhin unter der deutschen Befehlsgewalt. Zu diesem Zeitpunkt gab es noch starke Widerstände von Himmlers SS und rassistischen Nazi-Bonzen. Von den insgesamt 71 Bataillonen der ROA an der Ostfront wurden seit Oktober 1943, 42 Bataillone von aufgeriebenen deutschen Divisionen nach Belgien, Dänemark, Frankreich und Italien verlegt.
Bild: General Wlassow besichtigt Verbände der russischen Befreiungsarmee. Von Himmler als 'Metzgergesell' und 'gefährlicher Bolschewist' zunächt abgelehnt, wurden Wlassow und sein Plan, Rußland mit Russen zu erobern, erst ernstgenommen, als es bereits zu spät war.
Erst mit dem Zusammenbruch der Fronten in Rußland und nachdem man billige Zugeständnisse auf sowieso schon verlorenes russisches Territorium machen konnte, glaubte man die ROA am 14. November 1944 durch die Umbenennung in 'Bewaffnete Streitkräfte des Komitees zur Befreiung des russischen Volkes' (VS-KONR) als Streitmacht nötig zu haben. Trotzdem wurde der Begriff ROA bis zum Kriegsende zumeist weiterverwendet.
50.000 russische Freiwillige wurden für die ersten drei Divisionen rekrutiert. Die russische 1. Infanterie-Divisionen (als 600. Infanterie-Division der Wehrmacht) wurde am 1. Dezember 1944 aufgestellt und kämpfte an der Oder-Front ab April 1945. Die russische 2. Infanterie-Division (als 650. Infanterie-Division der Wehrmacht) sowie die russische 3. Infanterie-Division (als 599. Infanterie-Division der Wehrmacht) konnten nicht mehr vollständig aufgestellt, ausgebildet und eingesetzt werden.
Bild: Truppen der russischen 1. Infanterie-Division der ROA bei einer Parade im Ausbildungslager Münsingen in Südwest-Deutschland am 10. Februar 1945. Die drei Offiziere im Vordergrund tragen veraltete 9mm MP34/1 Bergmann MPi's, während die Mannschaften mit Karabiner 98k und der Panzerfaust 60 ausgerüstet sind.
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Freiwillige aus den Baltischen Staaten
Am 22. Juni 1941 lößte sich das 29. Korps der Roten Armee (Baltischer Spezial-Militärdistrikt) auf, welches aus zwei Divisionen (179. und 184. (?) Schützen-Division) der ehemals litauischen Armee bestand. Beide Divisionen meuterten, töteten die meisten ihrer russischen Offiziere und Kommissare und erklärten sich selbst zur litauischen Befreiungsarmee. Das Loch, welches sie in der sowjetischen Frontlinie zurückließen, nutzte ein deutsches Panzerkorps zum Vorstoß auf Kaunas, welches bereits von 6.000 litauischen Soldaten des ehemaligen 29. Korps besetzt gehalten wurde. Die deutschen Truppen entwaffneten die litauischen Soldaten und setzten sie nach und nach als Sondereinmsatzgruppen, Polizeieinheiten und Wachmannschaften ein. Es wird auch angenommen, daß zwei lettische und vermutlich eine estnische Division der Roten Armee sich ebenfalls auflösten.
[Diese Informationen stammen von einem Webseiten-Besucher aus Litauen - Bestätigungen zu diesen Angaben wären hilfreich.]
Die Bevölkerung von Estland, Lettland und Litauen wurde von der deutschen Verwaltung auf verschiedene Weise eingebunden. Eine große Anzahl von Esten wurde zum Beispiel von der deutschen 18. Armee angeworben, um die rückwärtigen Verbindungen zu schützen. Später versuchte man es sogar mit einer regulären Wehrpflicht, welcher aber geringe Erfolge beschieden waren.
Am 1. Januar 1943 wurden die erstnischen Truppen in die estnische 657. Kompanie und die estnischen Bataillone 658-660 neu formiert. Am 24. April 1944 wurden diese Einheiten der Waffen-SS zugeordnet.
Ab Februar 1944 wurden sechs estnische Grenzschutz-Regimenter (Nr. 1-6) aufgestellt, um Estland gegen die vorrückende Rote Armee verteidigen zu helfen. Nach Verlust der letzten Gebiete dort, wurden diese Regimenter im September 1944 aufgelöst.
Der erste Beitrag der Litauer zu den deutschen Kriegsanstrengungen war die Aufstellung von Bau-Kompanien im April 1943, welche der deutschen Armee unterstanden. Zwanzig Bataillone mit zusammen 12.000 Litauern dienten bei der deutschen Polizei als sogenannte Schutzmannschaften.
Bild: Bewährte Freiwillige aus den baltischen Staaten werden ausgezeichnet.
Im September 1943 begann die deutsche Luftwaffe mit der Aufstellung lettischer Verbände, welche im August 1944 zur lettischen Luftwaffen-Legion zusammengelegt wurden. Diese Legion bestand aus drei Staffeln Nachtschlachtflugzeuge (ausgerüstet mit erbeuteten russischen Polikarpow Po-2), einer Flugschule, einem Flak-Bataillon und verschiedener Hilfseinheiten. Die Gesamtstärke belief sich auf 628 Mann.
Im August 1944 wurden 5.500 lettische Wehrpflichtige, welche als ungeeignet für den Fronteinsatz empfunden wurden, zur Luftwaffe als Luftwaffen-Kampfhelfer überstellt. Sie wurden nach Deutschland transportiert und verschiedenen Luftwaffen-Einheiten zugeteilt. Im gleichen Monat wurde der lettischen Jugendorganisation befohlen, alle Jugendlichen des Jahrgangs 1928 aufzurufen, wovon schließlich 4.000 Jungen und 1.000 Mädchen als weitere Luftwaffen-Kampfhelfer eingezogen wurden. |
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